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Russland ist eingeladen, Südafrika und die kritische Presse nicht: Trump baut sich seine eigene G20

VonTEAM KAIZEN BLOG

31. August 2026

Ein Gastgeber, der die Gästeliste selbst schreibt, verwandelt einen Gipfel in ein Heimspiel. Das Treffen der G20-Finanzminister in Asheville in North Carolina geriet am Montag durcheinander, als Russlands Finanzminister Anton Siluanow überraschend im Saal saß, zum ersten Mal seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022. Die Einladung kam von der Regierung Trump, angekündigt hatte sie niemand, und der Widerspruch aus Europa folgte umgehend. Den Urheber des Angriffs an den Tisch zu bitten, macht die Sitzordnung zur Ansage. Was sonst noch fehlt und wer dabei ist, verrät den Rest der Botschaft.

Am schärfsten fiel die Antwort aus Berlin. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil wies Siluanow in einer frühen Sitzung wegen des Krieges zurecht, verlangte dessen Ende und sagte der Ukraine, die persönlich nicht vertreten war, weitere Unterstützung zu. Den Russen hier zu empfangen, sende ein Zeichen, das er beunruhigend finde, erklärte Klingbeil. Er hätte sich von der amerikanischen Seite die klare Haltung gewünscht, dass dieser Gast kein gewöhnlicher sei. Ein Vizekanzler, der den Gast des Gastgebers öffentlich rügt, sagt viel über den Riss zwischen Washington und seinen ältesten Verbündeten.

Die Europäer ließen es nicht bei Worten. Deutschland und andere drohten, das übliche Gruppenfoto der Minister zu verweigern, sollte Siluanow darauf erscheinen. Die Drohung wirkte, das Bild entstand ohne ihn und mit den Europäern. Ein kaltes Verhältnis ist der Russe von solchen Treffen gewohnt: 2022 verließ die damalige US-Finanzministerin Janet Yellen eine G20-Runde am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds, als der zugeschaltete Siluanow zu sprechen begann. 2023 stellte sie in Indien russische Ministeriumsvertreter zur Rede und gab ihnen die Schuld an den Toten in der Ukraine und den Schäden für die Weltwirtschaft. Was unter der Vorgängerin der Auszug aus dem Saal war, ist heute die Einladung hinein.

Siluanows Auftritt fiel in eine vielsagende Woche. Präsident Wladimir Putin wollte sich in Kirgistan mit Xi Jinping und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian treffen, während in Asheville wie üblich auch ein chinesischer Vertreter am Tisch saß. Washington empfängt also den Mann, den die Verbündeten isolieren wollen, und Moskau sucht derweil die Nähe zu Peking und Teheran. Die Landkarte der Lager ordnet sich gerade neu, mitten in einem Saal in den Bergen von North Carolina. Den Ausgeschlossenen zum Ehrengast zu machen, verschiebt mehr als eine Einladung, es verschiebt die Front.

Wen der Gastgeber einlädt, sagt so viel wie das, wen er fernhält. Viele Europäer störten sich daran, dass Südafrika fehlte, langjähriges Mitglied der Gruppe und größte Volkswirtschaft des Kontinents. Trump hatte im vergangenen Jahr, nachdem er einen von Südafrika ausgerichteten Gipfel gemieden hatte, dessen Ausschluss verkündet, gestützt auf die falsche Behauptung, weiße Südafrikaner würden wahllos getötet und ihr Land beschlagnahmt. Der größte Wirtschaftsraum Afrikas fällt so einer erfundenen Geschichte zum Opfer, und die Auswahl folgt der Laune des Gastgebers statt dem Rang der Volkswirtschaften. Der Angreifer darf kommen, Südafrika bleibt draußen.

Statt anderer Regierungen holte die Regierung eigene Leute an den Tisch. Sie lud amerikanische Wirtschaftsvertreter aus dem Bankwesen und aus dem Geschäft mit Kryptowerten ein, um sie mit den Regierenden ins Gespräch zu bringen, und wies die Bitte ab, auch Vertreter anderer G20-Länder zuzulassen. Manch ein Teilnehmer war darüber verstimmt. So bestimmt der Gastgeber, wer mitredet und wer mitverdient. Ein Gipfel der Regierungen wird nebenbei zur Kontaktbörse für die Wall Street.

Bei alldem gab sich Bessent als Anwalt des freien Spiels. In seiner Eröffnung nannte er als Ziele stärkeres Wachstum und Wohlstand für alle, dankte Europa für die Hilfe beim Abschnüren der iranischen Wirtschaft und kündigte an, die G20 auf ihren ursprünglichen Auftrag zurückzuführen, der über die Jahrzehnte vom Kurs abgekommen sei. Man werde sich um globale Ungleichgewichte und um die Staatsschulden der Schwellenländer kümmern. Eine dauerhafte Weltwirtschaft, sagte er, könne nicht auf Handlungen ruhen, die den Nachbarn ausplünderten und den fairen Wettbewerb erstickten. Der Satz stammt aus dem Mund einer Regierung, die den Welthandel mit hohen Zöllen überzieht. Aufschläge gegen die Nachbarn und ein Loblied auf den fairen Markt passen schlecht zusammen.

