50 Prozent Zoll gegen Kanada – Trump greift zu einem Gesetz aus der Großen Depression und eröffnet die nächste Runde des Handelskriegs

Seit Samstag gelten Donald Trumps neue Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche Waren aus Kanada. Betroffen sind kanadische Exporte im Wert von rund 20 Milliarden Dollar, etwa fünf Prozent aller Waren, die Kanada jährlich in die Vereinigten Staaten verkauft. Für Ottawa ist das trotzdem ein harter Schlag, denn 72 Prozent der kanadischen Warenexporte gingen im vergangenen Jahr in die USA. Die Liste reicht von Hockeyschlägern, Wein und Zement bis zu Honig, Saatgut, landwirtschaftlichen Produkten, Kosmetik, Kleidung, Schmuck, Möbeln und Kameras. Selbst einige Waren, die bislang durch das Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada geschützt waren, werden nun mit den 50 Prozent belegt.
Damit greift Trump auch ein Abkommen an, das er während seiner ersten Amtszeit selbst als großen Erfolg verkauft hatte. Besonders ungewöhnlich ist die rechtliche Grundlage. Trump benutzt Abschnitt 338 des Zollgesetzes von 1930, entstanden mitten in der Großen Depression und Teil jener Handelspolitik, die bis heute dafür kritisiert wird, den damaligen wirtschaftlichen Absturz noch verschärft zu haben. Der Abschnitt erlaubt einem Präsidenten Zölle von bis zu 50 Prozent gegen Länder, die amerikanische Unternehmen diskriminieren. Für eine konkrete Zollerhöhung wurde diese Vorschrift bislang noch nie benutzt. Eine vorherige Untersuchung ist nicht vorgeschrieben, und das Gesetz setzt auch keine Frist, wann die Zölle wieder verschwinden müssen. Genau deshalb dürfte der Weg vor Gericht führen.
Trump wirft Kanada vor, amerikanische Autos, Alkohol und Milchprodukte unfair zu behandeln, und ärgert sich darüber, dass kanadische Importe amerikanischer Autos und alkoholischer Getränke nach seinen früheren Zöllen zurückgingen. Kanada antwortet nun nicht mehr mit weiteren Verhandlungen.
Premierminister Mark Carney kündigte Gegenmaßnahmen „Dollar für Dollar“ an, die am 8. September beginnen sollen. Treffen sollen sie unter anderem amerikanischen Stahl, Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Landmaschinen, Papier und Elektronik. Kanada war zuvor bereit gewesen, eigene Gegenzölle auf Stahl, Aluminium und Autos zurückzunehmen, wenn Washington seine Abgaben deutlich senkt, außerdem sollten die Provinzen wieder mehr amerikanischen Alkohol verkaufen. Carney sagt, die letzten Forderungen aus Washington seien zu weit gegangen. Er wirft den Vereinigten Staaten inzwischen offen vor, die wirtschaftliche Verflechtung beider Länder als Waffe einzusetzen und Kanada mit den neuen Zöllen angegriffen zu haben. Trumps Handelsbeauftragter Jamieson Greer stellt es anders dar und behauptet, Washington habe niedrigere Zölle auf Stahl, Autos und Bauholz angeboten, Kanada habe den Abschluss jedoch nicht gewollt. Weitere Gespräche sind derzeit nicht angesetzt, Greer droht bereits mit zusätzlichen Maßnahmen, wenn Ottawa seine Gegenzölle umsetzt.
Bezahlen werden diese politischen Kämpfe zunächst amerikanische Importeure, denn sie entrichten die Zölle an der Grenze. Am Ende landen solche Kosten regelmäßig bei Unternehmen, Beschäftigten und Verbrauchern. Die neuen 50 Prozent kommen außerdem zu bereits bestehenden Belastungen hinzu, darunter ein weiterer 10-Prozent-Zoll, den Trump erst im vergangenen Monat gegen Kanada verhängt hatte. Ottawa hat Trump zuvor mehrfach Zugeständnisse gemacht, unter anderem seine Digitalsteuer zurückgezogen. Selbst bei der vollständig von Kanada finanzierten Gordie-Howe-Brücke werden Mauteinnahmen für 15 Jahre geteilt. Ruhe brachte das nicht. Trump drohte Kanada anschließend wegen eines kritischen Fernsehspots aus Ontario und sogar im Streit über kanadische Waldbrände mit weiteren Zöllen.
