Noch jemand aus Trumps engstem Kreis arbeitet für ein Pro-Putin-Regime: diesmal die Tochter seiner Stabschefin, mit dem Gewehr in der Hand

VonTEAM KAIZEN BLOG

9. Oktober 2026

Wie bereits am 7. Oktober berichtet, geht diese Geschichte nun weiter. Schon wieder führt eine Spur aus der Nähe des Weißen Hauses zu einem moskaunahen Regime auf dem Balkan. Katie Wiles, Tochter von Trumps Stabschefin Susie Wiles, arbeitet für eine Lobbyfirma, die für 35.000 Dollar im Monat die Republika Srpska vertritt, ein selbstverwaltetes Gebiet in Bosnien und Herzegowina. Im August war sie zuletzt dort.

Ein Bild, verbreitet von der konservativen Aktivistin Evi Kokalari, zeigt die jüngere Wiles mit einem Gewehr, daneben einen Mann, der als Željko Budimir benannt wurde, der Innenminister der Republika Srpska. In ihrer eigenen Online-Story trug das Foto die Zeile „mostly work + some serious fun!“. Eine junge Frau posiert mit der Waffe neben einem Minister und beschriftet es wie einen Urlaubsschnappschuss. Zwischen Arbeit und Vergnügen zieht hier niemand mehr eine Grenze, und darin steckt die Nachricht. Was früher ein Skandal gewesen wäre, wandert heute als beiläufiges Bild durchs Netz.

Continental Strategy, ihr Arbeitgeber, bestätigte die Reise im August, erklärte aber, sie habe die US-Regierung nicht im Auftrag der Provinz beeinflusst. Das müsste sie auch nicht. Ihre Mutter führt das Büro des Präsidenten. Am Donnerstagnachmittag war Wiles‘ Seite auf dem Internetauftritt der Firma nicht mehr erreichbar. Das stille Löschen redet deutlicher als die Erklärung.

Das Gewicht der Sache liegt beim Amt der Mutter. Eine Stabschefin entscheidet, wer zum Präsidenten vordringt und wer nicht. Wenn aus demselben Haushalt jemand Geld von einer Regierung bezieht, die genau diesen Zugang sucht, verläuft die Brandmauer zwischen privatem Verdienst und öffentlichem Amt mitten durch eine Familie. Brandmauern, die durch Familien laufen, halten selten. Was die Firma als Auftrag verbucht, ist für das Regime eine Investition in die richtige Adresse.

Katie Wiles, Susie Wiles

Die Sache trifft die Regierung in einer heiklen Woche. Chris LaCivita und James Blair, enge Berater Trumps, waren mitten im Wahlkampf auf den Balkan gereist, um dort eine nationalistisch geführte Regierung zu beraten. Beide sollen dafür jeweils mehrere Hunderttausend Dollar erhalten haben. Beide Männer sind mit Susie Wiles verbunden, und selbst die in Washington „die Eiskalte“ genannte Stabschefin habe sie, heißt es, nicht vor dem Zorn des Weißen Hauses schützen können. Trump ging auf Abstand und nannte Blair und LaCivita „außenstehende Berater“. Das eigene Kind der Stabschefin lässt sich schwerer zum Außenstehenden erklären. Einen Berater kann man entlassen, eine Tochter nicht.

James Blair, Chris LaCivita

Jedes Mal klingt die Antwort des Weißen Hauses gleich, man habe mit diesen Leuten nichts zu tun, sie handelten von außen und auf eigene Rechnung. Nur kommen die Außenstehenden mit verdächtiger Regelmäßigkeit aus dem innersten Ring. Und die Zeitpunkte sagen das Ihre, denn während daheim die Zwischenwahlen näher rücken, nehmen sich die Leute des Präsidenten Zeit, einer Moskau nahen Regierung bei deren Abstimmung zu helfen. Fremde Mächte mieten ihren Einfluss heute, und sie mieten die Richtigen.

Ein Regime sucht den Weg zur Macht selten durch die Vordertür. Er geht über Familien und alte Loyalitäten, diesmal über eine Tochter, die zufällig für seine Sache arbeitet und zufällig die richtige Mutter hat. 3 Namen in wenigen Wochen, und alle enden an derselben Tür. Wenn jene, die das Büro eines Präsidenten führen, an einem Statthalter Moskaus mitverdienen, ist die Frage längst nicht mehr, ob der Kreml Washington erreicht hat. Sie lautet, wie bequem er dort schon sitzt.

