Kanada kündigt Gegenzölle an, die Trump-Regierung bereitet den größten Visaentzug der US-Geschichte vor, Iran droht im neuen Sanktionskrieg mit einer vollständigen Blockade der Ölexporte – und gleichzeitig zwingt der Iran-Krieg Washington bereits, Truppen aus Ostasien abzuziehen und eine große Militärübung mit Südkorea abzusagen. Dazu gibt Großbritannien geheime Raketentechnik an die Ukraine weiter, während Kiew ausgerechnet für die Produktion das Geld fehlt. Und Putin zeichnet eine südkoreanische Übersetzerin aus, die Russland als Opfer von Krieg und Sanktionen beschreibt. Unsere Kurznachrichten vom 25. August.
Kanada schlägt zurück: Ford droht Trump mit Strom und Rohstoffen – „Alles liegt auf dem Tisch“
Kanada zieht im Handelskrieg mit Donald Trump die Handschuhe aus. Nachdem die USA am Samstag 50 Prozent Zölle auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar verhängt hatten, kündigte Ottawa für Dienstag eigene Gegenzölle an. Trump legte am Montag nach und drohte Kanada mit weiteren 50 Prozent auf Autos, Autoteile und Stahl. Seine Botschaft an die kanadische Führung: Sie solle sich „einreihen“, sonst werde es noch „VIEL SCHLIMMER“. Premierminister Mark Carney antwortete, Washington verlange inzwischen Bedingungen, die Kanada faktisch unterordnen würden. Die USA wollten nach seiner Darstellung zentrale kanadische Industrien zerstören, darunter Auto, Stahl und Aluminium. Carney sagte, genau deshalb habe Kanada den angebotenen Deal abgelehnt. Am Verhandlungstisch werde Kanada nicht als Tochtergesellschaft der Vereinigten Staaten auftreten.
Ontario-Premier Doug Ford ging noch weiter. „Wir sind voll dabei“, sagte der Konservative. In Kanada sei die Bereitschaft inzwischen groß, auch wirtschaftliche Schmerzen auszuhalten, statt sich Washington zu beugen. Ford drohte offen mit Gegenmaßnahmen bei Strom und kritischen Rohstoffen. Ontario versorgt nach seinen Angaben rund 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmen in den USA mit Elektrizität. „Alles liegt auf dem Tisch. Ich werde tun, was nötig ist“, sagte Ford. Auch Öl, Kali und strategisch wichtige Mineralien könnten Teil einer härteren kanadischen Antwort werden. Gerade diese Rohstoffe braucht Washington für Rüstung, Flugzeuge, Raketen, Munition und Elektronik und versucht gleichzeitig, seine Abhängigkeit von China zu verringern.
Ford hatte Strom bereits früher als Druckmittel benutzt: Ontario belegte Exporte nach Michigan, Minnesota und New York zeitweise mit einem Aufschlag von 25 Prozent. Trump reagierte damals mit der Drohung, die Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium zu verdoppeln, bevor beide Seiten zurückwichen. Jetzt ist der Streit weiter eskaliert. Ford wirft Trump vor, nicht mehr über einen besseren Handelsvertrag zu verhandeln, sondern kanadische Produktion in die USA ziehen zu wollen. Er sagte ausdrücklich, Trump wolle Kanada zu einem Vasallenstaat machen und einen Wirtschaftsbereich nach dem anderen „ausbluten“ lassen.
Der kanadische Widerstand reicht inzwischen über Parteigrenzen: Ford ist Progressiver Konservativer, Carney Liberaler, doch in der Frage der amerikanischen Forderungen stehen beide auf derselben Seite. Trump antwortete Ford mit persönlichen Beleidigungen und nennt Carney weiterhin spöttisch „Gouverneur Carney“.
Ford ließ sich davon nicht beeindrucken: „Wenn er glaubt, dass mich eine Beleidigung verletzt – nur zu, Kumpel. Ich bin bereit.“
Aus einem Zollstreit zwischen zwei der engsten Handelspartner der Welt ist damit etwas geworden, das Kanada inzwischen offen als Kampf um seine wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit behandelt.
