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„Papa, wir sind Staatsbürger“: In Kansas terrorisiert ICE Amerikaner und legt die Fleischwerke der Nation lahm

VonTEAM KAIZEN BLOG

26. September 2026

Ein schwarzer Pickup mit Sirene hängt sich an den Wagen einer 20-Jährigen, die ihren Vater von der Fleischfabrik abholt. Sie hält sofort. Der Beamte tritt an die Fahrertür und verlangt, sie solle das Fenster herunterlassen und sich ausweisen. Guadalupe N. fragt, ob er einen Durchsuchungsbefehl habe und weshalb man sie angehalten habe. Er schweigt. Eine Behörde, die keine Auskunft mehr schuldet, besitzt die bequemste Form der Macht. Sie muss nichts erklären. Sie muss nur erscheinen. Der Beamte zog ihren Ausweis durch ein Gerät, dann durften die beiden weiterfahren. Zu Hause stieg die Tochter zitternd und weinend aus, und Frank D. nahm sie in den Arm. Er arbeitet bei Cargill in Dodge City, seine Tochter im Werk von National Beef in Liberal. Beide sind in Kansas geboren, beide haben ihr Leben dort verbracht. Ihn habe die Wut gepackt, sagt er, das sei seine Tochter gewesen, die ihn abhole, keine 15 Minuten von der Schicht entfernt. „Wir sind beide hier geboren, in Kansas. Wir sind Staatsbürger, Papa“, habe sie gesagt. Herausgegriffen habe man sie, weil man ihnen die Herkunft ansehe.

Was den beiden am Straßenrand geschah, läuft seit Dienstag im ganzen Südwesten des Bundesstaates. In Dodge City und Liberal leben die Menschen seither in einer Angst, die die stellvertretende Bürgermeisterin von Liberal, Janeth Vazquez, unbeschreiblich nennt. Auch Garden City und die kleineren Orte ringsum sind erfasst. Man habe in der Nacht zum Montag davon erfahren, sagt Vazquez, seither trauten sich viele nicht mehr aus dem Haus. Dutzende seien bereits festgenommen worden. Wie viele genau, teile ICE den örtlichen Stellen nicht mit. Selbst Senator Roger Marshall erklärte, vorab habe ihn niemand unterrichtet. Bewohner wie Amtsträger sind überzeugt, die Beamten missachteten die Verkehrsregeln und hielten Menschen allein nach dem Aussehen an, amerikanische Staatsbürger eingeschlossen.

Dodge City

Die Erklärung von oben und die Menschen, die unten verschwinden, passen schlecht zusammen. Senator Jerry Moran teilte im Netzwerk X mit, er habe mit dem Minister für Heimatschutz, Markwayne Mullin, gesprochen; dieser habe ihm versichert, ICE arbeite mit der örtlichen Polizei zusammen und greife jene heraus, gegen die Haftbefehle wegen Straftaten vorlägen. Auf Anfrage schickte die Behörde eine Liste von Abgeschobenen mit Vorstrafen, „die Schlimmsten der Schlimmen“, sämtlich aus der weit entfernten Gegend von Kansas City. Mit den Fabrikstädten im Südwesten, in denen die Festnahmen laufen, hatte diese Liste nichts gemein. Kathleen Alonso von der Organisation New Frontiers sprach danach mit den betroffenen Familien. Deren Angehörige, sagt sie, hätten keinerlei Vorstrafen gehabt.

Diese Region liefert gut 22 Prozent des mit Getreide gemästeten Rindfleischs der Vereinigten Staaten, so die Kansas Livestock Association und das amerikanische Landwirtschaftsministerium. Sie tut es mit den Händen von Einwanderern. Allein bei National Beef in Dodge City arbeiten über 2.500 Menschen. Die Gewerkschaft United Food and Commercial Workers Local 2, die die Beschäftigten der Werke vertritt, verurteilte das „ICE-Chaos“ und erklärte, die Aktion trage Angst in das Leben derer, die ihren Unterhalt verdienten und das Land ernährten. Wenige Wochen zuvor hatte dieselbe Gewerkschaft dort einen höheren Lohn durchgesetzt. Der Landstrich, der die Nation satt macht, fürchtet sich nun davor, zur Schicht zu fahren.

Die Angst hat einen genauen Stundenplan. An der Meadowlark-Grundschule fehlten am Mittwoch 120 Kinder. Geschäfte schlossen für die ganze Woche, Schichten blieben leer. Am Dienstagmorgen sei eine Mutter festgenommen worden, deren Säugling im Auto saß; eine Freiwillige habe einen Verwandten rufen müssen, der das Kind holte. Man fühle sich hilflos, sagt Vazquez, man wisse nicht, wie das zu heilen sei. So etwas kenne man aus den Nachrichten; dass es einen kleinen Ort im Südwesten von Kansas treffe, habe niemand für möglich gehalten. Nachbarn kaufen für jene ein, die das Haus nicht mehr verlassen. Andere fahren fremde Kinder zur Schule. Am Morgen des 23. September standen Jugendliche an einer Kreuzung in Liberal und hielten Fahnen und Schilder hoch, die der Regen längst durchweicht hatte.

Janeth Vazquez

Janeth Vazquez, Vizebürgermeisterin von Liberal, Kansas, berichtet von Beamten, die führen, als gelte das Gesetz für sie selbst nicht. Vor ihr sei ein Fahrzeug von ICE nach Süden unterwegs gewesen, dann habe es aus dem Nichts gewendet und sei quer durch den Gegenverkehr einem anderen Wagen nachgesetzt. Ob drinnen in den Werken tatsächlich Menschen abgeführt wurden, ist bislang unbestätigt; die Berichte darüber häufen sich dennoch. In den sozialen Netzwerken reiht sich Meldung an Meldung, wo überall im Umkreis Beamte gesichtet worden seien. Catholic Charities of Southwest Kansas bietet mit der Kanzlei Cardoza Law aus Oklahoma eine kostenlose Rechtsberatung an.

Was gesichert ist, steht am Straßenrand von Kansas. Eine junge Frau, in ihrem eigenen Land geboren, soll ihre Zugehörigkeit vorweisen, gefragt von einem, der ihr die Antwort schuldig bleibt. Sie hat die Papiere gezeigt, wie es verlangt war. Genützt hat es an diesem Nachmittag nichts.

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1 Kommentar
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Paula Wuschitz
Paula Wuschitz
1 Minute vor

Sehr beängstigend, vor allem wenn ich sehe wie das in Deutschland-Österreich von den Extrem Rechten immer deutlivher angestrengt wird

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