Das Heimatschutzministerium arbeitet an einem System, das in seiner Wirkung kaum noch zu verharmlosen ist. „ICE Glasses“ – so wird das Projekt intern genannt – sollen Bundesbeamten ermöglichen, Menschen auf der Straße in Echtzeit zu identifizieren. Nicht nach Verhalten. Nicht nach Verdacht. Sondern nach Daten. Die Brillen greifen auf biometrische Systeme zu, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut wurden. Gesichtserkennung, Gangbild, Iris, Stimme. Alles, was einen Menschen eindeutig macht, wird abgeglichen. In Sekunden. Direkt im Sichtfeld eines Beamten. Wer vor ihnen steht, kann zur Datei werden, ohne es zu merken.
Ein Mitarbeiter des Heimatschutzministeriums sagt, was intern längst klar ist. Offiziell gehe es darum, „illegale Einwanderer“ zu erkennen. In der Praxis betreffe das alle. Besonders Menschen, die protestieren. Die Technik unterscheidet nicht nach politischer Haltung. Sie erfasst, was sie sieht. Die Brillen sind keine Theorie. In sechs Bundesstaaten wurden Beamte bereits mit solchen Geräten gesehen. Teilweise nutzen sie Modelle von Meta, die per Sprachbefehl analysieren, was der Träger sieht. Sie können filmen, fotografieren und das Material direkt ins Netz übertragen. Was daraus wird, entscheidet nicht die Person, die aufgenommen wird.

Das US-Heimatschutzministerium plant für 2027 neue Technologien zur Verschärfung der Migrationskontrolle. Dazu gehören unter anderem „smarte Brillen“, die Einsatzkräften in Echtzeit Zugriff auf Daten und biometrische Identifizierung ermöglichen sollen. Ziel ist es, Festnahmen, Inhaftierung und Abschiebungen effizienter zu organisieren sowie Datenanalyse und Zusammenarbeit zwischen Behörden zu verbessern.
Das eigentliche Gewicht liegt im Hintergrund. Die Datenbanken existieren längst. Das zivile System ABIS enthält heute rund 75 Millionen biometrische Datensätze. Es kann zehntausende neue Einträge pro Tag verarbeiten. Im Militär entstand parallel ein System, das Menschen nicht nur identifiziert, sondern in Kategorien einordnet. Wer einmal erfasst ist, kann jederzeit wieder auftauchen – an einem Kontrollpunkt, in einer Routinekontrolle, in einer Menge.
Diese Technik hat eine Vorgeschichte. In Irak und Afghanistan trugen Soldaten Geräte, die Fingerabdrücke, Iris und Gesichter erfassten. Jeder Kontakt konnte gespeichert werden. Wer auffiel, landete auf einer Liste. Aus einem Scan wurde ein Treffer. Aus einem Treffer wurde ein Ziel. Jetzt wird dieses Prinzip verkleinert und nach innen verlagert. Was früher in Kriegsgebieten getestet wurde, soll auf amerikanischen Straßen funktionieren. Auch ohne Zustimmung. In internen Papieren ist von „nicht kooperativer Biometrie“ die Rede – Daten werden erfasst, ohne dass die betroffene Person es weiß.

Das FBI hat die Richtung bereits vorgegeben. Direktor Kash Patel erklärte, das Programm zur biometrischen Erfassung im Ausland sei massiv ausgeweitet worden. Gleichzeitig wurde die Auswertung im Inland verstärkt. Mehr Treffer, mehr Daten, mehr Verknüpfungen. Im Kongress herrscht dazu auffällige Stille. Bennie Thompson, Rand Paul, Andrew Garbarino und Gary Peters haben das Projekt zur Kenntnis genommen. Öffentliche Einordnung bleibt aus.
Parallel dazu eskaliert die Lage auf der Straße. Grenzschutz und Einwanderungsbehörden haben im vergangenen Jahr fast 400.000 Menschen festgenommen. Dabei kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Demonstranten. Die Technik, die jetzt eingeführt wird, fällt in genau dieses Umfeld.
Mark Zuckerberg bekam die Wirkung dieser Geräte selbst zu spüren, als er vor Gericht erschien. Der Richter machte klar, dass Aufnahmen mit solchen Brillen im Gerichtssaal gelöscht werden müssen. Einige Begleiter Zuckerbergs waren mit entsprechenden Geräten fotografiert worden. Selbst dort, wo Recht gesprochen wird, entsteht Misstrauen.
Ein Beamter sagte bei einem Einsatz in Maine, man habe „eine nette kleine Datenbank“. Das war kein Scherz. Die Frage ist nicht mehr, ob diese Systeme eingesetzt werden. Sie sind es bereits. Die Frage ist, wie weit sie gehen. Und wer noch glaubt, dass er außerhalb dieses Blickfelds steht.
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Gruselig, fast moechte man ploetzlich mit Ganzkoerperverschleierung rumlaufen… Statt Menschen zu verdaechtigen, start Angst und Misstrauen zu saehen, sollten Resourcen fuer ganz andere Dinge verwendet werden, und der Fokus soll auf friedlichem und menschlichem Zusammenleben in Zeiten des Klimawandels liegen.
@Barbara Buckley Nicht mehr unter diesem Regime, ich schreibe mit Absicht nicht Regierung! Dieses Regime hat Vorbilder, die Angst regiert. Was wir uns niemals hätten vorstellen können, wird zur Normalität und Niemand kann das aufhalten
Das ist erschreckend und untergräbt fast alle demokratischen Rechte. Wie in China, dahin ist es nicht mehr weit. Eine Waffe für jede Diktatur aus der es scheints keinen Ausweg gibt. Ein Albtraum für jetzt und die nächste Generation