Trump holt Schläger ins Weiße Haus und verfolgt die Wahlsieger, das Echo von 1933

VonTEAM KAIZEN BLOG

8. November 2026

Ein leeres Rednerpult ist der ehrlichste Sprecher, den eine Regierung haben kann. Es behauptet nichts und dementiert nichts. Im Pressesaal des Weißen Hauses steht es und wartet. Dahinter müsste jemand antworten. Genau darin scheint das Problem zu liegen.

Seit Wochen wartet es vergeblich. Karoline Leavitt verließ ihr Amt Ende August. Nach ihr trat Katie Zacharia vor die Journalisten und wirkte bei ihrem einzigen Auftritt sichtlich überfordert. Nach gerade einmal fünf Tagen war sie wieder fort. Seither gehört das Pult niemandem. In einer Regierung, die beinahe täglich neue rechtliche und politische Konflikte auslöst, wäre die nächste Besetzung eine Frage für ruhige Überlegung. Donald Trump überlegt am Samstag in seinem Golfklub in Florida. Das Ergebnis lautet Dana White.

White ist Chef der Kampfsportorganisation UFC. Sein Gewerbe besteht darin, Menschen in einem achteckigen Drahtkäfig aufeinander loszulassen und die Eintrittskarten dafür zu verkaufen. Trump bietet ihm den Posten des Pressesprechers an. White solle einige seiner Kämpfer mitbringen. Man brauche diese Leute, um sich gegen die „verrückte Linke“ zu verteidigen.

Pressekonferenzen dauerten dann wohl drei Runden. Und wer eine unbequeme Frage stellt, darf abklopfen.

Jetzt fehlt nur noch Gianni Infantino als Finanzminister, weil er schon einmal einen großen Geldbetrag überreicht hat. Für das Außenministerium fände sich bestimmt ein Ringrichter, der im entscheidenden Moment wegschaut. Der Gedanke ist lächerlich, gewiss. Unter diesem Präsidenten weiß allerdings niemand mehr, ob Lächerlichkeit einer Ernennung noch im Weg steht. Und der Mann, der solche Sätze in die Welt schickt, besitzt den Oberbefehl über das amerikanische Militär.

Den Hintergrund dieses Samstags bildet eine Niederlage. Am Dienstag haben die Amerikaner den Republikanern die Herrschaft über Repräsentantenhaus und Senat entzogen. Die Demokraten gewannen selbst in Wahlkreisen, die seit Jahrzehnten als republikanisch galten. Trump hatte die Wahl zur Abstimmung über seine eigene Präsidentschaft erklärt. Nun will er vom Ergebnis nichts wissen. Die Kandidaten seien schuld.

Eine Niederlage spricht leise. Wer sie verstehen will, muss sich zu ihr hinunterbeugen.

Trump beugt sich lieber über Schreibtische. Auf seiner Plattform verbreitet er ein Bild von sich in Schwarz-Weiß, beide Fäuste auf die Tischplatte gestemmt, darüber in großen Lettern „MR. VETO“, zu Deutsch „Herr Veto“. Das klingt nach dem Kampfnamen eines Schaukämpfers, und so ist es vermutlich auch gemeint. Die Niederlage hat ihn sichtlich getroffen, und offenbar empfindet er den Verlust seiner Mehrheiten als persönliche Kränkung. Fehlt nur noch der Einmarsch mit Musik und Nebelmaschine. Ohnmacht lässt sich fotografieren, als wäre sie Kraft.

Das Veto gehört tatsächlich zu seinen verfassungsmäßigen Befugnissen. Damit kann er Gesetzesbeschlüsse zurückweisen, und der Kongress darf es mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern überstimmen. Gegen Untersuchungen hilft es wenig. Ab Januar dürfen die Demokraten Akten anfordern und Mitarbeiter der Regierung vorladen. Auf dem Foto steht Trump gebeugt, als ließe sich Washington allein durch die Kraft des Blicks zur Unterwerfung zwingen. Die Verfassung liegt ihm dabei im Weg. Sie lässt sich leider schlechter mit dem Filzstift korrigieren als eine Landkarte.

