Die Explosionen zucken im Takt. Boom, Boom, Boom, singt die Frauenstimme, und zu jedem Schlag reißt auf dem Video ein neuer Einschlag den Bildrand auf, betitelt mit den Worten Iran wurde gewarnt. Das Weiße Haus hat seine Militärschläge zu Musik geschnitten, und die Musik ist Katy Perrys Firework aus dem Jahr 2010, ein Lied über das Aufleuchten nach dem Fall. Aus dem Feuerwerk sind Bomben geworden, aus der Zeile über Licht am Ende der Nacht ein Rhythmus für Detonationen, und niemand im Haus fand daran etwas auszusetzen.
Die Sängerin schon. Am Samstag schrieb die 41-Jährige, sie sei zutiefst entsetzt und wütend, gefragt habe man sie nicht, und sie billige dies auf keinen Fall. Sie habe das Lied für Menschen in ihren dunkelsten Stunden geschrieben, als Hymne der Hoffnung und der inneren Stärke. Eine Botschaft des Selbstwerts zur Waffe zu machen, um Zerstörung zu vertonen, verrate alles, wofür es stehe. Ihre Musik solle Menschen verbinden und nicht den Krieg feiern.

Katy Perry erklärte, sie sei entsetzt darüber, dass das Weiße Haus ihren Song „Firework“ zur Untermalung von Videos über Militäreinsätze verwendet habe. Sie habe dem weder zugestimmt noch sei sie gefragt worden. Ihr Lied stehe für Hoffnung, Heilung und Zusammenhalt – nicht für Krieg oder Gewalt.
Den Krieg schön zu machen, ihn mit einer Melodie zu unterlegen und die Menge zu verführen, an der Vernichtung Gefallen zu finden, ist die älteste ästhetische Versuchung der Gewaltherrschaft. Wer eine Hymne der Heilung unter fallende Bomben legt, borgt sich keinen Klang, er dreht dessen Sinn um und lädt das Publikum ein, das Töten als Schauspiel zu genießen. Was ein Apparat nicht selbst erschaffen kann, kann er noch immer stehlen und beschmutzen, und der Schmutz haftet am Dieb, nicht am Lied.
Statt einzulenken, drehte das Weiße Haus auf. Firework verschwand zwar aus dem Clip, der nun vermerkt, der Ton sei nicht verfügbar, doch die Bilder blieben. Und am Montag kam das nächste Video, unterlegt mit einem weiteren Lied Perrys, Part of Me von 2012. Diesmal schnitt man die Sängerin selbst hinein, in Aufnahmen aus ihrem damaligen, militärisch inszenierten Musikvideo. Zwischen Bildern von Trump und Kampfjets erscheint sie, gleich zu Beginn der 15 Sekunden in Tarnkleidung, eine Waffe in der Hand, und darüber prangt, als Spott, eine Zeile aus ihrem eigenen Text, Nun sieh mich an.
Ein Mitarbeiter Trumps namens Kaelan Dorr verbreitete den Clip und markierte Perry mit einem Hallo und einer winkenden Hand. Schon ihren ersten Protest hatte er mit einem Ausschnitt derselben Bilder abgetan, versehen mit der spöttischen Frage, ob das denn nicht sie selbst sei. Die Bosheit trifft eine wunde Stelle. Perry hatte Part of Me 2012 im Stützpunkt Camp Pendleton gedreht und dafür, wie sie betonte, echte Marineinfanteristen statt Schauspieler engagiert. Der Dienst am Land, sagte sie damals, komme ihr vor wie das Herz Amerikas. Nun bedient sich die Regierung ihrer Ehrfurcht vor den Soldaten, um sie damit zu demütigen.

