Der 80-jährige Präsident der Vereinigten Staaten bekommt die Augen nicht auf, und seine Schlafphasen in der Öffentlichkeit werden immer länger. Am Montagnachmittag hielten ihn die Aufnahmen fest, wie er im Weißen Haus wegnickte, mitten in einer Ankündigung zur Gesundheitspolitik. Umgeben von Kabinettsmitgliedern und Führungskräften aus dem Gesundheitswesen sackte Donald Trump nach seiner eigenen Rede immer tiefer in den Stuhl. Die Kabinettsrunde schaute geradeaus, die Objektive hielten drauf, und der Gastgeber dämmerte weg. Als Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. vor die Kameras trat, fielen dem Präsidenten die Augen zu. Rings um ihn liefen die Reden weiter und die Zahlen wurden gefeiert, während der Mann, dem die Feier galt, nicht mehr dabei war. Wie zum Hohn ging es um bezahlbare Medizin für ein alterndes Land, angeführt von einem alternden Mann, der die eigene Sitzung nicht durchhielt. Die Runde tat, als sei alles in bester Ordnung. Das Thema des Tages war die Bezahlbarkeit der Versorgung, und ihr Gastgeber verschlief die frohe Botschaft.
Der Schlaf ließ ihn nicht in Ruhe. Immer wieder schreckte Trump hoch wie ein Hühnchen bei Taco Bell und sah sich hastig im Raum um, dann sank er zurück in die zusammengefallene Haltung, die Hände auf dem Resolute Desk, und nickte langsam im Takt der Reden seines Teams, kaum dass sich seine Lider bewegten. Der Mann, der regieren soll, hielt sich mit Mühe an der Tischplatte fest. Das Bild einer Führung, die über ihren eigenen Mittelpunkt hinwegredet, prägt sich tiefer ein als jede Botschaft zur Bezahlbarkeit. Ein Land sah seinem Präsidenten beim Wegdämmern zu, in Echtzeit und ohne Filter.
Sein Umfeld prahlt seit Jahren mit einer angeblich unerschöpflichen Energie. Er arbeite bis tief in die Nacht, heißt es, und überrasche selbst die eigenen Mitarbeiter damit, wie wenig Schlaf er brauche. Zwischen dem Bild vom rastlosen Nachtarbeiter und dem nickenden Kopf im hellen Nachmittag klafft eine Lücke, die keine Pressemitteilung schließt. Die Nächte, von denen sein Lager schwärmt, hinterlassen am hellen Tag ihre Spuren. Kraft lässt sich behaupten, Wachheit sieht man.
Das oft sonderbare Auftreten des Anführers der MAGA-Bewegung hat Forderungen nach einer ärztlichen Untersuchung ausgelöst. Mediziner und Politiker sorgen sich um mögliche Zeichen eines geistigen Abbaus. Viele Wähler stellen dieselbe Frage. Was einst als Stärke inszeniert wurde, prüfen inzwischen sogar wohlmeinende Beobachter mit wachsender Unruhe. Schon im ersten Jahr häuften sich die Auftritte, die niemand mehr als Tagesform abtun mochte. Im zweiten Amtsjahr wurden seine Reden sprunghafter und zusammenhangloser. Sein Auftreten wirkte unberechenbarer, seine öffentlichen Termine widerwilliger. Was früher als Ausdauer verkauft wurde, wirkt inzwischen wie eine Erschöpfung, die sich nicht mehr verbergen lässt. Die Sorge ist längst über die Gegner hinausgewachsen und erreicht die eigenen Reihen.
Die Reihe der Vorfälle ist lang und beunruhigend. Trump verbrachte Stunden im Walter-Reed-Militärkrankenhaus und schlief bei mehr als einem Dutzend wichtiger Treffen ein. Bei Begegnungen mit ausländischen Staatschefs wirkte er verloren und desorientiert. Er sprach oft undeutlich und zeigte sich mehrfach mit verfärbter, blutunterlaufener Haut. Krankenhausbesuche und zugefallene Augen im Amtssessel ergeben zusammen eine nüchterne Chronik, kein Zerrbild. Die Aussetzer werden immer länger, und aus Minuten des Wegdämmerns sind ganze Redeblöcke geworden, die er verschläft. Ein einzelner müder Nachmittag ginge jedem durch, ein Amt aber lebt davon, wach zu sein, wenn es zählt. Jede Führungsmacht ruht auf der stillen Annahme, dass oben jemand wach ist, und der Kalender eines Präsidenten kennt keine Ruhepausen.
Über solchem Schlaf entscheiden sich große Dinge. Allein in diesem Jahr hat Trump mehrere der ältesten Bündnisse der Vereinigten Staaten untergraben und einen Streit mit Papst Leo XIV. begonnen. Dazu führte er das Land ohne tragfähigen Plan in einen Krieg mit Iran. Ein Papststreit und ein Krieg tragen dieselbe Unterschrift wie die zerrütteten Bündnisse. Entscheidungen dieser Größe verlangen einen klaren Kopf, und genau der klare Kopf ist es, woran öffentlich gezweifelt wird. Der Krieg, den er begonnen hat, läuft weiter, ob er wach ist oder nicht. Truppen und Fristen warten nicht, bis der Mann an der Spitze wieder aufsieht. Ein müder Mann verschläft eine Sitzung, ein müder Präsident womöglich eine Entscheidung.
Die Regierung redet über den schlafenden Mann in ihrer Mitte hinweg, als ließe sich die Frage überhören, die im Raum steht. Ärzte verlangen eine Untersuchung, das Weiße Haus schweigt oder weicht aus. Wenn der Präsident bei der eigenen Ankündigung einschläft und die Berater die frohen Zahlen verkünden, verschiebt sich still, wer wirklich regiert. Die Berater können das Podium füllen, die Verantwortung können sie ihm nicht abnehmen. Solange die Kameras laufen, lässt sich der Schlaf noch als Pause deuten, hinter den Türen aber stellt sich die Frage härter. Die Antwort darauf betrifft nicht ihn allein, sie betrifft jeden, dessen Sicherheit an diesem Schreibtisch hängt. Die Legende von der unerschöpflichen Kraft schläft am Resolute Desk. Die Frage nach der Handlungsfähigkeit schläft nicht.
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