Putins Raketen für Iran: Geheime russische Rüstungsakten widersprechen Trump und führen bis an die Straße von Hormus

VonTEAM KAIZEN BLOG

5. November 2026

Donald Trump beschimpfte am 13. Oktober 2026 Menschen, die auf eine russische und chinesische Unterstützung Irans hinwiesen, und schrieb: „Ich sehe so viele Kommentare von diesen radikalen linken Idioten und Verrückten, die behaupten, China und Russland würden der ‚wunderbaren‘ Islamischen Republik Iran helfen. Falls sie das tun, dann nur in sehr geringem Umfang. Aber ich glaube überhaupt nicht, dass sie das tun.“ Acht Tage später empfing Wladimir Putin den amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg. Sollte Russland irgendetwas zur Beilegung der Krise um Iran beitragen können, werde man gerne helfen, versicherte der Kremlchef. Während in Washington über russische Friedensbereitschaft gesprochen wurde, lagen in den Archiven russischer Rüstungsbetriebe längst andere Unterlagen. Produktionspläne, Liefervereinbarungen und interne Schreiben dokumentieren einen militärischen Auftrag für Iran. Es geht um mindestens 90 Abschussvorrichtungen für moderne russische Präzisionsraketen. Die vorgesehene Lieferzeit reicht von Ende 2024 bis Dezember 2025. Ob sämtliche Anlagen tatsächlich ausgeliefert wurden, lässt sich bislang nicht bestätigen. Der Auftrag selbst ist in den ausgewerteten Dokumenten festgehalten.

Bild links: Die russische Präzisionsrakete LMUR, auch als „Erzeugnis 305“ oder Ch-39 bezeichnet, trägt einen 25 Kilogramm schweren Gefechtskopf und kann während des Fluges vom Bediener gelenkt werden. Russland setzt diese Waffe im Krieg gegen die Ukraine ein und plante die Lieferung von Abschussvorrichtungen für Iran.

Bild rechts: Trumps Post vom 13. Oktober 2026

Die Unterlagen stammen aus dem Umfeld der staatlich kontrollierten russischen Rüstungsholding KTRV, die einen großen Teil der luftgestützten Raketenwaffen des Landes herstellen lässt. Eine wichtige Rolle spielt das Moskauer Konstruktionsbüro Wympel, benannt nach I. I. Toropow. In den Papieren taucht wiederholt die Bezeichnung K-10 auf. Hinter dieser schlichten Buchstaben-Zahlen-Kombination verbirgt sich Iran. Eine Lieferanforderung vom 20. Oktober 2022 nennt den Empfänger ausdrücklich als „K10 Iran“. Was in späteren Produktionsübersichten wie eine gewöhnliche Verwaltungsnummer aussieht, bezeichnet damit einen konkreten ausländischen Auftraggeber. Gerade solche Einzelheiten machen die Dokumente politisch unangenehm. Während Präsidenten über friedliche Absichten sprechen, müssen Fabriken ihre Bauteile schließlich unter überprüfbaren Vertragsnummern bestellen.

Die geplanten Lieferungen betreffen Abschussanlagen für die russische leichte Mehrzwecklenkrakete LMUR, auch als „Erzeugnis 305“ oder Ch-39 bezeichnet. Russland setzt diese Waffe seit 2022 im Krieg gegen die Ukraine ein. Sie wiegt ungefähr 105 Kilogramm und trägt einen 25 Kilogramm schweren Gefechtskopf. Eine elektrooptische Zieleinrichtung mit Wärmebildtechnik ermöglicht die Bekämpfung beweglicher Ziele. Über eine Funkverbindung kann ein Bediener die Rakete noch während des Fluges lenken. Die Vorrichtung APU-L nimmt jeweils 2 dieser Raketen auf. Ursprünglich wurde die Bewaffnung für russische Kampfhubschrauber entwickelt, darunter die Ka-52M und Mi-28NM. Für Iran ist das von erheblicher Bedeutung, denn das Land hat ebenfalls russische Mi-28-Hubschrauber bestellt.

