Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

13. August 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

13. August 2026

Wir werden sie nicht vermissen – Karoline Leavitt verlässt das Weiße Haus

Karoline Leavitt verlässt Ende August das Weiße Haus, und wir werden sie nicht vermissen. Die 28-Jährige war die jüngste Pressesprecherin, die dieses Amt je hatte, doch jung bedeutete bei ihr nie zurückhaltend. Leavitt trat an, um Donald Trump zu verteidigen, und sie tat es mit einer Härte, bei der Fakten regelmäßig hinter dem politischen Auftrag zurückstanden. Nun zieht sie selbst die Konsequenz und sagt, sie wolle mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen. Nach der Geburt ihrer Tochter Viviana im Mai war sie erst vor Kurzem wieder an das Rednerpult im Weißen Haus zurückgekehrt. Dazu hat sie einen zweijährigen Sohn. Seit ihrer Rückkehr, schrieb Leavitt, habe sie gespürt, dass sie nicht gleichzeitig die Mutter sein könne, die ihre beiden kleinen Kinder verdienten, und die Zeit und Energie aufbringen könne, die das Amt verlange. Sie nannte ihren Abschied eine bittersüße Entscheidung. Donald Trump erklärte, er verstehe und respektiere diesen Schritt vollständig. Ganz verschwinden wird Leavitt aus seinem Umfeld allerdings nicht. Trump kündigte bereits an, sie werde künftig zu seinen wichtigsten externen Beraterinnen gehören und innerhalb der Republikanischen Partei eine einflussreiche Stimme bleiben. Ihr Auftrag ist damit nur ein anderer, denn Trump will sie weiter im Kampf um die Zwischenwahlen einsetzen.

Wer Leavitts rechtspopulistische politische Laufbahn kennt, wird davon kaum überrascht sein. Vor ihrem Eintritt in Trumps Wahlkampf 2024 arbeitete sie als Sprecherin für das Trump unterstützende politische Aktionskomitee MAGA Inc. Bereits 2022 wollte sie für New Hampshire in den Kongress einziehen, gewann eine republikanische Vorwahl gegen neun weitere Bewerber und verlor anschließend gegen den Demokraten Chris Pappas. Auch während Trumps erster Amtszeit arbeitete sie bereits im Pressestab des Weißen Hauses, später wurde sie Kommunikationsdirektorin der republikanischen Abgeordneten Elise Stefanik. Als Pressesprecherin hielt Leavitt weniger Pressekonferenzen als einige ihrer Vorgänger. Trump selbst spricht ohnehin ständig mit Reportern, während Leavitt häufig zu Fox News und anderen konservativen Sendern geschickt wurde. Dort sollte sie die Politik des Präsidenten verkaufen und gegen Demokraten und etablierte Medien austeilen. Damit stand sie durchaus in einer Tradition, denn Trumps erste Amtszeit brachte bereits Sean Spicer, Sarah Huckabee Sanders, Stephanie Grisham und Kayleigh McEnany hervor. Grisham schaffte es sogar durch ihre gesamte Amtszeit ohne eine einzige Pressekonferenz. McEnany nutzte das Rednerpult dagegen regelmäßig für Angriffe auf Journalisten. Leavitt setzte diesen Umgang fort und wurde für Trump zu einer der aggressivsten öffentlichen Verteidigerinnen seiner Regierung. Ende des Monats ist damit Schluss, jedenfalls im Weißen Haus. Politisch bleibt sie Trump erhalten. Nur das Rednerpult wird künftig jemand anderem gehören.

Millionen Jahre Klimageschichte in Pinguinknochen – Forscher lesen Antarktis aus Fossilien

Fossile Pinguinknochen aus der Antarktis haben Forschern eine ungewöhnlich genaue Spur früherer Klimaveränderungen geliefert. Geologen der China University of Geosciences in Peking untersuchten die Knochen mit einem Röntgen-Mikroanalysator und stellten fest, dass sich vor allem der Titangehalt gemeinsam mit der Temperaturentwicklung auf der Erde verändert hatte. Die Arbeit erschien im Fachjournal Fossil Record. Untersucht wurden fünf Pinguine, drei Fossilien von Seymour Island vor der Antarktischen Halbinsel sowie zum Vergleich ein heutiger Zügelpinguin und ein Kaiserpinguin. Die fossilen Knochen stammen aus chinesisch-chilenischen Expeditionen der Jahre 2020 und 2024 und decken drei Abschnitte des Eozäns zwischen 55,3 und 37,7 Millionen Jahren vor unserer Zeit ab. Seymour Island gehört zu den Fundorten mit besonders vielen fossilen Pinguinen, zugleich haben sich dort in den Meeressedimenten Veränderungen des Klimas über Millionen Jahre erhalten. Für die Analyse mussten die Knochen nicht beschädigt werden.

