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Hegseth träumt vom Weißen Haus, aber die Macht ist nicht mit ihm

VonTEAM KAIZEN BLOG

29. August 2026

Ein Mann, den die eigene Bewegung bei 1 Prozent führt, richtet den Blick auf das höchste Amt des Landes, und der Spiegel widerspricht ihm nicht. Pete Hegseth, 46, Verteidigungsminister und seit der Umtaufe seines Hauses Minister für den Krieg, soll engen Freunden erzählt haben, er erwäge eine Kandidatur für 2028. So berichten übereinstimmende Quellen aus seinem Umfeld. Der Traum hat den Vorzug, dass er keine Stimmen braucht, um zu bestehen; er genügt sich, solange niemand nachzählt. Ein Amt, das man sich im Kopf schon zugeteilt hat, verlangt keine Mehrheit, nur einen ruhigen Morgen und das Schweigen der Zahlen. Nachgezählt wird trotzdem, und das Ergebnis steht weiter unten.

Beide, er und seine Frau, glauben seit Monaten, dass sich seine Härte und seine Beliebtheit bei Trumps Basis auf einen Wahlkampf übertragen ließen. Auch seine festen konservativen Ansichten zählen sie dazu. Im Fernsehen gab er überzeugend den Entschlossenen, nun soll dieselbe Nummer den Wahlkampf tragen, so als wäre das Regieren die Fortsetzung der Sendung mit anderen Mitteln. Die Kamera verzeiht dem Entschlossenen, dass er nichts entscheiden muss; das Amt verzeiht es nicht. Zwischen der Rolle des starken Mannes und der Last, einer zu sein, liegt die ganze Strecke, die er noch nie gegangen ist.

Die Idee stammt nicht von ihm allein; auch Jennifer, 49, trägt sie voran. Sie gilt als seine einflussreichste Beraterin, so schildern es 20 gegenwärtige und frühere Mitarbeiter. Sie bereitet ihn auf Auftritte vor und sitzt in Gesprächen mit Berichterstattern. Sie befragt Bewerber für Stellen im Ministerium und schlägt Einfälle für dessen Videos vor. Im Pentagon ist sie häufig zugegen, auch weil man sich um seinen Umgang mit Alkohol sorgt. So führt eine Frau im Hintergrund das Ministerium und die noch ungeborene Kampagne zugleich, und der Kandidat bringt seine Aufpasserin bereits mit. Ein Haus, dessen Chef eine Aufsicht neben sich braucht, empfiehlt diesen Chef schwerlich für das Amt darüber.

Seine Wende im Leben führt Hegseth auf 2 Js zurück, auf Jennifer und auf Jesus. Von den beiden kümmert sich das eine um die Termine. „Sie hat mich gerettet“, sagte er über seine Frau, und für einen Feldzug um das Weiße Haus ist eine Retterin mit Kalender mehr wert als ein Erlöser. Jennifer ist seine dritte Frau; die beiden begannen 2016 eine Affäre, als beide noch anderweitig verheiratet waren und beim selben rechten Sender arbeiteten. 2017 folgten die Scheidungen, 2019 die Hochzeit. Der Mann, der öffentlich gern über Werte spricht, hat seine große Liebe an einem Arbeitsplatz gefunden, dem 2 bestehende Ehen im Weg standen.

Am 14. Juni 2015 war Pete Hegseth bei Fox & Friends in New York und sollte für einen Beitrag über Holzfäller-Sport eine Axt auf eine Zielscheibe werfen. Er verfehlte die Scheibe deutlich, die Axt flog darüber hinweg und traf Jeff Prosperie, einen Trommler der West Point Hellcats, am Arm. Prosperie wurde verletzt, erklärte später aber, es hätte wesentlich schlimmer ausgehen können.

Besonders heikel: Prosperie sagte später, seiner Einheit sei vorher ausdrücklich mitgeteilt worden, dass keine Axt geworfen werde. Hegseth habe dann offenbar trotzdem geworfen. Das zeigt ziemlich eindrucksvoll, wie qualifiziert dieser Mann für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten wäre.

Sollte die Kandidatur wirklich in seinen Plänen stehen, müsste er sich für einiges verantworten, das er als Minister mitgetragen hat. Da ist der Krieg gegen Iran, den er seit 7 Monaten führt, angekündigt für wenige Wochen. Er gilt in den Umfragen als unpopulär und hat bisher 37,5 Milliarden Dollar verschlungen. Danach verlangte Hegseth weitere 70 Milliarden vom Kongress, als wäre ein verlorener Zeitplan eine Frage des Nachschlags. 18 amerikanische Soldaten sind in ihm gefallen, und jede dieser Zahlen wiegt schwerer als jede Umfrage. Dazu kommen die Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote in der Karibik, die einige als Kriegsverbrechen bezeichnen, und eine Planung für Schläge gegen den Jemen, die über einen Messengerdienst lief und zum Skandal wurde. Ein Feldzug, der in Wochen erledigt sein sollte, zählt inzwischen Monate und Tote, und der Verantwortliche sammelt bereits Ideen für die nächste Stufe.

