Die Söhne verkaufen Drohnen, der Vater führt den Krieg, der ja eigentlich beendet ist – Das Pentagon zahlt, das Land zahlt mit

VonRainer Hofmann

Mai 2, 2026

Während Donald Trumps föderale Kürzungen Armut und Tod im eigenen Land und weltweit verschärfen, findet seine Regierung weiterhin Wege, amerikanisches Steuergeld in die Familie zu lenken. Das jüngste Beispiel ist nicht subtil. Die US-Luftwaffe wird eine große bezifferte Anzahl an Abfang-Drohnen von einem Unternehmen kaufen, das von den beiden ältesten Söhnen des Präsidenten gestützt wird. Donald Trump Junior und Eric Trump sind nach einem Reverse-Merger im März in den Vorstand des Drohnenherstellers Powerus eingetreten. Ein Reverse-Merger ist ein Trick aus der Finanzwelt, um schnell an die Börse zu kommen, ohne den normalen Weg zu gehen. Eine private Firma „übernimmt“ eine bereits börsennotiertes Unternehmen. Powerus sitzt in West Palm Beach. Sie verkauft jetzt direkt an das Pentagon. Das Pentagon, das wiederum dem Vater, Trump Senior, untersteht.

Die Bestätigung kommt von Brett Velicovich, dem Mitgründer und Präsidenten von Powerus. Nach einer Demonstration in einer Einrichtung in Arizona habe das Verteidigungsministerium den Auftrag erteilt. Das Guardian-2-Interceptor-System soll feindliche Drohnen aufspüren, verfolgen und zerstören. „Es geht darum, amerikanische Leben zu retten“, sagt Velicovich. „Das Guardian-2 funktioniert. Die Tötungskette funktioniert.“ Diese Tötungskette wird jetzt mit Steuergeldern bezahlt, die in die Tasche einer Firma fließen, in der zwei Söhne des amtierenden Präsidenten im Vorstand sitzen.

Jackpot

Es ist nicht der erste Fall. Das Verteidigungsministerium, bekannt auch unter Kriegsministerium, hatte zuvor eine israelische Drohnenfirma, in die Eric Trump investiert ist, eingeladen, sich an einer Beschaffung von über einer Milliarde Dollar zu beteiligen. Das Muster wiederholt sich. Die Empfänger ändern sich kaum. Was sich ändert, ist nur die Höhe der Summen, die fließen. Trump Senior hat den Kongress um ein historisches Militärbudget von 1,5 Billionen Dollar für 2027 gebeten. Mehr, als das Pentagon je zuvor gefordert hat. Wer den Topf so groß macht, weiß, wem die Schöpfkellen gehören.

Der Mann, der diesen Krieg führt, hatte im Wahlkampf versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Trump Senior hat trotzdem einen begonnen. Den Krieg gegen den Iran. Tief unpopulär, tödlich, wirtschaftlich zerstörerisch, ohne erkennbares Ende. Trump hat bisher kein erkennbares Interesse gezeigt, ihn zu beenden, außer auf dem Papier. Wer die Frage stellt, warum nicht, findet eine unangenehme Antwort. Eric und Donald Trump Junior beißen sich gerade in die Kriegswirtschaft fest. Je länger der Krieg, desto höher die Aufträge. Je höher die Aufträge, desto mehr fließt in eine Firma, in der ihre Namen stehen.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Krieg per Brief beendet. Die Frist verstreicht, der Kongress sitzt still, der Präsident regiert allein

Hinzu kommen Personalentscheidungen, die nicht nach Zufall aussehen. Powerus hat den pensionierten Generalleutnant Keith Kellogg in seinen Beirat berufen. Kellogg war Senior Advisor im Weißen Haus und Sondergesandter Trumps für die Ukraine und Russland. Über dreißig Jahre Militärdienst. Er weiß genau, wie Pentagon-Aufträge funktionieren. Er weiß genau, welche Türen sich öffnen, wenn der richtige Name auf dem Briefkopf steht. Er ist jetzt der richtige Name auf dem Briefkopf. Die Firma Unusual Machines hat bereits einen Auftrag von über fünf Millionen Dollar von Powerus erhalten, für US-amerikanische Komponenten in Drohnenabwehrsystemen. Das Geld bewegt sich. Es bewegt sich in eine bestimmte Richtung.

