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30. August 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

30. August 2026

Heute in den Kurznachrichten: Pritzker rechnet mit Trump und seinen Republikanern ab, Australiens rechtsextreme One Nation rückt weiter vor, Kanada verspottet Trumps „Lake America“ – und Trump veröffentlicht bedenkliches Video, in dem das Schild „Lake Ontario“ einfach umgetreten wird. Dazu: Ein junger Afghane, dessen Brüder dem US-Militär halfen, wird nach Zentralafrika abgeschoben. Russland schickt Kriegsschiffe zum Schutz sanktionierter Frachter durch den Ärmelkanal, in Rostow wird wegen blockierter Getreideexporte der Notstand ausgerufen.

Und wir schreiben darüber, warum investigativer Journalismus gerade jetzt viel mehr Unterstützung braucht – in den USA, in Europa und überall dort, wo autoritäre Politik längst voneinander lernt.

Pritzker rechnet mit Trump und seinen Republikanern ab: „Unser Bundesstaat wird belagert“

Illinois’ Gouverneur JB Pritzker hat Donald Trump und dessen republikanische Unterstützer frontal angegriffen und dabei keinen Versuch gemacht, seine Wut hinter höflichen Formulierungen zu verstecken. Seine Botschaft richtet sich nicht nur gegen den Präsidenten, sondern gegen jene Republikaner, die dessen Politik mittragen, obwohl sie nach Pritzkers Ansicht längst wissen müssten, was sie damit anrichten.

Besonders hart geht er mit Darren Bailey ins Gericht, dem republikanischen Politiker, der erneut nach dem Gouverneursamt in Illinois greift. Pritzker sagte: „Also hier ist die Wahrheit, ganz einfach und ohne Umschweife: Unser Bundesstaat wird belagert. Nicht von Demonstranten, nicht von Einwanderern, nicht vom ‚Deep State‘, nicht von der Presse, nicht von Kanada, Mexiko oder Grönland, nicht von Antifa, jüdischen Weltraumlasern oder Pride-Paraden. Nein. Unser Bundesstaat wird von einem kleinlichen, korrupten Mann in Washington belagert. Von einem Mann, der für das Präsidentenamt kandidierte, weil er in einem Palast leben und reich werden wollte – oder noch reicher. Unser Bundesstaat wird von den geschickten Speichelleckern belagert, die diesen Präsidenten umgeben und seine niedrigsten Instinkte als Deckmantel für ihre eigenen zerstörerischen Pläne benutzen. Unser Bundesstaat wird von den vielen, vielen Republikanern belagert, die entweder zu vernarrt oder zu verängstigt sind, um sich Donald Trump im Interesse der Menschen entgegenzustellen, denen sie dienen. Und damit meine ich Republikaner wie Darren Bailey. Man kann vieles sein und trotzdem ein guter Gouverneur sein. Aber eines darf man nicht sein: ein Feigling.“

Pritzker macht damit aus dem politischen Streit in Illinois eine offene Abrechnung mit einer Partei, deren Vertreter Trump nach seiner Darstellung nicht mehr kontrollieren, sondern ihm aus Angst oder Überzeugung folgen. Der letzte Satz über Bailey lässt dabei wenig Raum für Missverständnisse: Für Pritzker geht es längst nicht mehr nur um unterschiedliche politische Vorstellungen, sondern darum, wer bereit ist, Trump entgegenzutreten – und wer sich wegduckt.

Australien rückt weiter nach rechts – One Nation erobert einen Labor-Wahlkreis, der seit 1989 sicher schien

Australiens extrem rechte One Nation macht aus steigenden Umfragewerten inzwischen echte politische Macht. Im Bundesstaat Westaustralien gewann der Fitnessstudiobetreiber Luke Herdegen für die Partei von Pauline Hanson den Wahlkreis Secret Harbour im Süden von Perth mit 57 Prozent der Stimmen. Das Gebiet und seine Vorgängerwahlkreise waren seit 1989 in der Hand der Labor-Partei. Noch vor wenigen Monaten hätte ein solcher Verlust dort kaum jemand für möglich gehalten. Nun sitzt One Nation erstmals mit einem direkt gewählten Abgeordneten im Unterhaus des Parlaments von Westaustralien.