Der Hintergrund macht die Lage ernst. Der Internationale Währungsfonds erwartet ein langsameres Wachstum und steigende Preise, seit der amerikanische Angriff auf Iran im Februar den Ölfluss gestört und die Energiekosten nach oben getrieben hat. Die Bruttoschuld der USA hat gerade 40 Billionen Dollar überschritten und schürt die Furcht der Gläubiger vor höheren Zinsen. Wachsender Haushaltsdruck und steigende Anleiherenditen beunruhigten Märkte wie Politik, sagte die Chefin des Fonds, Kristalina Georgiewa. Auch die stockende Rückkehr zu niedriger Teuerung zähle dazu. In dem Bergort berieten die Minister zudem über festere Lieferketten für Rohstoffe wie kritische Mineralien und über Wege, Schulden zu senken oder umzuschichten. Bessents überraschende Eingriffe in die Devisen- und Anleihemärkte wirkten bislang nur mäßig und stießen in der Europäischen Union auf Widerstand, deren Währung darunter litt. Wo eine Schuld von 40 Billionen die Zinsen treibt, wird jede Erschütterung teurer, und die reichsten Länder verhandeln über die Not der ärmsten, während ihre eigenen Kassen ächzen. Die Zahlen sind das eine, das schwindende Vertrauen das andere, und beides gibt zugleich nach.

Über allem hängt der Feldzug gegen Teheran. Unter dem Namen „Operation Economic Outcast“ bittet Washington die Verbündeten, die iranische Wirtschaft zu erdrosseln, und Bessent drohte jedem Land mit eigenen Sanktionen, das die Bande zu Iran nicht kappe. Vergangene Woche nannte er seine Geduld mit Staaten begrenzt, die weiter Geschäfte mit Teheran machten, und hoffte, sie folgten den Forderungen, um einen größeren Wirtschaftskrieg zu vermeiden. Am Sonntagabend traf er den Chef der chinesischen Zentralbank, Pan Gongsheng, und wies die Vorstellung zurück, ohne China lasse sich Irans Wirtschaft nicht abwürgen. Nur noch 30 Millionen Barrel iranisches Öl seien auf dem Wasser, eine amerikanische Blockade verhindere weitere Verkäufe. „Warum sollte ich das globale Finanzsystem sprengen wollen?“, fragte er. Die Drohung mit Sanktionen an alle, die mit Iran handeln, macht aus Partnern Geiseln einer amerikanischen Rechnung. Aus einer Weltrunde wird ein Werkzeug in Trumps Streit mit Teheran.

Die Einigkeit, die Bessent beschwört, hat er selbst beschädigt. Viele Länder ringen mit der Ungewissheit über Trumps Handelspolitik und die steilen Zölle auf ihre Ausfuhren, und der Krieg gegen Iran legt sich als zusätzliche Last auf das Wachstum. Ein Treffen, das Zusammenarbeit predigt, tagt unter Teilnehmern, denen Washington gerade erst mit Aufschlägen gedroht hat. Der Ruf nach fairem Wettbewerb klingt hohl, wenn ihn der lauteste Zöllner erhebt, und mancher am Tisch wusste nicht, ob er Partner oder nächstes Ziel war.

In diese Ordnung fügt sich, dass das Finanzministerium einzelnen amerikanischen Reportern der New York Times und des Wall Street Journal die Akkreditierung verweigerte, dazu Korrespondenten der Nachrichtenagentur Bloomberg News aus mehreren Ländern. Das deutsche Finanzministerium schaltete sich ein und erwirkte einen Ausweis für den Berliner Bürochef der Times, nicht aber für den Reporter von Bloomberg, was ein Diplomat als beispiellos und untragbar bezeichnete. Auch aus unserer Redaktion blieben zwei Kollegen ohne Akkreditierung, wir berichten dennoch. Auch weitere kleinere oder investigative Redaktionen traf der Bann – dort nimmt man ihn jedoch eher mit einem Lächeln hin, als sich dieser Regierung zu beugen. Kein eigenständiges europäisches Medienhaus wurde abgewiesen, was einiges darüber sagt, wie wenig manche Redaktionen bereit sind, sich mit dieser Regierung anzulegen. Ein Gastgeber, der die Gäste wählt und die Fragesteller aussiebt, führt den Gipfel der Welt als sein eigenes Fest und nennt es Zusammenarbeit.

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