Über fünfzehn Monate hinweg, an Dutzenden Orten, verkaufte sich Donald Trump als der einzige Präsident seit Jahrzehnten, der keinen Krieg begann. Nun, da er das Land in den Krieg gegen den Iran geführt hat, sagt er gestern bei Meet the Press, garantiert und versprochen habe er ohnehin nie etwas. Eine Spurensuche“
Donald Trump hat bei Meet the Press zwei Sätze gesagt, in denen sich die ganze Kunst des Lügens zusammenzieht. Erstens, sagte er, habe er keinen Krieg garantiert. Und warum hätte er sonst das stärkste Militär der Welt aufgebaut? Man muss das zweimal lesen, denn es enthält das ganze Verfahren. Wer nichts garantiert hat, der hat auch nicht gelogen, wenn das Gegenteil eintritt, und wer eine Armee baut, der hat sie offenbar von Anfang an für ihren Gebrauch bestimmt. So einfach wird es, wenn einer die Sprache für ein Werkzeug hält und nicht für ein Versprechen, und den Frieden an der Größe der Waffen misst, die er für ihn anschafft.

Gegen diese Sätze steht ein Zusammenschnitt von zwei Minuten und einer Sekunde. Sie trägt dreißig Zeitstempel, sie reicht vom April 2023 bis in den Juli 2024, und sie zeigt denselben Mann an Dutzenden Orten bei derselben Beteuerung. Es sind Mitschnitte seiner eigenen Liveauftritte, jeder mit Ort und Datum versehen, jeder von einer Kamera gehalten, die nichts vergisst.
Am 27. April 2023 erklärte er, er habe seine Persönlichkeit eingesetzt, damit man Kriege gar nicht erst habe führen müssen, und ahmte jene nach, die sich erinnerten, man dürfe nicht für ihn stimmen. Am 23. Februar 2024, im Winthrop Coliseum in South Carolina, fiel der Satz, der zur Liturgie werden sollte. Er sei der erste Präsident seit Jahrzehnten gewesen, der keine neuen Kriege begonnen habe. Keine neuen Kriege. Am 2. März wiederholte er es in Greensboro, am 16. März in Dayton, am 2. April in Wisconsin, stets mit demselben Wortlaut und stets mit derselben goldenen Schrift unter seinem Gesicht.
Am 13. April, in Schnecksville in Pennsylvania, fügte er das Versprechen hinzu, die Kriegstreiber aus der Regierung zu vertreiben, und am 11. Mai erneuerte er es in New Jersey mit denselben Worten. Am 1. Mai, in Waukesha in Wisconsin, sagte er, mit ihm sei man nie in einen Krieg geraten, er habe eine großartige Bilanz, man habe Wohlstand gehabt. Am 23. Mai, in der Bronx, sprach er von schrecklichen Kriegen und von all den Menschen, die in ihnen gestorben seien.

Am 6. Juni, vor Turning Point Action in der Dream City Church, spottete er über die Warnung, er werde das Land in einen Krieg treiben, mit einem gedehnten Nein, nein. Am 18. Juni, in Racine in Wisconsin, sagte er schlicht, er habe keinen Krieg begonnen, er sei der einzige Präsident gewesen, der das nicht getan habe. Am 22. Juni, in Pennsylvania, kehrte er den Vorwurf um und prophezeite seinen Gegnern, sie würden in einem Krieg enden.
Am 28. Juni, in Virginia, erreichte die Rede ihren schärfsten Ton. Die anderen, sagte er, liebten es, Menschen zu töten, es sei für sie so wunderbar, sie mochten den Krieg, sie seien die Partei der endlosen Kriege. Darunter stand wieder, in großen Lettern, die Losung von den neuen Kriegen, die es nicht gebe. Am 20. Juli, in Grand Rapids in Michigan, versprach er, mit seiner Rückkehr werde alles enden, einmal habe es ja schon geendet. Am 24. Juli, in North Carolina, fasste er es zusammen, mit Donald Trump als Präsident habe es keine Kriege gegeben. Und am 28. Juli, in St. Cloud in Minnesota, wiederholte er ungläubig die Frage seiner Gegner, ob ausgerechnet er das Land in einen Krieg führen werde.
Fünfzehn Monate lang also war der Krieg das Verbrechen der anderen. Er war der Mann des Friedens, und wer ihn anzweifelte, gehörte zu jenen, die das Töten liebten. Dann führte er das Land am 28. Februar in den Krieg gegen den Iran. Bei Meet the Press, am 7. Juni ausgestrahlt und zuvor in einer Scheune bei Chippewa Falls in Wisconsin aufgezeichnet, während der Regen auf das Blechdach schlug und er gleich darauf zu einer Runde mit Farmern erwartet wurde, hielt ihm die Journalistin Kristen Welker eben jenes Versprechen vor. Er habe darauf beharrt, es werde keine neuen Kriege geben, sagte sie. Erstens, erwiderte er, habe er keinen Krieg garantiert. Sie habe es wieder und wieder gesagt, hielt sie ihm entgegen, und genau das ist es, was die Aufnahme beweist, nicht einmal, sondern dreißigmal.