Der Erfolg folgt nur wenige Monate auf den nächsten historischen Schritt: Im Mai gewann die Partei erstmals überhaupt einen gewählten Sitz im australischen Repräsentantenhaus. Im Juni zog One Nation in einer landesweiten Umfrage sogar erstmals an Labor vorbei. Eine Partei, die seit ihrer Gründung 1997 lange am äußersten rechten Rand der australischen Politik stand, frisst sich damit immer weiter in Gebiete hinein, die früher den großen Parteien gehörten. Pauline Hanson setzt seit Jahren auf eine harte Linie gegen Einwanderung und trifft damit inzwischen auf eine Gesellschaft, in der Wohnungsnot und hohe Lebenshaltungskosten die Unzufriedenheit wachsen lassen. Dass gleichzeitig das Vertrauen in die traditionellen Parteien sinkt, macht den Platz daneben nur größer. Herdegen selbst sprach nach seinem Sieg von einer gewaltigen Botschaft an Labor: Es gebe weder in Westaustralien noch im ganzen Land sichere Labor-Sitze. Selbst die Labor-Führung kann den Schlag nicht kleinreden. Bundesministerin Tanya Plibersek erklärte, ihre Partei müsse darüber nachdenken, wie sie den Menschen besser vermitteln könne, was sie gegen den wirtschaftlichen Druck auf gewöhnliche Australier tue.

Noch in diesem Jahr wird in Victoria gewählt, und One Nation geht auch dort mit deutlich mehr Gewicht in den Kampf. Was in Australien geschieht, steht längst nicht allein. Extrem rechter Populismus wird in immer mehr Demokratien vom Protestangebot zur politischen Kraft, gewinnt Mandate und verschiebt Grenzen dessen, was öffentlich gesagt und politisch verlangt werden kann. Die Folgen werden nicht erst sichtbar, wenn solche Parteien Regierungen führen. Sie hinterlassen mittlerweile weltweit ihre Spuren bereits vorher in Sprache, gesellschaftlichem Umgang und in der Frage, welche Gruppen plötzlich wieder ganz selbstverständlich zum Problem erklärt werden. Australien liefert dafür gerade ein weiteres Beispiel.

Wer investigativen Journalismus will, muss ihn auch möglich machen

Investigativer Journalismus braucht viel mehr Unterstützung aus der Gesellschaft, als er heute bekommt. Tag für Tag werfen Kollegen hin, weil ihnen schlicht das Geld fehlt, um diese Arbeit weiterzumachen, während andere aus Redaktionen gedrängt werden, wie gerade im Fall des italienischen Investigativjournalisten Sigfrido Ranucci. Recherche kostet Zeit, Reisen kosten Geld, Ausrüstung kostet Geld, und manchmal entscheidet genau diese Ausrüstung darüber, wie nah ein Journalist an eine gefährliche Situation herangehen muss.

Wir kennen Kollegen, die mit einem 85-Millimeter-Objektiv mitten in rechtsextreme Demonstrationen gehen, weil ihnen schlicht das Geld für ein Teleobjektiv fehlt, mit dem sie Abstand halten und trotzdem genau dort fotografieren könnten, wo es darauf ankommt. Das ist keine Nebensache, sondern kann darüber entscheiden, ob jemand unbeschadet nach Hause kommt und ob Bilder entstehen, die zeigen, was tatsächlich passiert ist. Wer investigativen Journalismus will, der Macht kontrolliert, Missstände aufdeckt und dorthin geht, wo es unbequem oder gefährlich wird, muss auch dafür sorgen, dass diese Arbeit überhaupt möglich bleibt. Wir wissen selbst sehr genau, wie hart dieser Kampf jeden einzelnen Tag ist.

Wer Trump nur für ein amerikanisches Problem hält, hat längst nicht verstanden, was hier passiert

Investigativer Journalismus hat in dieser Lage eine ganz konkrete Aufgabe. Herausfinden, was tatsächlich geschieht, Verantwortliche überführen, Gerichte zusammen mit Menschenrechtsorganisationen beauftragen, Betroffenen helfen und Dinge öffentlich machen, bevor sie unter der nächsten Schlagzeile verschwinden. Wer heute in den Vereinigten Staaten recherchiert, arbeitet dabei längst nicht mehr nur für ein amerikanisches Publikum. Vieles von dem, was dort geschieht, wird anderswo sehr genau beobachtet – und nicht immer mit Abscheu. Deshalb ist diese Arbeit zugleich eine Warnung an Europa, Südamerika, Asien und Australien: Schaut hin, was möglich geworden ist, wie es möglich wurde und was es mit den Menschen macht, die davon getroffen werden. Das amerikanische Beispiel dient dabei längst nicht mehr als Entschuldigung nach dem Motto „die machen es doch auch“, sondern immer öfter als Bauplan.

