Kid Rock’s Restaurant in Nashville – Wenn Angst die Küche schließt

VonRainer Hofmann

Mai 15, 2025

Es war ein Samstagabend in Nashville, wie er hektischer kaum sein könnte. Die Straßen voller Menschen, die Honky-Tonk-Bars entlang der Broadway Avenue laut und lebendig, die Luft erfüllt vom Klang von Country-Musik. Doch in der Küche von Kid Rock’s Big A– Honky Tonk Rock N’ Roll Steakhouse herrschte Stille. Die Pfannen blieben kalt, die Töpfe leer, und der Service versank im Chaos. Denn Angst hatte die Türen geschlossen.

Angst vor ICE, der US-Einwanderungs- und Zollbehörde, die an diesem Wochenende durch den Süden Nashvilles zog wie ein Schatten. Mit Unterstützung der Tennessee Highway Patrol hielten die Beamten Fahrzeuge an, durchsuchten Straßen und griffen gezielt nach Menschen, deren einziger Fehler es war, ohne gültige Papiere zu arbeiten. 196 Menschen wurden festgenommen, wie die Behörde später stolz verkündete.

Doch während draußen die Razzien liefen, zog drinnen die Panik ein. Mitarbeiter, die keine Arbeitserlaubnis hatten, waren erst gar nicht erschienen. Andere, die gekommen waren, wurden von einem Manager angewiesen, nach Hause zu gehen. „Jeder ohne legalen Status sollte das Lokal verlassen“, so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Um 21:30 Uhr, zur Hauptstoßzeit, war die Küche plötzlich leer.

„Es war wahnsinnig voll, aber es war niemand in der Küche, um das Essen zuzubereiten“, erzählte der Mitarbeiter. Und Kid Rock’s Restaurant war nicht das einzige, das die Türen verschloss. Auch The Diner und Honky Tonk Central, zwei weitere Lokale im Besitz von Stephen Smith, wurden vom ICE-Schrecken erfasst.

Diese Szenen sind mehr als nur ein logistisches Problem für die Gastronomen. Sie sind ein Sinnbild für eine tiefere Wahrheit: Die Restaurants, Bars und Küchen von Nashville – und vieler anderer amerikanischer Städte – sind auf die Arbeit von Migranten angewiesen. Menschen, die im Verborgenen schuften, die Teller waschen, das Geschirr abräumen, in der Hitze der Küche schwitzen und dafür sorgen, dass der Betrieb läuft. Doch sie sind zugleich die ersten, die weichen müssen, wenn die Behörden zuschlagen.

Kid Rock, der sich als lauter Trump-Anhänger präsentiert, dürfte kaum überrascht gewesen sein, dass sein eigenes Lokal von den ICE-Razzien betroffen war. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Ein MAGA-Musiker, dessen Geschäft auf den Schultern jener Menschen ruht, die seine Politik verteufelt.

Für Nashville war es ein Abend, der vieles über die unsichtbare Realität der Stadt offenbarte. Die Touristen, die sich über das ausbleibende Essen ärgerten, ahnten kaum, dass die Angst vor Abschiebung die Küche verlassen hatte – und mit ihr die Menschen, die den Betrieb am Laufen halten.“

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Ela Gatto
Ela Gatto
17 Tage zuvor

Wie gut, dass dieser Idiot die Folgen der irrationalen Abschiebepolitik zu spüren bekommt.

So wie ICE virgeht, wird es nicht besser in den Restaurantküchen.
Naja, Kids Rock wird sicher ein paar patriotism MAGA finden, die für den Hungerlohn seine Küche am Laufen halten 🤣

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