Trump will den Ontariosee umbenennen – Seneca Nation spricht von Vertragsbruch und Respektlosigkeit, Schweden schickt Kriegsschiffe und Kampfjets nach Finnland, Dolly Partons Musik bricht nach ihrem Tod Streamingrekorde und Iran meldet 66 Prozent Inflation. Außerdem bereiten sich große US-Konzerne bereits auf mögliche Untersuchungen durch einen demokratisch geführten Kongress vor – und in Moskau beginnt der Abflug der Kuckucke.
Trump will den Ontariosee umbenennen – Seneca Nation spricht von Vertragsbruch und Respektlosigkeit
Die Seneca Nation im Bundesstaat New York fordert Donald Trump auf, seine angeordnete Umbenennung des Ontariosees in „Lake America“ zurückzunehmen. Präsident J. Conrad Seneca erklärte, der Schritt missachte nicht nur die indigene Herkunft des Namens, sondern verstoße aus seiner Sicht auch gegen den Vertrag von Canandaigua aus dem Jahr 1794. Dieser wurde unter Präsident George Washington mit der Haudenosaunee-Konföderation geschlossen und sollte dauerhaft Frieden und Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den sechs Nationen sichern, zu denen auch die Seneca gehören.
Trump hatte am Donnerstag per Erlass verfügt, dass der See im geografischen Namenssystem der Vereinigten Staaten künftig als „Lake America“ geführt werden soll. Das Innenministerium soll die Änderung innerhalb von 30 Tagen umsetzen. „Der Präsident kann nicht Besitz an unserer Kultur beanspruchen oder sie durch verantwortungsloses politisches Handeln auslöschen“, erklärte Seneca. Der Name Ontario geht auf das indigene Huron-Wort „oniatarí:io“ zurück, das „See der glänzenden Wasser“ bedeutet. In der traditionellen Sprache der Seneca heißt der See „sga:nyodai:yoh“, übersetzt „schöner See“. Der Name des Gewässers ist damit älter als sowohl die Vereinigten Staaten als auch die kanadische Staatsgründung; die Provinz Ontario erhielt ihren Namen später vom See.
Trumps Entscheidung fällt mitten in den erneut eskalierten Handelsstreit mit Kanada. Nach dem Scheitern von Gesprächen verhängten die USA neue Zölle auf kanadische Waren, worauf Ottawa mit Gegenzöllen reagierte. Kanadas Premierminister Mark Carney wies die Umbenennung zurück und verwies ebenfalls auf die indigene Geschichte des Namens. Trump kann Kanada ohnehin nicht verpflichten, den neuen Namen zu übernehmen. Der US-Präsident wirft dem Nachbarland seit Langem vor, die Vereinigten Staaten bei Handel und Verteidigung auszunutzen, und hat wiederholt davon gesprochen, Kanada könne als 51. Bundesstaat Teil der USA werden. Für die Seneca Nation geht der Streit deshalb weit über eine Bezeichnung auf amerikanischen Karten hinaus: Sie sieht darin einen direkten Eingriff in eine Geschichte und Kultur, die lange vor der Gründung beider Staaten existierte.
Schweden schickt Kriegsschiffe und Kampfjets nach Finnland – Drohnenalarm an der russischen Grenze

Schweden wird Finnland im Herbst direkt militärisch beim Schutz seines Luftraums und bei der Abwehr von Drohnen unterstützen. Die finnische Regierung hatte um Hilfe gebeten, nachdem es in diesem Jahr mehrfach zu Verletzungen des Luftraums durch unbemannte Fluggeräte gekommen war. Nach Angaben der schwedischen Streitkräfte können Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Bodeneinheiten eingesetzt werden, die Drohnen stören oder vollständig zerstören können. Der größte Teil der Kräfte soll von Schweden aus operieren, bei Bedarf können jedoch auch Einheiten nach Finnland verlegt werden. Für die Dauer des Einsatzes ist sogar vorgesehen, dass schwedische Soldaten dem finnischen Kommando unterstellt werden können. Wehrpflichtige sollen ausdrücklich nicht eingesetzt werden. Hintergrund sind mehrere Vorfälle entlang der finnisch-russischen Grenze und im Gebiet des Finnischen Meerbusens. Ende März stürzten mindestens drei Drohnen auf finnischem Gebiet ab, Anfang Mai drangen zwei weitere unbemannte Fluggeräte nahe der russischen Grenze in den finnischen Luftraum ein.