Und nicht zu vergessen ist Herr Putin. Wer verstehen will, wie autoritäre Politik über Grenzen hinweg voneinander lernt, sollte nicht nur nach Washington schauen – Moskau liefert seit Jahren vor, wie Pressefreiheit, Opposition und öffentliche Kontrolle Stück für Stück beseitigt werden können.

Kanada antwortet auf Trumps „Lake America“ mit einem riesigen Schild – und macht sich über ihn lustig

Donald Trump wollte den Ontariosee per Dekret zum „Lake America“ machen, Kanada antwortet nun mit einem 7,3 Meter breiten Schild am eigenen Ufer: „Lake Ontario. Now and Always“ – Ontariosee, jetzt und für immer. Ontarios Premier Doug Ford ließ es nahe Grimsby aufstellen, trug dabei demonstrativ ein Trikot der kanadischen Fußballnationalmannschaft und stellte klar, dass der Name des Sees den amerikanischen Präsidenten überleben werde. „Lange nachdem Präsident Trump weg ist, wird er immer noch Lake Ontario heißen“, sagte Ford.

Trump hatte amerikanische Bundesbehörden angewiesen, den See künftig „Lake America“ zu nennen, nach Monaten voller Zölle, Drohungen, Kanada zum 51. Bundesstaat zu machen, und persönlichen Angriffen auf kanadische Politiker. In Kanada wird darauf inzwischen nicht nur mit Wut reagiert, sondern mit offenem Spott. Manitobas Premier Wab Kinew verglich Trump mit einer Rockband, die ihre besten Zeiten längst hinter sich hat und im Kasino immer wieder denselben fünfzig Jahre alten Hit spielt. Nach der Umbenennung des Golfs von Mexiko in „Gulf of America“ versuche Trump nun, denselben Erfolg noch einmal für seine Basis aufzuwärmen, sagte Kinew: ein bisschen traurig sei das inzwischen, und bestimmt nicht Trumps beste Arbeit. Der kanadische Historiker Robert Bothwell wurde noch deutlicher und fragte, warum das angeblich großartigste Land der Erde „diesen Idioten“ ernst nehme. Hinter den Witzen sieht Bothwell allerdings etwas weit weniger Lustiges: Trump wolle Kanada unterordnen, bestenfalls zu einer Kolonie machen, schlimmstenfalls in die Vereinigten Staaten eingliedern.

Der emeritierte Politikwissenschaftler Nelson Wiseman sieht es ähnlich und sagt, Trump hätte Kanada gern als Vasallenstaat – nur weigerten sich die Kanadier, diese Rolle zu spielen. Gleichzeitig werden die Beziehungen zwischen beiden Ländern immer schlechter. Handelsgespräche brachen vergangene Woche zusammen, beide Regierungen werfen der jeweils anderen Seite nachträglich neue Forderungen vor, Kanada hat Vergeltungszölle angekündigt, die im kommenden Monat greifen sollen. Ford hatte zuvor erklärt, Ronald Reagan würde sich angesichts von Trumps Zollpolitik „übergeben“ und wäre vom heutigen Präsidenten angewidert. Trump antwortete mit persönlichen Angriffen, nannte Ford einen Handlanger von Premierminister Mark Carney und verspottete ihn als weniger charismatischen und weniger intelligenten Bruder des verstorbenen Torontoer Bürgermeisters Rob Ford. Am Samstag legte Trump nach und verbreitete ein Bild mit Kanadagänsen, denen seine blonde Frisur verpasst worden war und die mit Gewehren den angeblichen „Lake America“ verteidigen. Solche Karten- und Namensspiele gehören inzwischen zu seiner Politik: Im Oval Office hing zeitweise eine Karte mit dem „Gulf of America“, und Trump veröffentlichte wiederholt Darstellungen, auf denen Kanada Teil der Vereinigten Staaten oder deren 51. Bundesstaat war.

Beim Ontariosee stößt er zusätzlich auf eine Geschichte, die sehr viel älter ist als seine Präsidentschaft und sogar älter als beide heutigen Staaten. Der Name stammt vom huronischen Wort „oniatarí:io“ und bedeutet „See des leuchtenden Wassers“; die 1867 gegründete kanadische Provinz Ontario erhielt ihren Namen vom See. Pierre Picard, Großhäuptling der Wendat Nation, bezeichnete Trumps Vorgehen deshalb als Versuch, indigene Geschichte, Kultur und Identität auszulöschen. Auch Premierminister Mark Carney wies die Umbenennung zurück und erinnerte daran, dass der Name sowohl älter als die kanadische Staatsgründung als auch älter als die amerikanische Unabhängigkeitserklärung ist. Und bei allem Theater um Dekrete und neue Karten bleibt eine ziemlich einfache Tatsache übrig: Trump kann amerikanischen Behörden vorschreiben, welchen Namen sie verwenden sollen – Kanada kann er nicht vorschreiben, wie sein eigener See heißt.