Russische Mi-28NE-Kampfhubschrauber für den Export, darunter auch die für Iran bestimmten Maschinen, sind mit speziellen Schutzvorrichtungen gegen Sand und Staub ausgestattet. Die Aufnahmen zeigen diese Vorrichtungen an den Triebwerkseinlässen sowie die dazugehörigen technischen Zeichnungen.

Übersetzung des Textes im Bild: „Mi-28NE-Kampfhubschrauber, die in Länder des Nahen Ostens, darunter Iran, exportiert werden, sind mit einer Vorrichtung zum Schutz vor Sand und Staub ausgestattet, die aus mehreren Zyklonabscheidern besteht. Diese Vorrichtung wird am Lufteinlass des Hubschraubertriebwerks angebracht.“

Die industrielle Vorbereitung reicht weit zurück. Am 28. Februar 2019 genehmigte eine mit dem russischen Verteidigungsministerium abgestimmte Anordnung die Serienfertigung der Abschussanlage APU-305. Wympel erhielt die führende Rolle. Beteiligt waren außerdem Saljut in Samara und DUKS in Moskau. Hinzu kamen das Maschinenbau-Konstruktionsbüro KBM in Kolomna sowie das Asower optisch-mechanische Werk AOMZ im Gebiet Rostow. Allein AOMZ sollte 16 unterschiedliche Bestandteile liefern, darunter Gehäuseteile und Verriegelungen. Auch Relaisantennen sowie Kabelverbindungen gehörten zum Auftrag. In der Produktionsanweisung findet sich ausdrücklich die Verpflichtung, die Arbeiten vor ausländischer technischer Aufklärung zu schützen. Die russische Rüstungsindustrie wusste also durchaus, welche Aufmerksamkeit solche Vorhaben verdienen.

Russische Regierungs- und Rüstungsunterlagen vom 28. Februar 2019 dokumentieren die Genehmigung der Serienfertigung der Abschussanlage APU-305. Sie benennen die beteiligten Hersteller, ihre jeweiligen Bauteile sowie die Aufsicht durch das russische Verteidigungsministerium.

Das Werk AOMZ wurde in der Nacht vom 25. auf den 26. September 2026 von ukrainischen Streitkräften angegriffen. Es ist an mindestens 7 russischen Raketenprogrammen beteiligt. Seine Bedeutung erschließt sich auch aus einem Schreiben der Wympel-Führung vom 28. Mai 2024 an KBM. Das Dokument wurde vom Leiter der 123. militärischen Vertretung mitunterzeichnet. Darin warnte das Unternehmen, verspätete Lieferungen von Stromversorgungseinheiten gefährdeten die rechtzeitige Montage der Abschussvorrichtungen APU-L und APU-305. Dem Schreiben lag ein ausführlicher Lieferplan bei. 6 Positionen betrafen russische Rüstungsaufträge für Hubschrauberwerke, darunter Rostwertol und das Werk in Ulan-Ude. Weitere Lieferungen waren für Progress in Arsenjew vorgesehen.

Zwei Positionen betrafen ausdrücklich das Ausland. Eine davon führte nach China. Unter der Vertragsnummer 532/1629-24//063 waren 140 Stromversorgungseinheiten zwischen Mitte 2024 und Ende 2025 eingeplant. Der Eintrag enthielt zusätzlich den Hinweis auf 192 Stück für den chinesischen Export. China betreibt bislang weder die Ka-52M noch die Mi-28NM als reguläre Träger dieser Raketen. Die Ausrüstung könnte deshalb für andere chinesische Fluggeräte bestimmt sein. Militärisch wäre eine solche Bewaffnung unter anderem bei Angriffen auf Küstenstellungen von Bedeutung. Ob sie tatsächlich für einen solchen Einsatz vorgesehen war, geht aus dem Dokument allerdings nicht hervor.