Landkarten nämlich korrigiert er gern. Während seine Partei die Mehrheiten im Kongress verliert, kümmert sich der Präsident um die Ausmaße seines künftigen Reiches. Er verbreitet eine Zeitungstitelseite, die ihn mit erhobenen Fäusten unter der Zeile „Wie der Westen gewonnen wurde“ zeigt. Auf einem weiteren Bild steht „Vereinigte Staaten von Amerika“, und die Karte darunter führt Kanada bereits als 51. Bundesstaat. Grönland gehört ebenfalls zu den Besitzträumen. Kuba taucht daneben als nächstes Ziel auf.

Karten sind geduldig. Sie haben keine Wähler. Ein Parlament verliert man an einem Dienstag, einen Kontinent gewinnt man hinterher auf Papier.

Kanada wurde nicht gefragt. Darin gleicht es immerhin den amerikanischen Wählern vom Dienstag, die gefragt wurden und deren Antwort im Weißen Haus offenbar niemand gehört hat. Andere Staaten haben eigene Bürger und eigene Regierungen, die über ihre Zukunft selbst bestimmen. Das stört die Schönheit dieses Bildes vermutlich erheblich. Der Präsident betrachtet die westliche Hemisphäre wie ein Grundstück, dessen Zaun sich nach Laune versetzen lässt. So präsentiert sich ein Mann, dessen Partei gerade von den eigenen Wählern eine historische Niederlage erhalten hat, als Eroberer eines halben Kontinents. Über die Wirklichkeit lässt sich hinwegsehen, solange die Landkarte groß genug gedruckt ist.

Wenn Knochen brechen und Blut spritzt, ist Donald Trump glücklich. Am 14. Juni 2026 saß er bei den UFC-Kämpfen im Weißen Haus in der ersten Reihe. Gewalt als Geburtstagsunterhaltung, auf dem Rasen des amerikanischen Präsidentensitzes

Zurück zum Käfig. „Dana, bitte nimm den Posten an!“, schreibt Trump auf Truth Social. Den Freund rühmt er als „gewalttätigen Kämpfer und Krieger“. Er werde ein Pressesprecher, wie ihn Amerika noch nie gesehen habe. Das dürfte zutreffen. Bisher bestand die Aufgabe eines Regierungssprechers darin, Journalisten über Entscheidungen der Regierung zu unterrichten. Von Schwitzkasten stand in der Stellenbeschreibung nichts. Trump liefert gleich die Begleitmannschaft mit, sechs Namen. Islam Machatschow und Chabib Nurmagomedow kommen aus Dagestan, einer Teilrepublik Russlands. Justin Gaethje und Daniel Cormier stammen aus den Vereinigten Staaten. Dazu nennt er die brasilianischstämmige Amanda Nunes. Den Abschluss bildet eine „Kayla Harris“, womit wohl Kayla Harrison gemeint ist. Einige von ihnen stammten zwar aus anderen Ländern, räumt der Präsident großmütig ein.

Großmut ist ein seltener Gast in diesem Weißen Haus. Derselbe Mann schildert Einwanderer mit beharrlicher Regelmäßigkeit als Gefahr für die amerikanische Gesellschaft. Ausländische Herkunft verliert ihren Schrecken offenbar in dem Augenblick, in dem ein Mensch geeignet scheint, politische Gegner einzuschüchtern. Der Pass zählt wenig. Die Faust zählt. Für Einwanderer ohne Meistergürtel gilt weiterhin Stephen Millers Hausordnung. Ob diese Männer und Frauen je eine Aufgabe im Weißen Haus übernehmen, steht keineswegs fest. Allein die Vorstellung, mit der Trump öffentlich spielt, verdient Aufmerksamkeit. Macht, die keine Fragen erträgt, sucht sich Leute, die keine stellen. Am besten solche mit Kampfgewicht.

