Brent Jindra hat dreimal für Donald Trump gestimmt und lebt nun, wie er sagt, in Angst. Der 48-jährige Technologieverkäufer bezeichnet sich als Anhänger der MAGA-Bewegung und hatte deren harte Einwanderungspolitik begrüßt. Nun hat ihn die eigene Sache eingeholt. Mitte Juli nahm die Einwanderungsbehörde ICE seine Frau Galina Bobreneva am Flughafen von Burbank in Kalifornien fest. „Sie ist nicht über eine Mauer gesprungen, sie ist nicht durch einen Fluss geschwommen“, sagt Jindra. „Sie kam durch Trumps schöne, große Eingangstür ins Land.“
Das Paar war aus San Francisco angereist, als ein Beamter in Zivil Bobreneva anhielt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden für eine zusätzliche Kontrolle ausgewählt“, habe er zu ihr gesagt. Der Glückwunsch war der letzte höfliche Satz. Etwa 15 Minuten später trug sie Handschellen und saß in einem nicht gekennzeichneten Wagen, der sie in eine Hafteinrichtung in der Innenstadt von Los Angeles brachte. Aus einer Reisenden mit Papieren wurde in einer Viertelstunde eine Gefangene ohne Adresse.

Bobreneva, 40, ist russische Staatsbürgerin und kam 2021 in die Vereinigten Staaten. Nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine verlängerte sie ihr Visum 2 Mal, 2022 beantragte sie Asyl, dazu läuft ein Antrag auf eine dauerhafte Aufenthaltskarte. Ihr Anwalt sagt, sie habe sich zu jeder Zeit rechtmäßig im Land aufgehalten. Sie war vor einem Krieg geflohen und hatte jeden Weg genommen, den das Gesetz ihr wies. Ihr Land führte Krieg, ihr Gastland erklärte ihre Papiere für nichtig. 2 Verlängerungen und ein Asylantrag, ordentlich eingereicht und doch vergeblich.
Das Department of Homeland Security sieht es anders. Es nannte sie eine „illegal alien“ und erklärte, sie habe ihren erlaubten Aufenthalt entgegen den Gesetzen des Landes überschritten. Eine Arbeitserlaubnis oder ein noch laufender Antrag, so die Behörde, verliehen keinen rechtmäßigen Aufenthaltsstatus in den Vereinigten Staaten. So erklärt die Behörde einen laufenden Antrag für wertlos und macht aus dem Warten auf die Entscheidung ein Vergehen. Der geordnete Weg verliert seinen Sinn, wenn er zuletzt in dieselbe Zelle führt.
Jindra hatte die Politik getragen, weil er ein Vorgehen gegen jene wollte, die er für illegal Eingereiste hielt. Dass sie Menschen treffen würde, die auf legalem Weg gekommen waren, hatte er nicht erwartet. Ein Staatsbürger musste zusehen, wie seine Frau weggezerrt wurde, ohne zu wissen, wohin man sie brachte. Sein Ausweis und seine Treue zur Bewegung, nichts davon half ihm in dieser Viertelstunde. Die Politik, die er bejubelte, unterscheidet nicht zwischen dem Fremden, den er fürchtete, und der Frau, mit der er lebt.

Die schöne, große Eingangstür ist Trumps eigenes Wort für den erwünschten, geordneten Zuzug. Bobreneva hatte ihn genommen, mit Visum und Antrag. Ausgerechnet am Schalter des legalen Weges griff der Staat zu. Der legale Weg verlässt sich auf das Wort des Staates, und dieses Wort hielt nicht. Der harte Kurs lebte für seine Anhänger von einem einzigen Bild, dem Fremden, der sich hereinstiehlt. In dieser Vorstellung kam der Feind über die Mauer und durch den Fluss, kenntlich und von außen. Nun trägt er das Gesicht der eigenen Ehefrau, die mit gültigem Visum am Schalter stand. Der Glaube an die Maschine hält, solange sie nur die anderen greift.