Die andere Auslandsposition trägt die Vertragsnummer 032-24/361//063. Daneben steht K-10. Vorgesehen waren Stromversorgungseinheiten für 90 doppelläufige Abschussanlagen, die AOMZ zwischen Ende 2024 und Dezember 2025 erhalten sollte. Damit lässt sich die geplante Herstellung bis in die einzelnen Zulieferbetriebe verfolgen. Eine Bestätigung, dass alle 90 Abschussanlagen anschließend Iran erreichten, liefern die Unterlagen nicht. Auch der tatsächliche Produktionsabschluss ist damit nicht für jede Anlage nachgewiesen. Bereits die dokumentierte Vorbereitung zeigt jedoch, wie eng die russische Rüstungsindustrie ihre Fertigung auf iranische Bestellungen ausrichtete.

Die russische Präzisionsrakete LMUR („Erzeugnis 305“ beziehungsweise Ch-39) an einer Abschussvorrichtung eines Kampfhubschraubers. Die Aufnahme zeigt die Befestigung der Rakete unter dem Fluggerät sowie Teile der Startvorrichtung, deren Herstellung in den ausgewerteten russischen Rüstungsdokumenten beschrieben wird.

Die Verbindung reicht außerdem weiter zurück. Ein Schreiben des Hubschrauberherstellers Rostwertol vom 6. März 2023 behandelt Ausrüstung für modernisierte M2-Hubschrauber eines ausländischen Auftraggebers mit der Bezeichnung K-10. Im November desselben Jahres gab der stellvertretende iranische Verteidigungsminister den Erwerb russischer Mi-28-Kampfhubschrauber bekannt. Zugleich nannte er die Beschaffung von Su-35-Kampfflugzeugen und Yak-130-Schulungsflugzeugen. Im Januar 2026 bestätigten Fotografien die Ankunft erster Mi-28NE-Hubschrauber in Iran. Die Maschinen waren damit bereits vor Beginn des diesjährigen Krieges im Land. Für die jetzt untersuchten Abschussanlagen fehlt ein vergleichbarer fotografischer Nachweis.

Ein Schreiben des russischen Hubschrauberherstellers Rostwertol vom 6. März 2023 behandelt Ausrüstung für modernisierte Kampfhubschrauber des ausländischen Auftraggebers K-10. Weitere russische Rüstungsdokumente belegen, dass hinter dieser Bezeichnung Iran steht. Daneben ist die staatlich genehmigte Produktionsanordnung für die Abschussanlage APU-305 abgebildet.

Weitere Dokumente aus dem Flugzeugwerk Irkutsk reichen bis 2022 zurück. Eine interne Produktionsübersicht sah für 2023 insgesamt 6 Yak-130-Flugzeuge für den Empfänger GP-K10 vor. Zwei Maschinen sollten im 2. Quartal ausgeliefert werden, weitere 4 im letzten Quartal. Andere ausländische Kunden wurden offen mit ihren Länderkennungen geführt. Kasachstan erschien unter GP-398, Myanmar unter GP-104. Algerien erhielt die Kennung GP-012. Für Iran wäre die offizielle Länderkennung 364 vorgesehen gewesen. Stattdessen stand dort K10. Die Bezeichnung wirkte diskret, solange niemand die Unterlagen verschiedener Zulieferer miteinander verglich.

Eine Lieferanforderung des russischen Unternehmens NPP Swesda vom 20. Oktober 2022 beseitigt diese Unklarheit. Unter der Nummer 12-3226 wurden beim Forschungsinstitut für Polymermaterialien in Perm insgesamt 40 pyrotechnische Sätze des Typs PK-3.5Ja für die Yak-130 bestellt. Als Auftraggeber erscheint die Irkut Corporation, als Empfänger ausdrücklich Iran. Die Lieferung war für März 2023 vorgesehen. Mitunterzeichnet wurde das Schriftstück vom amtierenden Leiter der 704. militärischen Vertretung. Grundlage war außerdem eine Anweisung der zuständigen Abteilung des russischen Verteidigungsministeriums vom 27. September 2022. Hier reicht die Verbindung bis in die militärische Verwaltung des russischen Staates.