Höhere Einfuhrabgaben haben in den USA bereits zur Inflation beigetragen, auch wenn dieser Effekt zuletzt etwas nachließ, nachdem der Supreme Court im Februar einen Teil von Trumps umfassendsten Zöllen kassiert hatte. Nun sucht Trump einfach andere gesetzliche Wege. Gleichzeitig treibt der Krieg mit Iran die Preise zusätzlich nach oben. Und das alles geschieht in einem Jahr der Zwischenwahlen, in dem die Lebenshaltungskosten für Millionen Amerikaner längst eines der wichtigsten politischen Themen sind. Trump will Kanada mit 50 Prozent Zoll treffen. Die Rechnung könnte am Ende sehr viel näher am eigenen Wahllokal landen, als ihm lieb ist.
Russland schiebt Menschen wegen „weiblicher Kleidung“ ab – mindestens 18 Ausländer traf es bereits wegen angeblicher „LGBT-Propaganda“

Zwei Männer werden in Russland eingesperrt und anschließend aus dem Land geworfen, weil Polizisten ihre Kleidung für weiblich hielten. Das Lublinski-Bezirksgericht in Moskau verurteilte H. Rachimow und E. Saizoda zu jeweils zehn Tagen Haft und ordnete danach ihre zwangsweise Abschiebung an.
Festgenommen wurden die beiden am Abend des 18. August auf dem Moskauer Markt „Sadovod“. Rund zehn Minuten später erschien die Polizei und erklärte, die Männer hätten die „Attraktivität nichttraditioneller sexueller Einstellungen demonstriert“. Als Begründung dienten ihre angeblich weibliche Kleidung und der Satz „Freiheit der Wahl“. Was die Männer tatsächlich trugen, weshalb die Kleidung als weiblich eingestuft wurde und wo oder wie dieser Satz gezeigt wurde, steht in den Gerichtsunterlagen nicht. Nach Ablauf der Haft sollen beide in das Abschiebezentrum Sacharowo gebracht und spätestens bis zum 17. November außer Landes gebracht werden. Danach dürfen sie fünf Jahre lang nicht nach Russland zurückkehren. Ihre Staatsangehörigkeit wird in den veröffentlichten Entscheidungen nicht genannt. Rachimow ist verheiratet und hat ein Kind, Saizoda hat vier minderjährige Kinder. Das änderte nichts, denn bei Ausländern sieht der russische Artikel gegen „LGBT-Propaganda“ neben Geldstrafe oder bis zu 15 Tagen Haft zwingend die Ausweisung vor. Und diese beiden Männer sind längst keine Ausnahme.
Im April wurde in Tula Islomsсhon Gulomow für fünf Tage eingesperrt und zur Abschiebung verurteilt, nachdem er bei Wildberries eine Bewertung für einen Rock veröffentlicht hatte. Dazu stellte er ein Foto von sich im Rock und schrieb: „Wunderschöner Rock! Verbirgt nicht nur die Schwächen der Figur, sondern sogar, dass ich ein Mann bin.“ Die Polizei legte noch einen zweiten Vorgang wegen Fotos und Videos bei VKontakte an, auf denen ein Mann Frauenkleidung trug. Seit 2023 haben russische Gerichte nach Auswertung veröffentlichter Entscheidungen mindestens 18 Ausländer wegen angeblicher „LGBT-Propaganda“ ausweisen lassen: mindestens sieben im Jahr 2023, vier 2024, drei 2025 und bislang vier 2026.
Die tatsächliche Zahl kann höher liegen, weil die russische Gerichtsstatistik verschiedene Tatbestände gemeinsam erfasst. Anfang 2023 wurden allein in Moskau vier ausländische transgeschlechtliche Sexarbeiterinnen wegen Internetanzeigen abgeschoben. Als Beweise führten Polizisten Röcke, Kleider, Unterwäsche, Perücken, Make-up und die Verwendung weiblicher Sprachformen an. In Krasnodar traf es später ebenfalls transgeschlechtliche Sexarbeiterinnen, in Wolgograd wurde eine tadschikische Staatsbürgerin zu 15 Tagen Haft und Abschiebung verurteilt. In Jekaterinburg musste 2025 ein Mann aus Tadschikistan für zehn Tage ins Gefängnis und anschließend Russland verlassen, weil er sich in einem Telegram-Konto angeblich als „aktiver Bisexueller“ bezeichnet und intime Dienste angeboten hatte. Russland benutzt die Abschiebung inzwischen auch bei anderen privaten oder religiösen Vorgängen immer häufiger.