Dazu kommt die Aktie. Powerus fusioniert mit Aureus Greenway Holdings, einem Unternehmen, das aktuell unter dem Kürzel AGH an der Nasdaq gehandelt wird. Nach Abschluss soll der neue Konzern unter dem Kürzel PUSA notieren. AGH hat in den letzten zwölf Monaten eine Kursrendite von 565 Prozent erzielt. Wer im richtigen Moment eingestiegen ist, hat heute ein Vermögen. Die Trump-Familie ist im richtigen Moment eingestiegen. Das ist kein Zufall. Es ist ein System. Ein System, in dem politische Macht und privater Kapitalfluss in derselben Hand zusammenlaufen.

Während all das passiert, sagt der Präsident öffentlich Sätze, die im Licht dieser Aufträge eine andere Bedeutung bekommen. Bei einem Oster-Lunch im Weißen Haus erklärte Trump, es sei „nicht möglich“ für die Bundesregierung, Medicare, Medicaid und Kinderbetreuung zu finanzieren. „Wir können uns nicht um Tagesbetreuung, Medicaid, Medicare, all diese einzelnen Dinge kümmern“, sagte er. Das müssten die Bundesstaaten machen. Auf Bundesebene gehe das nicht. Es gebe nur eine Aufgabe, die der Bund erfüllen müsse. Den militärischen Schutz. Man müsse das Land bewachen.

Übersetzt heißt das. Für kranke Kinder ist kein Geld da. Für Kinderbetreuung ist kein Geld da. Für die Pflege alter Menschen ist kein Geld da. Aber für Drohnen aus der Firma seiner Söhne ist Geld da. Sehr viel Geld. Das ist die Hierarchie der Werte in dieser Präsidentschaft. Sie ist nicht versteckt. Sie wird offen ausgesprochen, an einem Esstisch im Weißen Haus, an Ostern, vor laufender Kamera.

Das hier ist nicht mehr ein Konflikt zwischen Politik und persönlichem Vorteil. Es ist die Verschmelzung der beiden. Das Pentagon ist nicht mehr eine Behörde, die im Auftrag des Volkes Verteidigung organisiert. Es ist ein Auftraggeber, der Aufträge an Firmen vergibt, die mit dem Vorgesetzten des Auftraggebers verwandt sind. In jeder anderen Demokratie würde das eine Untersuchung auslösen, die sich über Jahre zieht. In dieser Demokratie löst es einen Bloomberg-Artikel aus, der nach drei Tagen wieder verschwunden ist. Also haben wir es nochmals recherchiert.

Was dabei langfristig zerstört wird, lässt sich nicht in Dollar messen. Es ist das Vertrauen darauf, dass öffentliche Mittel öffentlichen Zwecken dienen. Es ist die Annahme, dass ein Präsident sein Amt nicht zur Bereicherung der eigenen Familie nutzt. Es ist die alte Trennlinie zwischen Staat und Hofhaltung, zwischen Republik und Monarchie, die hier Stück für Stück abgetragen wird. Wer einmal so regiert hat, gibt diese Methode nicht freiwillig wieder auf. Wer einmal so verdient hat, hört nicht freiwillig auf zu verdienen. Und wer einmal zugesehen hat, wie das alles geschieht, ohne Konsequenzen, der hat damit signalisiert, dass es so weitergehen darf.

Donald Trump Senior führt den Krieg. Donald Trump Junior und Eric Trump verkaufen die Drohnen dafür. Keith Kellogg sitzt im Beirat. Das Pentagon zahlt. Die Steuerzahler zahlen. Die Iraner sind Trumps egal. Und im Hintergrund steigt die Aktie. Eine ehrlichere Beschreibung dieser Präsidentschaft wird man in einem einzigen Satz nicht finden.

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Ela Gatto
1 Stunde vor

Was Trump innerhalb dieses einen Jahres alles in seine Taschen gescheffelt hat, ist unglaublich und beschämend.

Ein Präsident, der die USA, sein Land, als Selbstbedienungsladen ansieht.
Ein Präsident, der Steuergelder für seinen persönlichen Luxus nutzt.
Ein Präsident, den Kinder, Kranke, Alte, Veteranen einen Dreck scheren… sie sind nur Kostenfaktoren.

Ein Präsident, der versprach „drain the swamp“… er überlagert den bisherigen Sumpf mit einem viel größeren und tieferen Shmpf.

Einer Demokratie nicht nur unwürdig, sondern unfassbar.🤬
Keiner sagt etwas, Keiner hält ihn auf 🤬
Das Einzige was seine Entourage aufhält, sind ihre Hände um etwas vom Geldsegen abzubekommen 🤬

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