Trump-Regierung schiebt jungen Afghanen nach Zentralafrika ab – seine Brüder halfen dem US-Militär

Die Trump-Regierung hat am Samstag erneut Dutzende Menschen in ein Land abgeschoben, aus dem keiner von ihnen stammt: in die Zentralafrikanische Republik. Unter den Menschen an Bord war der Afghane Khalil, 24 Jahre, dessen Familie wegen ihrer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten von den Taliban bedroht wurde. Ein amerikanischer Richter hatte ausdrücklich entschieden, dass der junge Mann nicht nach Afghanistan abgeschoben werden darf, weil ihm dort Verfolgung droht. Seine beiden Brüder hatten mit dem US-Militär zusammengearbeitet. Einer lebt inzwischen in den Vereinigten Staaten und diente in der afghanischen Nationalarmee, die bis zur Machtübernahme der Taliban 2021 an der Seite der Amerikaner kämpfte. Ein weiterer Bruder war von den USA zum Piloten ausgebildet worden. Die Taliban töteten ihn. Nun schickten die Vereinigten Staaten seinen Bruder nicht nach Kabul, sondern Tausende Kilometer entfernt nach Bangui, in die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Auf demselben Flug befanden sich nach Angaben von Human Rights First zwölf Afghanen und acht Iraner sowie Menschen aus Nepal und Nicaragua.

Die Abschiebung gehört zu einem System, das unter Trump immer größer geworden ist: Menschen werden nicht in ihre Herkunftsländer gebracht, sondern in Drittstaaten, mit denen Washington Vereinbarungen geschlossen hat, die häufig nicht öffentlich gemacht werden. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind auf diese Weise bereits Tausende Menschen in rund zwei Dutzend Länder abgeschoben worden, die mit ihrer Herkunft nichts zu tun haben. Einwanderungsanwälte sehen darin einen Weg, gerichtliche Abschiebungsverbote zu umgehen und Schutzsuchende über Umwege doch wieder in eine Lage zu bringen, aus der sie eigentlich geschützt werden sollten. Der Flug vom Samstag war bereits der zweite in die Zentralafrikanische Republik seit Juni. Damals wurden zwei Dutzend Menschen dorthin gebracht, darunter eine Iranerin, der in ihrer Heimat ebenfalls Verfolgung drohte. Besonders bitter ist dieser Fall, weil die Familie des jungen Afghanen genau wegen ihrer Hilfe für die Vereinigten Staaten ins Visier der Taliban geraten war. Einer seiner Brüder, Najib, half der afghanischen Armee im gemeinsamen Kampf mit den USA, der andere wurde von Amerika ausgebildet und anschließend von den Taliban getötet. Für seinen Bruder bedeutete diese Geschichte offenbar keinen Schutz vor der Abschiebemaschinerie. Amerika konnte ihn wegen der richterlichen Entscheidung nicht nach Afghanistan schicken. Also brachte es ihn nach Zentralafrika.

Russland schickt Kriegsschiffe in den Ärmelkanal, um sanktionierte Frachter zu schützen

Russland setzt inzwischen gleich zwei Kriegsschiffe ein, um sanktionierte Schiffe durch Nordsee und Ärmelkanal zu bringen. Zum Zerstörer „Admiral Lewtschenko“ stieß die Fregatte „Neustraschimy“, während die Frachter General Skobelev und Sparta unter militärischem Schutz Richtung Atlantik liefen. Die britische Marine blieb der russischen Gruppe drei Tage lang auf den Fersen. Der Zerstörer HMS Duncan, die Fregatte HMS St Albans und das Patrouillenschiff HMS Severn begleiteten den Verband gemeinsam mit einem Merlin-Hubschrauber durch britische Gewässer und den Ärmelkanal. Erst vor der französischen Insel Ouessant übergab Großbritannien die Beobachtung an einen anderen NATO-Staat.