Seit 2024 wurden mindestens 15 öffentlich bekannte Fälle gezählt, in denen Muslime wegen Gebeten außerhalb einer Moschee bestraft oder ausgewiesen wurden. Gebete in Wohnheimen, Cafés, Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln werteten Gerichte teilweise als unerlaubte missionarische Tätigkeit. Jetzt reichen bei zwei Männern Kleidung, die irgendein Polizist für weiblich hält, und zwei Wörter über die Freiheit der Wahl. Zehn Tage Haft, Abschiebung, fünf Jahre Einreiseverbot – und für die Frage, was an ihrer Kleidung überhaupt strafbar gewesen sein soll, braucht der russische Staat nicht einmal eine Antwort.
Millionen wissen kaum, wie sie Essen auf den Tisch bekommen – Trump baut sich derweil seinen eigenen Präsidentenpark

Im Rosengarten des Weißen Hauses wachsen unter Donald Trump keine neuen Rosen, sondern Statuen. Nachdem der Präsident den Rasen vor dem Oval Office herausreißen und durch eine große Fläche aus weißem Stein ersetzen ließ, die auffällig an die Terrasse seines privaten Clubs Mar-a-Lago in Florida erinnert, füllt er den historischen Garten nun mit Bronze. George Washington steht dort, Alexander Hamilton, Benjamin Franklin und seit Kurzem Thomas Jefferson, sitzend bei der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. Dazu kommt die mehr als vier Meter hohe Skulptur „Freedom’s Charge“ mit zwei Soldaten aus dem Unabhängigkeitskrieg.

Der Jefferson stammt vom Bildhauer George Lundeen aus Colorado, der die Figur vor Jahrzehnten geschaffen und auf seiner Ranch stehen hatte. Eigentlich sollte sie rechtzeitig zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten am 4. Juli ins Weiße Haus kommen, doch wegen der Sicherheitsmaßnahmen blieb sie auf einem Lastwagen hängen. Trump sah Fotos, gefiel die Statue und entschied, sie trotzdem in den Rosengarten zu stellen. Als er Lundeen anrief, erreichte er nur dessen Mailbox. „Hi, George. Hier ist dein Lieblingspräsident,
Donald Trump“, begann die Nachricht. Die Skulptur sehe wunderschön aus, sagte Trump, im Rosengarten gebe es einen wunderbaren Platz dafür. Während der Jefferson also ein Geschenk ist, bleibt bei anderen Figuren weniger klar, wer sie dem Präsidenten zur Verfügung stellt. Die Washington-Statue ist nach Angaben des Weißen Hauses eine Leihgabe von Harlan Crow, jenem texanischen Immobilienmilliardär und republikanischen Großspender, dessen enge Freundschaft mit Supreme-Court-Richter Clarence Thomas seit Jahren für Schlagzeilen sorgt. Die Statuen von Franklin und Hamilton stammen von Geldgebern, deren Namen das Weiße Haus nicht nennt. „Freedom’s Charge“ wurde aus Dallas nach Washington gebracht. Der Rosengarten ist dabei längst nur ein Teil dessen, was Trump mit dem Weißen Haus und der Hauptstadt macht.