Die finnischen Behörden gehen davon aus, dass es sich wahrscheinlich um ukrainische Drohnen handelte. Ministerpräsident Petteri Orpo erklärte damals, sie könnten durch russische Abwehrmaßnahmen vom Kurs abgekommen sein. Im Mai und Juli schränkte Finnland wegen weiterer möglicher Drohnenflüge während ukrainischer Angriffe auf die russische Region Leningrad zeitweise den Luft- und Seeverkehr ein. Schweden sieht die Entwicklung unmittelbar im Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine und will gemeinsam mit Finnland auch die Verteidigung der östlichen NATO-Grenze verstärken. Parallel haben sich Deutschland, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Polen und Schweden sowie Norwegen und Irland am 28. August auf eine gemeinsame Einsatzgruppe gegen Drohnen und andere hybride Bedrohungen verständigt. Auslöser waren die zunehmenden Drohnenvorfälle in Europa, darunter der Fund eines mit Sprengstoff bestückten Fluggeräts in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs am Flughafen Leipzig.
Die Welt hört Dolly Parton: 79,7 Millionen Streams an einem einzigen Tag

Nach dem Tod von Dolly Parton ist ihre Musik weltweit in einem Ausmaß abgerufen worden, das selbst für einen Star ihrer Größe außergewöhnlich ist. Am Montag, einen Tag vor ihrem Tod, kamen ihre Lieder in den USA noch auf rund 1,2 Millionen Audio- und Videoabrufe. Am Dienstag waren es bereits 30,5 Millionen – ein Anstieg um 2.458 Prozent. Einen Tag später stieg die Zahl in den Vereinigten Staaten noch einmal auf 46,3 Millionen. Weltweit sprang Partons Musik am Dienstag von zuvor 2,5 Millionen auf 41,8 Millionen Abrufe. Am Mittwoch erreichten allein die weltweit auf Abruf gehörten Audiotitel 79,7 Millionen. Damit war Dolly Parton an diesem Tag die meistgehörte Künstlerin der Welt. Ganz vorne stand wenig überraschend „Jolene“. Der Song kam am Montag noch auf gut 196.000 Abrufe in den USA, am Dienstag waren es 3,3 Millionen und am Mittwoch vier Millionen. „9 to 5“ stieg im gleichen Zeitraum von rund 209.000 auf drei Millionen und schließlich 3,6 Millionen. Auch „Islands in the Stream“, ihr Duett mit Kenny Rogers, wurde plötzlich wieder millionenfach gehört: von knapp 166.000 Abrufen am Montag auf 2,1 Millionen am Dienstag und 2,9 Millionen am Mittwoch.
Partons eigene Aufnahme von „I Will Always Love You“, die später durch Whitney Houston weltberühmt wurde, schoss von knapp 65.000 auf zwei Millionen und anschließend 2,8 Millionen. „Here You Come Again“ erreichte am Mittwoch 2,1 Millionen Abrufe, „Coat of Many Colors“ 1,9 Millionen. Selbst Titel, die im täglichen Streaming zuvor deutlich kleiner waren, wurden plötzlich hunderttausend- oder millionenfach gesucht. „Why’d You Come In Here Lookin’ Like That?“ sprang innerhalb von zwei Tagen von 22.000 auf 1,3 Millionen. „My Tennessee Mountain Home“ kam am Montag gerade einmal auf rund 5.800 Abrufe – am Mittwoch waren es 1,1 Millionen. Auch ihr Duett „There Was Jesus“ mit Zach Williams stieg stark und erreichte am Mittwoch 682.000 Abrufe. „Tyrant“, Partons Zusammenarbeit mit Beyoncé auf deren Album „Cowboy Carter“, kam auf rund 755.000. Es ist nicht nur die Musik. Auch Partons Bücher werden seit ihrem Tod massiv gekauft. Drei Bücher mit ihrem Namen standen am Freitag unter den fünf meistverkauften Titeln bei Amazon, darunter ihre autobiografische Liedersammlung „Dolly Parton, Songteller: My Life in Lyrics“ und ein Bilderbuch zu „Coat of Many Colors“. Dolly Parton war Sängerin, Schauspielerin, Unternehmerin und über Jahrzehnte auch für ihre wohltätige Arbeit bekannt. Nach ihrem Tod zeigt sich aber besonders deutlich, was Millionen Menschen zuerst mit ihr verbinden: ihre Lieder. Sie sind plötzlich wieder überall – und werden von einer neuen Masse von Menschen gehört, als wäre ihre gesamte Karriere innerhalb weniger Tage noch einmal geöffnet worden.
