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Per sofort raus: Der Mann, der Trumps Abschiebezahlen hüten sollte, sagt: „Ich bin begeistert, diese Beziehung zur Regierung zu beenden“

VonTEAM KAIZEN BLOG

28. Juli 2026

Wenn jener das Haus verlässt, dessen Aufgabe es war, die Wahrheit in Ziffern zu fassen, dann ist über dieses Haus etwas gesagt, das keine Pressemitteilung mehr einfängt. Marc Rosenblum, scheidender Leiter des Statistikamtes im amerikanischen Heimatschutzministerium und dort zugleich stellvertretender Staatssekretär, hat sein Amt niedergelegt und dabei getan, was in dieser Behörde fast niemand tut, er hat den Grund offen genannt. Traurig und zugleich begeistert sei er, schrieb er, dass sein letzter Arbeitstag hinter ihm liege. Die Traurigkeit galt seinem Team, die Begeisterung der Regierung, die er verließ.

„Ich bin begeistert, diese Beziehung zur Regierung zu beenden“

Um zu verstehen, was hier zu Ende geht, muss man wissen, was da aufgebaut worden war. Als Rosenblum 2016 im Amt für Einwanderungsstatistik anfing, war es ein kämpferisches Häuflein von 11 Leuten, das schon mit dem Jahresbericht rang. In den folgenden zehneinhalb Jahren wuchs daraus ein Apparat von 45 Personen, der seinen Blick von der Einwanderung auf sämtliche Statistiken des Ministeriums weitete. Aus einmal im Jahr wurde einmal im Monat, dazu kamen tägliche und wöchentliche interne Berichte, eine stark ausgebaute Analysekraft, ein landesweiter Rat der Statistikbeauftragten, Hunderte geprüfter Standards, eine erneuerte Netzseite und eine in die Cloud überführte Datenverarbeitung. Es sei ihm eine Ehre gewesen, der Öffentlichkeit zu dienen, indem er die Datenqualität verbesserte und eine auf Belegen beruhende Politik ermöglichte. Ein Jahrzehnt Arbeit steckt in diesem einen Satz, und ein Jahrzehnt Arbeit steht nun im Regen.

Marc Rosenblum

Denn das Ministerium ist in Trumps zweiter Amtszeit zu einem Kriegsgebiet geworden, mit mindestens 10 Toten bei den Einsätzen, den Razzien in amerikanischen Städten, den ausufernden Ausgaben, dem wachsenden Geflecht von Haftlagern und den Versuchen, die Daten über all das dem Blick zu entziehen. Kaum ein Beamter aber hat die Behörde verlassen und ihren Weg offen kritisiert. Rosenblum ist einer der Ersten, und gerade sein früherer Posten macht seinen Abgang zu einer Auskunft über den Zustand des Apparats.

Er hatte eine der ungewöhnlichsten Aufgaben des ganzen Ministeriums. 22 Teilbehörden gehören dazu, und jede zählte auf ihre eigene Weise, in voneinander abgeschotteten Beständen. Rosenblums Auftrag war es, all diese Zahlen zusammenzuführen, so berichtet ein früherer Weggefährte, damit die Zentrale genau wissen konnte, wie viele Boote die Küstenwache vor der Station in Miami stoppte und wie viele davon Kubaner, Haitianer, Nicaraguaner oder Venezolaner betrafen, um dies mit denselben Menschen ins Verhältnis zu setzen, die über die Südwestgrenze kamen. Wer die Bewegungen eines ganzen Grenzregimes lesbar macht, hält der Regierung einen Spiegel vor, und genau dieser Spiegel wurde unbequem.

Ein Sicherheitsapparat wird niemals ein Vorbild an Offenheit sein. Doch als Rosenblum, ein langjähriger Fachmann für Einwanderungspolitik und zuvor Spezialist des wissenschaftlichen Dienstes des Kongresses, 2023 die Verantwortung für das gesamte Ministerium übernahm, versprach er so viel Offenheit wie möglich. Man werde die Daten rascher veröffentlichen, hieß es damals im November, genauer und über einen breiteren Ausschnitt der Tätigkeiten des Ministeriums.

