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Die Präsidentschaft als Reality-Show: Trump tauft die Meerenge nach sich und verkauft sein Gesicht in Gold

VonTEAM KAIZEN BLOG

2. September 2026

Die Regierung führt das Land inzwischen wie eine Fernsehshow mit angeschlossenem Andenkenladen, und jede Woche läuft eine neue Folge. In dieser Woche will Donald Trump die Straße von Hormus nach sich selbst benennen, ein Gewässer, über das die USA keine Hoheit besitzen. Vom Ozean bis zur Münze trägt bald alles denselben Namenszug, als wäre ein Land ein Firmenlogo, das man nur oft genug wiederholen muss. Die Show kennt keinen Abspann, nur den nächsten Einfall, und der heißt diesmal, einem Meer den eigenen Namen aufzudrücken. Regieren und Werben sind in diesem Weißen Haus dieselbe Tätigkeit geworden. Jede Woche eine neue Schlagzeile, jede Schlagzeile ein Produkt, und das Publikum applaudiert, weil es glaubt, es sehe Politik. Der Ernst des Amtes ist zur Requisite geworden.

Am Mittwochmorgen schlug er auf seiner Plattform vor, die Straße von Hormus in „TRUMP STRAIT“ umzutaufen. Jetzt, wo man sie unter Kontrolle habe, wäre sie wie Amerika selbst „heißer“ als je zuvor, schrieb er und dankte höflich für die Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit. Zwei Dinge stören das Bild: Die USA haben dort keinerlei Hoheitsgewalt, und Iran kann den Schiffsverkehr durch die Meerenge weiterhin drosseln. Ein Post am Morgen genügt, und die halbe Welt spricht über den Namen eines Meeres statt über den Krieg an seinem Ufer. Außerhalb seiner Anhängerschaft findet der Vorschlag kaum Zustimmung, und selbst dort bleibt es beim Applaus. Ein Kaiser tauft ein Gewässer, das seinen Befehlen nicht gehorcht. Sollte er es ernst meinen, folgt der nächste Vergleich mit den Herrschern, die Meere und Städte nach sich tauften, bevor beide sie wieder abwarfen.

Der Einfall steht in einer langen Reihe. Vergangene Woche taufte eine Executive Order den Ontariosee in „Lake America“ um, unbeliebt bei Kanadiern wie bei vielen Amerikanern, und doch beugten sich Google und Apple und änderten ihre Karten. Ein Kartendienst, der einer Laune folgt, macht aus einem Post ein Faktum, und die Wirklichkeit richtet sich nach dem lautesten Nutzer. Umbenannt hat Trump in seiner zweiten Amtszeit vieles, von Gebäuden bis zu Flugzeugträgern, sogar die New Yorker Penn Station hat er ins Visier genommen. Florida taufte gerade den Flughafen von Palm Beach auf seinen Namen, offiziell „President Donald J. Trump International Airport“, samt Kürzel DJT. So sieht ein Mann die Welt, der die Landkarte mit einem Spiegel verwechselt, und die Geschichte kennt solche Namensgeber bereits, meist mit schlechtem Ausgang. Ein Namenskürzel über einem Flughafen ist kein Denkmal, es ist eine Rechnung, die andere begleichen. Was er nicht besitzt, benennt er trotzdem, und was er benennt, hält er für erobert.

Die Zeit für den Scherz ist schlecht gewählt. Trump sagt, er strebe ein Abkommen mit Iran an, doch eine Umtaufe der Meerenge verdürbe jede Aussicht auf Frieden. Dem Gegner am Verhandlungstisch zugleich den Namen seines Meeres zu nehmen, ebnet keinen Weg zur Einigung. Auch Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate dürften wenig Freude daran haben. Frieden ist in diesem Haus verhandelbar, der Markenname nicht. Wo ein Handschlag nötig wäre, kommt ein Etikett, und die Region merkt sich beides.

Während die Karten sich ändern, wird die Regierung selbst zur Fernsehshow, und zwar wörtlich. Die Small Business Administration kündigte an, ihr „Million Dollar Pitch Competition“ ende am 18. September mit einem Live-Finale in Washington. 5 kleine Produktionsfirmen ringen um Anteile an einer Million Dollar, gestiftet vom Zahlungsanbieter Clover Network. Aus Wirtschaftsförderung wird Unterhaltung, aus einer Behörde ein Sender. Man stelle sich eine bekannte Gründershow vor, nur deutlich langweiliger und mit Staatssiegel. Fünf Firmen ringen an einem Abend um eine Million, während die Behörde, die Gründer fördern sollte, Sendeplätze verteilt.

