Erst stürmten sie das Kapitol, jetzt wollen sie dafür bezahlt werden

VonTEAM KAIZEN BLOG

29. September 2026

Manche Kühnheit lässt staunen. Eine Gruppe von Verurteilten des Sturms auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 verklagt den Staat und verlangt Entschädigung, gezahlt von den Steuerzahlern, deren Parlament sie damals verwüsteten. Die Täter von damals treten heute als Geschädigte auf. Ein Angriff auf das Herz der Demokratie, umgedeutet zum Anspruch auf Schmerzensgeld.

Ihre Rechte sind verletzt worden, so die Klage. „Ins Visier genommen, verhaftet, verfolgt und bestraft“, so beschreibt Lisa Eisenhart, eine ehemalige Krankenschwester aus Georgia, ihre Lage, allein wegen ihrer „durch den 1. Verfassungszusatz geschützten Meinungs- und Versammlungstätigkeit“. Aus dem Sturm auf den Sitz des Parlaments wird in ihrer Sprache eine Versammlung, aus der Anklage die Verfolgung einer Unschuldigen. Gewalt wird zur Rede erklärt, die Strafe zur Willkür. Die Sprache dreht die Rollen, das Papier eines Zivilprozesses macht sie amtlich. Die Wahrheit trägt andere Bilder. An diesem Tag wurden Polizisten angegriffen und Fenster zerschlagen. Eigentum des Kongresses verschwand, Büros im Kapitol wurden verwüstet. An jenem 6. Januar sprach nicht die Meinung, es sprach die Gewalt gegen die Auszählung der Wahl. Die Beamten, die damals Prügel bezogen, klagen heute nicht auf Entschädigung.

Eric Gavelek Munchel, auch bekannt als „Zip-Tie Guy“, und seine Mutter Lisa Eisenhart

Eisenhart trug eine taktische Weste und drang tiefer ins Gebäude vor als die meisten. Sie soll die Menge angestachelt haben, gegen die Polizei zu kämpfen. Weste und Kampfausrüstung passen zu keiner Frau, die sich als Opfer der Umstände ausgibt. Eine Bittstellerin um Mitleid sieht anders aus. An ihrer Seite ihr Sohn, Eric Munchel, Barkeeper aus Nashville, den sie den Kabelbinder-Mann nennen. In schwarzer Kampfmontur trug er Plastikfesseln, vermutlich an einem Kontrollpunkt der Polizei im Haus gegriffen. Ausgerechnet der Mann, der Fesseln für andere mitbrachte, fühlt sich heute vom Staat in Ketten gelegt.

Munchel bekam 57 Monate Haft, Eisenhart 30. In ihrer Klage wirft sie dem Staat „rachsüchtige Verfolgung“ vor, dazu „diskriminierende Haftbedingungen“ und „bewusste Gleichgültigkeit“ gegenüber ihrer Gesundheit. Entstanden ist ihr zufolge ein „schwerer körperlicher, seelischer, rufschädigender und wirtschaftlicher Schaden“. Der Steuerzahler kommt für die zertrümmerten Fenster auf und soll nun den Zertrümmerer entschädigen, zweimal dasselbe Verbrechen bezahlt. Aus dem Vergehen wird eine Einnahmequelle, aus der Haftstrafe eine Forderung, die andere begleichen sollen.

Der Mann mit den Fesseln als Geschädigter, seine Mutter als Opfer, und die Rechnung geht an das Volk. Nichts daran ist ein Versehen, es ist der nächste Schritt einer Umdeutung, die den Angriff auf das Parlament zum Missverständnis erklärt. Erst wird die Tat geleugnet, am Ende soll sie sich auszahlen. Wird er erst dazu, fällt der nächste Sturm leichter. Feuer legen und dann den Löschschaden einklagen, das gelingt nur in einer Zeit, der die Scham abhandenkam.

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