Anklage geplatzt: Trump-Regierung lässt Verfahren gegen Ex-Olympioniken fallen

Was vor wenigen Wochen noch als spektakulärer Fall von Vandalismus präsentiert wurde, endet nun mit einem bemerkenswerten, aber durchaus erwartbaren Eingeständnis der eigenen Justiz.Das US-Justizministerium beantragte am Freitag, das Strafverfahren gegen den früheren Olympiateilnehmer David Hearn einzustellen. Der 67-Jährige war beschuldigt worden, das Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial vorsätzlich beschädigt zu haben. Nun erklären Bundesanwälte selbst, neue Erkenntnisse zeigten ein völlig anderes Bild. Die Schäden seien auf eine fehlerhafte Installation durch den beauftragten Bauunternehmer und den Zeitdruck vor den Feierlichkeiten zu America 250 rund um den Unabhängigkeitstag 2026 zurückzuführen.
Die zuständige Bundesstaatsanwältin Jeanine Pirro schreibt, unter diesen Umständen lasse sich weder Vandalismus noch eine strafbare Handlung zweifelsfrei nachweisen. Hearn war am 19. Juni nach einer Fahrradtour von Nationalgardisten und Parkpolizisten stundenlang festgehalten worden. Er räumte ein, die sich lösende Beschichtung des Beckens kurz berührt zu haben, ließ sie nach Aufforderung eines Mitarbeiters jedoch sofort los. Trotzdem erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen schwerer Sachbeschädigung, auf die bis zu 10 Jahre Haft standen. Hearns Anwälte sprechen von einem politischen Verfahren, das niemals hätte eingeleitet werden dürfen, und werfen der Regierung vor, einen unschuldigen Mann zum Sündenbock gemacht zu haben. Eine Entschuldigung des Staates sei überfällig.
Dinge, die die Welt nicht braucht: Jetzt gibt es den Trump-Pass

Wer künftig einen neuen US-Reisepass beantragt, kann sich bald für eine Sonderausgabe entscheiden, die Donald Trump gewidmet ist. Das Außenministerium kündigte an, den sogenannten Patriot Passport landesweit auszurollen. Nachdem die Auflage bislang nur in Washington erhältlich war, sollen nun weitere 250.000 Exemplare folgen. Beantragt werden können sie zunächst bei Sonderaktionen in mehreren Passämtern, weitere Standorte sollen im Laufe des August hinzukommen. Auf einer Innenseite prangt ein großes Porträt des Präsidenten, darüber in Gold seine Unterschrift. Trump ist damit der erste noch lebende Präsident, der in einem US-Reisepass verewigt wird. Auch das Umschlagdesign wurde verändert. Statt der bisherigen Gestaltung steht nun oben in großen goldenen Buchstaben „United States of America“, darunter „Passport“. Auf der Rückseite findet sich zusätzlich eine goldene amerikanische Flagge mit der Zahl 250 als Hinweis auf das bevorstehende 250. Jubiläum der Vereinigten Staaten. Das Außenministerium begründet den Schritt mit einer angeblich überwältigenden Nachfrage. Der Pass reiht sich in eine wachsende Zahl staatlicher grundloser Ehrungen für Trump ein.
Erst vor wenigen Tagen begann die US-Münzprägeanstalt mit der Herstellung einer Gedenkmünze zu America 250, die ebenfalls Trumps Gesicht trägt. Parallel laufen Bestrebungen, seine Unterschrift künftig auf allen neuen US-Banknoten abzudrucken – auch das wäre ein Novum für einen amtierenden Präsidenten. Hinzu kommen Pläne für einen monumentalen Ballsaal am Weißen Haus, einen gewaltigen Triumphbogen an einer Einfahrt nach Washington sowie die zwischenzeitliche Umbenennung öffentlicher Gebäude nach Trump. Selbst ein Bundesgericht musste bereits eingreifen und die Entfernung eines entsprechenden Schriftzuges am Kennedy Center anordnen. Während Millionen Amerikaner steigende Preise, hohe Schulden und politische Krisen beschäftigen, investiert die Regierung weiter Zeit und Energie in neue Denkmäler für den eigenen Präsidenten.
Studie stellt altes Bild auf den Kopf: Nicht das Klima ließ Rom hungern