Die Besetzung sagt alles über den Geschmack des Hauses. In der Jury sitzt Nicki Minaj, die nach rechts rückte, als ihre Impfskepsis in der MAGA-Bewegung Beifall fand, neben Grant Cardone, einem Schnell-reich-Influencer, dem die Irreführung von Anlegern vorgeworfen wird. Dazu kommt Joe Gebbia, Mitgründer von Airbnb, der heute eine DOGE-Truppe für Bundeswebseiten leitet. Eine Jury aus Anhängern und Beschuldigten entscheidet so über das Geld der Kleinen. Moderiert wird das Ganze von Dean Cain, einst Superman im Fernsehen, heute glühender Anhänger des Präsidenten. Schon zum zweiten Mal wagt sich die Regierung ins Reality-Fach, nachdem Verkehrsminister Sean Duffy mit seiner Reisesendung gefloppt war, und wie diese dürfte auch die neue Show leise im Netz versickern. Regieren als Casting, das ist die Idee, und verlieren werden jene, die wirklich ein Geschäft aufbauen wollten.

Verkauft wird zugleich das Gesicht des Präsidenten. Die U.S. Mint bietet zum 250. Jahrestag des Landes Ein-Dollar-Gedenkmünzen mit Trumps Porträt an, 61 Dollar für 25 Stück oder 154,50 Dollar für 100. So kostet eine Dollarmünze im kleinen Paket mehr als zwei Dollar, und der Andrang ist so groß, dass ein digitaler Warteraum eingerichtet wurde. 250.000 Exemplare tragen eine „July 4″-Prägung. Auf der Münze prangt sein offizielles Porträt aus dem Weißen Haus, was der Presidential $1 Coin Act verbieten müsste, der Bilder lebender oder erst seit weniger als 2 Jahren verstorbener Präsidenten untersagt. Ein Gesetz gilt eben nur, solange niemand mit dem eigenen Konterfei winkt. Die Behörde, die über die Reinheit des Geldes wacht, prägt nun das Gesicht ihres Dienstherrn hinein

Lesen Sie auch unseren Artikel: Eine Unterschrift für tausend Dollar – Trumps teuerstes Evangelium



Auch das Gold ist keines. Nach Angaben des Finanzministeriums besitzen die Münzen bloß eine goldähnliche Oberfläche, und die Regierung beruft sich darauf, der Jahrestag erlaube die Ausgabe trotz des Verbots lebender Gesichter aus dem Redesign-Gesetz von 2020. Seine Anhänger stört das wenig, sie kaufen nahezu alles, was er anbietet, von goldenen Turnschuhen bis zu Bibeln aus chinesischer Fertigung. Dazu kamen bereits hässliche Uhren und überteuerte Parfüms mit seinem Namen. Allein 2025 meldete Trump Einnahmen von mehr als 2,2 Milliarden Dollar, das meiste aus Kryptowährungen, nun stempelt sogar die Münzanstalt sein Bild auf echtes Geld. Aus dem Staatswesen wird ein Verkaufsregal, und der Präsident steht an der Kasse. Vom frommen Symbol bis zum Turnschuh wird alles zur Kollektion, und die Treue der Anhänger ist die verlässlichste Währung.

So fügt sich die Folge dieser Woche ins große Bild. Ein Präsident, der ein Meer nach sich tauft, die Regierung als Show inszeniert und sein eigenes Gesicht verkauft, hat das Amt in eine Marke verwandelt und das Land zu ihrem Kunden. Der Andenkenladen im Weißen Haus schließt nie, und die einzige offene Frage ist, was sich als Nächstes verkaufen lässt. Vergleiche mit den großen Umtaufern der Geschichte drängen sich auf, und keiner davon schmeichelt. Solange die Kasse klingelt, ist jede Peinlichkeit nur die nächste Werbung, und der Rest der Welt schaut zu, halb belustigt, halb alarmiert. Den Namen hat er schon vergeben, es bleibt das Meer, das ihn nicht trägt.

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Ferdi Heres
Ferdi Heres
3 Stunden vor

Als ich diese Goldmünze sah, war mein erster Gedanke:
Hammar und Amboss!

Rainer Hofmann
Administrator
1 Stunde vor
Antwort auf  Ferdi Heres

…der knall mittlerweile stündlich mehr und mehr durch

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