Trump braucht einen Deal mit Iran – und müsste dafür ausgerechnet nachgeben

Donald Trump behauptet weiter, die USA hielten im Krieg gegen Iran alle Karten in der Hand, doch an der Straße von Hormus sieht die Wirklichkeit anders aus. Mehr als fünf Monate nach Beginn des Krieges kann Iran den Schiffsverkehr noch immer mit Raketen, Drohnen und Minen bedrohen, während durch die Meerenge normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden. Washington und Teheran erklären inzwischen, eine Vereinbarung zur Wiederöffnung sei nahe, doch genau dort beginnt Trumps Problem. Die US-Regierung lehnt jede Regelung ab, die Iran dauerhaft Kontrolle über einen Teil der Wasserstraße oder das Recht auf Gebühren verschafft.
Teheran wiederum weigert sich, zum Zustand vor dem Krieg zurückzukehren, als Hormus als offene internationale Wasserstraße genutzt wurde. Im Gespräch ist deshalb eine vorläufige Lösung, bei der Schiffe durch eine von Iran kontrollierte Route in den Persischen Golf einfahren und über eine von Oman kontrollierte Route wieder hinausfahren. Washington besteht bislang darauf, dass dabei keine Gebühren oder sonstigen Abgaben erhoben werden. Trump sagt zwar, die Meerenge sei derzeit „irgendwie offen“, doch die Zahlen widersprechen jedem Eindruck von Normalität.
In der vergangenen Woche wurden 84 Durchfahrten registriert, eine Woche zuvor waren es 45, vor dem Krieg waren es regelmäßig mehr als 700 pro Woche. Mindestens zwei Schiffe wurden allein in der vergangenen Woche getroffen, weitere meldeten Beinahetreffer oder Warnungen von Stellen, die sich auf die iranischen Revolutionsgarden beriefen. Gleichzeitig räumt Trump inzwischen ein, dass bestimmte amerikanische Munitionsbestände „ein bisschen knapper“ geworden seien, während Fachleute besonders bei modernen Abfangraketen vor sinkenden Beständen warnen. Verteidigungsminister Pete Hegseth wirbt im Kongress bereits um weitere Milliarden für das Pentagon.
Mehr als 14.000 Ziele wurden nach Angaben aus Washington inzwischen angegriffen, ohne Iran die Fähigkeit zu nehmen, den Schiffsverkehr durch Hormus zu bedrohen. Senator Mark Kelly nennt den Munitionsmangel deshalb ein selbst geschaffenes Problem eines Krieges ohne klar definiertes Ziel. Auch innenpolitisch wird die Rechnung unangenehm: Rund zwei Drittel der Amerikaner halten den Iran-Krieg inzwischen für nicht lohnenswert, die Benzinpreise bleiben hoch und die Zwischenwahlen rücken näher. Der frühere Regierungsberater David Schenker hält es deshalb für durchaus möglich, dass Trump bei Hormus nachgeben wird. Eliot Cohen sieht darin für einen Präsidenten, der Politik in Gewinner und Verlierer einteilt, ein besonderes Problem. Nach Tausenden Angriffen könnte der Weg aus dem Krieg ausgerechnet über einen Kompromiss mit jenem Iran führen, dessen Kontrolle über die Straße von Hormus Washington mit diesem Krieg brechen wollte.
Russland will die Familie des „fröhlichen Milchbauern“ loswerden – nun trifft es einen Mann, der das Land jahrelang verteidigte

Justas Walker wurde in Russland als der „fröhliche Milchbauer“ bekannt, jetzt droht seiner Familie die Ausweisung aus dem Land, das der Amerikaner jahrzehntelang zu seiner Heimat gemacht hat. Am 7. August veröffentlichte Walker ein fünfminütiges Video mit dem Titel „Unsere Familientragödie“ und berichtete, die russische Migrationsbehörde habe die Aufenthaltserlaubnis seiner Familie annulliert und verlange die Ausreise. Wer genau aus der Familie betroffen ist, sagte er nicht. Walker lebt nach eigenen Angaben seit 1994 in Russland, heiratete dort, seine Kinder wurden dort geboren, seit zehn Jahren betreibt er eine Farm im Altai. Noch in diesem Jahr habe die Familie praktisch ihr gesamtes verfügbares Geld in den weiteren Ausbau ihres Projekts gesteckt. Nun bittet er seine Anhänger, für die Familie zu beten.