Von diesem Versprechen ist das Gegenteil geblieben. Die Netzseite des Statistikamtes über die Inhaftierungen durch ICE, die Aufgriffe der Grenzpolizei und die Rückführungen des Ministeriums ist seit dem 11. Februar 2025 nicht mehr aktualisiert worden, wenige Wochen nach Beginn der zweiten Amtszeit. Was seither an Informationen aus dem Ministerium gelöst wurde, oft erst über Klagen nach dem Gesetz zur Informationsfreiheit, war nach dem Urteil von Fachleuten lückenhaft und unzuverlässig. Ausgerechnet die Daten also, deren raschere und genauere Freigabe Rosenblum versprochen hatte, verstummten unter der neuen Führung als Erstes. Es gebe keine Rechenschaft, kein Mittel zur Beurteilung, kein öffentliches Verständnis dessen, was wirklich geschehe, sagte der Leiter der Einwanderungsforschung eines wirtschaftsliberalen Instituts bereits im November, nichts, was nicht von einer Pressemitteilung der Behörde vorsortiert sei.

Hier liegt das Eigentliche dieses Rücktritts. Eine Gesellschaft regiert sich durch das, was sie über sich selbst zu wissen bereit ist, und die erste Handlung einer Macht, die niemandem mehr Rechenschaft schuldet, besteht darin, die Lichter zu löschen, an denen man sie misst. Wer aufhört zu zählen, was er den Menschen antut, entzieht sich dem Urteil, noch ehe es gefällt wird. Die Wahrheit einer Regierung zeigt sich nicht in ihren Reden, sie zeigt sich in dem, was sie zu zählen verweigert, und dieses Ministerium verweigert seit Monaten fast alles.

Seinen Abschied fasste Rosenblum in Worte, die keine Wut brauchen, um zu treffen. „Ich bin begeistert, diese Beziehung zur Regierung zu beenden“, schrieb er. Zwischen dem Krieg gegen die Einwanderer, dem Krieg gegen die eigenen Beamten und dem Krieg gegen die Fakten, ganz zu schweigen von dem verrückten Krieg im Iran und der dreisten Korruption, brauche er schlicht eine Veränderung.

Erst zerlegt gibt dieser Satz seine Sprengkraft preis. 5 Vorwürfe presst Rosenblum in eine einzige Zeile, und keiner ist beiläufig. Der Krieg gegen die Einwanderer, das ist die Politik, deren Zahlen er selbst führte. Der Krieg gegen die eigenen Beamten, das ist der Angriff auf jene Fachleute, die er als kluge, pflichtbewusste Experten in einem feindseligen Umfeld beschreibt. Der Krieg gegen die Fakten, das ist die Zerstörung dessen, wofür er ein Jahrzehnt gearbeitet hat. Und dann, in Klammern gesetzt und gerade dadurch umso schwerer, der verrückte Krieg im Iran und die dreiste Korruption, zwei Anklagen, die ein Beamter im Regelfall nie ausspricht. Wer so schreibt, wählt seine Worte nicht im Zorn, er zählt sie, wie er es zehn Jahre lang getan hat, und legt sie nebeneinander wie eine letzte Statistik über den Zustand einer Regierung. Es ist die nüchterne Bilanz eines Mannes, der zehn Jahre lang mit Zahlen gearbeitet hat und der die Regierung nicht mit einem Adjektiv beschreibt, sondern mit einer Liste ihrer Kriege. Diese Liste ist länger, als eine Regierung sie sich leisten kann.

Das Ministerium lieferte den Beweis für den letzten dieser Kriege gleich mit. Auf die Frage nach dem Rücktritt und der Rede vom Krieg gegen die Einwanderer erklärte ein Sprecher, jeder dürfe seine Meinung haben, richtig oder faktisch werde sie dadurch nicht, und über persönliche Entscheidungen äußere man sich nicht. In diesem Satz steckt der ganze Krieg gegen die Fakten, den Rosenblum benannte, denn eine Behörde, die die Aussage ihres eigenen Statistikers zur bloßen Meinung erklärt, hat den Unterschied zwischen Zahl und Gesinnung schon aufgegeben. Seine Kollegen, hielt er fest, seien herausragende Karrierebeamte, kluge und pflichtbewusste Fachleute, die in einem oft feindseligen Arbeitsumfeld hochwertige Ergebnisse lieferten. Ein früherer Sprecher des Ministeriums aus den Biden-Jahren nannte ihn genau das, was jeder Amerikaner sich von einem Beamten wünschen sollte, und fügte hinzu, eine Regierung, die Fakten zum Schweigen bringe oder übergehe, die nicht zu ihrer maßlosen Rhetorik passten, treibe jene aus dem Dienst, deren Aufgabe die Offenheit sei.

