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ICE: Sie wussten ganz genau, wen sie bewaffnen. Sie taten es trotzdem

VonTEAM KAIZEN BLOG

17. Juli 2026

Der Mann, der Johan Sebastián Durán Guerrero am Montag in Biddeford erschoss, heißt David Brouillette, ist 37 Jahre alt und Veteran der Armee. Seine Behörde nennt seinen Namen bis heute nicht. Auf die Frage nach seiner Vorgeschichte teilte eine Sprecherin der Einwanderungsbehörde mit, man werde Versuche, die eigenen Beamten bloßzustellen, weder bestätigen noch dementieren. Der fragliche Beamte verfüge über fast ein Jahrzehnt Erfahrung in der Strafverfolgung des Bundes, einschließlich Ausbildung im Gebrauch von Gewalt. Das Weiße Haus verwies alle Fragen an ebendiese Behörde. Diesen Satz sollte man nachrechnen, denn er ist überprüfbar. Nach öffentlichen Unterlagen arbeitete Brouillette weniger als 1 Jahr für eine Haftanstalt in Maine und weniger als 1 Jahr für das Sozialministerium des Bundesstaates. 2019 war er Polizist an einem Krankenhaus der Veteranenverwaltung bei Augusta, die am Donnerstag alle Fragen an das Heimatschutzministerium weiterreichte. Ende 2025 kam die Einwanderungsbehörde hinzu. Zusammengezählt ergibt das keine 3 Jahre, der überwiegende Teil davon weder Bundesdienst noch Strafverfolgung.

David Michael Brouillette

Was die Behörde ein Jahrzehnt nennt, ist eine Erfindung, und sie steht in einer offiziellen Erklärung zu einem tödlichen Schuss.

Wie es dazwischen um ihn stand, ist belegt. Ende 2021 schrieb er in einer Textnachricht, die in Gerichtsakten liegt, er sei pleite, studiere in Vollzeit und verdiene sein Geld mit dem Ausliefern von Essen. Er hatte sich für eine Ausbildung zum Feuerwehrmann eingeschrieben und wurde beim Entladen eines Anhängers von einem Stahlträger am Kopf getroffen. Aus seiner Klage darüber, die außergerichtlich beigelegt wurde, geht hervor, dass er eine Gehirnerschütterung und ein postkommotionelles Syndrom davontrug, mit eingeschränktem Gedächtnis, kognitiven Ausfällen, Kopfschmerzen, Schwindel und Lichtempfindlichkeit. Recherchen ergaben weiter, dass nach Angaben ehemaliger und heutiger Mitglieder es auch dort zu Konflikten mit Vorgesetzten kam. Mehrfach soll er Anweisungen missachtet haben, schließlich trennte sich die Feuerwehr von ihm.

Er bezog Invalidenrente über die Veteranenverwaltung, fuhr Lastwagen und gab das im Januar 2025 aus gesundheitlichen Gründen auf. Im März 2025 bestand er die Prüfung zum Immobilienmakler, ein Maklerhaus in Bangor kündigte ihn in einem gelöschten Beitrag als Mitarbeiter an, die Zulassung lief bis Dezember. Wir konnten den Beitrag wieder herstellen.

Im März erwirkte die für Unterhalt zuständige Landesbehörde ein Pfandrecht gegen ihn, was darauf hindeutet, dass eine Entschädigung wegen dauerhafter Beeinträchtigung im Raum stand.

Ein Mann, dem Ärzte kognitive Ausfälle und Gedächtnisstörungen bescheinigten und der dafür Rente bezog, erhielt Ende 2025 von den Vereinigten Staaten eine Dienstmarke und eine Waffe.

Joan Sebastian Guerrero, seine Ehefrau Karolina Rojas und ihre Tochter

Lesen Sie auch unseren Artikel: „Pass auf uns auf“ – Amerika, wie tief bist du gesunken

Seine erste Ehefrau, Ashley Brouillette, glaubte ihm nicht, als er ihr davon erzählte. Sie hielt es für eine Krankheitsepisode. Erst als die Aufnahmen aus Biddeford im Netz kursierten, begriff sie, dass er die Wahrheit gesagt hatte.

Ashley Brouillette erklärte, sie habe schon lange vor der tödlichen Schussabgabe versucht, Behörden auf ihren Ex-Mann aufmerksam zu machen. Ob diese Warnungen bei seiner Einstellung durch die Einwanderungsbehörde berücksichtigt wurden, ist bislang nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass Ashley nach eigenen Angaben vor seinem Verhalten gewarnt hatte.