Moskau wird stiller: Die Kuckucke machen sich auf den Weg nach Süden

Die ersten Kuckucke haben Moskau und das Umland bereits verlassen, im September beginnt dann der eigentliche Abzug. Kuckucke gehören zu den Zugvögeln, die besonders früh in ihre Wintergebiete aufbrechen. Normalerweise verschwinden sie Ende August oder Anfang September aus der russischen Hauptstadtregion. Noch früher brechen nur die Mauersegler auf. Wer jetzt allerdings große Schwärme am Himmel erwartet, wird enttäuscht: Kuckucke ziehen allein und nicht in Gruppen. Deshalb verteilt sich ihre Abreise über einen längeren Zeitraum und fällt weit weniger auf als bei anderen Zugvögeln. Wann genau sie verschwinden, hängt auch vom Wetter vor Ort und von den Veränderungen des Klimas ab.
Nach den Kuckucken verlassen Nachtigallen und Fliegenschnäpper die Region. Grasmücken und Rohrsänger können dagegen noch bis Mitte Oktober in Moskau bleiben, Stare teilweise sogar bis Anfang November. Der gewöhnliche Kuckuck steht in Moskau auf der Roten Liste und gehört dort damit zu den besonders geschützten Arten. Zu finden ist er unter anderem im Nationalpark Lossiny Ostrow, im Bitzewski-Wald, im Landschaftspark Mitino und in Strogino sowie in den neueren Moskauer Verwaltungsgebieten. Dass die Tiere jetzt nach und nach verschwinden, ist jedes Jahr einer der frühen Hinweise darauf, dass der Sommer in der Region zu Ende geht. Während andere Vögel noch mehrere Wochen bleiben, beginnt für die Kuckucke bereits die lange Reise in ihre Winterquartiere. Wer in den kommenden Tagen noch einen hört oder sieht, könnte also bereits einem der letzten Moskauer Kuckucke dieses Sommers begegnen.
Sechs Monate Krieg, 66 Prozent Inflation: Jetzt räumt Teheran die wirtschaftlichen Schäden ein

Sechs Monate nach Beginn des Krieges mit den Vereinigten Staaten räumt die iranische Führung inzwischen selbst ein, wie schwer die Wirtschaft getroffen ist. Präsident Masoud Pezeshkian erklärte, Importe und Exporte seien infolge der amerikanischen Sanktionen und der Blockade iranischer Häfen um fast 35 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig erreichte die jährliche Inflation im vergangenen Monat 66 Prozent. Selbst der seit dem Angriff vom 28. Februar nicht mehr öffentlich aufgetretene oberste Führer Mojtaba Khamenei fordert die Regierung inzwischen schriftlich auf, sich ernsthaft um Inflation, Arbeitslosigkeit sowie die Preise für Waren und Dienstleistungen zu kümmern.
Washington erhöht den Druck weiter. Die Trump-Regierung hat Staaten und Unternehmen gewarnt, ihre Geschäfte mit Iran einzustellen, andernfalls drohten ihnen sogenannte Sekundärsanktionen. Bei den großen Handelspartnern China und Indien hält sich Washington bislang allerdings zurück, weil ein Angriff auf dortige Banken und Unternehmen auch die amerikanische und die Weltwirtschaft treffen könnte. Dafür geht das US-Finanzministerium nun gegen die ägyptische Banque Misr vor und will deren Filialen in den Vereinigten Arabischen Emiraten von Dollartransaktionen abschneiden. Zusätzlich wurden ein Unternehmen in Hongkong und eine mit der iranischen Bank Melli verbundene Person sanktioniert. Pezeshkian erklärte zugleich, dass Iran während der kurzen Vereinbarung mit den USA im Juni rund 90 Millionen Barrel Öl verkaufen konnte, nachdem Washington diese Verkäufe vorübergehend zugelassen hatte. Diese Phase hielt nicht lange.