Berühmt wurde Walker 2014, als das russische Staatsfernsehen über Putins Lebensmittelembargo als Antwort auf die westlichen Sanktionen nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Krieges im Donbass berichtete. Walker erklärte damals, warum russische Produzenten künftig bessere Chancen gegen europäische Konkurrenz hätten, und brach bei dem Gedanken an nicht mehr erhältlichen italienischen Käse in schallendes Gelächter aus. Das Staatsfernsehen machte daraus den „fröhlichen Milchbauern“, und Walker wurde zu einem der bekanntesten amerikanischen Russland-Auswanderer. Seine Begeisterung für Russland hinderte ihn später allerdings nicht daran, die Behörden anzugreifen. Im März 2026 warf er dem Landwirtschaftsministerium nach der massenhaften Tötung von Vieh „Drohungen, Verbote und bürokratischen Druck“ vor und beschuldigte es, kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe zerstören zu wollen.
Bereits 2024 hatte er sich im Altai einem Protest gegen Goldabbau angeschlossen. Schon 2019 forderte ausgerechnet der Mann, der durch Putins Lebensmittelboykott berühmt geworden war, dessen Abschaffung, weil Abschottung kurzfristig Wachstum bringe, langfristig aber Stillstand verursache. Merkwürdig bleibt sein Aufenthaltsstatus. Medien berichteten bereits 2021 über die Annullierung seiner Aufenthaltserlaubnis, während Walker später selbst erklärte, russischer Staatsbürger zu sein und deshalb gar nicht abgeschoben werden zu können. Die Familie reiste zwischenzeitlich sogar gemeinsam in die USA. Was davon heute rechtlich gilt, dürfte Walker am Montag erfahren, wenn die Behörden ihn zu einem Gespräch und zur Übergabe konkreter Unterlagen bestellt haben. Der Mann, dessen Lachen einst hervorragend in die staatliche Geschichte vom Nutzen der Abkehr vom Westen passte, wartet nun selbst darauf, ob Russland seine Familie noch im Land haben will.
Trump-Regierung entzieht früherem Luftwaffenminister Zugang zu Geheiminformationen

Die Trump-Regierung hat dem früheren US-Luftwaffenminister Frank Kendall die Berechtigung für den Zugang zu geheimen Informationen entzogen. Das Pentagon wirft dem Minister aus der Biden-Regierung vor, geheime Angaben über die Fähigkeiten der Präsidentenmaschine Air Force One ohne Genehmigung an ein Medium weitergegeben zu haben. Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte, Kendall dürfe künftig auch keine Position mehr bekleiden, in der er Zugang zu sensiblen Informationen hätte. Welche Informationen Kendall konkret weitergegeben haben soll und an welches Medium sie gegangen sein sollen, sagte Parnell nicht. Der Schritt folgt auf einen Streit, der seit Wochen Washington beschäftigt. Mehrere Medien, darunter die New York Times, hatten über Sicherheitsbedenken wegen der neuen Präsidentenmaschine berichtet, die Katar den Vereinigten Staaten geschenkt hat. Die Berichte beschäftigten sich unter anderem mit der Frage, welche Umbauten und Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind, bevor Donald Trump das Flugzeug als Air Force One nutzen kann.
Das Justizministerium reagierte darauf mit einem ungewöhnlich harten Vorgehen gegen die Presse und lud Reporter der New York Times vor, um sie zur Offenlegung ihrer Quellen zu zwingen. Ein Richter stellte dieses Vorgehen scharf infrage, woraufhin das Ministerium die Vorladungen schließlich zurückzog. Nun geht die Regierung gegen einen früheren Spitzenbeamten vor, den sie offenbar für eine Quelle der Berichterstattung hält. Parnell erklärte, der Schutz geheimer Informationen sei eine Pflicht, über die nicht verhandelt werde. Einen öffentlichen Beleg dafür, dass Kendall tatsächlich geheime Informationen weitergegeben hat, legte das Pentagon in seiner Erklärung jedoch nicht vor. Kendall selbst reagierte weder auf einen Anruf mit der Bitte um Stellungnahme. Damit bleibt vorerst offen, auf welche konkreten Informationen sich der Vorwurf stützt und wie die Regierung zu dem Schluss kam, dass Kendall für die Weitergabe verantwortlich war.