Als ihm darauf nichts mehr einfiel, erklärte er der Journalistin, sie sei eine große Linke, eine große Progressive. Sie sei nur Journalistin, antwortete sie. Es ist die alte Auskunft der Mächtigen, dass die Wahrheit eine Gesinnung sei und der, der sie ausspricht, ein Gegner. Wer fragt, wird zum Lager erklärt, damit die Antwort entfallen darf.
Als Kandidat, fuhr er fort, habe er nichts versprochen. Er möge diese endlosen Kriege nicht, dies aber sei kein endloser Krieg, man mache das schließlich erst seit drei Monaten. Derselbe Mann, der seine Gegner die Partei der endlosen Kriege genannt hatte, bemisst die Unendlichkeit nun in Monaten und befindet, drei seien noch keine. Er leiste der Welt und dem eigenen Land einen Dienst, denn er habe den Iran daran hindern müssen, an eine Atomwaffe zu gelangen. An anderer Stelle desselben Gesprächs erklärte er, die amerikanischen Angriffe des Vorjahres hätten die iranischen Atomanlagen bereits ausgelöscht, und bemerkte nicht, dass das eine das andere aufhebt. Was im vergangenen Jahr ausgelöscht wurde, muss in diesem keinen Krieg mehr rechtfertigen. Auch seinen Austritt aus dem Atomabkommen, das Barack Obama mit Teheran geschlossen hatte, verteidigte er, ohne das bessere Abkommen je verhandelt zu haben, das er an dessen Stelle versprochen hatte. Solche Dinge bräuchten Jahre, sagte er.
Als Welker weiter auf Belege und Widersprüche drängte, hob er die Stimme, nannte sie und die Medien verlogen und sprach von der falschen, schmutzigen Presse. Dann erklärte er das Gespräch für beendet, nahm das Mikrofon ab, sagte zu ihr, danke, meine Liebe, amüsier dich gut, stand auf und ging. Es ist die Bewegung eines Mannes, der die Wahrheit nicht widerlegt, sondern den Raum verlässt, in dem nach ihr gefragt wird.
Dass er sein Wort gebrochen hat, sagen nicht nur seine Gegner. Selbst aus dem eigenen Lager, von den Verfechtern des America First, kam der Vorwurf, er habe sein Versprechen der keinen neuen Kriege verlassen und sich von seiner früheren Linie gegen jede militärische Einmischung entfernt. Wenn ihm jene die Treue aufkündigen, die einst an seine Treue zum Frieden geglaubt haben, dann ist der Bruch nicht mehr zu bestreiten.
Auch im Ausland mehrte sich der Widerspruch. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hielt der amerikanischen Regierung öffentlich vor, sie sei ohne überzeugende Strategie und ohne Plan für ein Ende in den Krieg gegangen, woraus ein offener Streit mit Trump erwuchs. Der omanische Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi ging diplomatisch ungewöhnlich weit und erklärte sinngemäß, die Vereinigten Staaten hätten die Kontrolle über ihre eigene Außenpolitik verloren und seien in einen Krieg hineingezogen worden, eine schwere Fehlentscheidung und eine Katastrophe. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte den Kurs Washingtons und Israels gegen den Iran einen Bruch des Völkerrechts und sagte, Konflikte ließen sich nicht mit Bomben lösen; Spanien verweigerte überdies die offensive Nutzung bestimmter amerikanischer Stützpunkte. Im Kongress verlangten Abgeordnete und Senatoren, dem Präsidenten die Vollmacht zum Krieg zu beschneiden, weil er militärisch gehandelt habe, ohne ihre Zustimmung einzuholen.
Ein Versprechen bindet den, der es gibt. Eine Garantie ist das Wort des Händlers, ein Zettel, den man vorzeigt oder eben nicht. Indem Trump aus dem Versprechen eine Garantie macht, die er nie unterschrieben haben will, verwandelt er die Treue in eine Formsache und sich selbst in einen, dem nichts vorzuwerfen ist. Es ist die Lüge nicht über das Kommende, sondern über das Gewesene, und sie ist die schwerste von allen, weil sie verlangt, dass auch die Vergangenheit sich nach dem heutigen Bedarf richte.
Was ihm dabei im Weg steht, ist allein die Aufnahme. Der Mensch vergisst und verzeiht, er lässt sich überreden, das Gehörte sei anders gemeint gewesen. Das Gerät tut das nicht. Es hält die dreißig Tage fest, an denen ein Mann dasselbe sagte, und es hält sie gegen den einen Tag, an dem er es bestreitet. In einer Zeit, in der jeder Satz sogleich zum Bild wird, ist es nicht mehr das Gewissen, das den Mächtigen an sein Gestern bindet, sondern die Kamera. Vielleicht ist das die eigentliche Auskunft dieser zwei Minuten. Nicht dass dieser Mann gelogen hat, das wussten wir längst, sondern dass die Wahrheit über ihn in keinem Menschen mehr aufbewahrt wird, sondern in einer Datei, die er nicht löschen kann.
Bleibt das eine, das er den anderen vorhielt und nun selbst zu verantworten hat. Hinter dem Wort vom Krieg, das er so leicht über die Lippen brachte, stehen die Menschen, die in ihm sterben, und vor denen schützt keine Unterscheidung zwischen versprechen und garantieren. Sie sind das Einzige an dieser Geschichte, das sich nachträglich nicht umschreiben lässt.
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Er beweist täglich,dass man mit ihm NICHT verhandeln, keine Verträge abschließen und sich NICHT verbünden kann, weil man sich auf gar nichts, auf kein einziges Wort von ihm verlassen kann.
Für mich erklärt das auch seine Anhängerschaft, wie auch die anderer destruktiver, radikaler Gruppen. Keinerlei Vertrauen zu egal wem, Loyalität, die nur durch Gruppenzwang zustande kommt und durch (Be-)drohung gefestigt wird, weil solche Leute wissen, dass sie selbst lügen und betrügen und dies auch bei anderen nicht anders erwarten.