Beinahe wäre er schon an der Bestätigung gescheitert, an seiner Vergangenheit mit dem Alkohol und an seinem Satz vom November 2024, wonach Frauen keine Kampfeinsätze übernehmen sollten. Ein solcher Start ins Amt liest sich nicht wie das Vorspiel zu einer Krönung. Ein Trump-naher Mitarbeiter mit Draht ins Weiße Haus brachte das Dilemma auf den Punkt: die Basis möge seine Art, doch einen Kriegsminister messe man daran, ob er Kriege gewinne. Der Mann, der sein Ministerium in eines für den Krieg umbenannt hat, schuldet der Sprache also noch den Sieg. Bislang hat er vor allem den Namen geändert und die Rechnung erhöht. Dass ausgerechnet ein solcher Mann nach mehr Macht greift, sollte weniger belustigen als beunruhigen.

Die Zahlen sind mit dem Traum nicht einverstanden. Bei einer Abstimmung der Conservative Political Action Conference, kurz CPAC, kam JD Vance auf 53 Prozent und Marco Rubio auf 35, während Hegseth bei 1 Prozent landete, knapp unter jenen 3, die sich nicht entscheiden konnten. Wenn schon die treueste Versammlung ihn kaum wahrnimmt, wird das Land ihn nicht plötzlich entdecken. Landesweite Umfragen dieses Sommers zeichnen dasselbe Bild, Vance und Rubio weit vorn, in einer davon 39 zu 22 Prozent. Dahinter folgen Ron DeSantis mit 10 und Donald Trump Jr. mit 8 Prozent. Selbst Robert F. Kennedy Jr. kam auf 3, dieselbe Gegend, in der sich der Minister bewegt, der von ganz oben träumt. Eine weitere Umfrage sieht Vance und Rubio fast gleichauf, 39 zu 38, und ein großer Teil der Wähler hat sich noch nicht festgelegt.

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Hegseth weist das alles zurück. Der Bericht sei „100 Prozent falsch“, schrieb er, sein einziger Auftrag sei, das Kriegsministerium wieder großartig zu machen. Sein Sprecher Sean Parnell nannte jede andere Vermutung Unsinn und erklärte, der Minister kandidiere nicht. Anna Kelly, Sprecherin des Weißen Hauses, lobte seine Arbeit, ohne die Frage nach 2028 zu berühren. Zugleich reist der Mann, der nicht kandidiert, auffällig oft dorthin, wo Präsidentschaften beginnen, auf die Iowa State Fair, wo er für den Abgeordneten Zach Nunn warb, und im Mai nach Kentucky, gegen den Abgeordneten Thomas Massie. Ein Dementi, das seine Wochenenden im ersten Vorwahlstaat verbringt, überzeugt niemanden, der die Landkarte lesen kann. Ein Kandidat ohne Kandidatur kennt den Weg nach vorn schon auffällig genau.

Über allem liegt das Bild, das er selbst abgibt. Der Anzug sitzt an ihm wie die geliehene Rüstung eines dunklen Vollstreckers, schwarz und überall zu weit. Je härter der Auftritt, desto lauter widerspricht der Stoff, und der Ehrgeiz passt dem Träger so schlecht wie der Helm, den ihm ein anderer aufgesetzt hat.

Trump, 80, darf nicht mehr antreten, und schon ordnet sich die Partei für die Zeit danach. Der alte Mann im Kapuzenmantel hat über mögliche Erben bereits gesprochen, was die Ambitionen befeuert und keine adelt. Vance und Rubio stehen bereit, das Feld sortiert sich, und bis zur Wahl 2028 sind es mehr als 2 Jahre, in denen sich vieles drehen kann. Der Minister, der einen Krieg auf 7 Monate gedehnt hat, den er in Wochen gewinnen wollte, träumt derweil davon, den Meister zu beerben, während ihm das Land bei über 4 Dollar je Gallone beim Träumen zusieht. Die Macht, die er sucht, ist ihm bisher vor allem in den Titel seines Ministeriums geraten. Der Spiegel hält sein Versprechen, die Landkarte hält Abstand.

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