Während Trump um den Kongress kämpft, verdienen seine Berater Hunderttausende bei Putins Freunden auf dem Balkan

Der frühere Präsident der Republika Srpska Milorad Dodik, Chef der SNSD und weiterhin mächtigster Politiker der Republika Srpska, mit einer Trump-MAGA-Kappe in Banja Luka

Donald Trump reist durch die USA und versucht, den Republikanern bei den Zwischenwahlen den Kongress zu retten. Zwei Männer aus seiner engsten politischen Mannschaft waren währenddessen auf dem Balkan. James Blair und Chris LaCivita, die für Trumps politische Organisation eine millionenschwere Werbekampagne für die Kongresswahlen führen, berieten vor der Wahl am Sonntag die Regierung der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina. Beide sollen dafür jeweils Hunderttausende Dollar erhalten haben, bezahlt über eine Kanzlei in Washington. Offiziell arbeiteten sie für die Regierung, nicht für die nationalistische Partei von Milorad Dodik. Praktisch lässt sich diese Trennung dort nur schwer ziehen: Dodiks Partei kontrolliert die Regierung seit Jahren und hat die Republika Srpska eng an Moskau herangeführt.

Dodik dankte nach dem deutlichen Wahlsieg am Sonntag Wladimir Putin für dessen Unterstützung und erklärte zugleich, Trumps Sieg 2024 habe ihm ein günstigeres politisches Umfeld geschaffen. Seine Leute werben seit Langem mit christlich-konservativer Politik, stellen sich gegen einen Beitritt zur Europäischen Union und pflegen Kontakte in Trumps Umfeld. Vor der Wahl hatten sie außerdem vor neuen Wahlmaschinen gewarnt, ähnlich jenen Geräten, denen Trump und seine Verbündeten bis heute fälschlich eine Rolle bei seiner Niederlage 2020 zuschreiben. Es gab am Sonntag Verzögerungen und technische Probleme, Dodiks Partei gewann trotzdem klar. Blair und LaCivita kehrten am Montag in die USA zurück. Während ihrer Reise hätten sie weiter an Trumps Zwischenwahlkampf gearbeitet, teilte MAGA Inc. mit. Blair führt das politische Aktionskomitee, das Ende August über 415 Millionen Dollar verfügte, LaCivita ist dort leitender Berater.

Frage: Haben Sie mit James Blair und Chris LaCivita über mögliche Interessenkonflikte gesprochen?

TRUMP: Sie haben keinen Interessenkonflikt, weil sie unabhängig sind. Ich gehe davon aus, dass sie viele Mandanten haben. Ich weiß nicht, wer ihre Mandanten sind.

Die beiden sind Teil eines weit größeren Geschäfts. Seit Anfang 2025 zahlte die Regierung der Republika Srpska mehr als 4 Millionen Dollar an Lobbyisten und politische Berater mit Verbindungen zu Trump und den Republikanern. Ende vergangenen Jahres hob die Trump-Regierung die Sanktionen gegen Dodik, seine Familie und Mitarbeiter auf. Diese Sanktionen waren einst verhängt worden, weil Dodik das Friedensabkommen von Dayton untergraben hatte, das 1995 den Krieg in Bosnien beendete. Ein bosnisches Gericht verurteilte ihn später wegen Missachtung der internationalen Aufsicht über dieses Abkommen, er verlor das Präsidentenamt und darf kein öffentliches Amt mehr übernehmen. Politisch blieb er dennoch der bestimmende Mann seiner Partei.

Auch Trumps Familie und weitere Leute aus seinem Umfeld waren längst vor Ort. Donald Trump Jr. besuchte die Republika Srpska im April als Gast von Dodiks Sohn. Željka Cvijanović aus Dodiks Partei traf im September im Weißen Haus Trumps Stabschefin Susie Wiles. Der Lobbyist Alex Garcia, einst Teil von Trumps Wahlkampfteam, erhält für die Vertretung der Republika Srpska 35.000 Dollar im Monat. Der frühere Gouverneur von Illinois, Rod Blagojevich, dessen Firma seit März 1,325 Millionen Dollar aus Banja Luka bekam, beschreibt den politischen Wert dieser Nähe ziemlich offen: In Serbien und der Republika Srpska liebe man Trump. Wer dort als Trump-Freund auftrete, habe einen gewaltigen Vorteil. Und Trumps Leute haben längst verstanden, dass sich damit auch gutes Geld verdienen lässt.

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