Verdacht auf Weitergabe sensibler Asyldaten an Iran – US-Senatoren nehmen ICE und private Haftzentren ins Visier

Wenn die Vorwürfe stimmen, könnte eine amerikanische Behörde ausgerechnet jene Informationen an Iran gelangen lassen haben, wegen derer Menschen überhaupt aus diesem Land geflohen sind. Die demokratischen US-Senatoren Richard Blumenthal und Adam Schiff verlangen nun nach Recherchen durch Journalisten Aufklärung über mögliche Kontakte zwischen zwei privat betriebenen Einwanderungshaftzentren und iranischen Diplomaten. Sie fordern Zugang zu sämtlicher möglicher Kommunikation, die darüber Auskunft geben könnte, was zwischen den Einrichtungen und iranischen Vertretern besprochen und weitergegeben wurde. Anlass sind schwere Anschuldigungen iranischer Asylsuchender gegen das amerikanische Heimatschutzministerium und die Einwanderungsbehörde ICE. DHS weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Mehrere iranische Asylsuchende hatten bereits im vergangenen Monat Klage eingereicht. Sie werfen dem Heimatschutzministerium vor, Informationen aus ihren Asylverfahren an die iranische Regierung weitergegeben und sie dadurch unmittelbar gefährdet zu haben. Es geht dabei nicht um belanglose Verwaltungsdaten. Nach den Gerichtsunterlagen enthalten die betroffenen Asylanträge Angaben darüber, warum diese Menschen Iran verlassen haben und weshalb sie bei einer Rückkehr Verfolgung fürchten. Unter den Antragstellern befinden sich Menschen, die nach eigenen Angaben zum Christentum konvertiert sind, wegen ihrer Sexualität verfolgt wurden oder an den Protesten der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ gegen die iranische Regierung teilgenommen haben. Genau solche Angaben gehören zu den empfindlichsten Informationen eines Asylverfahrens. Sie können darüber entscheiden, ob ein Mensch Schutz erhält, und sie können für Betroffene gefährlich werden, wenn sie den Behörden jenes Staates bekannt werden, vor dem sie Schutz suchen.
Nach Darstellung der Kläger blieb es nicht bei der Sorge, ihre Daten könnten irgendwo gelandet sein. Sie erklären vor Gericht, sie seien gezwungen worden, sich mit Mitarbeitern der iranischen Interessenvertretung zu treffen. Bei diesen Begegnungen hätten die iranischen Vertreter bereits vertrauliche Informationen über ihre Verfolgungsgründe gekannt. Damit steht eine sehr konkrete Frage im Raum: Wie konnten iranische Regierungsvertreter an Angaben gelangen, die Bestandteil amerikanischer Asylverfahren waren? Genau hier setzen Richard Blumenthal und Adam Schiff an. Die beiden Senatoren wollen wissen, ob und in welchem Umfang zwischen den beiden privaten Haftzentren und iranischen Diplomaten kommuniziert wurde. In zwei Schreiben verlangen sie deshalb sämtliche möglicherweise vorhandenen Mitteilungen. Damit geht die Untersuchung über die politische Auseinandersetzung mit ICE hinaus. Entscheidend ist nun, ob sich anhand von E-Mails, Gesprächsaufzeichnungen, internen Anweisungen oder anderer Kommunikation nachvollziehen lässt, welche Kontakte tatsächlich bestanden und welche Informationen dabei eine Rolle spielten.
Für die betroffenen Iraner könnte eine Weitergabe solcher Daten schwerwiegende Folgen haben. Wer in einem amerikanischen Asylantrag erklärt, wegen eines Religionswechsels, seiner Sexualität oder seiner Teilnahme an Protesten vom iranischen Staat verfolgt zu werden, muss darauf vertrauen können, dass genau diese Angaben nicht bei iranischen Stellen landen. Andernfalls würde aus einem Verfahren, das Schutz vor Verfolgung gewähren soll, möglicherweise eine Informationsquelle für jene Behörden, vor denen der Antragsteller Schutz sucht. Das Heimatschutzministerium bestreitet, dass ICE Asylunterlagen an die iranische Regierung weitergegeben habe. In einer Stellungnahme erklärte DHS ausdrücklich: „Die Behauptungen, ICE habe Unterlagen aus Asylanträgen an die iranische Regierung weitergegeben, sind FALSCH.“ Damit stehen sich derzeit zwei vollkommen unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Auf der einen Seite befinden sich Asylsuchende, die vor Gericht behaupten, iranische Vertreter hätten vertrauliche Einzelheiten ihrer Fälle gekannt. Auf der anderen Seite steht eine Bundesbehörde, die eine Weitergabe dieser Unterlagen kategorisch bestreitet.