Das Oval Office bekam seine goldene Ausstattung, auf dem Gelände entstehen sein Ballsaal und ein neuer Hubschrauberlandeplatz, daneben verfolgt er weitere Bauvorhaben in Washington und will auf Bundesland nahe der National Mall einen riesigen „National Garden of American Heroes“ mit 250 Statuen errichten. Denkmalschutz- und Kulturorganisationen klagen dagegen und argumentieren, dafür müsse zuerst der Kongress zustimmen. Neben dem Weißen Haus ließ Trump im März bereits eine Statue von Christoph Kolumbus aufstellen, und in seiner Umgebung tauchen immer weitere Skulpturen mit Motiven aus der amerikanischen Geschichte auf. Das Weiße Haus verkauft das als Verschönerung. Sprecher Davis Ingle erklärte, kein Präsident habe mehr getan, um das Weiße Haus und seine Umgebung aufzuwerten. Trump habe historische Orte restauriert, Parks und den Spiegelteich reinigen lassen und dafür gesorgt, dass Amerika seinen 250. Geburtstag mit „Ruhm und Stolz“ feiern könne. Dann folgte eine Bezeichnung, die ziemlich genau beschreibt, wie sich diese Regierung inzwischen selbst betrachtet: Trump sei der „Builder-in-Chief“, der oberste Bauherr. Dank ihm werde das Weiße Haus „angemessen verherrlicht“ und für kommende Generationen in ausgezeichnetem Zustand bleiben. Es geht also längst nicht mehr nur um Reparaturen. Trump verändert das Erscheinungsbild des Regierungssitzes nach seinem persönlichen Geschmack und zieht dieselbe Handschrift inzwischen durch Washington. Das Weiße Haus war immer auch ein Ort für Kunst. Präsidenten nutzten seine Sammlung, First Ladies brachten neue Werke hinein, Melania Trump ließ in Trumps erster Amtszeit eine Skulptur des japanisch-amerikanischen Künstlers Isamu Noguchi aufstellen, Michelle Obama zuvor ein Gemälde von Alma Thomas.
Doch Trump macht daraus etwas anderes
Aus dem Rosengarten wurde Stein, aus Stein wird eine Sammlung großer Männer, und rundherum entstehen weitere Projekte, die seinen Namen, seinen Geschmack und seine Vorstellung von Amerika möglichst dauerhaft in Washington hinterlassen sollen. Selbst auf seinem Golfplatz in West Palm Beach steht bereits eine mehr als zwei Meter hohe Bronzefigur Trumps mit erhobener Faust nach dem Attentatsversuch von Butler 2024, ebenfalls geschaffen von Lundeen und dem Präsidenten von einem republikanischen Geschäftsmann geschenkt. Während Millionen Amerikaner jeden Monat rechnen, was nach Miete, Strom und Lebensmitteln noch übrig bleibt, beschäftigt sich ihr Präsident mit weißem Stein, Bronzehelden, goldenen Räumen und einem Washington, das immer stärker nach ihm selbst aussehen soll. Das Land hat genügend Probleme. Trump baut trotzdem weiter an seinem Denkmal.
Der Vatikan baut für 100 Millionen Euro ein Solarkraftwerk – und will sich damit vollständig selbst mit Strom versorgen

Der Vatikan will vor den Toren Roms ein Solarkraftwerk errichten, das den kleinen Kirchenstaat vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen soll. Rund 100 Millionen Euro soll die Anlage kosten, ihre Leistung wird mit 80 bis 90 Megawatt angegeben. Gebaut werden soll auf dem vatikanischen Gelände Santa Maria di Galeria am nordwestlichen Rand Roms, wo seit den 1950er Jahren die Sendeanlagen von Radio Vatikan stehen. Die Dimension ist für vatikanische Verhältnisse gewaltig: Etwa 200 der insgesamt 450 Hektar großen Fläche sollen mit Solarmodulen ausgestattet werden. Dabei werden die Anlagen mehrere Meter über dem Boden montiert, damit darunter weiterhin Felder bewirtschaftet werden können. Diese Verbindung von Landwirtschaft und Stromerzeugung nennt sich Agri-Photovoltaik.
Nach den bisherigen Plänen soll die Anlage nicht nur Radio Vatikan und den Vatikan selbst versorgen. Auch Einrichtungen des Heiligen Stuhls in Rom könnten den dort erzeugten Strom nutzen, darunter das Kinderkrankenhaus Bambino Gesù. Was darüber hinaus produziert wird, soll in das italienische Stromnetz eingespeist werden. Mit 80 bis 90 Megawatt würde das Projekt zu den größten Agri-Photovoltaikanlagen Italiens gehören. Die Bauzeit wird auf anderthalb bis zwei Jahre geschätzt, die Ausschreibung für die Bauverträge soll bereits in den kommenden Wochen beginnen. Offiziell hat der Vatikan bislang weder den Preis noch Leistung und Zeitplan öffentlich bestätigt. Das Vorhaben geht noch auf Papst Franziskus zurück, für den Klimaschutz und erneuerbare Energien zu den großen Themen seiner Amtszeit gehörten.