Über Jahrzehnte galt es fast als selbstverständlich, Hungersnöte im antiken Rom vor allem mit Klimaveränderungen zu erklären. Dürren, Kälte oder ausbleibende Ernten sollten das Reich geschwächt und schließlich mit in den Niedergang geführt haben. Eine internationale Forschungsgruppe widerspricht dieser Sicht nun deutlich. Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler 55 historisch belegte Lebensmittelkrisen zwischen dem Jahr 1 und 650 nach Christus aus und verglichen sie mit umfangreichen Klimarekonstruktionen aus den wichtigsten Getreideanbaugebieten des Römischen Reiches. Berücksichtigt wurden Rom selbst, Sizilien, Sardinien, die römische Provinz Afrika sowie das Gebiet des Nils, von dessen Überschwemmungen ein erheblicher Teil der Getreideversorgung abhing. Zusätzlich prüften die Forscher nicht nur einzelne Wetterereignisse, sondern auch mehrjährige Kälte- und Dürreperioden.

Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig aus. Während der Blütezeit des Imperiums ließ sich kaum ein belastbarer Zusammenhang zwischen Wetter und Hungersnöten nachweisen. Selbst schlechte Ernten in einzelnen Regionen führten häufig nicht zu Versorgungsengpässen. Der Grund lag im Aufbau des römischen Versorgungssystems. Rom bezog sein Getreide gleichzeitig aus mehreren weit voneinander entfernten Regionen mit völlig unterschiedlichen Klimabedingungen. Fiel eine Ernte in Sizilien schlecht aus, konnten Lieferungen aus Nordafrika oder Ägypten die Lücke schließen. Staatliche Getreidespeicher, Naturalabgaben und ein eng organisiertes Verteilungssystem sorgten zusätzlich dafür, dass Engpässe ausgeglichen wurden. Erst nach der Eroberung Nordafrikas durch die Vandalen im 5. Jahrhundert änderte sich die Lage grundlegend.
Rom verlor einen großen Teil seines Versorgungsnetzes und wurde zunehmend von Italien, Sizilien und Sardinien abhängig. Genau ab diesem Zeitpunkt zeigten die Berechnungen erstmals einen deutlichen Zusammenhang zwischen kälteren Jahren und Lebensmittelknappheit. Nach Ansicht der Autoren war jedoch nicht das Klima der eigentliche Auslöser. Es verstärkte lediglich die Folgen eines bereits geschwächten Versorgungssystems. Hunger entstand vor allem dort, wo Handelswege zusammenbrachen, politische Konflikte Lieferungen verhinderten oder staatliche Strukturen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnten. Die Studie stellt damit eine weit verbreitete Erklärung für den Niedergang Roms deutlich infrage und lenkt den Blick auf das, was Imperien oft stärker trifft als das Wetter: den Verlust funktionierender Organisation.
Belfast: Der alte Konflikt ist nicht vorbei, er hat nur ein neues Ziel gefunden

In den Straßen von Belfast marschieren wieder die Orangemen. Trommeln, Flöten, Union Jacks und tausende Menschen prägen jedes Jahr die Feiern zum Zwölften Juli. Offiziell erinnern sie an den Sieg des protestantischen Königs Wilhelm III. über den katholischen Jakob II. im Jahr 1690. Für die einen ist es Tradition, für die anderen seit Jahrzehnten eine Demonstration der Stärke. Doch in diesem Sommer richtete sich der Zorn vieler Teilnehmer nicht mehr gegen Katholiken. Das neue Feindbild heißt Einwanderung. In loyalistischen Vierteln wie Sandy Row oder Donegall Pass erzählen Bewohner, ihre Gemeinschaft werde kleiner, ihre Kultur verschwinde und ihre Viertel veränderten sich schneller, als sie es akzeptieren könnten. Nordirland ist mit lediglich 3,4 Prozent Angehörigen ethnischer Minderheiten weiterhin der am wenigsten vielfältige Teil des Vereinigten Königreichs. Trotzdem ist die Zuwanderung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, besonders in Belfast.