Die Forscher scannten ihre Oberfläche in Abständen von 50 Mikrometern und erhielten nach mehr als 18 Stunden Messzeit Karten für elf chemische Elemente, darunter Kalzium, Phosphor, Eisen, Titan, Silizium und Schwefel. Auffällig war vor allem das Titan. Im ältesten Knochen, der 55,3 bis 54,1 Millionen Jahre alt ist, war das Signal ungefähr doppelt so stark wie in den beiden jüngeren Fossilien und deutlich stärker als bei heutigen Pinguinen. Titan löst sich kaum in Wasser und wandert deshalb nur wenig, weshalb Geologen daran ablesen können, wie viel verwittertes Gestein vom Land ins Meer gelangte. Viel Titan bedeutet in diesem Fall, dass Gestein an Land stark zerfiel und anschließend in das Küstenmeer gespült wurde. Genau das passt zum Klima des frühen Eozäns, als die Erde eine ihrer wärmsten Phasen der vergangenen 66 Millionen Jahre erlebte und auch die Antarktis warm und feucht war. Hohe Temperaturen und viel Regen beschleunigten die chemische Verwitterung, während das Material ins Meer gelangte und sich dort auch an den Knochen ablagerte. Als sich das Klima später abkühlte, nahm die Verwitterung ab und mit ihr der Titangehalt in den jüngeren Fossilien. Die Knochen erzählen aber noch mehr. Eisen und Mangan lagen in ungleichmäßigen Flecken vor, was darauf hinweist, dass das Grundwasser nach der Ablagerung immer wieder unterschiedlich viel Sauerstoff enthielt. In einem Fossil überschnitten sich schwefelreiche und eisenreiche Bereiche, was auf Bakterien schließen lässt, die Sulfate in Sulfide umwandelten. Die Autoren bezeichnen ihre Arbeit als die erste, die solche chemischen Veränderungen durch eine ganze Sedimentschicht hindurch direkt an Wirbeltierknochen verfolgt. Fossilien aus hohen Breiten könnten damit weit mehr sein als Überreste ausgestorbener Tiere, sie könnten sehr genau zeigen, wie polarer Lebensraum auf extreme Erwärmung reagiert.

ICE greift an Flughäfen zu – selbst legale Reisende wissen nicht mehr, ob sie sicher sind

ICE hat seine Festnahmen an Flughäfen in den vergangenen Wochen deutlich ausgeweitet, und inzwischen wissen selbst Menschen mit laufenden legalen Verfahren nicht mehr, ob sie einen Inlandsflug antreten können, ohne aufgegriffen zu werden. Die Behörde erklärt, sie gehe gegen Menschen mit abgelaufenen Visa vor, doch genau diese Beschreibung lässt einen entscheidenden Teil weg. Im amerikanischen Einwanderungsrecht kann ein Visum abgelaufen sein, obwohl die betreffende Person von den Behörden ausdrücklich im Land bleiben darf oder sogar bleiben muss, weil über einen Antrag noch entschieden wird. Wer etwa legal mit einem Touristen- oder Studentenvisum eingereist ist, später einen US-Bürger heiratet und eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis beantragt, darf während des Verfahrens nicht einfach ausreisen, weil der Antrag sonst als aufgegeben gelten kann. Die Bearbeitung dauert oft ein bis zwei Jahre oder länger, während das ursprüngliche Visum in dieser Zeit abläuft. Trotzdem ist der weitere Aufenthalt genehmigt.

