Krieg in 10 Minuten, politische Gegner beschimpft, Triumphbogen geplant: Trumps grotesker Halloween-Auftritt in Mar-a-Lago

VonRainer Hofmann

1. November 2026

Zwischen kostümierten Millionären und einem Gast, der offenbar als Papagei verkleidet war, stellte ein Journalist dem amerikanischen Präsidenten eine Frage über Krieg. Donald Trump stand am Samstagabend, 31. Oktober 2026, in seinem Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Die Halloween-Feier war in vollem Gang, Mitarbeiter des Secret Service in blauen Anzügen umringten den Präsidenten. Draußen steht Amerika drei Tage vor den Zwischenwahlen. Drinnen ging es plötzlich um die Möglichkeit eines erneuten amerikanischen Angriffs auf Iran. Eine Frage, deren Antwort über das Leben unzähliger Menschen entscheiden könnte. Trump fand sie ausgesprochen dumm.

„Rechnen Sie damit, dass Sie noch diese Woche wieder Krieg gegen den Iran führen werden?“, wollte der Journalist wissen. Nachdem ein Teil der Frage wiederholt werden musste, fuhr Trump ihn an: „Warum stellen Sie so eine dumme Frage?“ Dann erkundigte er sich nach dessen Zeitung. „New York Times. Na gut, nehmen wir an, ich hätte das vor. Würde ich Ihnen das sagen?“ Anschließend verzog er sein Gesicht, ahmte den Fragesteller nach und wiederholte seine Antwort. „Würde ich Ihnen das sagen? Nehmen wir an, ich hätte das vor, würde ich Ihnen das sagen?“ Schließlich erklärte er, dies sei keine Frage für die Zeitung. Eine Auskunft über die amerikanischen Kriegspläne gab er nicht.

Reporter: „Rechnen Sie damit, dass Sie möglicherweise schon diese Woche wieder Krieg gegen den Iran führen werden?“

Trump: „Warum stellen Sie so eine dumme Frage? New York Times. Na gut, nehmen wir an, ich hätte das vor. Würde ich Ihnen das etwa sagen?“

Der Präsident der Vereinigten Staaten hatte damit eine denkbar einfache journalistische Frage in eine persönliche Herabsetzung verwandelt. Ein Journalist fragt nach einem möglichen Krieg, der Oberbefehlshaber beschäftigt sich mit der angeblichen Dummheit seines Gegenübers. Niemand verlangt die Veröffentlichung geheimer Einsatzpläne. Doch zwischen militärischer Geheimhaltung und der Beschimpfung eines Fragestellers liegt ein beträchtlicher Raum, in dem demokratische Regierungen gewöhnlich Rechenschaft ablegen. Trump nutzte ihn für Spott. Vielleicht liegt die eigentümliche Schärfe solcher Auftritte gerade darin, dass die Frage selbst bestehen bleibt, lange nachdem das Gelächter verstummt ist.

Ein Triumphbogen wird gewöhnlich gebaut, wenn der Sieg schon errungen ist. Donald Trump plant ihn vorher. Washington bekomme einen, kündigte er an, schöner als der Arc de Triomphe in Paris und obendrein von großer militärischer Bedeutung. Warum die Hauptstadt bisher ohne einen solchen Bogen auskommen musste, erklärte er unter anderem mit dem Bürgerkrieg und der Weltwirtschaftskrise. Andere Staatsoberhäupter suchen Antworten auf die Fragen ihrer Zeit. Dieser Präsident sucht einen Platz für sein Denkmal. Worüber gesiegt werden soll, verriet er nicht. Einen Kandidaten lieferte er wenig später selbst. Iran. Die Vereinigten Staaten hätten die Marine des Landes ausgeschaltet und die Luftwaffe gleich mit. Die Flugabwehr sei vernichtet, die militärische Ausrüstung nahezu vollständig zerstört. Auch die Atomanlagen seien getroffen. Offen seien lediglich noch 1 oder 2 Ziele. „Aber das können wir in 10 Minuten erledigen. 10 Minuten. Dafür haben wir einen Plan.“ Dann nannte er auch den Namen. Um Pickaxe Mountain, eine iranische Anlage, müsse man sich ebenfalls kümmern.

10 Minuten dauert eine Werbepause. In Trumps Zeitrechnung dauert so lange auch ein Krieg. Er spricht über Bomben wie über einen Handwerkertermin, der nur noch eingetragen werden muss. Die Bewohner des Hauses, an dem da gearbeitet werden soll, kamen in der Rede nicht vor. Für sie hat dieser Kalender keine Minute übrig.

Einen Zeitpunkt nannte er nicht. Als später die Frage kam, ob der Krieg wieder aufgenommen werde, nannte er sie dumm. Eine Sprache, die Angriffe in Minuten misst, verliert ihr Gewicht, lange bevor die erste Bombe fällt. Auch im eigenen Land fand er Ziele. Den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed aus Michigan nannte er mehrfach einen „Dschihadisten“. El-Sayed hasse Schwarze und Juden, wahrscheinlich sogar alle Menschen. Einen Beleg für diese Anschuldigung brachte der Präsident nicht. In Trumps Welt reicht die Wiederholung als Beweis, denn ein Vorwurf, der oft genug fällt, beglaubigt sich durch sein eigenes Echo.