Gerade deshalb sind die von Blumenthal und Schiff verlangten Unterlagen entscheidend. Nicht eine Presseerklärung wird beantworten, wie iranische Vertreter nach Darstellung der Kläger an vertrauliche Informationen gelangten, sondern die tatsächliche Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen. Sollte sich herausstellen, dass keine Daten weitergegeben wurden, bleibt zu erklären, woher die iranischen Vertreter die Informationen hatten. Sollte dagegen dokumentiert sein, dass sensible Angaben tatsächlich übermittelt wurden, wäre die Frage erheblich größer als ein weiterer Streit über die amerikanische Abschiebepolitik. Dann ginge es darum, ob Menschen in der Obhut der Vereinigten Staaten Informationen über ihre eigene Verfolgung preisgeben mussten und diese Angaben anschließend bei Vertretern genau jener Regierung auftauchten, vor der sie geflohen waren. Richard Blumenthal und Adam Schiff wollen jetzt die Kommunikation sehen. Das DHS sagt, die Anschuldigungen seien falsch. Die Kläger sagen, iranische Vertreter hätten ihre vertraulichen Angaben gekannt.
Fortsetzung folgt …
Fast 30 Jahre ohne Grab – im Kosovo beginnt die Suche nach den Toten von Kalluder

Dr. Erblin Ademi war neun Jahre alt, als er seinen Vater zum letzten Mal sah. Adem Ademi war ein angesehener Chirurg und verschwand im April 1999 gemeinsam mit 22 weiteren Intellektuellen, wenige Monate bevor der Krieg im Kosovo endete. Fast 30 Jahre später steht sein Sohn nun in Kalluder und sieht aus der Entfernung zu, wie Arbeiter Erde abtragen. Er fürchtet, was sie finden könnten, und hofft gleichzeitig darauf. Denn unter dieser Erde könnten endlich die sterblichen Überreste seines Vaters liegen. Seit Ende Juli wird nahe den Dörfern Ober- und Unter-Kalluder in der nördlichen Gemeinde Zubin Potok gegraben. Dort waren menschliche Überreste entdeckt worden. Kosovos Ministerpräsident Albin Kurti erklärte, die Behörden hielten es für möglich, dass sich unter den Toten jene vermissten Intellektuellen befinden, zu denen auch Adem Ademi gehörte. Nach den bisherigen Erkenntnissen sollen die Männer versucht haben, aus dem Kosovo zu fliehen, um serbischen Truppen zu entkommen. Sie kamen nicht weit. Was danach mit ihnen geschah und wo ihre Leichen blieben, ist bis heute nicht vollständig geklärt.
Für Erblin Ademi beginnt damit erneut dieses Warten, das seine Familie seit 1999 begleitet. Immer wenn irgendwo neue Grabungen beginnen, sagte er, seien Hoffnung und Schmerz gleichzeitig da. Egal, wie viele Jahre vergingen, der Schmerz verschwinde nicht. Geblieben sei aber auch die Hoffnung, dass irgendwann endlich die Wahrheit ans Licht komme. Diesmal liegt der Fundort nahe dem Ort, an dem sein Vater zuletzt gesehen wurde. Nach Jahrzehnten erfolgloser Suche gibt es deshalb zumindest einen konkreten Grund für die Hoffnung der Familie. Adem Ademi ist einer von rund 1.600 Menschen, die seit dem Kosovo-Krieg noch immer vermisst werden. Nach Angaben des Humanitarian Law Center sind darunter etwa 1.200 ethnische Albaner und rund 400 ethnische Serben sowie Dutzende Roma. Hinter diesen Zahlen stehen Familien, die seit fast drei Jahrzehnten nicht wissen, wo ihre Angehörigen begraben wurden. Sie haben keinen Ort, an dem sie Blumen niederlegen können, und oft nicht einmal die Gewissheit, was in den letzten Stunden ihrer Angehörigen geschehen ist.