Dana White hält sich unterdessen in London auf, bei einer Boxveranstaltung. Journalisten sprechen ihn dort auf das Angebot an. Er werde anschließend nach Washington reisen und am Montag den Präsidenten treffen, erklärt er. Ob er den Posten wolle, bleibt zunächst offen. Auf die Frage, wie er seine zahlreichen geschäftlichen Verpflichtungen mit der Arbeit im Weißen Haus vereinbaren wolle, reagiert er gereizt. Ja, er habe bereits eine Menge Aufgaben. Mehr lasse sich nach dem Gespräch sagen.

Auf Instagram war er schneller. Dort zeigt ein Bild ihn bereits am Rednerpult des Weißen Hauses, darunter die Worte „Auf zum nächsten Kapitel“. Das leere Pult hat also einen Bewerber, der sich schon einmal probeweise dahinter fotografiert. Zugleich plant White den internationalen Ausbau von Zuffa Boxing, einer Boxorganisation, die er mit saudischen Geldgebern betreibt. Welche Verpflichtung im Zweifel Vorrang hätte, blieb unbeantwortet. Der Sprecher des Präsidenten trüge dann einen zweiten Hut, und unter diesem Hut säßen saudische Teilhaber.

UFC-Chef Dana White bestätigte gegenüber Journalisten, dass er unmittelbar nach der Veranstaltung nach Washington fliege und am Montag ein Treffen mit Donald Trump habe. Auf die Frage, wie er den angebotenen Posten als Pressesprecher des Weißen Hauses mit seinen zahlreichen geschäftlichen Verpflichtungen vereinbaren wolle, antwortete er, dass er bereits viele Aufgaben habe. Über bisherige Gespräche mit Trump wollte er keine Auskunft geben und verwies auf das bevorstehende Treffen. Eine Zusage oder Absage erteilte White in diesem Gespräch ausdrücklich nicht.

Überraschend kommt das alles nicht. White gehört seit langem zu Trumps engstem gesellschaftlichem Kreis. Schon Anfang der 2000er-Jahre fanden Veranstaltungen der UFC in Trumps Casino Taj Mahal statt. White unterstützte 2016 seine Präsidentschaftskandidatur und trat von 2016 bis 2024 auf drei republikanischen Parteitagen auf. Beim Wahlsieg 2024 stand er an Trumps Seite. Mit Steven Cheung arbeitet bereits ein früherer Sprecher der UFC als Kommunikationsdirektor im Weißen Haus. Der Käfig liefert dem Präsidenten das Personal. Die Republik liefert die Kulisse.

Im Juni 2026 rückte der Käfig dann bis vor die Haustür. Auf dem Südrasen des Weißen Hauses ließ Trump einen Kampfabend ausrichten, zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit und zu seinem eigenen 80. Geburtstag. Ein achteckiger Drahtkäfig wuchs vor dem Amtssitz in die Höhe, darüber schwebte ein gewaltiges Metallgestell mit Bildschirmen und Scheinwerfern. White schwärmte hinterher von einem einmaligen Erlebnis. An diesem Ort haben Präsidenten über Kriege entschieden und Staatsgäste empfangen. In Krisen berieten sie sich hier. Zum Geburtstag dieses Präsidenten wurde hier geprügelt.

Die Würde eines Hauses misst sich gewiss nicht an seinem Rasen. Womit ein Präsident diesen Ort füllt, erzählt trotzdem einiges über sein Verständnis vom Amt. Im Achteck immerhin trennt ein Ringrichter die Kämpfer, und am Ende eines Abends urteilen Punktrichter. Selbst der Käfig kennt mehr Aufsicht, als sein Bauherr dem Kongress zugestehen möchte.