Rosenblum ist nicht der Einzige, der seit Trumps zweiter Vereidigung ging, auch der amtierende ICE-Direktor Todd Lyons und mehrere kommissarische Chefs der Katastrophenschutzbehörde zählen dazu. Doch die meisten schwiegen zum Kurs, ebenso wie Kristi Noem, Trumps erste Ministerin, die unter einer Wolke von Skandalen abtrat, und ihr umstrittener Vertrauter Corey Lewandowski. Der ICE-Jurist Ryan Schwank war die seltene Ausnahme, der vor dem Kongress von einem kaputten Ausbildungsprogramm für die neuen Kräfte sprach. Nun tritt Rosenblum an seine Seite.

Das Verstörende ist, dass er all dies vorausgesagt hat. Bevor er in die erste Regierung Trumps eintrat, warnte er 2015 vor einem Ausschuss des Senats, eine Politik der Massenabschiebung könne sich als riskant, teuer und grausam erweisen, und je mehr Menschen man zu entfernen suche, desto mehr richte sich das Vorhaben gegen sich selbst. Das Dilemma der Abschiebung, so seine schriftliche Aussage, bestehe darin, dass eine menschlichere Durchsetzung im Grunde mit einer strengeren Einwanderungskontrolle im Widerstreit liege, und dass ein hartes System zwangsläufig gewachsene Familien und Gemeinschaften beschädige.

Auch den ökonomischen Preis nannte er beim Namen. Harte Durchsetzung könne Furcht durch die Einwanderergemeinden tragen, bis zu den Kindern, die gar nicht unmittelbar betroffen seien. 2 von 3 Menschen ohne Papiere seien erwerbstätig, ihre Abschiebung störe die Arbeitsmärkte und mindere die Schaffung von Stellen durch amerikanische Firmen. Nach einer Schätzung, die er anführte, würde die Abschiebung aller 11 Millionen die amerikanische Erwerbsbevölkerung um 6,4 Prozent verkleinern und die reale Wirtschaftsleistung um 1,6 Billionen Dollar senken, um 5,7 Prozent. Ein Jahrzehnt später sind seine Warnungen zur Regierungspolitik geworden.

Er selbst geht nicht in die Verbitterung. Seine nächste Aufgabe, kündigte er an, werde ihn weiter an Einwanderungsdaten und Einwanderungspolitik arbeiten lassen, mit Zielen, die zu seinen Werten passten und zu denen der meisten Amerikaner. Zunächst aber nehme er einen Monat frei. In gut 4 Wochen ist die Pause vorbei, und wer bisher die Zahlen der Einwanderung hütete, wird sie künftig dort einsetzen, wo sie dieser Regierung am meisten wehtun. So verlässt der Mann, der die Zahlen des Ministeriums hütete, ruhig und aufrecht die Tür, und hinter ihr bleibt eine Frage, die schwerer wiegt als sein Abschied. Wer zählt nun noch, was dort geschieht, und wer zeigt es denen, die es angeht.

Fortsetzung folgt …

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Wuschitz
Wuschitz
1 Tag vor

Einer der wenig Aufrichtigen. Wohltuend um sie zu wissen. Immer rätselhafter wie sich diese Regierung noc h immer halten kann. Wer sind diese Kohorte der Hintermänner. Wa nn werden die zur Rechenschaft gezogen samt ihren Hofnarren den Trump

Rainer Hofmann
Administrator
20 Stunden vor
Antwort auf  Wuschitz

… ein guter schritt, und das war nicht der erste schritt, journalistisch setzen wir alles an eine aufklärung und rechenschaft, aber Vorrang hat die hilfe für die opfer und inhaftierten

Ela Gatto
18 Stunden vor

Ein sehr mutiger Schritt und eine noch mutigere Aussage zu den Gründen.

Trump liebt Statistiken. Nur mit den Zahlen hat er es nicht so 🤣
Da wird alles schnell so gedreht, wie er es braucht und vorgibt.

Wer sich bicht dran hält sitzt schnell auf der Strasse.

Sicher wird Trump sich noch über Rosenblums Ausscheiden auslassen.
Wer seine Regierung und damit ihn kritisiert, bekommt eigentlich immer einen Schwall Beleidigungen.
Oder ein Anklageverfahren.

Rainer Hofmann
Administrator
14 Stunden vor
Antwort auf  Ela Gatto

..absolut eine sehr gute nummer, wir hatten grossen spaß daran 🙂

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