Großbritannien gibt geheime Raketentechnik an die Ukraine weiter – doch Kiew fehlt das Geld für die Produktion

Großbritannien und Frankreich wollen der Ukraine geheime technische Informationen über den Marschflugkörper Storm Shadow beziehungsweise Scalp zur Verfügung stellen. Kiew soll dadurch in die Lage versetzt werden, die Waffe selbst im Land zu produzieren. London erlaubt dem Rüstungskonzern MBDA, geschützte Daten über die britischen Bauteile weiterzugeben. Frankreich hatte bereits im Juli zugestimmt, dass die Ukraine ein Paket französischer Waffen fertigen kann, darunter Scalp und Aster-Abfangraketen. Für Kiew wäre das ein weiterer Schritt weg von der reinen Abhängigkeit westlicher Lieferungen. Seit Beginn der russischen Invasion hat die Ukraine eine eigene Rüstungsindustrie aufgebaut, besonders bei Drohnen und weitreichenden Waffen. Doch ausgerechnet dort liegt inzwischen das Problem: Die Technik ist vorhanden, Produktionskapazitäten ebenfalls – das Geld fehlt.
Präsident Wolodymyr Selenskyj drängt deshalb auf schnellere europäische Finanzhilfen. Die Ukraine entwickelt bereits eigene Marschflugkörper wie Neptune und Flamingo. Der Flamingo soll mehr als 2.900 Kilometer weit fliegen und einen Sprengkopf von mehr als 1.100 Kilogramm tragen können. Für eine große Serienproduktion reicht das Geld aber nicht. Bei der Luftverteidigung ist die Lage noch härter. Kiew will amerikanische Patriot-Abfangraketen selbst produzieren und braucht dafür eine Lizenz aus Washington. Trump hatte diese Möglichkeit zunächst unterstützt, ist später aber davon abgerückt. Gleichzeitig sind die ukrainischen Bestände an Patriot-Raketen nahezu aufgebraucht, während Russland weiter ballistische Raketen auf ukrainische Städte feuert. Auch frühere Pläne mit Rheinmetall, Hunderte Panzer in der Ukraine zu bauen, scheiterten am Ende daran, dass Finanzierung und Aufträge ausblieben.
Die Zusammenarbeit läuft inzwischen allerdings in beide Richtungen. Großbritannien erhält Zugang zum ukrainischen KI-Labor Avengers und damit zu Daten und Erfahrungen direkt aus dem Krieg, die für britische Modelle künstlicher Intelligenz genutzt werden sollen. Britische, deutsche und dänische Unternehmen fertigen bereits ukrainisch entwickelte Drohnen und Treibstoff für ukrainische Marschflugkörper. BAE Systems vereinbarte zuletzt auch die Produktion einer Haubitze in der Ukraine, während Großbritannien zusätzlich eine ballistische Rakete für Kiew entwickelt. Storm Shadow und Scalp gehörten bislang zu den wirksamsten westlichen Waffen der Ukraine und trafen russische Bunker, Brücken, Schiffe und Gefechtsstände. Heute kann die Ukraine selbst Waffen mit größerer Reichweite bauen. Was fehlt, ist nicht mehr unbedingt das Wissen. Ein ukrainischer Hersteller brachte es trocken auf den Punkt: „Es ist nicht nur ein industrieller Krieg, es ist ein Krieg der Haushalte.“
Trump-Regierung plant größten Visaentzug der US-Geschichte – bis zu 200.000 Ausländer betroffen

Die Trump-Regierung bereitet den größten massenhaften Visaentzug in der Geschichte der Vereinigten Staaten vor. Betroffen sein könnten bis zu 200.000 Ausländer, die mit Geschäfts- oder Touristenvisa in die USA gekommen sind und später Asyl beantragt haben oder derzeit beantragen. Es geht um sogenannte B1- und B2-Visa, die zwischen 2016 und 2026 ausgestellt wurden. Das Außenministerium will die Visa gemeinsam mit dem Heimatschutzministerium schrittweise entziehen. Die endgültige Entscheidung steht noch aus, doch interne Dokumente zeigen, dass die Prüfung längst läuft. Eine sofortige Abschiebung folgt daraus nicht automatisch. Viele Menschen mit laufenden Asylverfahren würden zunächst nur ihren bisherigen Status als Geschäftsreisende oder Touristen verlieren. Genau deshalb dürfte die Maßnahme vor Gericht landen.