Im Kosovo-Krieg von 1998 bis 1999 starben rund 13.000 Menschen. Ethnische Albaner hatten einen Aufstand begonnen, um sich von Serbien zu lösen. 2008 erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit, die Serbien bis heute nicht anerkennt. Der Krieg endete vor fast drei Jahrzehnten, doch seine Toten sind noch immer nicht alle gefunden, und selbst die Suche nach ihnen ist Teil des bis heute vergifteten Verhältnisses zwischen Pristina und Belgrad. Dabei hatten Kosovo und Serbien im Mai 2023 eine Vereinbarung getroffen, zu der ausdrücklich die Verpflichtung gehörte, das Schicksal der Vermissten aufzuklären. In der Praxis werfen sich beide Seiten seitdem gegenseitig vor, die Zusammenarbeit zu behindern. Bekim Blakaj vom Humanitarian Law Center sagt inzwischen offen, es sei offensichtlich, dass die Behörden nicht bereit seien, zusammenzuarbeiten. Gerade bei der Suche nach Menschen, deren Familien seit 1999 auf Antworten warten, ist das eine bittere Bilanz.
Die Europäische Union drängt beide Seiten seit Jahren darauf, ihre Beziehungen zu normalisieren. Für Kosovo wie für Serbien ist dies eine Voraussetzung, um bei ihren Bestrebungen für eine Annäherung an die EU voranzukommen. Doch die ungeklärten Fälle der Vermissten zeigen, wie weit beide Länder selbst bei einer Frage auseinanderliegen, bei der es eigentlich nicht um aktuelle Grenzstreitigkeiten oder politische Anerkennung gehen sollte, sondern darum, Familien endlich zu sagen, wo ihre Toten geblieben sind. Die neuen Grabungen in Kalluder haben inzwischen auch strafrechtliche Folgen. Die kosovarische Polizei nahm im vergangenen Monat zwei ethnische Serben fest. Ihnen werden Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit den entdeckten Massengräbern vorgeworfen. Die Festnahmen erfolgten wenige Tage vor Beginn der jüngsten Ausgrabungen. Beide Männer befinden sich weiterhin in Haft. Ob und welche konkrete Rolle sie bei den damaligen Ereignissen gespielt haben sollen, muss nun das weitere Verfahren klären.
Dass die Verbrechen des Kosovo-Krieges keine bloßen historischen Vorwürfe sind, zeigen auch die Verfahren vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Mehrere hochrangige serbische Politiker und Militärs wurden wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt und verurteilt. Trotzdem sind fast 30 Jahre später noch immer Hunderte Gräber nicht gefunden und rund 1.600 Schicksale ungeklärt. In Kalluder hält Erblin Ademi währenddessen ein Foto seines Vaters in den Händen. Darauf hält Adem Ademi seinen damals kleinen Sohn im Arm. Heute ist dieser Junge ein erwachsener Mann und wartet darauf, dass Arbeiter möglicherweise das Grab seines Vaters öffnen. Mehr als ein Vierteljahrhundert seines Lebens ist vergangen, ohne dass er wusste, wo sein Vater liegt.
„Jeder Mensch hat das Recht auf ein Grab, an dem man ihn besuchen kann, an dem man ihn ehren kann, an dem man sich an ihn erinnern kann“, sagt Ademi. Er und seine Familie seien sehr hoffnungsvoll, dass die Suche diesmal zu Ende geführt werden könne. Wie lange die Untersuchungen dauern, spiele keine Rolle. Sie würden warten, bis sie ihren Angehörigen endlich die Ehre erweisen könnten, die ihnen zusteht.
Vielleicht liegt Adem Ademi tatsächlich unter der Erde von Kalluder. Vielleicht werden die Untersuchungen wieder keine Gewissheit bringen. Noch weiß niemand, wem die gefundenen menschlichen Überreste gehören. Für Erblin Ademi bedeutet diese Ungewissheit, erneut auf eine Antwort zu warten, die seit April 1999 aussteht. Er verlangt nach fast 30 Jahren nichts Außergewöhnliches. Er möchte wissen, wo sein Vater geblieben ist. Und er möchte endlich einen Ort haben, an dem er ihn besuchen kann.