Angie Nixon, Demokratin aus Florida, hatte von gestohlenem indigenem Land gesprochen. Trump antwortete mit ihrem Intelligenzquotienten, der zu niedrig sei für den Senat. Über die Geschichte des Landes verlor er kein Wort. Eine unbequeme Frage erledigt sich am schnellsten, wenn man der Fragenden den Verstand abspricht. Zwischendurch wuchsen die Zahlen ins Unermessliche. 25 Billionen Dollar seien in seiner Amtszeit erwirtschaftet worden, 22,2 Billionen würden in Amerika investiert. Eine Rechnung legte er nicht vor. Summen dieser Größe passen in keinen Haushalt, wohl aber in jede Rede. Stimmen müssen sie nicht. Glänzen sollen sie. Damit schließt sich der Bogen, im wörtlichen Sinn. Ein Präsident, der Kriege in Minuten erledigen will und Gegner in Beleidigungen, braucht ein Denkmal, das schon steht, bevor irgendetwas gewonnen ist. Den Triumph liefert er mündlich. Die Wirklichkeit wird nachgereicht, irgendwann, in 10 Minuten.

Die Befürchtungen über eine erneute amerikanische Offensive gegen Iran haben einen konkreten politischen Hintergrund. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob Washington nach den Zwischenwahlen erneut militärisch zuschlagen könnte. Der Krieg ist in den Vereinigten Staaten unpopulär. Ein Vertreter des Weißen Hauses ließ auf Nachfrage mitteilen, man äußere sich grundsätzlich nicht zu sensiblen militärischen Planungen, unabhängig davon, ob entsprechende Vorhaben existierten. Trump halte sämtliche Möglichkeiten offen, um sicherzustellen, dass Iran niemals eine Atomwaffe besitzen könne. Eine solche Antwort wahrt militärische Vertraulichkeit. Die öffentliche Demütigung eines Journalisten erfüllt keinen vergleichbaren Zweck.

Schon am Freitag hatte Trump bei einem Auftritt in Daytona Beach in Florida über die amerikanische Innenpolitik gesprochen. Republikanische Kandidaten erhielten seiner Ansicht nach zu wenig Sendezeit im Fernsehen. Die Partei kämpft um ihre Mehrheiten, während der Präsident zwischen Wahlkampf und Kriegspolitik wechselt. Außenminister Marco Rubio erklärte am Samstag, über eine Wiederaufnahme militärischer Angriffe sei noch keine Entscheidung gefallen. Die Vereinigten Staaten seien allerdings für einen solchen Fall gerüstet. Auch Verhandlungen mit iranischer Beteiligung laufen weiterhin. Trumps Bemerkung vom Samstagabend liefert deshalb keinen Beweis für einen bevorstehenden Angriff. Sie zeigt vielmehr, wie wenig der Präsident bereit war, eine berechtigte Frage dazu sachlich zu beantworten.

Der Umgang mit der Presse folgt inzwischen einer langen Reihe persönlicher Angriffe. Erst wenige Tage zuvor hatte Trump einen Journalisten wegen seines Körpergewichts beleidigt, nachdem dieser nach seiner Gesundheit gefragt hatte. Reporterinnen wurden wiederholt wegen ihres Aussehens angegriffen. Mehreren Redaktionen entzog das Weiße Haus den Zugang zu seiner Berichterstattung vor Ort. Auch ein Fernsehsender wurde von einer Reise mit der Präsidentenmaschine ausgeschlossen, obwohl seine Journalisten dort stellvertretend für weitere Redaktionen hätten berichten sollen. Der Zugang zu einem Präsidenten wird damit zunehmend zu einer Frage seiner persönlichen Zustimmung. Die Pressefreiheit steht zwar weiterhin auf dem Papier. Ihre praktische Ausübung kann jedoch empfindlich behindert werden, sobald kritische Fragen unerwünscht sind.

Die Befragung zwischen den Halloween-Gästen dauerte gerade einmal 11 Minuten. Trump zeigte sich besonders daran interessiert, seine Feier vorzuführen. Die reichen Gäste hätten den ganzen Tag damit verbracht, sich herzurichten, erklärte er. Unter ihnen befänden sich führende Männer der amerikanischen Finanzwelt. Er selbst habe gerade 10 Minuten gehabt und sei deshalb als Donald Trump erschienen. Anschließend beklagte er, ihm blieben lediglich 15 Minuten Halloween, bevor er wieder arbeiten müsse. Ein Präsident, der sich über die aufwendigen Verkleidungen seiner Gäste amüsiert, während wenige Schritte entfernt nach einer möglichen militärischen Eskalation gefragt wird. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf die Bitte um Stellungnahme zu seinem Auftritt.

Am Dienstag wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und Teile des Senats. Über Iran liegt weiterhin die Möglichkeit neuer Angriffe. In Mar-a-Lago genügte eine Frage, um den Präsidenten aus seiner festlichen Stimmung zu bringen. Der Reporter erhielt eine Beleidigung. Die Öffentlichkeit erhielt keine Antwort. Hinter den Kostümen dieser Nacht stand ein Mann, der über Krieg und Frieden entscheiden kann und dem die Frage danach offenbar weniger gefiel als sein eigenes Spiegelbild.

Support Kaizen
Investigativer Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x