Der Waffenstillstand läuft am 22. April ab – und beide Seiten glauben, sie haben gewonnen

VonTEAM KAIZEN BLOG

April 14, 2026

Die Blockade iranischer Häfen trat am Montag um 10 Uhr morgens Ortszeit Washington in Kraft. Trump bestätigte das persönlich und sagte, man könne nicht zulassen, dass ein Land die Welt erpresse. Kurz darauf postete er auf Truth Social, dass iranische Kriegsschiffe, die sich der Blockade auch nur annäherten, sofort vernichtet würden – mit einem „schnellen und brutalen“ Angriff, denselben Methoden, die gegen Drogenhändler auf See eingesetzt würden. Stunden später sagte Trump vor dem Oval Office, die andere Seite habe angerufen. Die richtigen Leute, die angemessenen Leute. Sie wollten einen Deal.

Das alles geschah an einem einzigen Montag

Das Zentralkommando der US-Streitkräfte hatte am Sonntag klargestellt, dass die Blockade nur für Schiffe gilt, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen – nicht für den gesamten Schiffsverkehr in der Meerenge. Trumps eigene Ankündigung hatte noch eine vollständige Blockade aller Schiffe in der Straße von Hormus versprochen. Zwei verschiedene Aussagen, eine Regierung. Wie die Blockade in der Praxis durchgesetzt werden soll, ist laut einem Verteidigungsbeamten noch „in Entwicklung.“ Kein amerikanisches Kriegsschiff befindet sich derzeit im Persischen Golf, der den größten Teil der iranischen Küste bildet – das bestätigte ein zweiter Verteidigungsbeamter.

Unmittelbar nach Beginn der Blockade drehten mindestens zwei Tanker um, die sich der Meerenge genähert hatten. Das Schiffsverfolgungsunternehmen MarineTraffic meldete, die Schiffe hätten binnen Minuten ihren Kurs geändert. Einer war aus dem Emirat Schardscha Richtung China unterwegs. Dennoch passierten in den vergangenen 36 Stunden zwischen 15 und 20 Schiffe die Straße von Hormus – aus China, Russland, Pakistan und Iran. Die Blockade gilt offiziell. Wer sich daran hält, entscheidet offenbar selbst.

Hr. Trump vergaß nur den Zusatz im Post: Es handelte sich um Schiffe aus China, Russland, Pakistan und Iran.

Iran antwortete mit Drohungen gegen alle Häfen im Persischen Golf und im Golf von Oman. Außenministeriumssprecher Esmaeil Baqaei bezeichnete die Blockade als „Rache auf Kosten der Weltwirtschaft“ und fragte: „Lohnt es sich, sich die eigene Nase abzuschneiden, um das eigene Gesicht zu ärgern?“ Finnlands Präsident Alexander Stubb sagte bei einer Veranstaltung der Brookings Institution in Washington, Iran halte derzeit die meisten Karten in der Hand. Die Kontrolle über die Straße von Hormus sei für Iran zu einer „faktischen Atomwaffe“ geworden – eine Lage, die die Trump-Administration durch den Beginn eines „Krieges nach Wahl“ selbst geschaffen habe.

JD Vance sagte in einem Interview mit Fox News, die Gespräche in Islamabad hätten bei der Frage der nuklearen Abrüstung „gewisse Fortschritte“ erzielt. Die Iraner hätten sich in amerikanische Richtung bewegt, seien aber nicht in der Lage gewesen, einen Deal abzuschließen, weil sie erst Rückendeckung aus Teheran gebraucht hätten. Vance sagte, Trump wäre „sehr glücklich, wenn Iran wie ein normales Land behandelt würde, wenn es eine normale Wirtschaft hätte.“ Was das im Detail bedeutet, ließ er offen. „Es gibt wirklich, glaube ich, einen großen Deal, der hier möglich ist. Aber es liegt an den Iranern, den nächsten Schritt zu tun.“

Pakistan hat inzwischen eine zweite Gesprächsrunde in Islamabad vorgeschlagen – noch vor Ablauf des Waffenstillstands am 22. April. Zwei pakistanische Beamte bestätigten das unter der Bedingung der Anonymität. Die Gespräche seien kein einmaliges Ereignis, sondern Teil eines laufenden diplomatischen Prozesses. Als möglicher Alternativort wurde Genf genannt. Donnerstag stand als mögliches Datum im Raum. Das Weiße Haus reagierte auf Anfragen nicht. Pressesprecherin Karoline Leavitt sagte lediglich, die Verzweiflung Irans nach einem Deal werde mit der Blockade weiter zunehmen.