Hunde lesen unsere Gesichter genauer, als wir bisher wussten

Hunde erkennen offenbar weit mehr in menschlichen Gesichtern, als nur gute oder schlechte Stimmung. Forscher der Universität Wien haben mit Gehirnscans untersucht, wie Hunde auf unterschiedliche Gesichtsausdrücke reagieren. Dabei zeigte sich, dass die Tiere verschiedene negative Gefühle tatsächlich voneinander unterscheiden können. In einem ersten Versuch sahen acht Hunde jeweils fünf Fotos glücklicher und fünf Fotos ausdrucksloser menschlicher Gesichter, während ihre Gehirnaktivität mittels Magnetresonanztomografie gemessen wurde. Bei glücklichen Gesichtern reagierten unter anderem der Schläfenlappen und der sogenannte Schweifkern. Der Schläfenlappen spielt bei der Erkennung von Gesichtern eine Rolle, während der Schweifkern mit der Verarbeitung von Belohnungen verbunden ist und etwa dann aktiv wird, wenn ein Hund etwas Angenehmes erwartet. Anschließend erweiterten die Wissenschaftler den Versuch auf zwölf Hunde und zeigten ihnen unbekannte Männer und Frauen mit vier verschiedenen Gesichtsausdrücken: glücklich, traurig, ängstlich und wütend. Jetzt zeigte sich im Gehirn deutlich mehr. Die Hunde konnten traurige von ängstlichen Gesichtern unterscheiden und erkannten ebenfalls einen Unterschied zwischen wütenden und ängstlichen Menschen. Schwieriger wurde es bei Wut und Traurigkeit. Diese beiden Gesichtsausdrücke konnten die Tiere anhand des Gesichts allein nicht zuverlässig auseinanderhalten. Die Forscher vermuten, dass Hunde in solchen Situationen weitere Informationen benötigen, etwa die Körpersprache eines Menschen.
Damit spricht die Untersuchung dagegen, dass Hunde menschliche Gefühle lediglich grob in angenehm und unangenehm einteilen. Ihr Gehirn verarbeitet einzelne Gesichtsausdrücke offenbar genauer. Allerdings hat die Untersuchung klare Grenzen. Alle beteiligten Tiere waren gesunde Haushunde, die meisten davon Border Collies. Ob Straßenhunde oder Tiere mit Verhaltensproblemen menschliche Gefühle genauso lesen, lässt sich daraus nicht ableiten. Die kleine Zahl von acht beziehungsweise zwölf Hunden erlaubt ebenfalls keine Aussagen über sämtliche Hunde. Trotzdem zeigen die Gehirnscans etwas Bemerkenswertes: Wer traurig, ängstlich oder wütend vor seinem Hund steht, sieht für ihn offenbar nicht einfach nur schlecht gelaunt aus. (Photo: Laura V. Cuaya)
Für wenige Minuten wird es dunkel über Europa – die totale Sonnenfinsternis zieht Millionen Menschen nach draußen
Europa wartet an diesem Mittwoch auf ein seltenes Schauspiel am Himmel: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten zieht wieder eine totale Sonnenfinsternis über Teile des Kontinents. Die Finsternis beginnt gegen 18.08 Uhr mitteleuropäischer Zeit im äußersten Norden Russlands, zieht über den Arktischen Ozean und weiter nach Grönland. Danach erreicht der Schatten des Mondes Island, wo unter anderem in Reykjavík große Beobachtungen vorbereitet werden und die Sonne für rund eine Minute vollständig verschwinden wird. Besonders groß ist der Andrang allerdings in Spanien. Die Zone der totalen Finsternis zieht dort über einen Streifen, der bis zu 40 Prozent des Landes umfasst. Orte, die normalerweise kaum Besucher sehen, sind voll, Hotelzimmer werden zu enormen Preisen angeboten und Menschen reisen eigens aus dem Ausland an. In Valencia beginnt die totale Phase gegen 20.32 Uhr Ortszeit. Sie dauert je nach Standort höchstens etwas mehr als zwei Minuten, doch während dieser kurzen Zeit verändert sich die Umgebung deutlich. Das Tageslicht verschwindet, die Temperatur kann sinken und Sterne sowie Planeten werden sichtbar. Selbst Tiere können reagieren, Vögel verstummen und auch das Summen von Bienen kann plötzlich aufhören. Spanien hat allerdings ein zusätzliches Problem.
