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Trump erfindet ein kanadisches Bankverbot, dabei arbeiten 15 US-Banken längst im Norden

VonTEAM KAIZEN BLOG

4. September 2026


Ein Handelskrieg lässt sich auf eine Zahl gründen, die man selbst erfindet. Nach den Plänen für neue Gespräche mit Kanada gefragt, erklärte Donald Trump im Oval Office, US-Banken dürften mit dem Nachbarn im Norden keine Geschäfte machen. Die Behauptung ist falsch. Er lobte „große, schöne Banken“ und zählte die Bank of Canada zu den großen Häusern des Landes, dabei ist sie dessen Notenbank, das Gegenstück zur Federal Reserve, kein Wettbewerber. Die Zentralbank des Nachbarn für einen Rivalen zu halten, ist ein schlechter Ausgangspunkt für ein Urteil über dessen Bankwesen. Aus einer Fehlannahme wird so eine Staatsräson. Er sagte, sie hätten „6 oder 7″ große Banken in den USA, die eigenen aber dürften nicht hinüber. Ein falscher Satz aus dem höchsten Amt reist schneller als jede Richtigstellung, und er trägt Zölle im Gepäck. Ein Vorwand braucht keinen Beleg, er braucht nur ein Mikrofon.

Sie erlauben amerikanischen Banken im Grunde nicht, in Kanada tätig zu sein. Das ist irgendwie bezeichnend dafür, wie sie uns behandeln. Sie haben ihre Banken hier, die Bank of Canada, all ihre großen Banken – große, wunderschöne Banken. Ich glaube, sie haben sechs oder sieben große Banken hier. Wir haben unsere Banken dort nicht. Wissen Sie warum? Sie erlauben es nicht.“

Die Zahlen sagen das Gegenteil. Nach Angaben der Canadian Bankers Association arbeiten derzeit 15 Banken aus den USA in Kanada, als Zweigstellen oder Töchter. Gewisse Auflagen erschweren ihnen den Wettbewerb im Norden, verboten ist ihnen der Markt nicht. Umgekehrt sind laut den jüngsten Daten der Federal Reserve 8 kanadische Banken in den USA tätig. Die Auflagen bremsen, sie sperren nicht. Auch ein schwieriger Wettbewerb bedeutet nicht, dass die Tür verschlossen wäre. 15 gegen 8, das ist das reale Verhältnis über die Grenze. Verbieten und erschweren sind zweierlei, und nur das Zweite trifft zu. Das Wort vom Verbot zerschellt an einem Register voller Namen.

Diese Namen sind keine Unbekannten. Zu ihnen zählen J.P. Morgan Chase Bank und Citibank. Bank of America und Capital One gehören dazu. Auch Wells Fargo betreibt dort Geschäfte. Ihre Aktiva belaufen sich nach Angaben der Sprecherin Nathalie Bergeron auf rund 124,6 Milliarden kanadische Dollar, mehr als die Hälfte dessen, was ausländische Institute in Kanada halten. Sie bedienten Kunden mit grenzüberschreitendem Geschäft ebenso wie den heimischen Markt, von Firmenkrediten bis zur Hypothek. Nach einer verschlossenen Tür sieht das nicht aus. Ein Markt, den angeblich niemand betreten darf, wird von den größten Adressen der Wall Street bereits bearbeitet.

Der Grund für die geringe Zahl liegt in der Rechnung, nicht im Verbot. James Thompson von der University of Waterloo in Ontario erklärt, US-Banken dürften in Kanada durchaus tätig sein, doch die Art des Eintritts entscheide über das, was sie tun könnten. Kanada kennt 3 Kategorien; Schedule I steht für heimische Häuser, Schedule II und III für ausländische. Die meisten US-Banken treten als Schedule III auf, als Zweigstellen mit hohen Mindesteinlagen. Jeremy Kronick vom C.D. Howe Institute erläutert, solche Filialen dürften keine Einlagen unter 150.000 Dollar annehmen und taugten damit kaum als Bank für den Alltag; eine Tochter nach Schedule II wiederum brauche eigenes Kapital vor Ort, was sich für das Haus selten lohne. Die Kategorien zeigen Auflagen, kein Tor mit Riegel. Der Unterschied zwischen erschwert und verboten geht in Trumps Version verloren.

Der Markt selbst erklärt den Rest. In den USA zählt man mehr als 3.700 heimische Geschäftsbanken, in Kanada sind 15 präsent. 6 große kanadische Institute überragen an Vermögen die 28 kleineren des Landes zusammen. Kanada sei ein kleiner Markt, sagt Thompson, die etablierten Häuser groß, mit bekannten Marken und dichten Filialnetzen; für eine US-Bank wäre der Aufbau teuer und der Anteil zuletzt gering. Kanadas Häuser sind gewachsen, die amerikanischen müssten von vorn beginnen. Nicht ein Gesetz hält die US-Banken fern, es sind Größe und Gewohnheit der anderen. Der Wettbewerb entscheidet, kein Erlass. Zwischen „nicht erlaubt“ und „nicht lohnend“ liegt die ganze Wahrheit dieser Sache.

So steht am Anfang des Streits eine Verwechslung. Trump hielt eine Notenbank für einen Rivalen und eine Geschäftsentscheidung für ein fremdes Verbot, dann hängte er einen Handelskrieg daran. Das Weiße Haus ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet. So beginnt ein Streit mit Milliardenfolgen an einem Irrtum über eine Zentralbank. Ein Faktencheck korrigiert die Zahl, den Zorn korrigiert er nicht. Aus einem Irrtum wird Politik, aus Politik ein Zoll. Eine Behauptung, einmal ausgesprochen, wirkt weiter, gleich wie oft sie widerlegt wird, und der Zoll trifft auch dann, wenn die Begründung längst zerfallen ist.

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