Wie ein Krieg wirklich läuft, steht selten im Pressebriefing, eher im Dreck auf dem Gerät. Auf der Klappe eines Kampfjets im Persischen Golf haben festsitzende US-Soldaten mit dem Finger Botschaften in den Staub gezogen, so wie frustrierte Männer im Vietnamkrieg ihre Helme beschrifteten. „Operation Epstein Fury“ steht dort, daneben „Bibis Cucks“. Eine andere Zeile kündigt „Friedensabkommen Nr. 64″ an, das alles „für das Heilige Land“. Ein Feld für Tic-Tac-Toe hat auch noch Platz gefunden. Nichts daran klingt nach einem Heer, das an seinen Auftrag glaubt.

Die Sprüche greifen zu rohen, teils hässlichen Feindbildern, und ihre Botschaft ist doch unmissverständlich. „Sei ein braver Goy und tu, was Israel dir sagt“, hat einer gekratzt, ein anderer „Ich liebe Israel, ich bin ein braver Goy“. Wieder ein anderer bekennt seine Liebe zu „Flock-Kameras“, jener Überwachungstechnik von zu Hause. So schreiben Männer, die glauben, sie bluteten für die Sache eines Fremden und für die Ablenkung von einer Affäre. Ein Krieg, begonnen, um von den Epstein-Akten und dem übrigen Unheil dieser Regierung abzulenken, hat sein eigenes Zeugnis auf die Klappe geschrieben.

Am deutlichsten wird die Lage dort, wo die Menschen eingeschlossen sind. Auf der USS Abraham Lincoln, seit 9 Monaten im Einsatz für den Krieg gegen den Iran, hätten sich die Zustände so verschlechtert, dass einzelne Seeleute über Bord gesprungen seien, um ihnen zu entkommen. Die Besatzung kämpfe seit Wochen mit knappem Essen und widerwärtigen hygienischen Verhältnissen. Bei Gesprächsrunden mit der militärischen Führung, unter ihnen der amtierende Marineminister Hung Cao, ist es laut geworden. Angehörige haben die Sorge geäußert, es gehe um die seelische Verfassung der Mannschaft und um die Gefahr, dass Besatzungsmitglieder sich etwas antun könnten. Bei mehreren dieser Zusammenkünfte haben Familien offen von Angst gesprochen.
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Die USS Abraham Lincoln steht damit nicht allein. Auch von der USS Benfold und der USS Carl Vinson wurden miserable Bedingungen berichtet. Die Besatzung der USS Tripoli klagte über dasselbe. Pete Hegseth, der sich selbst gern „Kriegsminister“ nennt, habe erhebliche Mühe darauf verwendet, diese Berichte kleinzureden oder ganz zu bestreiten; er habe sie falsche Darstellungen genannt und zugleich verschwiegen, warum die zurückkehrende Lincoln nicht ausreichend versorgt worden sei. Der Staub auf der Klappe erzählt die andere Geschichte.

Ob diese Offenheit neu ist, lässt sich schwer sagen. In den Berichten heißt es, ein solcher Vergleichsmaßstab fehle, doch die Bereitschaft, den Unmut so unverhohlen auszusprechen, wirke neu. Der Vergleich mit den beschrifteten Helmen von damals trägt trotzdem. Ein Krieg, der von eigenen Katastrophen ablenken sollte, zieht die Aufmerksamkeit erst recht auf sich, und die lauteste Stimme dagegen kommt aus den eigenen Reihen. Botschaften im Staub sind das letzte Ventil derer, denen der Dienstweg nichts mehr bringt.

Gründe, an Trumps Achtung vor den eigenen Soldaten zu zweifeln, gab es lange vor diesem Krieg. Im September 2020 wurde berichtet, er habe einen Besuch auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof Aisne-Marne bei Paris abgesagt und gefragt, warum er einen Friedhof voller „Verlierer“ besuchen solle. Die mehr als 1.800 Marines, die bei Belleau Wood gefallen seien, habe er „Trottel“ genannt, weil sie sich hätten töten lassen; den Ausflug habe er vermeiden wollen, damit der Regen seine Frisur nicht ruiniere. Sein ehemaliger Stabschef John Kelly hat das später bestätigt.

Die Herabsetzung zieht sich durch seine Laufbahn. Führende Offiziere hat er „Idioten und Babys“ genannt und ausgerechnet den Generälen Adolf Hitlers gegenübergestellt, die er offenbar bewundere. Verwundete und behinderte Veteranen habe er bei Auftritten nicht sehen wollen, verletzte Soldaten solle man fernhalten, denn „das will niemand sehen“. Schon im ersten Wahlkampf habe er die Familien Gefallener verspottet, dazu den einstigen Kriegsgefangenen John McCain.

Die Verachtung zeigt sich nicht allein im Ton, auch im Geld. Mit einem gewaltigen Aufwuchs des Wehretats habe er Milliarden ins Pentagon gepumpt, bei den einfachen Soldaten aber sei wenig angekommen. Der Kongress habe dem laufenden Haushalt 30 Milliarden Dollar zusätzlich geben sollen, im Jahr darauf weitere 54. Für bessere Infanteriewaffen oder sicherere Transporthubschrauber war darin nichts vorgesehen, am schützenden Körperpanzer wurde ebenso gespart. Am Boden blieben veraltete Gewehre und Hubschrauber aus der Zeit der Großväter. Die Funktechnik war schwer und unzuverlässig. Geld floss reichlich, nur eben nicht zu denen, die es am Leibe trugen.
Der Rückhalt schwindet mit jeder Woche. Die Zustimmung zu diesem Präsidenten sei zuletzt auf einen Tiefstand von 33 Prozent gefallen, der Beifall für den Krieg gegen den Iran war von Beginn an dürftig. Während sich die Lage auf den Schiffen verschlechtere, führe die Regierung einen förmlichen Feldzug in den Medien gegen die besorgten Familien der Entsandten. Wichtige Munition werde in beunruhigendem Tempo verbraucht. Und ausgerechnet jetzt habe Trump einen sonderbaren Umbau der Flugzeugträger angeordnet, zurück zu veralteten Dampfkatapulten. Das iranische Abenteuer hat zweierlei zugleich offengelegt, sein Unvermögen als Oberbefehlshaber und die Gleichgültigkeit gegenüber denen, die es ausbaden.
Ein Soldat hat es auf den Punkt gebracht: Was man in den Medien nicht verstehe, sei, dass hinter dieser Operation keinerlei Moral stehe; für Männer, die auf unbestimmte Zeit an unerwünschte Orte geschickt würden, mache das einen gewaltigen Unterschied. Bleibe, so heißt es in den Berichten, nur noch, den Krieg schlicht zu beenden. Trump aber steckt bis zu den Knien darin, und ein Ende ist nicht in Sicht. Ihr Urteil haben die Soldaten längst gefällt, dort, wo keine Verlautbarung es je erreicht, mit dem Finger im Staub.
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