Halloween im Weißen Haus: Trump-Regierung macht aus Einwanderern ein Schreckgespenst

Zwei Tage vor den amerikanischen Zwischenwahlen verbreitet die Regierung von Donald Trump Halloween-Bilder, deren politische Botschaft wenig Raum für Missverständnisse lässt. Auf dem offiziellen Internetauftritt des Weißen Hauses erschien bereits am Donnerstag, 29. Oktober, ein Kürbis mit eingeschnittenem Sombrero. Dazu die Worte: „Die Gruselsaison ist da.“ Am Samstag legte Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins nach. Sie veröffentlichte das Bild eines schwarzen Mannes vor Geldstapeln, in der Hand einen offenbar brennenden Geldschein. Darüber stand „Betrüger bei der Lebensmittelhilfe“. Die Aufnahme war wie die Verpackung eines Halloween-Kostüms gestaltet. Der Begleittext erklärte, manche Kostüme hätten ihren Preis, dieses bringe eine Gefängnisstrafe mit sich.

Die Veröffentlichungen stehen mitten in einem Wahlkampf, in dem steigende Gesundheitskosten und die finanzielle Belastung amerikanischer Familien eine wichtige Rolle spielen. Trumps Regierung setzt dagegen auf scharfe Angriffe gegen Einwanderer und auf ihre Kampagne gegen Sozialleistungsbetrug. Dass der Landwirtschaftsministerin ausgerechnet die Lebensmittelhilfe für arme Menschen als Vorlage für einen Halloween-Scherz dient, zeigt, wie weit sich der Ton inzwischen von der Lebenswirklichkeit der Betroffenen entfernt hat. Für Millionen Amerikaner entscheidet diese Unterstützung darüber, ob am Monatsende noch genug Essen auf dem Tisch steht.
Der Sombrero hat im Weißen Haus bereits eine Vorgeschichte. Während des Regierungsstillstands im vergangenen Jahr verbreitete Trump ein künstlich erzeugtes Video, das den demokratischen Fraktionsführer Hakeem Jeffries mit falschem Schnurrbart und mexikanischem Hut zeigte. Die Demokraten wurden darin beschuldigt, sich stärker um Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus als um amerikanische Staatsbürger zu kümmern. Jeffries bezeichnete die Darstellung als rassistisch. Trotzdem lief das Video wiederholt im Presseraum des Weißen Hauses. Vizepräsident JD Vance versprach damals, die Sombrero-Bilder würden aufhören, sobald die Demokraten einer Beendigung des Regierungsstillstands zustimmten. Der Stillstand liegt inzwischen zurück. Der Sombrero ist wieder da.
Gleichzeitig verschärfte Washington seine Vorwürfe gegen demokratisch regierte Bundesstaaten. Kalifornien und Minnesota waren von Maßnahmen betroffen, die die Regierung mit mutmaßlichem Sozialleistungsbetrug begründete. Die dortigen Gouverneure warfen Washington vor, ihre Staaten aus politischen Gründen ins Visier zu nehmen. Auch die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar geriet unter Druck. Bundesbeamte durchsuchten im Oktober ihr Haus in Washington. Ermittlungen betreffen mögliche Unregelmäßigkeiten in Einwanderungsunterlagen ihrer Familie. Omar wurde in Somalia geboren und besitzt die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Regierung behandelt den Kampf gegen Betrug inzwischen als öffentliches Schauspiel. Wenige Tage vor der Wahl stehen dafür sogar die amtlichen Konten ihrer Minister bereit.