Für viele Loyalisten reicht diese Entwicklung bereits aus, um sich bedroht zu fühlen. Nach einem Messerangriff im Juni, bei dem später ein Asylbewerber wegen versuchten Mordes angeklagt wurde, verbreiteten rechte Gruppen innerhalb weniger Stunden Aufrufe zu Demonstrationen. Am 8. Juni wurde der 44-jährige Stephen Ogilvie bei einem Messerangriff in Belfast schwer verletzt. Er erlitt tiefe Schnittverletzungen im Gesicht, am Hals und am Rücken und verlor später sein linkes Auge. Einen Tag später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes gegen den 30-jährigen Asylbewerber Hadi Alodid. Seine Herkunft wurde zunächst mit Somalia angegeben, später korrigierte die Polizei diese auf Sudan; inzwischen wird auch geprüft, ob er tatsächlich aus dem Tschad stammt. Kurz darauf brannten Autos, Wohnhäuser und Geschäfte. Familien mussten mit ihren Kindern aus ihren Wohnungen gerettet werden. Ein Halal-Supermarkt wurde gleich zweimal angegriffen und niedergebrannt. Auf Rollläden tauchten Parolen wie „Stop the Boats“ auf. Die Polizei erklärte später, Mitglieder loyalistischer Paramilitärs seien bei den Ausschreitungen anwesend gewesen und hätten sie teilweise mit gelenkt. Diese Gruppen haben sich nach dem Ende des Bürgerkriegs zwar offiziell aufgelöst, viele existieren jedoch als kriminelle Netzwerke weiter. Wissenschaftler beobachten seit Jahren, dass sich immer weniger Menschen als Loyalisten oder Unionisten verstehen.

Genau dieses Gefühl des politischen und gesellschaftlichen Bedeutungsverlustes mache viele anfällig für rechte Gruppen, die Einwanderer als Ursache aller Probleme darstellen. Gleichzeitig lehnen zahlreiche Bewohner der loyalistischen Viertel die Gewalt ausdrücklich ab. Sie sagen, Einwanderer arbeiteten hart und dürften niemals aus ihren Häusern gejagt werden. Andere werfen der Politik vor, den Sorgen vieler Menschen auszuweichen, statt sie ernst zu nehmen. Fast drei Jahrzehnte nach dem Karfreitagsabkommen zeigt sich damit eine unbequeme Wahrheit. Der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken ist nicht verschwunden. Er hat für einen Teil der Gesellschaft lediglich einen neuen Gegner gefunden.
Infantino kapituliert: Der Fußball hat seinen ersten offenen Aufstand erlebt

Noch am Freitagmorgen erklärte die FIFA, niemand verkaufe den Fußball. Die Kritik werde respektiert, am Plan halte man dennoch fest. Nur wenige Stunden später war davon nichts mehr übrig. Gianni Infantino zog sein Milliardenprojekt vollständig zurück und erklärte am Abend, das Vorhaben habe den Weltverband zu stark gespalten. Es werde deshalb nicht weiterverfolgt. Für den FIFA-Präsidenten ist es die schwerste politische Niederlage seit seinem Amtsantritt im Jahr 2016. Geplant war die Gründung einer neuen Gesellschaft mit dem Namen FIFA Forward Enterprises. In diese sollten die kommerziellen Rechte der Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften sowie der Klub-Weltmeisterschaften ausgelagert werden. Anschließend wollte die FIFA 21 Prozent an private Investoren verkaufen. Das Geschäft sollte sofort 4,2 Milliarden Dollar einbringen.