Nach seinem Tod hat Papst Leo XIV. das Projekt weitergeführt. Italien und der Vatikan hatten sich bereits 2025 darauf verständigt, das Gelände Santa Maria di Galeria für die Energiegewinnung zu nutzen. 2026 ratifizierte das italienische Parlament die entsprechende Vereinbarung. Ganz neu ist Solarstrom im Vatikan ohnehin nicht. Schon 2008 wurden auf dem Dach der Audienzhalle Paul VI. insgesamt 2400 Photovoltaikmodule installiert. Jetzt geht es allerdings um eine völlig andere Größenordnung. Ein Staat mit eigenem Radio, Verwaltung, Museen, Kirchen und zahlreichen Einrichtungen will seinen gesamten Strombedarf künftig aus einer eigenen Solaranlage decken. Und selbst danach soll noch genug Energie übrig bleiben, um sie an Italien weiterzugeben.
Trump lässt Washington zur Rennstrecke machen – und schon beim Training fliegt der erste Wagen in die Mauer

Mitten durch Washington, vorbei am Kapitol und über die Pennsylvania Avenue, rasen an diesem Wochenende IndyCars durch das Regierungsviertel. Der „Freedom 250 Grand Prix“ gehört zu den Veranstaltungen zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten und wird auf einem eigens eingerichteten 2,7 Kilometer langen Straßenkurs mit nur sieben Kurven gefahren. Was auf dem Plan beinahe simpel aussieht, hat sich beim ersten richtigen Training als ziemlich ruppig erwiesen. Tabellenführer Alex Palou sprach von riesigen Bodenwellen vor den Kurven 2 und 6 und sagte trotzdem, die Strecke mache enormen Spaß. Auch Pato O’Ward erklärte, die Unebenheiten seien inzwischen fast das bestimmende Merkmal des Kurses.
Besonders bemerkenswert ist das auf der Pennsylvania Avenue, die wegen der Amtseinführungen amerikanischer Präsidenten regelmäßig neu asphaltiert wird. Für ein IndyCar bei hoher Geschwindigkeit reicht trotzdem die kleinste Unebenheit. Louis Foster erwischte am Ende der Geraden auf der Independence Avenue eine davon und schlug mit der Front seines Wagens in die Mauer ein. Wegbekommen wird man diese Stellen bis zum Rennen nicht mehr. Palou sagte trocken, man könne höchstens versuchen, eine etwas bessere Linie zu finden. Gleichzeitig dürfte genau das für ein Rennen sorgen, bei dem Überholen tatsächlich möglich ist. Kurve 2 am Ende der Pennsylvania Avenue und Kurve 5 beim Abbiegen von der 7th Street auf die Independence Avenue gelten als besonders gute Stellen dafür. Die Strecke ist breiter als andere Stadtkurse wie Detroit, weshalb schnellere Fahrer nicht einfach hinter langsameren Autos festhängen sollen. Palou fuhr im zweiten Training mit 56,6145 Sekunden die schnellste Runde und sicherte sich später auch die Poleposition.
Neben IndyCar war am Samstag auch NASCAR-Prominenz unterwegs: Der viermalige Cup-Champion Jeff Gordon gewann beide Rennen der IROC-Veranstaltung, Kurt Busch wurde zweimal Zweiter und beschrieb seine Fahrt durch Washington wie einen Besuch im Süßwarenladen, bei dem er vor lauter Farben, Bannern und Gebäuden beinahe die Bremspunkte suchen musste. Am Sonntag wird es dann ernst. 147 Runden, 250 Meilen, feuchte Hitze und ein Straßenkurs, der die Fahrer permanent durchschüttelt. O’Ward erwartet ein körperlich brutales Rennen mit Schweiß im Helm und Autos, die auf den Unebenheiten springen. Ob diese Strecke nach diesem Wochenende überhaupt noch einmal benutzt wird, ist offen. Washington bekommt also möglicherweise nur ein einziges Mal ein IndyCar-Rennen vor dem Kapitol. Dafür dürfte es reichen, um in Erinnerung zu bleiben.
