Ein ranghoher Vertreter in Teheran hat der Regierung in Washington gedroht, Iran werde die Spannungen in der Straße von Hormus und darüber hinaus verschärfen und einen Angriff führen, sollten die Vereinigten Staaten das vorläufige Friedensabkommen nicht binnen weniger Wochen vollständig erfüllen. Die Warnung fiel am Montag und ließ an ihrer Richtung keinen Zweifel. Sie gilt derselben Macht, mit der Teheran zugleich noch verhandeln will. Die Drohung und das Angebot zum Gespräch kommen aus demselben Mund, am selben Tag. Beides zugleich zu hören lässt offen, welches Teheran das andere aufhebt.
Verstreiche die Frist und scheitere die Diplomatie, so der Vertreter, führe Teheran einen „zeitnahen und präzisen“ Militärschlag, um die amerikanische Seeblockade gegen die Islamische Republik zu brechen. Der Satz benennt ein Ziel und ein Mittel, und beides richtet sich gegen den Gegner am Verhandlungstisch. Eine Blockade zu brechen heißt, Schiffe und Meerengen zum Schauplatz zu machen, dort, wo ein einziger Zwischenfall genügt, um aus einer Drohung einen Krieg zu machen. Was „zeitnah und präzise“ heißen soll, bleibt im Ungefähren, und gerade diese Unschärfe gehört zur Drohung. Ein Gegner soll das Schlimmste fürchten, ohne zu wissen, wogegen er sich rüsten muss.

Die Bemühungen, beide Seiten unter das Juni-Abkommen an den Tisch zurückzuholen, sind in den vergangenen Wochen ins Stocken geraten. Zwei Bedingungen stehen sich unversöhnlich gegenüber. Der iranische Außenminister erklärte, die Straße von Hormus bleibe geschlossen, bis die Vereinigten Staaten zuerst zum Abkommen zurückkehrten. Der US-Finanzminister wiederum drohte Iran mit einer wirtschaftlichen Abschottung ohnegleichen. Jede Seite verlangt den ersten Schritt der anderen, und so bewegt sich keine. Ein Abkommen, das beide zugleich vom Gegner einfordern, hält niemanden mehr, es benennt nur, woran das Vertrauen zerbrochen ist. Beide Seiten haben aus dem Papier eine Bedingung gemacht, die sie dem Gegner vorhalten.
Innerhalb der wenigen Wochen, die Iran gesetzt habe, müssten die Vereinigten Staaten alle Bestimmungen des Abkommens erfüllen, sagte der Vertreter, und erst das sei die Voraussetzung für weitere Gespräche. Vermittler sollten die Frist nach Washington und in die Staaten der Region tragen, damit auch die Nachbarn früh erführen, was Teheran vorhabe. Zwei Mächte, die einander nicht mehr trauen, reden nur noch über Boten, und jeder Bote trägt eine Uhr, die bereits läuft. Eine Frist über Vermittler zu stellen heißt, gehört werden zu wollen und sich zugleich einen Weg zum Rückzug offenzuhalten.

„Iranische Stellen müssen bereit sein, die Spannungen in der Straße von Hormus und in der weiteren Region zu verschärfen“, sagte der Vertreter, das Land werde schwere Entscheidungen treffen und danach handeln. Eine Frist ist eine Rede, die nur wirkt, solange der andere sie glaubt. Teheran spricht sie aus, als glaube es selbst kaum noch an die Kraft des Wortes. Die harten Sätze richten sich nach außen wie nach innen, an den Gegner und an die eigenen Reihen, die Entschlossenheit sehen sollen.
Teheran verlege seine Linie von der Verteidigung zum Angriff, sagte der Vertreter, weil es das Vertrauen in den Nutzen der Diplomatie mit Washington verliere. Der Schild wird gesenkt und das Schwert erhoben, und die Hoffnung auf das Gespräch ist damit abgeschrieben. Ein Staat, der vom Abwehren zum Zuschlagen wechselt, kündigt an, dass er die Geduld für verbraucht hält. Verteidigung lässt sich stets rechtfertigen, ein Angriff verlangt einen Beschluss, und der Vertreter deutet an, dass dieser Beschluss bereits reift. Vom Schild zum Schwert ist es ein kurzer Weg, der Rückweg dagegen dauert Jahre.
Die weitere Region, die er neben der Meerenge nennt, umfasst mehr als Wasser. Sie umfasst die Verbündeten und die Stützpunkte, an denen eine Eskalation zuerst zu spüren wäre. Von der Region zu sprechen dehnt die Drohung über den Golf hinaus, ohne einen einzelnen Ort zu nennen.
„Es ist eine erwiesene Tatsache, dass die USA es mit einer Waffenruhe nicht ernst meinen und sich zu keiner verpflichten werden“, sagte der Vertreter. Druck auf den Feind oder das Vertrauen auf Vermittler in der Hoffnung auf eine dauerhafte Waffenruhe seien deshalb nicht mehr aussichtsreich. Verhandeln setzt einen Rest Vertrauen voraus, den der Vertreter für aufgebraucht erklärt. Wird die Waffenruhe für ausgeschlossen erklärt, bleibt für die kommenden Wochen nur ihr Gegenteil. Die Sprache der erwiesenen Tatsache duldet keine Antwort, sie schließt das Gespräch, das sie zu führen vorgibt.
Über die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Ölhandel der Welt, schiebt sich damit erneut die Drohung ihrer Schließung. Der amerikanischen Seeblockade will Teheran die eigene Sperre entgegensetzen, und jede Seite wartet auf den ersten Schritt der anderen. Zwei Sperren, die einander bedingen, halten die Fahrrinne und die Verhandlung zugleich verstopft. Die Ölmärkte hängen an einer Meerenge, die kaum breiter ist als die Nerven derer, die sie befahren. Zwischen dem Ultimatum und seinem Ablauf liegt der schmale Rest, den man Diplomatie nennt. Die Frist von wenigen Wochen misst weniger die Zeit bis zum Angriff als das, was vom Reden noch übrig ist.
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