Genau hier liegt der Widerspruch: Menschen können sich rechtmäßig im Land aufhalten und trotzdem festgenommen und in ein Abschiebeverfahren gebracht werden. Viele der bisher bekannt gewordenen Flughafenfälle betreffen offenbar Personen, deren Anträge noch liefen und gegen die zuvor kein aktives Abschiebeverfahren bestand. Dazu kommen Menschen in laufenden Asylverfahren, Personen, die sich gegen die Beendigung ihres Status wehren, oder Inhaber befristeter Green Cards, deren Verlängerung noch bearbeitet wird. Sie alle halten sich an die vorgesehenen Verfahren, und dennoch sagt ICE nicht öffentlich, wer an einem Flughafen mit einer Festnahme rechnen muss. Genau diese fehlende Offenheit verändert bereits das Verhalten. Ein Mann hatte nach seiner Heirat mit einer US-Bürgerin eine Green Card beantragt. Sein Touristenvisum lief während der Bearbeitung ab, seine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis wurde später genehmigt. Trotzdem verschob er eine geplante Reise zu einer Hochzeit innerhalb der USA, bis er die physische Green Card tatsächlich in der Hand hatte. Für die Festnahme eines bereits dauerhaft Aufenthaltsberechtigten gibt es keinen Grund, doch selbst Green-Card-Inhaber sind in einzelnen Fällen bereits ins Visier geraten. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Die Datenbanken von ICE und der Grenzschutzbehörde CBP sind nicht immer aktuell oder korrekt und haben teilweise zwei Jahre Datenrückstand. Mit diesem Problem sind wir oft vor Gerichten konfrontiert.

Wer tatsächlich legal im Land ist, kann seinen Status möglicherweise später nachweisen, aber dann ist der Flug verpasst und die Haft bereits Realität gewesen. Gemessen an den Millionen täglichen Inlandsreisenden ist die Zahl der bekannten Festnahmen weiterhin klein. Für die Wirkung reicht das vollkommen aus. Wer selbst mit behördlicher Erlaubnis nicht sicher weiß, ob ein Flug in Handschellen enden kann, überlegt sich Reisen zweimal. Das Ziel der Regierung ist es, Angst, Panik und Verwirrung zu erzeugen, verbunden mit einer allgemeinen Feindseligkeit gegenüber Nichtbürgern, die inzwischen selbst Bürger trifft.

150 Millionen Dollar, kaum Erfahrung und nun der Rückzug – Trumps Kanzlei sagt bei Migrantenkindern ab

Eine kleine Kanzlei aus Texas mit Verbindungen zur Trump-Regierung sollte einen Bundesauftrag über 150 Millionen Dollar erhalten, um allein eingereiste Migrantenkinder vor Gericht zu vertreten, nun hat Burke Law Group abgesagt. Die Regierung hatte erst vergangene Woche angekündigt, den Auftrag an die Kanzlei aus Houston vergeben zu wollen, obwohl sie kaum Erfahrung im Einwanderungsrecht besitzt. Direkt nach der Bekanntgabe hatte man Klagen vorbereitet, und wir alle standen bereits in den Startlöchern. Jetzt erklärte das Bundesamt für Flüchtlingsansiedlung, Burke habe sich gegen eine Bewerbung entschieden und werde keine Förderung erhalten. Warum die Kanzlei zurückzog, sagte die Behörde nicht. Burke selbst teilte lediglich mit, man habe erwogen, sich um einen „kleinen Teil“ des Auftrags zu bewerben. Auch dort blieb offen, warum daraus nichts wurde. Das Problem dahinter ist weit größer als eine gescheiterte Vergabe, denn Ende Juli ließ die Trump-Regierung einen Vertrag mit fast 100 Organisationen auslaufen, die im ganzen Land Migrantenkinder rechtlich vertreten hatten. Einen dauerhaften Ersatz gibt es bis heute nicht.