Nach einer Wahlniederlage holen sich Präsidenten gewöhnlich Rat. Trump holt sich Verstärkung. Am Freitag ernannte er Stephen Miller zum neuen Stabschef. Miller übernimmt am Montag von Susie Wiles, die künftig für Trumps politische Organisation arbeiten soll. Wiles galt als eine der wenigen in seiner Nähe, die seine spontanen Einfälle gelegentlich zu zügeln versuchten. Miller gilt als kompromissloser faschistischer Verfechter seiner Einwanderungs- und Abschiebepolitik. Millionen Amerikaner haben dieser Politik gerade eine Absage erteilt. Der Präsident vergrößert daraufhin den Einfluss ihres härtesten Vollstreckers. Eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Gründen der Niederlage findet kaum statt. Umgebaut wird stattdessen das Haus.

Stephen Miller
Pressefreiheit unter Druck

Wenn Journalisten ihre Quellen verraten sollen

Auch unsere Arbeit wird mit Miller in dieser Position noch heikler. Eine der bedenklichsten Nachrichten der vergangenen 48 Stunden betrifft Stephen Miller, und sie reicht weit über verbale Angriffe auf die Presse hinaus. Donald Trump hat das Justizministerium gedrängt, die Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen strafrechtlich verfolgen zu lassen. Drei mit den Vorgängen vertraute Personen berichten übereinstimmend, im Weißen Haus und im Justizministerium sei über Festnahmen von Journalisten gesprochen worden. Ziel sei gewesen, sie zur Preisgabe ihrer Informanten zu zwingen. Susie Wiles habe sich diesem Vorgehen widersetzt. Miller dagegen habe es befürwortet, mit einer verblüffend schlichten Begründung: Unter entsprechendem Druck würden Journalisten ihre Quellen schnell verraten. Das Justizministerium weist die Darstellung als „absolut falsch“ zurück.

Die Personalien sprechen trotzdem eine deutliche Sprache. Am 9. November übernimmt Miller die Leitung des Weißen Hauses, also der Mann, der nach diesen Schilderungen bereit gewesen sei, Reporter hinter Gitter zu bringen, bis sie reden. Die Frau, die widersprochen haben soll, räumt ihren Platz. Eine Regierung, die parlamentarische Untersuchungen bereits Erpressung nennt, würde mit der erzwungenen Preisgabe von Informanten die nächste Schranke ihrer Macht einreißen. Eine Quelle ist ein Mensch, der einem anderen vertraut hat. Ein Staat, der dieses Vertrauen mit Haft aufbrechen will, zielt auf mehr als einen Berufsstand. Er zielt auf jeden, der etwas weiß und es sagen möchte.

Wir recherchieren und schreiben trotzdem weiter. Unsere Quellen bleiben, wo sie hingehören: bei uns. Uns schreckt das keinen Millimeter.

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Eine Niederlage hält einem Präsidenten den Spiegel vor. Trump hat ihn umgedreht und Miller davorgestellt.

Gefährlicher noch ist die Forderung an das Justizministerium. Am selben Samstag verlangt Trump Ermittlungen gegen Demokraten. Sie bedrohten unschuldige Menschen, behauptet er, weil sie Untersuchungen und mögliche Amtsenthebungsverfahren ankündigten. Er spricht von Erpressung und fordert strafrechtliche Schritte. Beweise für eine Straftat nennt er keine. In seinem Wörterbuch steht unter Aufsicht: siehe Erpressung. Unter Erpressung: siehe Anklage.

Was die Demokraten tatsächlich getan haben, ist weniger dramatisch. Abgeordnete haben Schreiben veröffentlicht, in denen sie Auskunft über Vorgänge in der Regierung verlangen. Darunter fallen Zuwendungen von Technologieunternehmen für den geplanten großen Festsaal am Weißen Haus. Der Kongress besitzt das Recht, Regierungsentscheidungen zu untersuchen. Seine Ausschüsse dürfen Zeugen vorladen und Unterlagen anfordern. Diese Befugnisse gehören zur Gewaltenteilung, die verhindern soll, dass ein Präsident seine Macht ohne wirksame Kontrolle ausübt. Trump will ausgerechnet jene verfolgen lassen, die diese Kontrolle ausüben wollen. Ein Präsident ruft die Strafverfolger, weil gewählte Abgeordnete ihre verfassungsmäßige Arbeit verrichten. Kontrolle gilt dort als Körperverletzung. Die Welt steht kopf, und im Weißen Haus heißt das Ordnung.