Das Außenministerium begründet den Schritt damit, dass Menschen angeblich mit Kurzzeitvisa einreisen und anschließend Asyl beantragen, um dauerhaft im Land zu bleiben. Vizeaußenminister Christopher Landau sprach von „missbräuchlichen Asylanträgen“ und erklärte, Asyl dürfe kein Schlupfloch zur Umgehung des Einwanderungsrechts sein. Die Regierung verschärft ihre Visa-Politik seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ständig. Bewerber müssen mehr Informationen über soziale Medien offenlegen, teilweise hohe Sicherheitsleistungen hinterlegen, Bürger bestimmter Staaten bekommen gar keine Visa mehr. In den vergangenen 18 Monaten wurden bereits rund 175.000 Visa widerrufen. Betroffen waren Menschen mit Verurteilungen oder Vorwürfen wegen Straftaten, aber auch Personen, die sich öffentlich gegen amerikanische Politik ausgesprochen hatten, besonders im Zusammenhang mit dem Nahen Osten.
Neu ist nun die Größenordnung. Bis zu 200.000 Visa auf einmal wären ein Schritt, den es so in den USA noch nicht gegeben hat. B1-Visa sind für Geschäftsreisen gedacht, B2-Visa für Tourismus, Familienbesuche oder medizinische Behandlungen. Wer heute ein solches Visum beantragt, muss bestätigen, keinen Asylantrag stellen zu wollen und nachweisen, dass er wieder ausreisen will. Das Außenministerium begann die Überprüfung offenbar, nachdem die Einwanderungsbehörde USCIS Informationen über Asylanträge weitergegeben hatte. Noch ist offen, wie viele Menschen am Ende tatsächlich betroffen sein werden. Fest steht aber: Die Trump-Regierung zieht die Schraube weiter an. Diesmal trifft es nicht Menschen an der Grenze, sondern Hunderttausende, die längst mit gültigen Visa im Land waren und anschließend Schutz beantragt haben.
Iran weist Trumps neuen Sanktionskrieg zurück – Teheran droht: „Kein einziger Tropfen Öl“

Die Trump-Regierung versucht, Iran wirtschaftlich noch weiter abzuriegeln, doch aus Teheran kommt keine Bereitschaft zum Nachgeben. Finanzminister Seyed Ali Madanizadeh erklärte, das Land habe einen auf 2 Jahre angelegten Wirtschaftsplan, der weitere amerikanische Sanktionen bereits berücksichtige. „Sanktionen sind für Iran nichts Neues.“ US-Finanzminister Scott Bessent hatte zuvor mehr als 60 Unternehmen, Personen und Schiffe weltweit mit neuen Strafmaßnahmen belegt. Washington wirft ihnen vor, Iran bei der Beschaffung von Nuklear- und Raketentechnik, Cyberoperationen und Öleinnahmen zu helfen. Nun sollen fünf Bereiche besonders getroffen werden: digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Bessent kündigte an, der Druck werde von Tag zu Tag wachsen, bis Iran wirtschaftlich kaum noch Ausweichmöglichkeiten habe. Die Revolutionsgarden antworteten, getroffen werde damit vor allem die Bevölkerung. Washington wolle mit seinem Wirtschaftskrieg Lebensgrundlagen zerstören und das Vertrauen innerhalb des Landes beschädigen.
Trump hatte den gemeinsam mit Israel Ende Februar begonnenen Krieg als schnell und entscheidend angekündigt. Davon ist Ende August wenig übrig. Eine im Juni geschlossene Waffenruhe zerbrach wenige Wochen später, nachdem Iran die Blockade der Straße von Hormus wieder aufgenommen hatte. Nun droht Trump mit „Wirtschaftskrieg und Isolation in beispiellosem Ausmaß“ und will auch Staaten bestrafen, die weiter mit Iran Geschäfte machen. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören China, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Emirate stoppten vergangene Woche ihren Handel und ihre Finanzgeschäfte mit Iran, wenige Stunden nachdem Trump mit Präsident Mohammed bin Zayed telefoniert hatte. Ob Washington die Entscheidung verlangte, ist nicht bekannt. Bei China wird es für Trump schwieriger. Präsident Xi Jinping soll im kommenden Monat nach Washington kommen, und selbst Beobachter bezweifeln, dass Trump bereit ist, Peking wegen Iran mit wirklich schweren Sanktionen zu treffen. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf hält die amerikanischen Drohungen ohnehin für Großsprecherei und erklärte, die USA könnten es sich wirtschaftlich gar nicht leisten, ihre Beziehungen zu immer weiteren Ländern einzuschränken.