Ob sie überhaupt klagen könnte, ist offen. 2023 verkaufte Perry ihre Rechte für 225 Millionen Dollar an ein Musikunternehmen, samt Tonaufnahmen und Verlagsrechten ihrer 5 größten Alben, zu denen beide Lieder gehören, Part of Me einst ihr 7. Nummer-eins-Hit. Solche Geschäfte kosten die Künstler oft die Kontrolle darüber, wo ihre Stücke erklingen, und niemand weiß genau, ob Perry noch mitreden darf. Ihr Zorn wäre dann ein moralischer, kein juristischer, und das Weiße Haus rechnet genau damit.
Sie steht nicht allein. Auch Bruce Springsteen, Sabrina Carpenter, Neil Young, Jack White, Céline Dion, Kesha und Ariana Grande haben sich gegen die Vertonung ihrer Musik durch diese Regierung gewehrt. Grande fand im Juni, als ihr Lied Bye ein Video über ICE untermalte, deutliche Worte und verband die Bitte, ihre Musik nie wieder mit dieser Unmenschlichkeit zu verbinden, mit einem Fluch auf die Behörde. Kesha nannte das Weiße Haus im Mai Perverse, weil es ihr Lied Blow unter ein Video mit dem Titel Tödlichkeit gelegt hatte, und riet, sich davon nicht ablenken zu lassen, dass, wie sie behauptete, der Name Trump millionenfach in den Akten des Falls Epstein stehe. Beide Lieder verschwanden später, leise, ohne ein Wort des Bedauerns.
Wer glaubt, all das sei dem Haus peinlich, irrt. Sein Kommunikationschef Steven Cheung sprach den Zweck offen aus. Diese Sängerinnen fielen immer wieder darauf herein, sagte er, das bringe den Videos nur mehr Aufmerksamkeit und mehr Abrufe, weil die Leute sehen wollten, worüber sie sich beschwerten. Der Protest ist also nicht das Ärgernis, er ist der Treibstoff, und die Kunst wird zum Köder für die eigene Reichweite umgebaut.
Recherchen decken klar auf, Cheung arbeitet mit Falschinformation wie andere mit der Wahrheit

Steven Cheung, hier mit seiner Freundin, seit Januar 2025 Kommunikationschef des Weißen Hauses und der Mann, der die Empörung über Bomben zum Popsong als Klickzahlen verbucht. Zeit, dass unsere Leser erfahren, wes Geistes Kind da spricht.
Wer ist Steven Cheung?
Steven Cheung führt seit Januar 2025 die Kommunikation des Weißen Hauses, und er hat sie zu dem gemacht, was sie heute ist, einer Waffe. Über Jahre war er Trumps Sprecher und der Scharfmacher seiner Wahlkämpfe, und wenn er heute höhnt, die Sängerinnen fielen doch nur auf ihn herein, dann spricht ein Mann, der das Beleidigen zum Beruf erhoben hat. Unabhängige Medien stellt er als voreingenommen hin, Reporter beschimpft er über die sozialen Netzwerke, einzelne Journalisten nimmt er ins Visier, wieder und wieder die CNN-Reporterin Kaitlan Collins. Medienverbände rügen seinen Umgang mit der Presse, Fachleute beklagen, wie systematisch er politische Angriffe auf einzelne Personen zuspitzt, und an der Feindseligkeit gegen die Korrespondenten des Weißen Hauses wie an der Verschmelzung von Amt und Wahlkampf ist er mittendrin.
Doch die Presse ist nur der Anfang. Cheung stand in der Kommunikation hinter jeder einzelnen Anklage gegen Trump, verteidigte dessen Worte nach dem Sturm auf das Kapitol und selbst die Veröffentlichung sensibler Dokumente. Ihm wird vorgeworfen, die widerlegte Lüge vom gestohlenen Wahlsieg 2020 mitgetragen und die Zweifel am Ergebnis geschürt zu haben. Er ging auf Richter los und auf Wahlbeamte, zog über die Staatsanwälte Jack Smith, Alvin Bragg und Fani Willis her, über das FBI und das Justizministerium, und erklärte jedes Strafverfahren gegen seinen Chef kurzerhand zur politischen Hetzjagd. Spottnamen für Gegner, Attacken auf abtrünnige Republikaner, Giftpfeile gegen jeden Rivalen, das ist sein tägliches Geschäft. Wer die Wut der Bestohlenen als Gratiswerbung feiert, verrät damit sein ganzes Verständnis von Macht, und dieses Verständnis hat einen Namen und eine lange Spur.
Perry ist inzwischen mit dem früheren kanadischen Regierungschef Justin Trudeau liiert und geriet im vergangenen Jahr für einen Flug mit einer Touristenrakete ins All in die Kritik. Für die Sache hier zählt das nicht. Eine Regierung schneidet ihre Bomben auf einen Popsong, klaut der Sängerin das Gesicht dazu und winkt ihr zum Abschied spöttisch hinterher. Sie schämt sich dafür nicht. Sie lädt es hoch und zählt die Klicks.
Erbärmlich: Amerika 2026, wie tief bist du gesunken.
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