Vorübergehend springt das U.S. Committee for Refugees and Immigrants ein, das einen Vertrag über 20 Millionen Dollar bis Ende Dezember erhielt. Was danach mit Tausenden Kindern geschieht, die in Abschiebeverfahren stecken, ist offen. Rund 1.800 Kinder lebten zuletzt in staatlichen Unterkünften, weitere etwa 22.000, gegen die Abschiebeverfahren laufen, waren bei Verwandten oder anderen Betreuern untergebracht. Das Gesetz verpflichtet die Regierung, unbegleiteten Minderjährigen in solchen Verfahren rechtliche Vertretung bereitzustellen. Ausgerechnet dafür war Burke vorgesehen, eine Kanzlei mit weniger als 30 Anwälten und nach eigener Internetseite nur zwei Juristen mit einschlägiger Erfahrung im Einwanderungsrecht. Gründerin Marcella Burke arbeitete während Trumps erster Amtszeit als Juristin für die Umweltbehörde und das Innenministerium. Zum Team gehören außerdem Justin Shubow, ein Unterstützer von Trumps Vorgaben für klassische und traditionelle Architektur bei Bundesgebäuden, sowie der konservative Rechtswissenschaftler Ilya Shapiro. Der Zwischenersatz durch USCRI sorgt derweil selbst für Probleme. Deren Anwälte tauchten vergangene Woche unangekündigt vor Einwanderungsgerichten auf und erklärten, Kinder zu vertreten, die sie bis dahin noch gar nicht getroffen hatten.

Richter, unterstützende Journalisten und Anwälte der bisherigen Organisationen wussten teils nicht, wer überhaupt zuständig war. Die bisherigen Anbieter arbeiten gleichzeitig weiter, obwohl ihre Verträge ausgelaufen sind, weil sie gegenüber den Kindern rechtliche und berufliche Pflichten haben. Einige dieser Organisationen mussten die Regierung verklagen, nachdem Zahlungen seit dem vergangenen Jahr ausgeblieben waren. Am 6. August ordnete US-Bundesrichterin Araceli Martínez-Olguín in Kalifornien an, dass die Bundesregierung die ausstehenden Zahlungen an die Organisationen leisten müsse. Inzwischen sind sechs von neun ausstehenden Monaten beglichen worden, der Rest werde bearbeitet. Caelin Moriarity Miltko, die Anwältin der klagenden Rechtsberatungsorganisationen aus dem bisherigen, vom Acacia Center for Justice verwalteten Programm, sagte dem Gericht, diese halb fertigen Übergangslösungen reichten nicht aus, um der gerichtlichen Anordnung nachzukommen. Eine Vertretung könne nicht von einem Tag auf den anderen einfach auf eine neue Organisation übertragen werden, nur weil die Regierung einen Vertrag ändere.

Genau an diesem Punkt steht das System nun: Die alte Struktur wurde beendet, der geplante 150-Millionen-Dollar-Ersatz ist abgesprungen, die Übergangslösung läuft nur bis Dezember und Tausende Kinder wissen weiterhin nicht, wer sie danach vor Gericht vertreten wird. Aus diesen Gründen hatte man bereits gestern wie auch heute erneut bei den Gerichten vorgesprochen, um einen endgültigen Schutz für die Kinder zu erreichen.

Fortsetzung folgt …

Russlands Wirtschaft wächst wieder – doch der Sprung kommt mit teurem Öl und viel Staatsgeld

Russlands Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 überraschend um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und damit stärker, als sowohl die Zentralbank als auch das Wirtschaftsministerium erwartet hatten. Rosstat veröffentlichte die vorläufigen Zahlen am Mittwoch, nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal noch um 0,2 Prozent geschrumpft war. Die Zentralbank hatte für das zweite Quartal nur 0,8 Prozent Wachstum erwartet, das Wirtschaftsministerium 0,9 Prozent. Nach den neuen Daten erhöhte das Ministerium seine Schätzung für das gesamte erste Halbjahr von 0,3 auf 0,6 Prozent. Besonders stark ist das nicht, zumal Russland 2025 noch ein Wachstum von 1 Prozent gemeldet hatte und 2024 sogar 4,9 Prozent. Für das gesamte Jahr 2026 rechnet die Zentralbank weiterhin mit höchstens 1 Prozent Wachstum.

Die bessere Entwicklung im zweiten Quartal hatte sich bereits in den Monatszahlen abgezeichnet. Ein Teil des Plus komme schlicht daher, dass es zwischen April und Juni 2026 mehr Arbeitstage gab als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dazu kamen höhere Staatsausgaben und teures Öl, zwei Faktoren, die der russischen Wirtschaft weiterhin helfen. Gleichzeitig meldet Rosstat für die Woche vom 4. bis 10. August einen Rückgang der Verbraucherpreise um 0,06 Prozent. Die offizielle jährliche Inflationsrate lag zum 10. August bei 6,05 Prozent, seit Jahresbeginn sind die Preise nach Behördenangaben um 4,69 Prozent gestiegen. Die Zentralbank erwartet für das Gesamtjahr weiterhin eine Inflation zwischen 6 und 7 Prozent. Der Leitzins liegt seit Ende Juli bei 14 Prozent und damit auf einem Niveau, das weiterhin zeigt, wie groß der Druck auf Preise und Finanzierung bleibt. Das zweite Quartal sieht damit besser aus als der Jahresbeginn, doch von einer starken Erholung kann kaum die Rede sein. Russlands Wirtschaft wächst wieder, aber ein erheblicher Teil davon hängt weiter an Staatsausgaben und hohen Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Iran und USA kommen keinen Schritt weiter – selbst die 60 Tage stehen nun infrage