Nach einer der schlimmsten Waldbrandsaisons seiner Geschichte wurden einige Veranstaltungen bereits abgesagt. Für Mittwoch wird extreme Hitze erwartet, und die Behörden fürchten, dass Besucher auf der Suche nach guten Beobachtungsplätzen in bewaldeten Gebieten Feuer auslösen oder sich aktiven Bränden zu weit nähern könnten. Hinzu kommt die Gefahr für die Augen. Ohne geeignete Schutzbrille darf niemals direkt in die Sonne gesehen werden. Nur während der kurzen vollständigen Bedeckung innerhalb der Zone der Totalität ist der Blick mit bloßem Auge möglich. Sobald auch nur ein Teil der Sonne wieder sichtbar wird, muss der Schutz sofort wieder aufgesetzt werden. Die spanische Blindenorganisation ONCE hat deshalb 1,7 Millionen Schutzbrillen verteilt. Nach all dem Reisechaos, den ausgebuchten Unterkünften und den Sicherheitsproblemen geht es am Ende um kaum mehr als zwei Minuten. Dann steht der Mond genau zwischen Erde und Sonne – und mitten am Abend wird es über einem Teil Europas plötzlich dunkel.
Trumps Soldaten in Washington – die große Erfolgsgeschichte bekommt ein Zahlenproblem

Donald Trump erzählt die Geschichte seit einem Jahr mit bemerkenswerter Sicherheit. Washington sei vor seinem Eingreifen eine gefährliche, von Gewalt beherrschte Stadt gewesen, dann habe er die Nationalgarde geschickt und die Hauptstadt sicher gemacht. Seine Regierung führt dafür gewaltige Zahlen an. Die Kriminalität sei um 88 bis 92 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Tötungsdelikte um 18 Prozent. Das Problem ist nur, dass eine genauere Auswertung der Entwicklung diese einfache Erfolgsgeschichte nicht hergibt. Die Kriminalität in Washington war bereits deutlich auf dem Rückzug, bevor die Nationalgarde überhaupt auf den Straßen der Hauptstadt auftauchte.
Genau das zeigt eine neue Auswertung: Der Rückgang der Gewaltkriminalität hatte schon lange vor Trumps Einsatz begonnen und passt zudem zu einer Entwicklung, die seit rund drei Jahren in vielen Teilen der Vereinigten Staaten zu beobachten ist. Wer deshalb behauptet, erst die Soldaten auf Washingtons Straßen hätten die entscheidende Wende gebracht, muss erklären, warum die Kurve schon vorher nach unten zeigte. Gleichzeitig entwickelte sich auch nicht jede Form der Gewalt in die gewünschte Richtung. Bei Angriffen mit gefährlichen Waffen zeigt sich gerade kein ebenso eindeutiger Rückgang im gesamten Stadtgebiet. Der Kriminalitätsanalyst Jeff Asher hält es durchaus für möglich, dass die Maßnahmen einen zusätzlichen Effekt gehabt haben. Was sich aus den Zahlen jedoch nicht ableiten lasse, sei Trumps wesentlich größere Behauptung, sein Eingreifen habe den Rückgang verursacht oder sei auch nur der entscheidende Grund dafür gewesen, dass sich die Entwicklung gedreht habe. Gewaltkriminalität gehe nahezu überall seit drei Jahren zurück. Asher beschreibt das Problem trocken: Beim Umgang mit Kriminalitätsstatistiken wolle am Ende jeder für einen Erfolg verantwortlich gewesen sein, während einen Misserfolg niemand für sich beanspruche.

