Donald Trump hat wieder jemanden entlassen. Nicht wegen Kompetenz, nicht wegen Loyalität, sondern wegen etwas viel Schlimmerem: Architektur. James McCrery II, der Mann, der den Auftrag erhielt, Trumps persönlichen Palasttraum im Weißen Haus zu gestalten, wagte es tatsächlich, dem Präsidenten mitzuteilen, dass der geplante Ballsaal zu groß sei. Zu groß – nicht für irgendein Gebäude, sondern größer als das Weiße Haus selbst. Ein Detail, das für normale Menschen ein Problem wäre, für Trump jedoch nur eine Stilfrage.

McCrery hatte gewarnt, dass ein Ballsaal in der Größe eines mittelgroßen Einkaufszentrums „unnötig“ sei. Trump dagegen fand, dass „unnötig“ ein linksradikaler Begriff sei. Schließlich habe er sein ganzes Leben damit verbracht, Dinge zu bauen, die größer sind als alles, was vorher da war – Casinos, Egos, Probleme. Warum also nicht auch ein Regierungsgebäude, das schon seit Jahrhunderten ganz gut ohne XXL-Anbau auskam? Berichten zufolge eskalierte der Streit, als McCrery anmerkte, dass ein Raum, der das komplette West Wing verschlingt, eventuell den Tagesablauf einiger Menschen beeinträchtigen könnte. Mitarbeiter, Presse, Kabinett – Kleinkram. Trump soll daraufhin erklärt haben, dass es „nicht sein Problem sei, wenn die Leute keinen Platz mehr haben“. Der Präsident habe immerhin vor, „den schönsten Ballsaal der Welt“ zu bauen, und wer wolle da schon arbeiten.

Der Architekt musste gehen. Ein Mann, der jahrelang historische Gebäude restauriert hat, wurde aus dem Verkehr gezogen, weil er dem Präsidenten nicht bestätigen wollte, dass das Weiße Haus im Prinzip ein Hobbykeller sei, den man beliebig erweitern kann. Trumps Wahl fiel sofort auf einen Ersatzarchitekten, dessen wichtigste Qualifikation offenbar darin besteht, niemals Nein zu sagen – selbst wenn die Statik weint. So läuft das in Washington inzwischen: Wer Trump sagt, dass zwei plus zwei vier ist, steht schneller auf der Straße als jemand, der ihm verspricht, man könne das Oval Office auf die Größe eines Footballfelds aufblasen. Die Realität hat in dieser Regierung nur zwei Optionen: sich biegen – oder gehen.

McCrery entschied sich fürs Gehen. Und Trump für etwas, das ihm näher liegt als jedes Gesetz: ein noch größerer Raum für sich selbst.
Investigativer Journalismus braucht Mut – und Ihre Unterstützung.
Unterstützen Sie unsere Recherchen gegen Rechtspopulismus, Desinformation sowie Menschen- und Umweltrechtsverletzungen. Jeder Betrag fliesst in unsere tägliche Arbeit – Wir arbeiten ohne Werbung, ohne Abos, ohne Unternehmen, ohne Parteien. Unsere Berichterstattung soll frei zugänglich bleiben. Für jede und jeden.
Unabhängig – Kritisch – Für alle
Danke, dass Sie unsere unabhängige Arbeit möglich machen.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Was passiert denn eigentlich mit dem Ballsaal, wenn Trump abgewählt ist?
Wird hoffentlich wieder abgerissen. Der stirbt aber hoffentlich, bevor das Ding gebaut ist.