Im September 2023 zeigte das iranische Staatsfernsehen die ersten eingetroffenen Yak-130-Flugzeuge. Eine Maschine mit der Nummer 101 wurde auf dem 8. taktischen Luftwaffenstützpunkt in Isfahan stationiert. Dieselbe Nummer findet sich in den russischen Unterlagen. Am 4. März 2026 schoss ein israelisches Kampfflugzeug vom Typ F-35I eine iranische Yak-130 über Teheran ab. Damit lässt sich für diese Flugzeuge der Weg von der russischen Produktionsplanung bis zum tatsächlichen militärischen Einsatz nachvollziehen.

Inzwischen entwickelt Russland auch eine bodengestützte Variante der Raketenbewaffnung. Während der Militärübung Zentr-2026 wurde zwischen dem 28. September und dem 3. Oktober das System „Erzeugnis 347“ vorgestellt. Es verwendet einen schweren Lastwagen vom Typ Ural-63706 Tornado-U mit einer drehbaren Abschussvorrichtung. Die Reichweite der verbesserten Rakete soll nach russischen Angaben 20 Kilometer betragen. Bei einer Geschwindigkeit von ungefähr 230 Metern pro Sekunde legt sie 14 Kilometer in etwa 1 Minute zurück. Ein möglicher Einsatz solcher Anlagen durch Iran ist bislang nicht belegt. Doch an der Straße von Hormus, die an ihrer engsten Stelle kaum 39 Kilometer breit ist, wären derartige Waffen besonders gefährlich. Von der Küste aus könnten bewegliche Ziele auf See angegriffen werden.

Interner russischer Lieferplan für 2024 und 2025: Die Tabelle führt Produktionsaufträge für die Raketenabschussanlagen APU-L und APU-305 mit Vertragsnummern, Empfängerbetrieben und monatlichen Liefermengen auf. Besonders aufschlussreich ist Zeile 5: Unter dem Vertrag 032-24/361//063 und der Tarnbezeichnung K-10 für Iran sind 22 Stromversorgungseinheiten für das Asower optisch-mechanische Werk im November und Dezember 2024 sowie weitere 68 für 2025 eingeplant. Die insgesamt 90 Einheiten waren für ebenso viele doppelläufige Abschussanlagen bestimmt. Zeile 9 nennt außerdem einen gesonderten Exportauftrag für China mit 192 Stück.

Eine Auslieferung dieser neuen Bodensysteme nach Iran ist ebenso wenig bestätigt wie ihre Stationierung dort. Der Verdacht, Russland könne die Technik für einen ausländischen Auftraggeber weiterentwickeln, bleibt eine begründete militärische Einschätzung. Die dokumentierten Flugzeuglieferungen und die geplanten 90 Abschussanlagen sind dagegen konkrete Bestandteile einer langjährigen russisch-iranischen Rüstungsbeziehung. Hinzu kommen Berichte über russische Geheimdienstinformationen, die Iran möglicherweise bei Angriffen auf amerikanische Streitkräfte im Nahen Osten geholfen haben.

Trump erklärte im Oktober, er glaube nicht an eine russische Unterstützung Irans. Putin bot Washington wenige Tage später seine Hilfe bei der Beilegung des Krieges an. Das russische Verteidigungsministerium hatte zu diesem Zeitpunkt längst Produktionsaufträge für iranische Waffensysteme mittragen lassen. Während an der Straße von Hormus der internationale Schiffsverkehr unter Druck steht und die Folgen des Krieges die Energiepreise belasten, erhält diese Zusammenarbeit eine zusätzliche politische Bedeutung. Die Frage, welche Verantwortung Moskau für die militärischen Fähigkeiten Teherans trägt, lässt sich mit freundlichen Worten aus St. Petersburg kaum beantworten. In den russischen Fertigungsunterlagen stehen dafür bereits konkrete Vertragsnummern.

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