Gefährlich wird es dort, wo aus wirtschaftlichem Druck wieder militärischer Druck werden kann. Mehrere Analysten halten es für wahrscheinlicher, dass Iran auf die neuen Sanktionen mit weiteren Angriffen reagiert, als dass Teheran Trumps Forderungen zum Atomprogramm und zur Öffnung der Straße von Hormus akzeptiert. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei sagte, Washington wiederhole Methoden, die bereits gescheitert seien; Iran werde alle internationalen Möglichkeiten gegen die Sanktionen nutzen. Noch deutlicher wurde Mohsen Rezaei vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat. Sollte die amerikanische Kampagne weitergehen, werde aus der Golfregion „kein einziger Tropfen Öl“ mehr exportiert. Jede Regierung, die sich an Amerikas Wirtschaftskrieg beteilige oder ihn unterstütze, werde Iran als Kriegspartei betrachten. Die Drohung ist nicht theoretisch. Golfstaaten wurden bereits mit iranischen Drohnen und Raketen angegriffen, amerikanische Stützpunkte ebenfalls, und die Blockade von Hormus trifft Öl- und Gasexporte längst praktisch. Gleichzeitig hat der jahrelange Sanktionsdruck Inflation und Arbeitslosigkeit im Iran verschärft und zu den Massenprotesten dieses Jahres beigetragen, die das Regime mit brutaler Gewalt niederschlug; nach Angaben iranischer Menschenrechtsgruppen im Exil wurden Tausende Demonstranten getötet. Trumps neue Rechnung lautet trotzdem wieder: noch mehr Druck. Teherans Antwort lautet bisher nicht Kapitulation, sondern die Drohung, die Rechnung an den gesamten Persischen Golf weiterzugeben.
Putin zeichnet südkoreanische Übersetzerin aus – sie beschreibt Russland als Opfer von Krieg und Sanktionen

Wladimir Putin hat die südkoreanische Dostojewski-Übersetzerin Kim Jong-a mit der Puschkin-Medaille ausgezeichnet. Laut dem am 24. August veröffentlichten Erlass erhält sie die Ehrung für ihren Beitrag zur Bewahrung und Verbreitung russischer Kultur und Kunst im Ausland. Kim beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit Dostojewski und übersetzte als erste Südkoreanerin allein dessen vier große Romane „Schuld und Sühne“, „Der Idiot“, „Die Dämonen“ und „Die Brüder Karamasow“. Im Oktober 2025 reiste sie nach Moskau zur Versammlung der von Putin gegründeten Stiftung „Russki Mir“, die russische Sprache und Kultur im Ausland fördern soll. Dort hielt sie nach eigenen Angaben als erste Bürgerin Südkoreas eine programmatische Rede. Einige Monate später veröffentlichte sie in Südkorea einen Text über ihre Reise – und darin entstand ein bemerkenswertes Bild vom Russland des Krieges.
Kim schrieb, sie habe in Moskau zunächst kaum etwas vom Krieg bemerkt, später aber dessen „Opfer und Verluste“ sowie die wirtschaftlichen Folgen westlicher Sanktionen erkannt. Als Beleg führte sie unter anderem ein Büfett bei der Veranstaltung von „Russki Mir“ an, an dem für sie kaum noch Essen übrig gewesen sei. Wenn selbst ein Ort für Gäste so aussehe, könne man sich vorstellen, wie schwer das wirkliche Leben der Moskauer sei, schrieb sie. Auch geschlossene Geschäfte westlicher Luxusmarken im Moskauer Kaufhaus GUM wurden für sie zum Beweis der Sanktionen. Dior, Louis Vuitton, Cartier und Chanel seien verschwunden, das GUM gleiche einer Karte europäischer Strafmaßnahmen gegen Russland. Den Rückzug des südkoreanischen Autobauers Hyundai kritisierte sie ebenfalls und führte ihn darauf zurück, dass Seoul auf die Vereinigten Staaten Rücksicht nehmen müsse. Gleichzeitig lobte sie Folgen der Sanktionen: Russische Unternehmen hätten McDonald’s und Starbucks ersetzt, außerdem sei die heimische Produktion gestärkt worden. Kim schrieb sogar, sie könne sich eines Tages eigene Geschäfte in Moskau und St. Petersburg vorstellen. Gegen die Fortsetzung des Krieges sprach sie sich allerdings ausdrücklich aus: Es dürfe keine weiteren sinnlosen Toten geben.