Wie das im Einzelfall aussieht, zeigt der Angriff auf Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan. Die frühere Mitarbeiterin der CIA hatte im Oktober an der Universität Chicago gesagt, junge Menschen sollten bedenken, welche rechtlichen Schwierigkeiten ihnen eine Tätigkeit in Trumps Regierung womöglich einbringe. Gemeint war die Verantwortung für rechtswidriges Handeln. Der republikanische Senator Mike Lee deutete das als Drohung gegen politisch interessierte junge Amerikaner. Slotkin widersprach. Menschen, die Gesetze brächen oder öffentliche Gelder zur eigenen Bereicherung verwendeten, müssten zur Verantwortung gezogen werden. Gesetzestreue Menschen hätten nichts zu befürchten.

Das Justizministerium hatte schon früher versucht, gegen Slotkin und weitere demokratische Abgeordnete vorzugehen, nachdem diese Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter aufgefordert hatten, rechtswidrige Befehle zu verweigern. Eine Anklagejury lehnte die beantragten Anklagen damals ab. Gelernt hat Trump daraus wenig. Dass auch seine eigenen Anordnungen rechtlichen Grenzen unterliegen, empfindet er weiterhin als Beleidigung. Über die Grenzen fremder Länder will er verfügen. Die Grenzen seiner eigenen Macht sollen die gewählten Vertreter seines Landes nicht durchsetzen dürfen.

Trump fordert Gefängnis für politische Gegner und setzt das Justizministerium gegen Demokraten in Bewegung

Am 7. November 2026, wenige Tage nach der schweren Wahlniederlage seiner Partei, veröffentlichte Donald Trump eine offene Drohung gegen die Demokraten. Er beschuldigt sie, Justizministerin Pam Bondi und weitere Regierungsvertreter mit Amtsenthebungsverfahren zu bedrohen. Auch republikanische Großspender würden angeblich mit Gefängnis und anderen Strafen eingeschüchtert. Trump bezeichnet diese parlamentarischen Schritte als „Erpressung auf höchster Ebene“, obwohl er keinen Beleg für eine strafbare Handlung vorlegt. Besonders greift er Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan an und behauptet, sie wolle junge Menschen verfolgen, die republikanische Überzeugungen vertreten. Für die von ihm als „Erpresser“ bezeichneten Demokraten fordert er ausdrücklich Gefängnisstrafen. Schließlich erklärt er, das Justizministerium mit sofortiger Wirkung angewiesen zu haben, diese angeblichen Straftaten zu untersuchen. Damit verlangt ein amtierender Präsident strafrechtliche Ermittlungen gegen politische Gegner, weil sie parlamentarische Kontrolle und mögliche Konsequenzen für Regierungshandeln ankündigen. Trump behandelt die Aussicht auf rechtliche Verantwortung wie ein Verbrechen und versucht, die staatliche Strafverfolgung gegen diejenigen einzusetzen, die seine Regierung zur Rechenschaft ziehen wollen.

Die demokratische Senatorin Elissa Slotkin greift Vizepräsident JD Vance am 7. November 2026 wegen seiner Äußerungen zum Iran-Krieg scharf an. Sie empfinde es als Beleidigung, dass Vance den Krieg inzwischen öffentlich kritisiere, obwohl er als Vizepräsident die Entscheidung mitgetragen habe. Rund 50.000 amerikanische Soldaten seien im Nahen Osten im Einsatz, Menschen befänden sich in Lebensgefahr und andere seien durch die politischen Entscheidungen bereits gestorben. Vance könne sich jetzt nicht als machtloser Mahner darstellen, der angeblich widersprochen habe. „Sie sind der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, und Sie haben diese Entscheidung getroffen, in den Krieg zu ziehen. Übernehmen Sie die Verantwortung dafür.“