Damit wird die Frage nach dem Nutzen eines Einsatzes umso dringlicher, der im Alltag Washingtons kaum zu übersehen ist. Angehörige der Nationalgarde stehen an Metrostationen, in öffentlichen Parks und selbst in der Nähe gewöhnlicher Geschäfte wie Trader Joe’s. Trump präsentiert ihre Anwesenheit als sichtbaren Beweis dafür, dass er Ordnung geschaffen habe. Die Zahlen erlauben diese Schlussfolgerung aber gerade nicht. Sie zeigen eine Stadt, in der die Kriminalität bereits sank, bevor die Soldaten kamen. Ob und in welchem Umfang deren Einsatz anschließend zusätzlich etwas bewirkte, lässt sich wesentlich schwerer beantworten.
Thaddeus Johnson, Professor für Strafjustiz an der Georgia State University, beschreibt die Ergebnisse entsprechend vorsichtig. Die Zahl der Tötungsdelikte lag während und nach der verstärkten Präsenz deutlich unter dem erwarteten Wert, wobei wegen der relativ kleinen Fallzahlen Vorsicht geboten sei. Auch Raubdelikte und andere Formen der Gewalt gingen zurück. Bei Angriffen mit gefährlichen Waffen zeigte sich dagegen kein vergleichbar klares Bild für die gesamte Stadt. Johnson hält es deshalb für schwer zu behaupten, die Maßnahmen hätten überhaupt keine Rolle gespielt. Ebenso schwer sei aber die Behauptung zu halten, sie seien der einzige oder wichtigste Grund für den Rückgang gewesen.
Von solcher Vorsicht ist im Weißen Haus wenig zu hören. Tom Homan erklärte am Dienstag bei Fox News, Washington sei inzwischen eine der sichersten Städte des Landes. Amerika sei das großartigste und stärkste Land der Welt, und seine Hauptstadt müsse entsprechend ein Zeichen für die ganze Welt sein. Vor Trump sei sie das nicht gewesen. Homan ging noch weiter und machte seine persönliche Erfahrung zum Beleg. Er habe 15 Jahre in Washington gelebt und sei damals nie ohne Schusswaffe durch die Straßen gegangen. Heute könne er herumlaufen und fühle sich sicher. Für ihn ist die Sache erledigt: Trump habe ein weiteres Versprechen gegeben und gehalten. Homan zählt auch Memphis zu den Erfolgen und behauptet, überall dort, wo Trump Bundesbeamte und die Nationalgarde zur Unterstützung örtlicher Behörden eingesetzt habe, sei die Lage nun besser. Chicago solle sich daran ein Beispiel nehmen und Washington um Hilfe bitten, statt jedes Wochenende weiter zu einer Stadt voller Schießereien zu werden. Das ist die Darstellung der Regierung: Trump schickt Bundeskräfte, die Kriminalität fällt, also hat Trump die Kriminalität gesenkt. Dass der Rückgang teilweise bereits lange vor dem Eingreifen eingesetzt hatte, verschwindet dabei praktischerweise aus der Rechnung.
In Washington selbst klingt die Bilanz nach einem Jahr völlig anders. Janeese Lewis George, demokratische Kandidatin für das Bürgermeisteramt, bezeichnet die Präsenz der Bundeskräfte ausdrücklich als Besetzung. Zum Jahrestag schrieb sie, der Einsatz habe Einwohner verletzt und traumatisiert, zahllose Familien seien durch ICE getrennt worden. Sie verwies außerdem auf Julian Bailey und Nolberto Meza, die von Bundesbeamten getötet worden seien, ohne dass es ihrer Darstellung nach ausreichende Transparenz oder Rechenschaft gegeben habe.
Lewis George kündigte an, als Bürgermeisterin sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, um den Abzug der Bundeskräfte zu verlangen. Die Soldaten sollten nach Hause zurückkehren und ihren eigenen Gemeinden dienen, statt für politisches Theater und eine militärische Besetzung im eigenen Land eingesetzt zu werden. Zugleich verbindet sie die Forderung mit dem seit Langem geführten Kampf Washingtons um größere kommunale Selbstbestimmung und die Eigenstaatlichkeit des District of Columbia. Ein Jahr nach Beginn des Einsatzes stehen damit zwei völlig verschiedene Rechnungen nebeneinander. Trump und seine Regierung sehen in den sinkenden Kriminalitätszahlen den Beweis für den Erfolg ihrer Politik. Die genauere Betrachtung der zeitlichen Entwicklung zeigt dagegen, dass sie einen Rückgang für sich beanspruchen, der bereits vorher begonnen hatte. Das bedeutet nicht, dass die zusätzlichen Bundeskräfte überhaupt keinen Einfluss gehabt haben können. Es bedeutet aber sehr wohl, dass sich aus den Zahlen nicht das machen lässt, was Trump daraus macht: die Geschichte einer gefährlichen Hauptstadt, die erst durch seine Nationalgarde gerettet wurde.
