Denn sie wissen genau, was sie tun – Trump sagt ab und demütigt Pakistan

VonTEAM KAIZEN BLOG

April 25, 2026

Steve Witkoff und Jared Kushner standen bereit. Die Koffer waren gepackt, der Flug nach Islamabad eingeplant, Pakistan hatte seit fast einer Woche seine Hauptstadt im Ausnahmezustand gehalten, für Gäste, die kommen sollten. Dann sagte Trump: Nein. Ihr macht keinen 18-Stunden-Flug dorthin. Wir haben alle Karten. Sie können uns jederzeit anrufen, aber ihr werdet keine 18-Stunden-Flüge mehr machen, um dort herumzusitzen und über nichts zu reden.

Islamabad riegelt sich zweimal ab, räumt Hotels, sperrt Straßen, stellt tausende Sicherheitskräfte auf – für Männer, die nie ankommen. Was Trump hier treibt, ist kein Verhandlungsstil. Es ist die Vorführung eines Landes, das alles gegeben hat und dafür nichts bekam außer einer leeren Landebahn.

Ein Satz, der sitzt. Und der mehr verrät als jede diplomatische Formulierung es könnte.

Zehn Minuten nach der Absage, sagt Trump vor Journalisten auf dem Weg zur Air Force One, habe Iran ein neues Angebot geschickt. Das erste Papier hätte besser sein können, sagt er. Das zweite sei viel besser gewesen. Sie hätten viel angeboten, aber nicht genug. Was genau angeboten wurde, sagt er nicht. Was er sagt, ist, dass eine seiner Bedingungen unveränderlich bleibt – Iran wird keine Atomwaffe haben. Der Rest bleibt im Nebel, absichtlich, weil Unklarheit in diesem Spiel ein Werkzeug ist und kein Versehen.

In Islamabad wartete man umsonst auf Witkoff und Kushner

Was dieser Samstag zeigt, ist etwas, das sich durch die gesamten Verhandlungen zieht wie ein roter Faden, den niemand offiziell benennen will. Trump verhandelt nicht durch Anwesenheit. Er verhandelt durch Abwesenheit. Die Absage ist die Botschaft. Der Rückzug ist der Druck. Wer den Flug streicht, bevor das Flugzeug startet, signalisiert, dass er warten kann, und wer warten kann, sitzt am längeren Hebel – oder glaubt es zumindest.

Für Pakistan ist das die zweite Demütigung binnen einer Woche. Schon JD Vance hatte seinen Flug nach Islamabad in letzter Minute abgesagt, und die Stadt hatte tagelang im Ausnahmezustand verharrt, für einen Mann, der nicht kam. Jetzt dasselbe mit Witkoff und Kushner. Eine Hauptstadt von 250 Millionen Menschen, eine Nuklearmacht, ein Mediator, der alles gibt – und die angekündigten Gäste tauchen nicht auf. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif telefoniert am Samstag mit Irans Präsidenten und erklärt anschließend auf X, das Gespräch sei konstruktiv gewesen und Pakistan bleibe ein ehrlicher Vermittler. Ein Satz, der Haltung zeigen soll und vor allem zeigt, wie schwer diese Rolle gerade zu tragen ist.

Irans Außenminister Abbas Araghchi war in Islamabad, sprach mit pakistanischen Vertretern und reiste dann nach Oman weiter. Direkte Gespräche mit amerikanischen Vertretern waren nicht geplant. Nach seiner Abreise schrieb er auf X, er habe Pakistans Führung Irans Position zu einem machbaren Rahmen für ein dauerhaftes Kriegsende mitgeteilt. Dann fügte er hinzu, er müsse noch sehen, ob die USA es mit der Diplomatie wirklich ernst meinten. Ein Satz, der nach der Absage Trumps keine rhetorische Frage mehr ist, sondern eine echte.

Trump sagte, er habe die Reise auch deshalb abgesagt, weil seine Unterhändler nicht mit dem Anführer des Landes sprechen würden. Kein Gespräch mit dem Anführer, kein Flug. Eine Logik, die funktionieren würde, wenn Iran gerade eine Führungsstruktur hätte, die so eindeutig ist wie Trump sie sich vorstellt. Aber genau das ist das Problem, das Trump selbst öffentlich beschrieben hat – die iranische Führung sei gespalten, niemand wisse, wer das Sagen habe, auch sie selbst nicht. Mehrere iranische Vertreter wiesen das am Donnerstag öffentlich zurück. Was bleibt, ist eine Verhandlung, in der eine Seite den Anführer der anderen sprechen will, während sie gleichzeitig erklärt, dass es diesen Anführer in klarer Form nicht gibt.

Die Grundfragen sind dieselben, die westliche Verhandlungsführer seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigen. Wie weit darf Iran sein Urananreicherungsprogramm betreiben. Was geschieht mit dem vorhandenen Vorrat an angereichertem Uran. Washington hat dieser Woche ein schriftliches Dokument an Teheran übermittelt, das mögliche Einigungspunkte skizziert, als Rahmen für detailliertere Gespräche. Aber der Rahmen selbst ist noch kein Bild. Und solange die Straße von Hormus geschlossen bleibt, durch die ein Fünftel des weltweiten Ölangebots fließt, bewegt sich auch die Weltwirtschaft in einem Zustand, der zwischen Nervosität und echtem Schaden pendelt.

Das amerikanische Militär hat im Verlauf dieses Krieges Tausende Ziele getroffen und seine Fähigkeiten demonstriert, die kaum jemand bezweifelt. Aber Irans Führung steht noch und die amerikanischen Kriegslager leeren sich.

Siehe unseren Artikel: All In – Während Pakistan Gespräche organisiert, leert dieser Krieg die amerikanischen Lager

Die Meerenge bleibt unter iranischer Kontrolle. Der Ölpreis reagiert auf jeden Satz, den Trump auf Truth Social schreibt. Und Witkoff und Kushner sitzen zu Hause, weil ihr Chef entschieden hat, dass 18 Stunden Flug zu viel sind für ein Gespräch, das er für nicht gut genug hält. Wir haben alle Karten, sagt Trump. Zehn Minuten nach der Absage kam ein besseres Angebot. Vielleicht stimmt das sogar. Eine Bestätigung gibt es nicht. Aber wer alle Karten hat und trotzdem noch wartet, fragt sich irgendwann, worauf er eigentlich wartet.

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anja blum
anja blum
7 Stunden vor

Trump hat die Büchse der Pandora geöffnet, die Welt hält den Atem an und Alle versinken im Chaos! Dieses perfide Spiel mit der Weltwirtschaft und der Angst, die Fassungslosigkeit der Menschen und das Machtspiel zweier Regierungen macht jeden weitere Staat zum Statisten- und wir können nichts dagegen tun. Mich beschleicht das Gefühl, das genau dieser Sachverhalt dem Wahnsinnigen im weißen Haus mehr als gefällt. Er hält sich für Gott und niemand kann ihn davon abbringen.

Rainer Hofmann
Administrator
7 Stunden vor
Antwort auf  anja blum

,,,und deshalb muss die europäische Politik schnell wieder erwachsen werden, denn Trump und die USA verdienen gut an der aktuellen Lage

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