Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

Sprengstoff auf Leipzig, und Trump preist Russlands „sehr wertvolles Land“

VonTEAM KAIZEN BLOG

3. September 2026

Deutschland macht Russland für einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich, und die Europäische Union spricht von den Kennzeichen eines staatlich gestützten Terrors. Zwei mutmaßliche Beteiligte sind identifiziert, einer mit russischen Wurzeln und lettischem Pass, der andere ein Belarusse mit zusätzlichem russischen Pass. Zur selben Stunde sitzt Donald Trump im Weißen Haus und wünscht sich gute Beziehungen zu Russland. „Russland hat großartiges Land, sehr wertvolles Land“, sagt er, viele gute Dinge würden geschehen. Deutschland spricht über Sanktionen und Sabotage, Washington über gute Geschäfte. Der eine Satz gilt der Bedrohung, der andere dem Bedroher, und beide fallen am selben Tag. Nicht nur will er gute Beziehungen, er nennt das Land des Angreifers wertvoll, als läge dort eine Chance und kein Krieg.

„Wir wollen gute Beziehungen zu Russland, zur Ukraine, zu allen haben. Das wäre großartig fürs Geschäft. Russland hat großartiges Land, sehr wertvolles Land. Es passieren viele gute Dinge.“

Der Ort ist mit Bedacht gewählt. Leipzig/Halle ist weit mehr als ein kleiner Flughafen, ein zentraler ziviler Frachtstandort, der in der NATO-Logistik eine Rolle spielt und mehreren großen ukrainischen Transportmaschinen vom Typ Antonow An-124 als Stützpunkt dient. Im August wurde dort eine Drohne mit Sprengstoff und Zünder entdeckt. Die Bundesregierung wertet den Vorgang als Teil russischer hybrider Kriegsführung, Russland bestreite jede Beteiligung. Ein Sprengsatz an einem Knotenpunkt für Fracht und Verbündete trifft die Nachschubadern gleich mit. Der Angriff blieb ein Versuch, seine Zielwahl war keiner.

Nach übereinstimmenden Informationen haben Ermittler zwei Männer benannt, die hinter der Tat stehen sollen. Der eine sei in Russland geboren, besitze einen lettischen Pass und habe Verbindungen zu russischen Geheimdiensten; Ende Juli sei er nach Berlin geflogen und mit einem Mietwagen Richtung Leipzig gefahren, zwei Tage vor dem gescheiterten Angriff habe er das Land per Flugzeug wieder verlassen. Der zweite stamme aus Belarus, führe ebenfalls einen russischen Pass und sei mit einem in Minsk ausgestellten italienischen Touristenvisum eingereist. Ein Mietwagen und ein Touristenvisum aus Minsk, dahinter der lange Arm eines Dienstes, der nichts dem Zufall überlässt. Die Spur weist nach Russland.

Genau in diese Lage hinein fielen Trumps Sätze. Er wolle gute Beziehungen zu Russland und zur Ukraine, das wäre großartig fürs Geschäft, und Russlands Land sei sehr wertvoll; die Worte fielen am 2. September amerikanischer Zeit, in Deutschland bereits am 3. September. Kein Wort der Solidarität mit Deutschland fiel, kein Wort der Abschreckung. Der Präsident taxiert das Gebiet des Angreifers wie ein Makler, während der Angreifer den Verbündeten trifft. Solidarität kostet nichts, ein Grundstückslob kostet Vertrauen, und er wählte das Lob. Angegriffene erkennen ihre Freunde an dem, was diese im entscheidenden Moment sagen, und Deutschland hörte ein Immobilienangebot.

Der Hintergrund verdunkelt das Lob zusätzlich. Dabei führt Wladimir Putin inzwischen im fünften Jahr einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, russische Raketen und Drohnen töten Zivilisten und legen Städte in Schutt, Gegner des Regimes werden eingesperrt oder zum Schweigen gebracht. In Europa steht Moskau zudem immer wieder für Sabotage und Spionage im Verdacht, und Deutschland untersucht gerade zwei weitere mutmaßliche Sabotagefälle an Stromanlagen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Ein Land, das man wertvoll nennt, während seine Drohnen fliegen, wird zur Ware und der Krieg zur Fußnote. Aus dem Herrscher, der Tod und Zerstörung als Instrument staatlicher Politik einsetzt wird ein Geschäftspartner, sobald der Preis stimmt.

Dass Trump Putin seit Jahren auffallend freundlich behandelt, ist kein Geheimnis. Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin aus Maryland, ranghöchster Demokrat im Justizausschuss des Repräsentantenhauses, hielt ihm das am 2. September vor: Die einzigen Kommunisten der Welt seien heute seine besten Freunde und Vorbilder, Kim Jong Un, dem er Liebesbriefe schreibe, und Xi Jinping, den er öffentlich mehr als zwei Dutzend Mal gelobt habe; Putin aber laufe er hinterher wie ein kleiner Hund, und der sei einst beim KGB gewesen. Das Problem mit dem Kommunismus, sagte Raskin, sitze auf der anderen Seite des Ganges. An einer Stelle irrt er: Putin war Offizier des KGB, nie dessen Chef. Die Richtigstellung macht ihn um keinen Deut besser, er trägt die Verantwortung für einen Angriffskrieg und massive Repression. Die Nähe zu Moskau ist keine Laune, sie zieht sich als Linie durch diese Präsidentschaft.

Deshalb sollte man in Deutschland genau hinhören. Doch wenn Berlin Moskau einen Angriff auf einen für die NATO wichtigen Flughafen vorwirft, Verdächtige mit möglichen Verbindungen zu russischen Diensten benannt werden und Europa neue Sanktionen vorbereitet, dann ist es keine Nebensache, dass der amerikanische Präsident ausgerechnet jetzt vom guten Geschäft mit Russland schwärmt. Ein Bündnis lebt vom Verlass, und Verlass beginnt damit, im Ernstfall die Seite des Angegriffenen zu nennen. Schweigt der Schutzherr, wächst der Mut des Angreifers, und ein einziger Satz kann die Bündnistreue teurer machen, als jede Rede sie je bezahlt. Putin dürfte solche Sätze gern hören. Deutschland sollte sie nicht überhören.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!