Und genau daran entscheidet sich, was von diesem Einsatz nach einem Jahr übrig bleibt. Soldaten in Parks und Metrostationen sind leicht zu fotografieren. Prozentzahlen lassen sich leicht in eine Rede schreiben. Schwieriger wird es, sobald man fragt, wann die Kriminalität tatsächlich zu sinken begann und welchen Anteil die Nationalgarde daran nachweisbar hatte. Dann wird aus Trumps angeblich eindeutiger Erfolgsgeschichte eine wesentlich unangenehmere Frage: Wenn Washington bereits sicherer wurde, bevor die Soldaten kamen, warum stehen sie dann ein Jahr später immer noch dort?
Ungeduld hält schlechte Pizzerien am Leben – wer näher dran ist, muss offenbar nicht besser sein

Wer Pizza bestellt, will sie möglichst schnell vor der Tür haben – und genau diese Ungeduld sorgt offenbar dafür, dass selbst schlechtere Pizzerien auf dem Liefermarkt überleben können. Ökonomen der Purdue University, der Bocconi-Universität und der Universität Bologna haben mehr als 97.000 Bestellungen in einer größeren Stadt Norditaliens untersucht. Die Daten stammen von 6.851 Kunden, die zwischen 2010 und 2011 über eine Onlineplattform bei 51 unabhängigen Pizzerien bestellten. Im Durchschnitt warteten sie rund 35 Minuten auf ihre Pizza. Entscheidend war allerdings die Entfernung: Obwohl die verfügbaren Restaurants durchschnittlich 3,6 Kilometer entfernt lagen, bestellten die Kunden bevorzugt bei Pizzerien innerhalb von 1,7 Kilometern. Besonders deutlich wurde das bei Umzügen. Lag die bisherige Pizzeria nach einem Wohnungswechsel mehr als 2,5 Kilometer entfernt, wechselten fast 80 Prozent der Kunden zu einem anderen Anbieter. Die Geschwindigkeit war ihnen dabei beinahe so wichtig wie der Preis. Ein durchschnittlicher Kunde wäre bereit gewesen, mehr als 20 Prozent des Bestellwerts zusätzlich zu zahlen, wenn seine Pizza dafür 50 Prozent schneller geliefert würde. Diese Ungeduld schützt Restaurants vor Konkurrenz. Zwei Pizzerien im Abstand von zwei Kilometern konkurrierten nur ungefähr halb so stark miteinander wie zwei Betriebe, die lediglich einen Kilometer auseinanderlagen. Zwischen Innenstadt und Außenbezirken gab es praktisch keinen Preiswettbewerb mehr.
Die Forscher berechneten deshalb auch, was passieren würde, wenn neue Technik wie Lieferdrohnen die Entfernung plötzlich weitgehend bedeutungslos machte. Bei einer mäßigen Verkürzung der Lieferzeiten würden zunächst Pizzerien am Stadtrand profitieren, weil Innenstadtbetriebe ihren Vorteil durch die größere Nähe zu vielen Kunden verlieren. Werden die Lieferzeiten jedoch um mehr als 75 Prozent reduziert, dreht sich die Entwicklung: Dann setzen sich stärker die besseren Pizzerien durch, während schwächere Betriebe schließen müssen. Bei einer Verkürzung um 75 Prozent würden nach der Berechnung rund 45 Prozent der Pizzerien am Stadtrand verschwinden. Für die Kunden wäre das trotz weniger Anbieter von Vorteil, weil plötzlich bessere Restaurants erreichbar wären, die zuvor schlicht zu weit entfernt lagen. Den finanziellen Vorteil beziffern die Forscher für den untersuchten Zeitraum auf durchschnittlich 82 bis 90 Euro pro Kunde. Und natürlich lässt sich mit der Ungeduld zusätzlich Geld verdienen: Eine um zehn Prozent schnellere Premiumlieferung gegen zehn Prozent Aufpreis könnte den Gewinn der Plattform um fast 19 Prozent erhöhen. Das Prinzip kennen Kunden längst von Angeboten wie Prime oder kostenpflichtigen Schnelllieferungen bei Uber. Am Ende erklärt die Untersuchung damit auch eine alte Erfahrung beim Pizzaabend ziemlich nüchtern: Man bestellt nicht zwangsläufig dort, wo die Pizza am besten ist, sondern erstaunlich oft dort, wo sie am schnellsten kommt.