Ab Januar wird die Auseinandersetzung erheblich ernster. Die Demokraten können dann die Geschäfte der Familie Trump untersuchen. Auch die Verbindungen zu digitalen Währungen dürften zur Sprache kommen, ebenso mögliche Regierungsaufträge im Umfeld von Elon Musk. Die Abschiebepolitik steht auf der Liste. Der Krieg gegen Iran ebenfalls. Selbst der Umgang mit den Akten über Jeffrey Epstein könnte die Ausschüsse beschäftigen. Robert Garcia, der voraussichtlich den Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses übernimmt, hat Trumps Umgebung bereits geraten, sich Anwälte zu nehmen. Washingtons Kanzleien dürften den Ratschlag mit Wohlwollen vernommen haben.

Ein weiteres Amtsenthebungsverfahren wäre möglich. Für eine tatsächliche Entfernung aus dem Amt bräuchte es allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Senat. Bereits 2019 und 2021 klagte das Repräsentantenhaus Trump an, beide Male sprach ihn der Senat frei. Das Verfahren kennt er also. Was er bis heute nicht hinnimmt, ist die schlichte Selbstverständlichkeit, die dahintersteht. Macht schuldet Rechenschaft.

Auch diese Abwehr ist nicht neu. Schon nach der Wahlniederlage 2018 kündigte Trump eine geradezu kriegerische Haltung gegenüber parlamentarischen Untersuchungen an. Damals begannen die ersten großen Kraftproben mit dem Kongress. Heute regiert ein Präsident, dessen Machtanspruch mit einer weiteren Amtszeit und Jahren williger Gefolgschaft gewachsen ist.

Und die Familie? Sie dreht. Amazon Prime bewirbt für den 20. November eine Serie über Melania Trump. Das Plakat zeigt die Präsidentengattin in Schwarz-Weiß, makellos ausgeleuchtet, mit einem Lächeln, das bis in die letzte Gesichtspartie arrangiert wirkt. Darunter steht „Melania: The Series“. Die Kamera liebt Gesichter, die keine Fragen beantworten müssen. Ob die Serie dem Land irgendetwas über die Frau im Weißen Haus erzählt, bleibt abzuwarten. Die zeitliche Nachbarschaft besitzt jedenfalls eine beinahe beleidigende Komik. Eine Regierung verliert ihre Mehrheit, ihr Präsident droht Abgeordneten mit dem Justizministerium. Aus demselben Haus kommt die nächste Gelegenheit zur Selbstvermarktung. Der Kongress bekommt Ausschüsse. Die Familie bekommt Folgen.

Links: Melania Trump wirbt für ihre neue Serie „Melania: The Series“, die am 20. November bei Amazon Prime starten soll. Während die Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verlieren, steht die nächste Selbstinszenierung der Präsidentenfamilie bereit.

Rechts: Donald Ward stellt die ungewöhnlich hohen Stimmenzahlen der Demokratin Gina Hinojosa bei der Gouverneurswahl in Texas infrage. Die eingeblendeten Wahlergebnisse zeigen ihren Vorsprung vor dem republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott. Belege für Wahlmanipulation liefert der Beitrag natürlich nicht.

Das Pult wartet weiter. Die Käfigkämpfer werden vielleicht nie einen Schreibtisch im Weißen Haus beziehen, und White steht womöglich nie dahinter. Die Drohung gegen die demokratische Kontrolle steht dagegen schon öffentlich im Raum. Sie stammt von einem Präsidenten, der nach einer verlorenen Wahl lieber über die Bestrafung seiner Gegner nachdenkt als über die Gründe, aus denen die Amerikaner seiner Partei die Mehrheit entzogen haben.

Ein Käfig zeigt dem, der darin steht, wo seine Welt aufhört. Trump hat das Gitter gesehen, das die Verfassung um seine Macht gezogen hat. Er hält es für eine Beleidigung. Also ruft er nach Leuten mit Fäusten.

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