Gleichzeitig verfolgte die HMS Mersey den russischen Versorgungstanker „Akademik Paschin“, der in der Nähe des Verbandes unterwegs war. Dass Moskau seine sanktionierten Schiffe inzwischen mit Kriegsschiffen durch europäische Gewässer begleitet, ist kein Zufall. Seit der Festsetzung des sanktionierten russischen Tankers Smyrtos im Juni ändern Schiffe der russischen Schattenflotte nach Angaben der britischen Marine häufiger ihre Routen, während Russland zunehmend militärische Begleitung schickt. Großbritannien musste in den ersten acht Monaten dieses Jahres bereits 25 Prozent häufiger Schiffe zur Beobachtung russischer Aktivitäten auslaufen lassen als im gleichen Zeitraum 2025.

Noch am 25. August war „Admiral Lewtschenko“ gemeinsam mit Sparta, General Skobelev und „Akademik Paschin“ vor Spanien auf dem Weg nach Gibraltar entdeckt worden; damals schien nur ein russisches Kriegsschiff die drei zivilen Schiffe zu begleiten. „Neustraschimy“ hält sich dagegen schon seit mindestens Juli in der Nähe britischer Gewässer auf und löste offenbar die Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ ab, die zuvor monatelang Tanker der Schattenflotte durch den Ärmelkanal begleitet hatte. Am 20. Juli veranstaltete „Neustraschimy“ sogar Schießübungen rund 74 Kilometer südlich von Plymouth. Die russische Besatzung warnte die Briten vorher und forderte das Patrouillenschiff HMS Tyne auf, Abstand zu halten; neben den Briten beobachtete auch ein französisches Militärflugzeug die Übungen. General Skobelev, Sparta und „Akademik Paschin“ sind dabei keine zufällige Reisegemeinschaft. Schon im Mai liefen sie gemeinsam das syrische Tartus an, damals begleitet von der russischen Fregatte „Admiral Kasatonow“. Die Schiffe schalteten ihre automatischen Identifikationssignale ab oder sendeten falsche Angaben, während Experten davon ausgingen, dass sie militärische Ausrüstung zur russischen Basis transportierten.

General Skobelev und Sparta gehören zur mit dem russischen Verteidigungsministerium verbundenen „Oboronlogistika“ und wurden bereits für russische Militärtransporte eingesetzt. Schon im Juli 2025 brachte die Korvette „Boiki“ beide durch den Ärmelkanal. Dass Moskau inzwischen zwei Kriegsschiffe für solche Fahrten abstellt, zeigt, welchen Aufwand Russland betreibt, um sanktionierte Transporte weiter durch europäische Gewässer zu bekommen – und wie nah sich russische und NATO-Einheiten dabei inzwischen regelmäßig kommen.

Das Getreide kommt nicht mehr raus – Rostow ruft den Notstand aus, Weizenpreise steigen auf Dreijahreshoch

In der russischen Region Rostow stapelt sich das Getreide inzwischen in den Silos, weil die Häfen stillstehen und der Weg über das Schwarze Meer immer unsicherer wird. Gouverneur Juri Sljussar hat deshalb am 28. August um 18 Uhr den regionalen Notstand ausgerufen. Die Entscheidung gilt für eine Lage, die nach seiner Anordnung bereits seit dem 10. Juli besteht. Russland bekommt einen Teil seiner Ernte nicht mehr aus der Region heraus, während gleichzeitig die Preise für Weizen auf dem Weltmarkt auf den höchsten Stand seit 2023 gestiegen sind.

In der Verfügung macht Sljussar die Einstellung des Hafenbetriebs und Störungen der Schifffahrt im Asowschen und Schwarzen Meer für die Lage verantwortlich. Als Ursache nennt die Regionalregierung Angriffe ukrainischer Streitkräfte auf Anlagen der Logistik. Dadurch hätten sich bei landwirtschaftlichen Betrieben große Mengen an Produkten angesammelt. Die Behörden warnen inzwischen vor erheblichen wirtschaftlichen Verlusten und davor, dass die Situation Auswirkungen auf das tägliche Leben der Bevölkerung bekommen könnte. Das Landwirtschaftsministerium der Region soll nun laufend erfassen, wie viel Ware feststeckt, wie sich die Lage entwickelt und welche Folgen daraus entstehen können. Gleichzeitig sollen die Betriebe darüber informiert werden, welche Maßnahmen die Behörden ergreifen. Viel Spielraum schafft das allerdings nicht. Getreide, das nicht auf Schiffe kommt, bleibt liegen, und mit jedem weiteren Tag wächst der Druck auf Lagerhäuser, Produzenten und Exporteure.