„America First“ – nur nicht für Amerikas Viehzüchter: Trumps Billigfleisch-Plan bringt selbst Republikaner gegen ihn auf

Donald Trump will die hohen Rindfleischpreise in den USA drücken und dafür 300.000 Tonnen Rindfleisch zollfrei aus dem Ausland holen. Das importierte Fleisch werde rund 25 Prozent günstiger sein als die derzeitigen Preise, verspricht der Präsident. Für amerikanische Verbraucher klingt das zunächst verlockend, denn ein Pfund Hackfleisch kostet inzwischen durchschnittlich rund 6,89 Dollar, etwa drei Dollar mehr als vor zehn Jahren.
Doch ausgerechnet unter Trumps eigenen Wählern auf dem Land wächst der Ärger. Jim Richardson ist 77 Jahre alt, betreibt im texanischen Georgetown eine Ranch mit rund 100 Rindern und verkauft sein hormon- und antibiotikafreies Fleisch auf Bauernmärkten und an Restaurants. Seine Einnahmen sind bereits zurückgegangen, während Verarbeitung, Diesel, Etiketten, Verpackungen, Arbeitskräfte und Strom immer teurer wurden. Richardson musste seine Preise deshalb verdoppeln. Nun soll er zusätzlich gegen billigeres Importfleisch antreten. Der Mann bezeichnet sich selbst als konservativ und hat Trump 2024 gewählt. Heute sagt er, er sei „enttäuscht“. Was ihm vor allem fehlt, ist Stabilität statt ständig neuer wirtschaftlicher Entscheidungen, deren Richtung sich innerhalb kurzer Zeit wieder ändern kann. Richardson fürchtet außerdem, dass Kunden automatisch zum billigeren Fleisch greifen, obwohl Produktionsbedingungen und der Einsatz von Antibiotika oder anderen Mitteln im Herkunftsland völlig anders sein könnten. Sein Ärger ist kein Einzelfall. Landwirtschaftsverbände und republikanische Politiker aus mehreren Bundesstaaten warnen inzwischen offen davor, dass Trump genau jene amerikanischen Produzenten unter Druck setzt, die er seit Jahren zu seinen treuesten Unterstützern zählt.
Lesen Sie auch unsere Dokumentation: Wie Trump Amerikas Rinderzüchter gegen sich aufbringt – Eine investigative und bedrückende Recherche
Die Zahl der Rinder in den USA ist bereits historisch niedrig, extreme Wetterlagen belasten die Betriebe zusätzlich und Trumps Handelskonflikte haben Kosten und Unsicherheit weiter erhöht. Garrett Hawkins vom Landwirtschaftsverband Missouri sagt, die neuen Importe würden das Vertrauen in den Markt weiter beschädigen. Vor allem lösen sie nach seiner Ansicht die Ursachen hoher Lebensmittelpreise nicht, sondern schieben die Verantwortung auf amerikanische Bauern und Viehzüchter. Trump hält dagegen. Er liebe die Rancher, sagte er am Freitag, doch auch diese würden zugeben, dass Hilfe nötig sei, um die Preise zu senken. Genau deshalb werde nun importiert. Politisch ist dabei ein Detail kaum zu übersehen: Die zollfreie Einfuhr ist zunächst für 90 Tage vorgesehen und endet damit erst nach den Zwischenwahlen.
In Iowa, wo ein besonders knappes Senatsrennen erwartet wird, ist Trumps Entscheidung bereits zum Wahlkampfthema geworden. Die republikanische Kandidatin Ashley Hinson nennt die Importe eine „schlechte Idee“, die den Landwirten noch mehr Unsicherheit bringe. Ihr demokratischer Gegner Josh Turek spricht von einem weiteren Schlag gegen Viehzüchter, die bereits unter Zöllen und den durch den Iran-Krieg gestiegenen Dieselpreisen leiden. Besonders deutlich wird der republikanische Abgeordnete Dawson Holle aus North Dakota. Er unterstützt Trump weiterhin, sagt aber ebenso klar, dass Unterstützung für einen Präsidenten nicht bedeute, bei einer falschen Entscheidung zu schweigen. Sein Satz trifft Trumps Problem ziemlich genau: „Man stellt Amerika nicht an erste Stelle, indem man amerikanische Viehzüchter an die zweite setzt.“ Trump möchte den Wählern vor den Zwischenwahlen billigeres Rindfleisch präsentieren. Dafür lässt er ausgerechnet jene Bauern gegen ausländische Konkurrenz antreten, denen er jahrelang versprochen hat, dass unter „America First“ zuerst sie geschützt würden.
