Beim Spiel zwischen Südkorea und Tschechien meldet die FIFA ein fast ausverkauftes Stadion in Guadalajara, doch die Bilder zeigen tausende leere Sitze, viele davon in den teuren Rängen am Spielfeld. Die Rekordpreise stehen in der Kritik, und zwei amerikanische Generalstaatsanwälte ermitteln!
Beim Spiel zwischen Südkorea und Tschechien, das Südkorea am Donnerstag mit 2:1 gewann, waren ganze Felder leerer Sitze zu sehen, und das wirft Fragen auf nach dem Umgang der FIFA mit den höchsten Eintrittspreisen, die es bei einer Weltmeisterschaft je gab. Viele der leeren Plätze lagen, wie The Athletic berichtet, in den teuren Rängen nahe dem Spielfeld, und über das ganze Stadion verteilt schienen es Tausende zu sein.
Die FIFA dagegen meldete für das Stadion von Guadalajara, das 46.000 Menschen fasst, eine Zuschauerzahl von 44.985, ein fast volles Haus. Ob diese Zahl auf den verkauften Karten beruht oder auf den Menschen, die das Gelände tatsächlich betraten, ließ der Verband offen. In dieser einen offenen Frage steckt der ganze Streit, denn ein verkaufter Platz und ein besetzter Platz sind nicht dasselbe, und nur das Auge im Stadion weiß, welcher von beiden zählt.

Die Preise dieses Turniers sind im Vergleich zur Weltmeisterschaft 2022 in Katar auf das Fünffache gestiegen, so die Fanvereinigung Football Supporters Europe, die von wucherischen Kosten spricht. Dieselbe Vereinigung erinnert daran, dass die Ausrichter in einer Bewerbungsunterlage von 2018 noch Karten für gerade einmal 21 Dollar versprochen hatten. Gespielt wird in den drei Gastgeberländern, den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada.
Die Generalstaatsanwälte von New York und New Jersey haben Ermittlungen aufgenommen wegen, wie sie es nennen, unmöglich hoher Preise. Untersucht werden aber nicht nur hohe Preise, sondern auch Vorwürfe, dass Sitzkategorien nachträglich verändert wurden, Fans andere Plätze als erwartet erhielten und durch variable Preisgestaltung sowie künstliche Verknappung Preise in die Höhe getrieben wurden.
FIFA-Präsident Gianni Infantino verteidigte die Preisgestaltung noch am Mittwoch und nannte die Kosten vergleichbar mit denen anderer großer Sportveranstaltungen. Wenn man etwas falsch mache, sagte er, dann mache wohl jeder, der in Nordamerika Karten verkaufe, etwas falsch.

Am Vorabend des Turniers waren 29 Spiele ausverkauft, für 75 gab es noch Karten. Recherchen ergaben, das auf der offiziellen Wiederverkaufsplattform der FIFA standen am Dienstag noch fast 179.500 Karten zum Verkauf, deren mittlerer Preis dort im Lauf eines Monats um zwanzig Prozent gefallen war. Auch auf fremden Plattformen wie StubHub und SeatGeek werden Karten für die Weltmeisterschaft angeboten. Nach der Kritik bot die FIFA eine kleinere Zahl von Karten zu 60 Dollar für alle 104 Spiele den nationalen Verbänden an, gedacht für deren treue Anhänger. 130.000 Karten seien es in dieser Kategorie, sagte Infantino. Weitere würden näher an den Spielen frei, und man müsse stets einige Karten für jene Mannschaften zurückhalten, die sich für die weiteren Runden qualifizierten.
Dass die leeren Ränge nicht überall zu sehen waren, macht die Sache nicht harmloser, sondern deutlicher. Beim Eröffnungsspiel am selben Donnerstag, zwischen dem Mitgastgeber Mexiko und Südafrika in Mexiko-Stadt, war das Stadion mit 80.824 Zuschauern voll besetzt. Wo das Spiel ein Ereignis war, kamen die Menschen, und wo der Preis blieb und der Glanz fehlte, blieben die teuersten Sitze leer.
So entsteht ein eigentümlicher Widerspruch zwischen der Zahl und dem Bild. Die FIFA verkündet ein fast volles Stadion, und die Kamera zeigt leere Stühle in der ersten Reihe, dort, wo der Blick auf das Spiel am meisten kostet. Es gibt eine Ehrlichkeit im leeren Sitz, die keine Statistik einholt, denn er sagt ohne Worte, was ein Preis bewirkt, der die besten Plätze frei räumt. Man kann eine Karte verkaufen und doch keinen Menschen auf ihr sehen, und der Verband, der sich weigert zu sagen, ob er Karten oder Köpfe zählt, hat sich für die bequemere Wahrheit entschieden. Am Ende bleibt das Bild eines Stuhls am Spielfeldrand, des teuersten im Haus, auf dem niemand sitzt, während über den Lautsprechern ein volles Haus gemeldet wird.
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