Die Folgen reichen längst über Rostow hinaus. An der Börse in Chicago stiegen die Weizenpreise auf den höchsten Stand seit Juli 2023. Händler reagieren auf die Sorge, dass eine weitere Eskalation des russischen Krieges gegen die Ukraine die Lieferungen aus der Schwarzmeerregion noch stärker treffen könnte. Russland und die Ukraine stehen zusammen für fast 30 Prozent des weltweiten Weizenexports. Wenn dort größere Mengen ausfallen, lässt sich das nicht einfach an anderer Stelle auffüllen. Andrik Payen, Getreide- und Ölsaatenanalyst bei Rabobank, hält genau das für das Problem. Andere Lieferländer könnten die fehlenden Mengen aus Russland und der Ukraine nicht vollständig ersetzen. Schon die bisherigen Zahlen zeigen, wie stark die Transporte eingebrochen sind.

Die Ukraine exportierte in der ersten Hälfte des August nur rund 300.000 Tonnen Weizen. Im gesamten August 2025 waren es noch 1,891 Millionen Tonnen gewesen. Russland kam im laufenden August bislang auf etwa 2 Millionen Tonnen. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wurden in einem August rund 5 Millionen Tonnen russischen Weizens exportiert. Damit fehlen nicht irgendwelche kleinen Mengen am Rand des Welthandels. Zwei der wichtigsten Weizenexporteure der Erde bringen ihre Ware derzeit deutlich schlechter auf den Markt, während gleichzeitig die militärische Auseinandersetzung auf und über dem Schwarzen Meer weitergeht. In Rostow lässt sich inzwischen ganz praktisch besichtigen, was das bedeutet: Die Ernte ist da, die Käufer wären da, aber zwischen beidem liegen stillstehende Häfen, gefährdete Seewege und Lagerhäuser, die immer voller werden.

Für Russland ist das inzwischen mehr als ein logistisches Ärgernis. Wenn eine der wichtigsten Agrarregionen des Landes wegen fehlender Exportwege den Notstand ausrufen muss, ist der Krieg dort angekommen, wo Moskau ihn lange nicht haben wollte – bei einem Wirtschaftszweig, der jedes Jahr Milliarden einbringt und weit über Russland hinaus darüber mitentscheidet, was Brot und Mehl kosten. Und je länger die Häfen nicht zuverlässig arbeiten, desto weniger bleibt davon eine russische Angelegenheit.

Der See gehört jetzt Amerika, weil einer fest genug tritt

In einem Video, das Donald Trump auf seiner Truth-Social-Seite verbreitet, wird der Ontariosee nicht in Ruhe umbenannt. Trump tritt das Schild mit der Aufschrift „Lake Ontario“ mit dem Fuß um und stellt „Lake America“ an seine Stelle, als ließe sich Geschichte beseitigen, indem man fest genug dagegen tritt. Was er nicht verschieben kann, das tritt er wenigstens um, und die KI-Abteilung im Weißen Haus verteilt diesen Müll als Sieg für Trump. Ein Mann verwechselt hier Macht mit Besitz und den Tritt mit einem Argument.

Das Verstörende liegt im Rang des Absenders. Der Präsident der Vereinigten Staaten zeigt, wie der Name eines kanadischen Sees niedergetreten wird, nachdem er Kanada seit Monaten mit Zöllen überzieht und das Land, wie er sagt, zum 51. Bundesstaat machen wolle. Der Tritt ist kein einzelner Einfall, er reiht sich in Monate des Drucks, in denen aus dem Nachbarn ein Gegenstand wurde. Kanada ist kein Grundstück, auf das er seinen Namen schreiben darf, und der Ontariosee kein Golfplatz, dessen Schild ihm missfällt.

Man kann über den Auftritt lachen, und vielleicht wohnt gerade darin die Gefahr. So vieles wirkt so absurd, dass man beinahe vergisst, wer dort handelt. Dort handelt keine Witzfigur, dort handelt ein Mann mit realer Macht, der die Anmaßung fremden Landes zum kurzen Unterhaltungsfilm für seine Anhänger macht. Die Gewöhnung ist der Verbündete des Übergriffs, denn was oft genug als Belustigung erscheint, wird selten noch als das gelesen, was es ist. Andere Länder erkennen darin bald die Verachtung, die gemeint ist.

Für eine psychiatrische Einschätzung taugt das Video bereits. Für die politische reicht es vollkommen: Dieser Mann sollte über kein Land verfügen dürfen, nicht einmal in seiner Fantasie.

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