Die Wahrheit zwischen den Zeilen – Jill Biden über den Zusammenbruch einer Präsidentschaft und Trumps Kurs gegenüber Iran

VonRainer Hofmann

Mai 29, 2026

Jill Biden beschreibt in ihren Erinnerungen einen Moment, der heute wie ein Wendepunkt der amerikanischen Politik wirkt. Als Joe Biden im Juni 2024 auf der Debattenbühne Donald Trump gegenüberstand, habe sie ihren Ehemann kaum wiedererkannt. Schon zu Beginn der Veranstaltung sei ihr aufgefallen, dass etwas nicht stimmte. Als Biden während der Debatte den inzwischen berüchtigten Satz über Medicare aussprach, schoss ihr nach eigenen Worten ein Gedanke durch den Kopf, den sie bis heute nicht vergessen hat. Sie fragte sich, ob ihr Mann möglicherweise einen Schlaganfall erleide.

Die ehemalige First Lady Jill Biden sagt heute, sie habe während der Fernsehdebatte ihres Ehemanns gegen Donald Trump im Jahr 2024 befürchtet, Joe Biden könnte einen Schlaganfall erleiden. Unmittelbar nach der Debatte war Jill Biden noch gemeinsam mit ihrem Mann auf die Bühne gegangen und hatte erklärt, er habe „einen großartigen Job gemacht“. Heute schildert sie die Situation deutlich anders: „Ich dachte: ‚Mein Gott, er hat einen Schlaganfall‘, und das hat mir Todesangst eingejagt“, räumt Jill Biden ein.

In ihrem Buch schreibt die ehemalige First Lady, Joe Biden habe sich zwar im Verlauf des Abends etwas gefangen, doch niemals ausreichend, um die Sorgen der Zuschauer auszuräumen. Sie selbst habe diesen Gesichtsausdruck zuvor noch nie bei ihm gesehen. Rückblickend räumt sie ein, dass das Weiße Haus die Situation möglicherweise falsch behandelt habe. Die offizielle Erklärung lautete damals, Biden habe unter einer Erkältung gelitten. Heute glaubt Jill Biden, man hätte den Menschen vielleicht ehrlicher sagen müssen, was sie alle gesehen hatten. Millionen Amerikaner hätten wahrgenommen, dass der Präsident krank wirkte. Weil keine überzeugende Erklärung geliefert worden sei, habe die Debatte die Öffentlichkeit bis zum Ende seiner Amtszeit verfolgt.

Auch bei einer anderen politischen Entscheidung widerspricht Jill Biden der damaligen Linie ihres Mannes. Nach der Verurteilung von Hunter Biden wegen mehrerer Straftaten im Zusammenhang mit einem Revolverkauf im Jahr 2018 habe Joe Biden zunächst an seinem Versprechen festgehalten, seinen Sohn nicht zu begnadigen. Jill Biden sah dies anders. Die Familie habe den gesamten Prozess als politisch motiviert empfunden und sei überrascht gewesen, dass es überhaupt zu einer Verhandlung gekommen war. In ihren Erinnerungen schreibt sie, Joe Biden habe möglicherweise zu weit gehen wollen, um absolute Unparteilichkeit zu demonstrieren. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps änderte Biden schließlich seine Haltung und sprach Hunter Biden eine Begnadigung aus. Damit bewahrte er seinen Sohn vor einer möglichen Haftstrafe.

Besonders emotional äußert sich Jill Biden über die Zerstörung des Ostflügels des Weißen Hauses. Das Gebäude war jahrzehntelang das organisatorische Zentrum der First Ladies und ihrer Mitarbeiter. Donald Trump ließ den historischen Gebäudeteil abreißen, um Platz für einen neuen Ballsaal zu schaffen. Freunde aus Washington schickten ihr Fotos der Abrissarbeiten. Sie habe die Bilder kaum ansehen können, schreibt sie. Für sie sei nicht nur ein Gebäude verschwunden, sondern ein Stück institutioneller Erinnerung. Die Abrissbagger hätten Geschichte ausgelöscht, die weit über einzelne Präsidenten hinausgereicht habe.

Daneben schildert Jill Biden auch ein persönliches Kapitel. Die langjährige Dozentin am Northern Virginia Community College erhielt nach eigenen Angaben überraschend ein Kündigungsschreiben, nachdem Fördergelder ausgelaufen waren, aus denen ihr Gehalt finanziert wurde. Sie beschreibt, wie ihr beim Lesen der Nachricht übel geworden sei. Das Problem wurde später gelöst und sie konnte ihre Stelle behalten. Dennoch endete ihre Lehrtätigkeit schließlich im Dezember 2024. Nach vier Jahrzehnten als Pädagogin schloss sie ihre akademische Laufbahn ab, während sich die Bidens auf den Auszug aus dem Weißen Haus vorbereiteten.

Während Jill Biden auf die vergangenen Jahre zurückblickt, richtet sich der Blick in Washington gleichzeitig auf einen neuen Konfliktherd. Obwohl Vertreter der Vereinigten Staaten und Irans inzwischen von einer vorläufigen Einigung über eine Verlängerung der Waffenruhe und den Beginn neuer Atomgespräche sprechen, verschärft die Regierung von Donald Trump gleichzeitig den wirtschaftlichen Druck auf Teheran.

Das US-Finanzministerium verhängte weitere Sanktionen gegen iranische Ölexporte. Betroffen ist unter anderem Sepehr Energy Jahan, die Vertriebsorganisation der iranischen Streitkräfte für den Verkauf von Rohöl. Nach Angaben der amerikanischen Regierung sollen über ein Netz von Firmen weiterhin Millionen Barrel iranischen Öls nach China gelangen. Washington wirft Teheran vor, die Einnahmen zur Finanzierung militärischer Aktivitäten in der Region zu verwenden. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, der Druck auf die iranischen Ölexporte werde weiter erhöht.

Gleichzeitig deuteten Aussagen von Vizepräsident JD Vance an, dass selbst innerhalb der Regierung die Ziele des Krieges inzwischen weniger eindeutig formuliert werden. Während Donald Trump und seine Regierung seit Beginn des Konflikts erklärt hatten, Iran dürfe niemals über eine Atomwaffe verfügen, sprach Vance nun davon, das iranische Atomprogramm langfristig erheblich zurückgeworfen zu haben. Das ist eine andere Formulierung als die ursprünglich angekündigte dauerhafte Verhinderung eines iranischen Nuklearwaffensystems.

Auch über den weiteren Verlauf der Verhandlungen wollte sich Vance nicht festlegen. Es sei schwer vorherzusagen, ob Donald Trump die vorläufige Vereinbarung letztlich unterzeichnen werde. Zwar wolle Iran offenbar einen Deal, doch gebe es weiterhin Streitpunkte. Dazu gehören insbesondere die Bestände hoch angereicherten Urans und die Frage, ob Iran künftig Uran anreichern darf. Damit stehen die Vereinigten Staaten vor einer widersprüchlichen Situation. Einerseits laufen diplomatische Gespräche über eine mögliche Entspannung. Andererseits werden gleichzeitig neue wirtschaftliche Strafmaßnahmen verhängt. Während die Regierung öffentlich von Verhandlungen spricht, erhöht sie zugleich den finanziellen Druck auf Teheran. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob daraus tatsächlich ein Abkommen entsteht oder ob die Gespräche denselben Weg gehen wie zahlreiche frühere Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x