4 Millionen Dollar Lebensmittelhilfe: Ein Angeklagter wird zum Halloween-Kostüm der Regierung
Der Mann auf dem Bild der Landwirtschaftsministerin ist nach den verfügbaren Angaben Mercedes Reshard New, im Internet bekannt als „Shawty Dred“. Mehr als 2 Millionen Menschen folgen seinem Instagram-Konto. Dort zeigte er Privatflugzeuge, Luxuswagen von Rolls-Royce und gewaltige Bargeldstapel. Nun steht der 39-Jährige aus Atlanta unter dem Verdacht, über Jahre hinweg staatliche Lebensmittelhilfe in Millionenhöhe erschlichen zu haben. Die amerikanische Justiz erhob am 7. Oktober Anklage gegen ihn. Am 13. Oktober wurde er festgenommen. Seitdem befindet er sich in Bundesgewahrsam. Verurteilt ist er bislang nicht.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Nach Darstellung der Bundesstaatsanwaltschaft kontrollierte New zwischen Januar 2020 und Juli 2026 mehr als 350 betrügerisch eingerichtete Konten des staatlichen Lebensmittelhilfeprogramms SNAP. Dafür seien gestohlene Identitäten verwendet worden. Elektronische Bezugskarten habe er an verschiedene Adressen im Großraum Atlanta schicken lassen. Seine Firma Shawty Dred LLC habe er als zugelassenen Händler für Lebensmittelhilfe registrieren lassen. Über solche Karten und die dazugehörige Zahlungsabwicklung seien rund 4 Millionen Dollar abgeflossen. Insgesamt sollen etwa 4,6 Millionen Dollar auf betrügerisch eingerichtete Konten übertragen worden sein.
Hinter den Zahlen stehen Leistungen, die Menschen mit geringem Einkommen beim Kauf von Lebensmitteln helfen sollen. Genau deshalb ist der Vorwurf besonders schwerwiegend. Wer diese Gelder stiehlt, greift auf Mittel zu, die für Familien bestimmt sind, deren Haushaltskasse oft schon vor Monatsende leer ist. Die Ermittler beschreiben einen Mann, der sich öffentlich mit einem kostspieligen Lebensstil präsentierte, während nach ihrer Darstellung staatliche Hilfsgelder in seine Verfügung gelangten. FBI-Ermittlungsleiter Marlo Graham erklärte, New habe das Geld mutmaßlich zur Finanzierung seines Luxuslebens verwendet. Ob sich diese Anschuldigungen vor Gericht beweisen lassen, bleibt abzuwarten. Beweise konnten bisher keine vorgelegt werden. Auch nicht für seine Unschuld. Und doch nutzt man einen evtuellen Fall gegen alle Hilfsbedürftigen.
Die Anklageschrift umfasst 46 Fälle von Postbetrug und 15 Fälle schweren Identitätsdiebstahls. Hinzu kommen Vorwürfe wegen Betrugs mit Lebensmittelhilfe und rechtswidriger Kartentransaktionen. Nach den Ermittlungen waren mit New verbundene Telefonnummern mehr als 9.000 Mal zum telefonischen Kontosystem der Lebensmittelhilfe durchgedrungen. Bereits im November 2025 hatte die zuständige Behörde seiner Firma die Zulassung als Händler entzogen. Etwa zwei Wochen später nahm ihn die örtliche Polizei wegen des mutmaßlichen Handels mit Bezugskarten fest und beschlagnahmte 14 Karten anderer Personen. Die Ermittlungen liefen weiter.
Jetzt verwendet eine Ministerin der Vereinigten Staaten sein Bild als vermeintlich fertiges Urteil. Auf der Halloween-Grafik steht bereits die Gefängnisstrafe, während das Strafverfahren noch läuft. Das Justizministerium selbst erinnert in seiner Mitteilung ausdrücklich daran, dass New bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig gilt. Landwirtschaftsministerin Rollins ließ diese Unterscheidung in ihrer Veröffentlichung verschwinden. Die Ermittler müssen den Fall vor Gericht beweisen. Für die politische Werbung der Regierung genügt schon ein Bild mit brennendem Geldschein.