Danke für die News quer durch diverse Themen.
Das mit den Pizzerien kann man 1:1 auf Restaurants umsetzen.
Dazu kommt noch, dass die guten Pizzerien weiter außerhalb oft gar nicht in den Innenstadtbereich liefern.
Glück dem, der eine gute Pizzeria in der Nähe hat.
Sei es um sie sich liefern zu lassen oder dort zu Essen.
Ich liebe übrigens Pizza 🍕
… gerne, ja, Pizza ist etwas ganz feines 🙂
Die Wissenschaft hat jetzt das bewiesen, was Tierbesitzer schon lange wussten.
Tiere können unsere Mimik (aber auch unsere Stimmung) deuten.
Und sie registrieren auch ob Jemand lacht, obwohl er traurig ist.
Ich merke das täglich bei meinen Katzen.
… da ich mein ganzes leben mit tieren umgeben bin und war, stimmt, sie lesen dich besser als du denkst
Asylverfahren, Asyldaten gehören zu den sensibelsten Dingen.
Menschen im Asylverfahren, in Detention Centern haben selten Zugang zu Anwälten oder Familienmitgliedern.
Da fragt man sich, mit welcher Befugnis iranische Interessenvertreter Zugang bekommen.😳
Das Ganze „stinkt“ von Vorne bis Hinten.
Hoffentlich wird alles herausgegeben. Oft scheitert es ja leider genau daran.
Ein Dank an die Senatoren Schiff und Blumenthal, die sich der Sache annehmen.
Angestossen durch den wichtigen investigativen Journalismus.
… die beiden sind wirklich gute typen und wir mögen und schätzen sie sehr
Trumps Nationalgarde bzw die Soldaten in Städten dienten bie der allgemeinen Sicherheit.
Das ist der offizielle Grund, mit falschen Zahlen untermauert.
Der eigentliche Grund ust, dass die Menschen „abstumpfen“ und Soldaten im Stadtbild als normal wahrnehmen.
So kann Trump in Bezug auf die Midterms weitere Truppen stationieren ohne echten Gegenwind.
… die statistiken seitens trump-regime sind so verfälscht mit schönen rechtschreibfehlern dazu …
Serbian und Kosovo.
Das wird wohl auch in weiteren 30 Jahren nicht zum echten Frieden kommen.
Zu tief gehen die Wunden, insbesondere im Kosovo.
Die serbischen Verbrechen waren überaus grausam und sind bis heute nicht aufgeklärt.
Serbian könnte, wenn es wollte, sämtliche relevanten Unterlagen über Kriegsgefangene etc heraus geben.
Aber auch 30 Jahre nach Beendigung des Krieges, will Setbien seine Macht zeigen.
Wie tief das Misstrauen im Kosovo sitzt, sieht man an der Tatsache, dass Kosovo die ukrainische Flagge abgenommen hat, nachdem Selensky in Serbien war.
Die EU kann keine Länder „auffordern“ ihre tief sitzenden Probleme beizulegen.
So funktioniert das nicht.
Und von Serbien sollte die EU aufgrund der exteemen Russlandnähe ohnehin Abstand halten.
… eine sehr, sehr nachdenklich geschichte, an der wir dranbleiben werden
Eine Sonnenfinsternis ist schon grandios.
Ich werde sie nicht sehen können, weil mir Hauser im weg sind.
Außerdem habe ich auch gar keine Brille.
Aber den vielen Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, wünsche ich eine klare Sicht.
Im Anschluss kann man Planeten sehen, die nur selten mit bloßem Auge zu erkennen sind.
Und es folgen die Perseiden.
Die Sorge in Spanien wegen der Hitze und den Waldbränden kann ich gut verstehen.
👍