Saudi-Arabien, Türkei und Pakistan schließen gemeinsamen Verteidigungspakt
Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben am 7. August in Mekka ein gemeinsames Verteidigungsabkommen unterzeichnet, das im Fall eines militärischen Angriffs weitreichende Folgen haben kann. Ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder soll künftig als Angriff auf alle drei behandelt werden. Das Dokument trägt den Namen „Mekkanisches Abkommen über gemeinsame Verteidigung“, doch welche militärischen Verpflichtungen daraus im Ernstfall genau entstehen, bleibt zunächst offen. Ankara erklärt, der Pakt sei ausschließlich defensiv und sehe gegenseitige Hilfe nur zur Abwehr eines Angriffs vor. Er richte sich gegen keinen bestimmten Staat und weitere Länder der Region könnten sich anschließen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir trafen vor der Unterzeichnung mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zusammen. Verhandelt wurde über das Dreierbündnis bereits seit fast einem Jahr. Saudi-Arabien und Pakistan hatten im September 2025 schon einen eigenen gegenseitigen Verteidigungspakt geschlossen, ebenfalls mit der Regel, dass ein Angriff auf einen Partner als Angriff auf beide gilt. Die militärische Zusammenarbeit reicht allerdings viel weiter zurück. Pakistan bildet seit Jahrzehnten saudische Soldaten aus und unterstützt das Königreich technisch. Während des Iran-Krieges stationierte Islamabad nach Angaben vom Mai rund 8.000 Soldaten in Saudi-Arabien, dazu JF-17-Kampfjets, Drohnen und das chinesische Flugabwehrsystem HQ-9. Auch Ankara und Islamabad arbeiten seit Jahren militärisch zusammen und lieferten sich gegenseitig Kriegsschiffe und Ausbildungsflugzeuge. Saudi-Arabien wiederum schloss 2023 seinen damals größten Rüstungsexportvertrag mit der Türkei über den Kauf türkischer Drohnen.
Der Zeitpunkt des neuen Paktes ist kaum zu übersehen. Seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen Iran am 28. Februar greifen Iran und mit Teheran verbundene bewaffnete Gruppen Saudi-Arabien und andere Golfstaaten an. Gleichzeitig ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg ungefähr ein Fünftel der weltweiten Energielieferungen lief, nahezu zusammengebrochen. Erst einen Tag vor der Unterzeichnung warnte Riad vor einem möglichen koordinierten Angriff proiranischer Gruppen im Irak und der Huthi im Jemen. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben damit keinen unverbindlichen Gesprächskreis gegründet, sondern ausdrücklich festgeschrieben, dass ein militärischer Angriff auf einen von ihnen künftig alle drei betrifft.
Trump verliert die Geduld mit seinem Heimatschutzminister – Mullin gilt ihm inzwischen als schwach

Donald Trump wird zunehmend unzufrieden mit seinem Heimatschutzminister Markwayne Mullin, den er erst vor gut vier Monaten als Nachfolger der im März entlassenen Kristi Noem ins Amt geholt hatte. Trump hatte damals genug von den internen Kämpfen im Ministerium, Mullins Auftrag war entsprechend klar: Ruhe hineinbringen und die Behörde aus den Schlagzeilen halten. Inzwischen hält der Präsident seinen früheren engen Verbündeten aus dem Senat jedoch für schwach und bei wichtigen Fragen nicht auf Linie. Entlassen will Trump ihn nach Angaben eines hohen Regierungsvertreters derzeit trotzdem nicht. Besonders verärgert hat ihn Mullins Aussage vor der National Governors Association in Oklahoma City, wonach Einwanderung zwar in einigen Branchen amerikanische Arbeitsplätze verdränge, dies aber nicht überall zutreffe. In Regionen mit geringer Beteiligung am Arbeitsmarkt könne Einwanderung sogar helfen, fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen.
Für Trumps MAGA-Umfeld war das beinahe ein Affront gegen die eigene Abschiebungspolitik. Die rechte Aktivistin Laura Loomer, die regelmäßig mit Trump spricht, verlangte öffentlich Mullins Entlassung und warf ihm vor, bei den Massenabschiebungen nichts erreicht zu haben. Wenige Stunden später schrieb Mullin: „Keine Amnestie für illegale Einwanderer. Niemals.“ Es war nicht der erste Zusammenstoß. Nach zwei tödlichen Schüssen auf Einwanderer innerhalb einer Woche ließ Mullin die meisten Fahrzeugkontrollen der Bundesbehörden vorübergehend stoppen. Trump hob die Entscheidung bereits einen Tag später öffentlich wieder auf und war zusätzlich verärgert, weil sein Minister ihn vorher nicht informiert hatte. Auch am 4. Juli gerieten beide aneinander, als Mullin wegen Blitzen das Feuerwerk an der National Mall absagen wollte. Trump lehnte ab und machte sich noch am selben Abend vor Publikum über den Vorschlag lustig. Ende Juni sorgte Mullin erneut für Ärger, nachdem der Supreme Court der Regierung erlaubt hatte, den vorübergehenden Schutz für 350.000 Haitianer zu beenden. Statt die angekündigte Abschiebung zu bekräftigen, erklärte Mullin, einige könnten versuchen, einen dauerhaften Aufenthaltsstatus zu erhalten.