10 Milliarden Dollar gefordert, vom Richter abgewiesen: Trumps Epstein-Klage endet mit einer Ohrfeige

Donald Trump wollte 10 Milliarden Dollar. Er bekam eine richterliche Entscheidung, die ihm bescheinigt, nach Strohhalmen zu greifen. Am Samstag, 31. Oktober 2026, wies Bundesrichter Darrin Gayles in Miami die Verleumdungsklage des amerikanischen Präsidenten gegen das Wall Street Journal und den Medienunternehmer Rupert Murdoch endgültig ab. Das Gericht untersagte damit eine erneute Einreichung derselben Klage. Für einen Präsidenten, der kritische Berichterstattung regelmäßig als „Fake News“ beschimpft und Journalisten persönlich angreift, ist das Urteil besonders bitter. Seine Forderung nach einer gewaltigen Entschädigung scheiterte ausgerechnet an den gesetzlichen Anforderungen, die eine freie Presse vor solchen Angriffen schützen.
Ausgangspunkt war ein Bericht über einen angeblichen Geburtstagsbrief an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Zu dessen 50. Geburtstag im Jahr 2003 hatte Ghislaine Maxwell ein Erinnerungsalbum zusammengestellt. Darin befand sich nach Darstellung der Zeitung ein Brief, der Trumps Namen trug und dessen Text von der Zeichnung einer nackten Frau eingerahmt war. Die Botschaft endete mit dem Wunsch nach einem glücklichen Geburtstag und vielen weiteren wunderbaren Geheimnissen. Trump bestritt, den Brief verfasst zu haben. Den Bericht bezeichnete er als falsch, böswillig und verleumderisch. Er behauptete, die Veröffentlichung habe ihm gewaltigen finanziellen Schaden zugefügt und seinem Ansehen geschadet.
Schon im April hatte Richter Gayles die erste Fassung der Klage zurückgewiesen. Trump erhielt Gelegenheit zur Nachbesserung und reichte im Mai eine überarbeitete Klageschrift ein. Auch diese überzeugte das Gericht nicht. Gayles verwies auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 1964 im Fall New York Times gegen Sullivan. Danach müssen öffentliche Persönlichkeiten nachweisen, dass eine Zeitung wissentlich falsche Behauptungen verbreitet oder die Wahrheit rücksichtslos missachtet hat. Genau diesen Nachweis blieb Trump schuldig. Seine Ausführungen seien pauschal, unklar und teilweise sogar mit dem beanstandeten Artikel unvereinbar. Die Klage versuche, Fehler in einer sorgfältigen journalistischen Recherche geradezu künstlich herzustellen. Besonders aufschlussreich: Die Zeitung hatte Trumps Dementi ausdrücklich veröffentlicht. Der Präsident wollte daraus dennoch einen Beleg für die angebliche Böswilligkeit der Berichterstattung machen.
Der Streit fällt in eine Zeit wachsender Auseinandersetzungen zwischen dem Weißen Haus und amerikanischen Nachrichtenredaktionen. Gegen die BBC und weitere Medienunternehmen führt Trump ebenfalls juristische Verfahren. Gleichzeitig klagen CNN, MS NOW und Politico wegen des entzogenen Zugangs zum Weißen Haus. Bereits Mitte September hatte die Regierung mehrere Redaktionen von der Berichterstattung vor Ort ausgeschlossen. Auch die Associated Press befindet sich in einem Rechtsstreit mit der Regierung. Noch am Samstag blieb eine öffentliche Reaktion des Weißen Hauses auf das Urteil aus. Trumps Anwälte kündigten dagegen an, ihren Kampf fortzusetzen. Der Präsident, der Zeitungen mit Milliardenforderungen überziehen kann, hat vor Gericht eine Grenze gefunden. Über den Epstein-Brief selbst hat Gayles damit kein abschließendes Echtheitsurteil gefällt. Entschieden wurde, dass Trump die Voraussetzungen für seine Verleumdungsklage nicht ausreichend darlegen konnte. Seine Forderung über 10 Milliarden Dollar ist vor diesem Gericht gescheitert.
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