Iran und die USA stecken bei ihren Bemühungen um eine Wiederbelebung des im Juni vereinbarten Zwischenabkommens weiter fest, und aus Teheran kommt inzwischen die klare Ansage, dass es dabei keinerlei Fortschritt gibt. Ein ranghoher iranischer Vertreter erklärte, über Vermittler werde zwar darüber gesprochen, ob Washington zu der Vereinbarung zurückkehren und ein Zeitplan für die Umsetzung der gegenseitigen Verpflichtungen festgelegt werden könne, doch bisher sei man keinen Schritt weitergekommen. Das Abkommen vom Juni hatte eine sofortige und dauerhafte Beendigung der militärischen Operationen an allen Fronten vorgesehen, hielt aber nur kurze Zeit.

Donald Trump erklärte es bereits am 7. Juli für beendet, eine Woche später bezeichnete das iranische Außenministerium die Vereinbarung als ausgesetzt. Beide Seiten werfen sich seither gegenseitig vor, zentrale Verpflichtungen verletzt zu haben. Washington verlangt von Iran die Wiederöffnung der Straße von Hormus, Teheran wiederum beschuldigt die USA, die zugesagte Aufhebung der Blockade iranischer Häfen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte nicht umgesetzt zu haben. Trump behauptete am Mittwoch dennoch, die USA hätten die Straße von Hormus vollständig unter Kontrolle. Die von Iran eingerichtete Persische-Golf-Straßenbehörde widersprach und erklärte, die Wasserstraße bleibe geschlossen, solange die iranischen Bedingungen nicht akzeptiert würden. Trump legte auf seiner Plattform Truth Social nach und erklärte, Iran bestehe nur aus Gerede und handle nicht mehr als der frühere „Tyrann des Nahen Ostens“. Seit Beginn des Krieges wechselt Trump immer wieder zwischen neuen Drohungen und der Behauptung, ein Friedensabkommen stehe kurz bevor. Seit dem Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran am 28. Februar wurden Tausende Menschen getötet, vor allem in Iran und im Libanon. Iran griff seinerseits amerikanische Einrichtungen und Infrastruktur unter anderem in Oman, Jordanien, Kuwait, Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien an. Das Zwischenabkommen vom Juni sah ursprünglich einen Zeitraum von 60 Tagen vor, in dem beide Seiten eine endgültige Vereinbarung über das iranische Atomprogramm und die Aufhebung amerikanischer Sanktionen erreichen sollten.

Genau diese 60 Tage stellt Teheran nun grundsätzlich infrage. Einen Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, wonach Pakistan von einer Verlängerung dieses Zeitraums ausgehe, wies der iranische Vertreter zurück. Aus iranischer Sicht habe dieser Zeitraum nie begonnen, weil die USA das Abkommen bereits 48 Stunden nach Abschluss verletzt und sich wenige Tage später davon verabschiedet hätten. Deshalb gebe es auch nichts zu verlängern. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus geschlossen, über die vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasverkehrs lief. Neue Angriffe auf die Schifffahrt am Dienstag ließen die Märkte erneut reagieren. Seit Kriegsbeginn war der Preis für Brent-Rohöl zeitweise auf 126 Dollar pro Barrel gestiegen, rund 75 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Am Mittwoch lag Brent wieder bei ungefähr 88 Dollar, amerikanisches WTI bei rund 83 Dollar. Von einer Rückkehr zur Vereinbarung ist damit weiter wenig zu sehen, und selbst darüber, ob die vereinbarte Frist überhaupt jemals begonnen hat, sind sich Washington und Teheran inzwischen nicht mehr einig.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!