Die Beziehungen zwischen Kim und russischen staatlichen Strukturen gingen danach weiter. Im Januar übergab sie dem russischen Botschafter in Seoul ihre Dostojewski-Ausgaben. Das russische Außenministerium und „Russki Mir“ bereiten für sie zudem eine Reise zu Orten aus Dostojewskis Leben vor, von Moskau und St. Petersburg bis Omsk. Kim bezeichnete dies als besonders tiefe kulturelle Freundschaft zwischen Russland und Südkorea, obwohl die politischen Beziehungen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine weitgehend eingefroren sind. Seoul beteiligt sich an Sanktionen gegen Moskau und kritisiert zugleich die militärische Zusammenarbeit Russlands mit Nordkorea. Ausgerechnet in dieser Lage ehrt Putin nun eine südkoreanische Übersetzerin, die in ihrer Heimat beschreibt, wie Russland unter Krieg und Sanktionen leidet – und dabei aus einem leeren Büfett und geschlossenen Luxusläden politische Schlüsse zieht.
Truppenmangel: USA sagen große Übung mit Südkorea ab

Die USA haben die für September geplante Großübung Ssang Yong mit Südkorea abgesagt. Der Grund ist nicht diplomatische Rücksicht, sondern fehlende Truppen. Der Krieg mit Iran bindet inzwischen so viele amerikanische Kräfte, dass Washington für die Manöver auf Divisionsniveau nicht mehr genug Personal bereitstellen kann. Bereits im Juni hatte die US-Marineinfanterie Seoul darüber informiert. Wann die Übung nachgeholt wird, ist offen. Ssang Yong ist keine kleine Routineübung. 2024 waren mehr als 20 Schiffe und 30 Flugzeuge beteiligt, darunter F-35B-Kampfjets sowie die Landungsschiffe USS Boxer und USS America. Geübt werden Landungen vom Meer und aus der Luft sowie gemeinsame Kampfhandlungen. Nun fällt das Manöver weg, nur wenige Tage nachdem Donald Trump bereits Ulchi Freedom Shield zusammengestrichen hatte. Die jährliche Übung wurde von 11 auf 5 Tage verkürzt, auch die Zahl der Feldübungen sank deutlich.
Trump begründete das mit den Kosten und damit, dass Südkorea sich nicht am amerikanischen Vorgehen gegen Iran beteilige. Zugleich erklärte er, die gemeinsamen Manöver sendeten Pjöngjang ein „völlig inakzeptables und feindseliges Zeichen“. Der Iran-Krieg hat längst direkte Folgen für die amerikanische Präsenz in Ostasien. Mehr als 2.000 US-Marines wurden aus Japan in den Nahen Osten verlegt, während gleichzeitig in Korea Übungen gekürzt oder ganz gestrichen werden.
Nordkorea reagiert darauf trotzdem nicht mit Zurückhaltung. In der vergangenen Woche feuerte Pjöngjang 10 ballistische Kurzstreckenraketen ab und verurteilte die verbliebenen Übungen erneut als Vorbereitung auf eine Invasion. Damit wird sichtbar, was Washington inzwischen gleichzeitig verlangt: Krieg im Nahen Osten führen, Kräfte aus Asien abziehen und dort trotzdem militärische Abschreckung aufrechterhalten. Je länger der Iran-Krieg dauert, desto schwerer wird diese Rechnung.

Im Moment schaffe ich es nicht ausführlich zu kommentieren
Aber ein dickes Danke für die hervorragend recherchierten Artikel!
Ich wünschte mir so viel Rückgrat in Europa, wie Kanada zeigt!
Und das Trump lieber mit Kim kuschelt, ist wohl der Hauptgrund für die abgesagte Truppenübung.
Und natürlich als Strafe, dass der Irankrieg nicht unterstützt wird.