Zwei amerikanische Regierungsbeamte und ein Diplomat eines vermittelnden Landes sagten beide Seiten wögen eine neue direkte Verhandlungsrunde ab. Der Diplomat ging weiter und sagte, Teheran und Washington hätten bereits zugestimmt. Alle vier sprachen unter der Bedingung der Anonymität.

Irans UN-Vertreter Amir-Saeid Iravani forderte unterdessen Entschädigungen von fünf Ländern, die an der amerikanisch-israelischen Kriegsführung beteiligt gewesen seien: Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien. Diese Länder hätten internationales Recht verletzt und müssten für alle materiellen und immateriellen Schäden vollständig aufkommen, erklärte er über Irans offizielle Nachrichtenagentur IRNA.

Ägyptens Außenminister Badr Abdelatty telefonierte am Montag mit Rafael Grossi, dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO, sowie mit seinen Amtskollegen in Saudi-Arabien und dem Irak. Irans Außenminister Abbas Araghchi telefonierte ebenfalls mit Abdelatty – Thema war das gescheiterte Gespräch in Islamabad. IAEO-Inspektoren haben seit Juni 2025, als amerikanisch-israelische Angriffe Irans Luftverteidigung, militärische Führung und Atomprogramm erheblich geschwächt haben, keinen Zugang mehr zu dem hoch angereicherten Uran gehabt, das Iran besitzt.

Chinas Außenminister Wang Yi sagte in einem Telefonat mit seinem pakistanischen Amtskollegen Ishaq Dar, die oberste Priorität müsse der Erhalt des Waffenstillstands sein. Einer weiteren Eskalation im Nahen Osten müsse vorgebeugt werden. Spaniens Premierminister Pedro Sánchez reiste unterdessen nach Peking – seine vierte China-Reise in etwas mehr als drei Jahren. Er sprach an einer Pekinger Universität über die Notwendigkeit einer multipolaren Weltordnung und trifft am Dienstag Chinas Präsident Xi Jinping.

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigten an, noch diese Woche einen Gipfel mit Staats- und Regierungschefs einzuberufen, um die internationale Anstrengung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus voranzutreiben. Starmer sagte im Unterhaus, die Meerenge müsse ohne Bedingungen und ohne Durchfahrtsgebühren geöffnet werden. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul sagte in Berlin, es sei dringend notwendig, die Straße von Hormus als internationale Schifffahrtsroute frei und offen zu halten. Das verlange das Völkerrecht, und es müsse das Ziel aller sein.

Rechtsexperten warnten, die Blockade müsse offiziell angekündigt, effektiv und unparteiisch durchgesetzt werden, um internationalen Standards zu entsprechen. Raul Pedrozo, Professor für internationales Recht am Naval War College der USA, sagte, die Blockade müsse für alle gelten – nicht nur für unliebsame Länder. Todd Huntley, pensionierter Marinekapitän und Direktor des nationalen Sicherheitsrechtsprogramms der Georgetown University, sagte: „Wie sie durchgeführt wird, wird bestimmen, ob sie rechtmäßig ist oder nicht.“ UN-Generalsekretär Antonio Guterres ließ durch seinen Sprecher Stephane Dujarric ausrichten, niemand dürfe etwas tun, das die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus gefährde. Es gebe keine militärische Lösung für diesen Konflikt.

Die Folgen des Krieges reichen inzwischen bis in amerikanische Wasserleitungen. Der Verband der städtischen Wasserversorgungsunternehmen meldete, dass einige Wasserwerke in den USA Schwierigkeiten hätten, den empfohlenen Fluoridgehalt im Trinkwasser aufrechtzuerhalten, weil Israel ein wichtiger Lieferant des verwendeten Fluorids ist. Die Zahl der betroffenen Wasserwerke sei noch klein, aber Hunderttausende Menschen seien bereits betroffen. Zahnärzte warnten, längere Engpässe könnten vor allem für Kinder das Kariesrisiko erhöhen. Chinas Exporte wuchsen im März nur noch um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein starker Einbruch gegenüber den 21,8 Prozent im Januar und Februar. Ökonomen sagen, die anhaltenden Auswirkungen des Irankriegs könnten die globale Nachfrage nach chinesischen Exporten in diesem Jahr insgesamt dämpfen.

Irgendwo in dieser Lage liegt ein Waffenstillstand, der am 22. April ausläuft. Beide Seiten glauben, sie hätten den Krieg gewonnen. Beide Seiten warten darauf, dass die andere den nächsten Schritt macht. Und Pakistans Außenminister Ishaq Dar versucht, eine zweite Gesprächsrunde zu arrangieren – während die Uhr läuft.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut.

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen — und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x