Katar versucht inzwischen erneut, zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani traf am Donnerstag die iranische Führung in Teheran und drängte auf eine Rückkehr zur freien Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Außenminister Abbas Araqchi bezeichnete die Gespräche anschließend als „kreativ“. Gerade dort bleibt die Lage aber festgefahren. Die USA erklären, ihre Streitkräfte hätten die vom iranischen Revolutionsgardekorps gelegten Seeminen geräumt, und Trump behauptet wiederholt, die Meerenge sei offen. Die Marine der Revolutionsgarden nennt das eine „offensichtliche Lüge“ und besteht darauf, dass Schiffe weiterhin iranische Erlaubnis benötigen. Die tatsächlichen Verkehrszahlen passen kaum zu einer Rückkehr zum Normalbetrieb: Am Donnerstag passierten nur sieben Frachtschiffe die Straße von Hormus, am Vortag waren es 17, der Durchschnitt der vergangenen zehn Tage lag bei 15. Während beide Seiten militärisch weiter Stärke zeigen, wird in Teheran immer schwerer zu übersehen, was dieser Krieg inzwischen im Alltag kostet.
US-Konzerne fürchten die Zeit nach Trump – jetzt kaufen sie sich vorsorglich bei den Demokraten ein

Große US-Unternehmen, die Donald Trump in den vergangenen Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt haben, bereiten sich inzwischen darauf vor, nach den Zwischenwahlen selbst ins Visier des Kongresses zu geraten. Besonders Technologiekonzerne rechnen mit Anhörungen, Aktenanforderungen und möglicherweise Vorladungen, falls die Demokraten im November die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen. Meta und Palantir gehören zu den Unternehmen, deren Führungskräfte und Berater bereits durchspielen, wie sie auf Untersuchungen reagieren sollen. Einige Konzerne richten dafür eigene Arbeitsgruppen ein, andere holen ehemalige demokratische Regierungsmitarbeiter ins Haus oder überweisen inzwischen Millionen an Organisationen der Demokraten. Meta gab nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens allein jeweils fünf Millionen Dollar an zwei mit der demokratischen Führung im Repräsentantenhaus und Senat verbundene Organisationen.
Gleichzeitig zahlte der Konzern auch jeweils fünf Millionen Dollar an zwei entsprechende republikanische Gruppen und hatte im Frühjahr bereits zehn Millionen Dollar an ein Trump-nahes politisches Komitee überwiesen. Damit liegen Metas Zuwendungen an politische Organisationen für Bundeswahlen in diesem Jahr bereits bei mindestens 30 Millionen Dollar. Der Grund für die neue Vorsicht ist einfach: Demokraten könnten Unternehmen untersuchen, die besonders viel Geld für Trump, dessen Projekte oder Personen aus seinem familiären und politischen Umfeld ausgegeben haben. Minderheitsführer Hakeem Jeffries, der bei einem Wahlsieg der Demokraten Sprecher des Repräsentantenhauses werden könnte, kündigte bereits an, Unternehmen stärker zur Verantwortung ziehen zu wollen, und sprach vom Ende einer Ära „ungezügelter Korruption“ durch das „Trump-Kartell“. Amazon, Chevron, Pfizer und UnitedHealth schickten Führungskräfte zu einem Seminar der US-Handelskammer, bei dem es ausdrücklich darum ging, wie Unternehmen mit Untersuchungen des Kongresses und Vorladungen umgehen sollen. Auch große Kanzleien bieten inzwischen entsprechende Veranstaltungen an. Paramount hat mit Shuwanza Goff die frühere Leiterin der Gesetzgebungsarbeit von Joe Biden eingestellt. Der Wettmarktbetreiber Kalshi, bei dem Donald Trump Jr. als strategischer Berater tätig ist, holte mit Stephanie Cutter eine frühere Obama-Beraterin und mit John Bivona einen früheren Biden-Mitarbeiter. OpenAI wiederum organisierte in Washington Abendessen mit demokratischen Abgeordneten und Vorstandschef Sam Altman, um die Beziehungen zur Partei auszubauen.
Ganz von Trump abrücken wollen viele Unternehmen trotzdem nicht, denn die Regierung sitzt noch mehr als zwei Jahre im Weißen Haus und entscheidet weiterhin über Genehmigungen und wichtige Regulierungen. Einige Manager versuchen deshalb, noch möglichst viele Geschäfte und politische Entscheidungen unter Dach und Fach zu bringen, bevor sich die Mehrheiten im Kongress ändern könnten. Elon Musk geht den umgekehrten Weg und will mehr als 100 Millionen Dollar ausgeben, damit die Republikaner ihre Mehrheit behalten. In vielen Chefetagen läuft dagegen inzwischen eine andere Rechnung: Wer sich jahrelang demonstrativ an Trump gebunden hat, will plötzlich auch bei den Demokraten wieder eine offene Tür haben.