Gleichzeitig sind die Festnahmen unter seiner Führung nach einem anfänglichen Rückgang wieder stark gestiegen. ICE nimmt inzwischen nach Regierungsangaben täglich zwischen 1.500 und 2.000 Menschen fest, veröffentlicht diese Zahlen jedoch nicht offensiv. Noch gefährlicher für Mullin ist der Widerstand innerhalb der eigenen Behörden gegen seinen Kandidaten für die dauerhafte ICE-Führung, Lance Schroyer. Der frühere Beamte der Oklahoma Highway Patrol leitete Mullins Personenschutz im Senat, verfügt nach Ansicht von ICE-Beamten aber weder über ausreichende Erfahrung in der Bundesregierung noch im Einwanderungsrecht. Selbst Trumps Grenzbeauftragter Tom Homan lehnt die Personalie ab, während der Senat bislang nicht einmal eine Anhörung zur Bestätigung Schroyers angesetzt hat. Mullin sollte nach dem Chaos unter Noem Ruhe ins Heimatschutzministerium bringen. Vier Monate später muss er vor allem verhindern, selbst der nächste Heimatschutzminister zu werden, dessen Amtszeit unter Trump vorzeitig endet.
Republikaner machen ihren Parteitag zur großen Abrechnung mit der Demokratie und den politischen Linken

Die Republikaner veranstalten im September erstmals einen eigenen Parteitag unmittelbar vor den Zwischenwahlen, und statt über Trumps schlechte Umfragewerte, den festgefahrenen Iran-Krieg oder die schwache Wirtschaft zu reden, soll ein großer Teil der Veranstaltung dem Kampf gegen demokratische Sozialisten gehören. Seit Monaten sammelt die Partei dafür Videomaterial, aus dem eine nach Angaben aus dem Umfeld praktisch „endlose“ Reihe von Angriffsvideos entstehen soll. Darin sollen progressive Kommentatoren wie Hasan Piker ebenso auftauchen wie die demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed und James Talarico. Der Parteitag endet am 10. September, genau am ersten Jahrestag des Todes von Charlie Kirk. Vizepräsident JD Vance, Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent sollen auftreten, auch Donald Trump wird erwartet. Inhaltlich will die Partei außerdem Robert F. Kennedy Jr. und dessen Gesundheitskampagne sowie Vances Arbeitsgruppe gegen Betrug herausstellen. Bemerkenswert ist vor allem, worüber die Republikaner offenbar weniger reden wollen.
Trump geht mit schlechten Zustimmungswerten in den Herbst, viele Amerikaner machen ihn für ihre wirtschaftlichen Probleme verantwortlich, hohe Benzinpreise belasten die Haushalte und der Krieg gegen Iran zieht sich weiter hin. Trotzdem soll ausgerechnet der demokratische Sozialismus einen erheblichen Teil der politischen Angriffsfläche liefern. Die Demokraten reagieren entsprechend scharf. Parteisprecherin Kendall Witmer wirft den Republikanern vor, eine millionenschwere Feier für Trumps Ego auszurichten, während Amerikaner Schwierigkeiten hätten, Rechnungen, Lebensmittel und Benzin zu bezahlen. Doch ganz so einfach ist die politische Trennung nicht.
Während die Republikaner Sozialisten innerhalb der Demokratischen Partei frontal angreifen, fließt auch von deren politischer Mitte viel Geld gegen die eigene Linke. Die zentristische Organisation Third Way kündigte gerade 15 Millionen Dollar für den Kampf gegen demokratisch-sozialistische Kandidaten an. Damit entsteht wenige Wochen vor den Zwischenwahlen eine bemerkenswerte Situation: Republikaner wollen den Wählern stundenlang zeigen, wie gefährlich die demokratische Linke angeblich ist, während ein Teil der Demokraten Millionen dafür ausgibt, dieselbe Linke zurückzudrängen. Während die Republikaner den demokratischen Sozialismus zum großen Gegner erklären, bleiben ausgerechnet jene Themen im Hintergrund, an denen Trump bei den Zwischenwahlen selbst gemessen wird: Wirtschaft, Iran-Krieg und seine eigene Regierungsbilanz.