Hinter der Investorengruppe stand das Unternehmen Thrive des amerikanischen Milliardärs Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner. Mit dem Geld wollte Infantino ein neues Förderprogramm finanzieren. Verbände, die zustimmten, sollten in der Periode 2027 bis 2030 jeweils 40 Millionen Dollar erhalten. Wer den Plänen nicht folgte, sollte lediglich 20 Millionen Dollar bekommen. Viele Funktionäre empfanden diese Konstruktion als Versuch, Zustimmung mit Geld zu erkaufen. Dann begann das Projekt zu zerbrechen. UEFA kündigte mit allen 55 Mitgliedsverbänden einen Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe an, solange der Plan nicht zurückgezogen werde. Wenig später stellten sich auch der nord- und mittelamerikanische Verband sowie der asiatische Verband gegen Infantino. Gemeinsam vertreten diese drei Verbände 137 der insgesamt 211 FIFA-Mitglieder. Damit war klar, dass der Präsident seine Mehrheit verlieren konnte. Gleichzeitig geriet auch die eigene Führung ins Wanken.
Sein langjähriger Berater Carlos Cordeiro trat zurück und bezeichnete das Vorhaben öffentlich als schlechtes Geschäft für den Fußball. Kurz darauf erklärte FIFA-Geschäftsführer Kevin Lamour, Mitarbeiter seien von Infantino getäuscht worden. Das gesamte Projekt sei die Idee eines einzigen Mannes gewesen. Hinter den Kulissen glaubten viele Funktionäre inzwischen, nicht mehr der Verkauf der Rechte, sondern Infantinos eigenes Amt stehe auf dem Spiel. Bis vor wenigen Tagen galt seine Wiederwahl im März 2027 praktisch als sicher. Jetzt sprechen selbst langjährige Weggefährten von einem dramatischen Vertrauensverlust. Kandidaten können sich noch bis November melden. Aus einer Milliardenidee ist innerhalb weniger Tage ein offener Machtkampf um die Zukunft der FIFA geworden.
Chinas Militär nutzt amerikanische KI für Aufklärung und Cyberkrieg

Chinesische Militärforscher haben nach Auswertung zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten und Patente Antworten von KI-Modellen der US-Unternehmen OpenAI und Anthropic genutzt, um eigene Systeme für Aufklärung, Zielerkennung, Cyberkrieg und Drohneneinsätze zu entwickeln. Dabei ging es nicht darum, die amerikanischen Modelle vollständig nachzubauen. Stattdessen übernahmen die Forscher deren Antworten und trainierten damit kleinere Spezialmodelle, die anschließend auf eigener Hardware und in abgeschotteten Militärnetzwerken betrieben werden können. Dieses Verfahren gilt in der Branche als Modelldestillation und wird grundsätzlich auch zivil eingesetzt. Im militärischen Bereich erhält es jedoch eine andere Bedeutung. Eine Einheit der chinesischen Volksbefreiungsarmee soll GPT-3.5 verwendet haben, um sensible Programmcodes automatisch zusammenzufassen. Mit diesen Beschreibungen entstand anschließend eine eigene chinesische Anwendung, die innerhalb geschlossener militärischer Systeme arbeiten kann, ohne dass vertrauliche Daten an ausländische Anbieter übermittelt werden. Wissenschaftler der Nationalen Universität für Verteidigungstechnologie nutzten dieselbe Methode, um Bildverarbeitung für Drohnen so weit zu verkleinern, dass sie direkt an Bord eingesetzt werden kann. Dadurch sollen Navigation, Zielerkennung und Videoauswertung auch dann funktionieren, wenn die Verbindung zur Leitstelle ausfällt.
Die Akademie der Militärwissenschaften setzte vergleichbare Modelle bereits in Simulationen gemeinsamer Einsätze von Drohnen, Kriegsschiffen und unbemannten U-Booten ein. Auch das Modell Claude 3 Haiku von Anthropic wurde nach den vorliegenden Unterlagen verwendet. Damit erzeugten Forscher künstliche Datensätze für Systeme zur Überwachung sozialer Netzwerke und zur automatischen Inhaltskontrolle. Anthropic erklärte, das Unternehmen biete seine Dienste in China nicht kommerziell an und versuche Missbrauch zu erkennen. OpenAI äußerte sich nicht. Der Streit reicht inzwischen weit über einzelne Programme hinaus. Washington wirft chinesischen Einrichtungen vor, auf diesem Weg amerikanische Technologie für militärische Zwecke zu übernehmen und Schutzrechte zu umgehen. Peking weist diese Vorwürfe zurück. Klar ist jedoch: Die Destillation ersetzt keine eigene Spitzen-KI. Sie ermöglicht aber, einzelne Fähigkeiten westlicher Modelle deutlich günstiger in kontrollierte militärische Systeme zu übertragen.