Bobreneva verbrachte 16 Tage in Haft. Eine Nacht lag sie auf dem Boden einer Zelle im Keller eines Gebäudes in der Innenstadt von Los Angeles, danach war sie rund 2 Wochen in einem Einwanderungshaftzentrum in Adelanto untergebracht. Schließlich kam sie gegen eine Kaution von 35.000 Dollar frei, mit der Auflage, eine elektronische Fußfessel zu tragen. 16 Tage genügten, um aus einer Frau mit Asylantrag eine Frau mit Fußfessel zu machen. Der Boden im Keller und die 2 Wochen in Adelanto, all das für einen Aufenthalt, den ihr Anwalt rechtmäßig nennt.
Die Bedingungen nannte sie entsetzlich. „Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch, nicht wie ein Mensch“, sagt sie. Schlaf sei ihr entzogen worden, weil das Licht nie ausging und die Funkgeräte der Wachen ständig lärmten. Ein Ort, an dem das Licht nie erlischt, kennt keine Nacht und keine Ruhe für den Körper. Für rund 120 Frauen hätten nur 4 Duschen funktioniert, sauberes Trinkwasser sei kaum zu bekommen gewesen. Medizinische Hilfe habe man verweigert. 4 Duschen für 120 Frauen ergeben eine Rechnung, die niemand bestehen kann. Sie erinnert sich an eine schwangere Frau mit Diabetes, die um Insulin bettelte. Was sie beschreibt, gehört zum Alltag eines Ortes, an dem der Mensch zur Nummer schrumpft.
Das Department of Homeland Security wies das zurück. Jede Behauptung mangelhafter Zustände in Adelanto sei falsch, sagte ein Sprecher. Alle Inhaftierten erhielten angemessene Mahlzeiten und Wasser. Auch medizinische Behandlung sei gesichert, und sie könnten mit Angehörigen und Anwälten sprechen.
Zwei Stimmen stehen gegeneinander, die der Frau, die 16 Tage darin lag, und die einer Behörde, die alles in Ordnung nennt. Die Fußfessel an ihrem Knöchel spricht für die erste. Zwischen dem Wort einer Behörde und dem Körper einer Frau entscheidet zuletzt, wer die Wahrheit am eigenen Leib trägt. Bobreneva soll sich am 7. September bei ICE in San Francisco melden, ihr erster Gerichtstermin steht auf dem 22. Oktober. „Wir leben in meinem eigenen Land in Angst“, sagt Jindra. Es ist der Satz eines Mannes, der die Härte gewollt und geglaubt hatte, sie werde nur Fremde treffen. Nun kennt er aus dem eigenen Wohnzimmer das Gefühl, das er anderen zugedacht hatte.
Auch mancher Wähler der AfD könnte dieses Gefühl noch kennenlernen. Eine Politik, die verspricht, nur die Fremden zu treffen, sucht sich mit der Zeit andere Ziele, und ihre Rechnung reicht weit über die Migration hinaus. Werden Gerichte gebeugt oder Sozialleistungen gekürzt, trifft es zuerst die Schwächsten und bald auch jene, die zugestimmt haben. Der Fremde von heute ist der Rentner oder der Pendler von morgen, sobald der Staat gelernt hat, dass Härte sich auszahlt. Eine Bewegung, die nach unten tritt, findet unten irgendwann jeden.
Ein Gericht musste anordnen, was sich von selbst verstehen sollte, sauberes Wasser für Menschen in staatlicher Hand.
Adelanto trägt seinen Ruf nicht erst seit diesem Fall. Anfang des Monats veröffentlichte die Familie des 44-jährigen Carlitos Ricardo Parias ein Video, mit wurmartige Lebewesen in einer Flasche Trinkwasser zeigt, wie sie den Inhaftierten gereicht worden sei. Parias sitzt weiter in Bundeshaft und wartet auf seine Abschiebung nach Mexiko. Das Video erschien wenige Wochen, nachdem ein Bundesrichter ICE angewiesen hatte, den Inhaftierten binnen 24 Stunden sauberes Trinkwasser zu geben. Kaum war das angeordnet, zeigte das Video der Familie, was weiter in den Flaschen schwamm. Die Anordnung folgte einer Sammelklage, die gefährliche Zustände geltend machte, darunter zu wenig Essen und schlechtes Trinkwasser. Auch die ärztliche Betreuung sei unzureichend. Ein Gericht musste anordnen, was sich von selbst verstehen sollte, sauberes Wasser für Menschen in staatlicher Hand.
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