Ashley Brouillette

Was Angehörige berichten, ist in Teilen ein Krankenbericht. Ein enger Verwandter, der anonym bleiben will, beschreibt eine schwere bipolare Störung und eine Aufmerksamkeitsstörung, diagnostiziert in der Kindheit, bestätigt von der ersten Ehefrau. Mit 12 Jahren 2 Suizidversuche, danach mehrfach in Kliniken. Der Verwandte brach den Kontakt vor Jahren aus Furcht vor ihm ab und erhielt auch in dieser Woche keine Antwort.

Seine älteste Tochter Madison, heute 18, kam einmal aus der Schule, und ihr Vater berichtete ihr, er habe auf einem Baumstumpf gesessen, die Waffe am Kopf. Wer sich nicht um sich selbst kümmere, sagt sie, könne niemals andere schützen, und ihr Vater habe sich nie helfen lassen wollen.

Hier ist Sorgfalt geboten. Menschen mit einer bipolaren Störung sind weit häufiger Opfer von Gewalt als deren Urheber, und eine Diagnose macht niemanden gefährlich. Der Vorwurf richtet sich nicht gegen eine Krankheit. Er richtet sich gegen einen Staat, der sie kannte und trotzdem handelte, wie er handelte, und zwar von Anfang an.

Denn schon die Armee wollte ihn zunächst nicht. Die Werber lehnten ihn wegen seiner Diagnosen ab, rieten ihm dann jedoch, die Medikamente 1 Jahr lang abzusetzen und sich erneut zu bewerben. Er tat es. Er wurde genommen. Von November 2007 bis Januar 2010 diente er in der Nationalgarde von Maine, 2009 als Gefreiter in der 152. Instandsetzungskompanie in Augusta. Im Januar 2010 wechselte er zur regulären Armee als Aufklärer für menschliche Quellen, von Mai 2012 bis Februar 2013 war er in Afghanistan, im Dezember 2015 ging er als Feldwebel. Afghanistan habe ihn zerstört, sagt der Verwandte, man habe einen schwer kranken Menschen genommen und eine Tötungsmaschine aus ihm gemacht.

Karl Jaspers zerlegte 1946 die Frage nach der Schuld in Ebenen, und seine Unterscheidung passt hierher. Neben der kriminellen Schuld, über die Gerichte befinden, stehe die politische Schuld, und sie treffe alle, in deren Namen der Staat handelt, gleich ob sie die Hand am Abzug hatten. Ob Brouillette schuldig ist, entscheidet ein Verfahren. Wer ihm die Waffe gab, entscheidet keines, und genau darum geht es hier.

Die Papiere, die man dafür hätte lesen müssen, füllen Hunderte Seiten. Sie liegen beim Bezirksgericht Augusta und schildern jahrelange Vorwürfe seiner zweiten Ehefrau, die anonym bleibt, weil sie Vergeltung fürchtet. Nachstellungen, Belästigung, Gewalt gegen die Tochter. In mehreren Anträgen auf einstweiligen Schutz steht, er habe seine minderjährige Tochter zu Boden gerissen und ihr Spaghetti in die Haare geschmiert, ein anderes Mal das weinende Kind durch das Haus geschleift. Dave brauche eine Therapie für seine posttraumatische Belastungsstörung und seine Depression, schrieb sie 2021 in einen Antrag, dem ein Richter stattgab. Vor Gericht erklärte Brouillette, seine zweite Frau verleumde ihn. Ein Strafregister in Maine hat er nicht.

Die erste Ehe stammt aus der Schulzeit. 2007 heirateten sie, 2009 ließ Ashley sich scheiden, weil er gewalttätig geworden war, von dem Moment an, in dem sie schwanger wurde. Einmal habe er kochendes Wasser nach ihr geworfen, während sie das gemeinsame Kind auf dem Arm hielt, was ihre Mutter Avis Collins bestätigt. Die Gewalt hörte mit der Trennung nicht auf. Als er bei der Einwanderungsbehörde anfing, hinterließ er ihr eine Nachricht von 3 Minuten, verhöhnte sie für die einstweilige Verfügung, nannte sie mehrfach widerlich und erklärte, die Frauen und Mädchen ihrer Blutlinie sollten sterben. Man solle ihnen die Kehle durchschneiden, sagte er, und schob nach, er drohe das nicht an, er finde nur, es gehöre so. Nach den Schüssen meldete er sich selbst. In einem Anruf über ein soziales Netzwerk räumte er gegenüber Ashley ein, Durán Guerrero getötet zu haben. Er bat sie, den Leuten zu sagen, dass er ein guter Mensch sei, und die Gewalt nicht zu erwähnen, die sie an seiner Seite erlitten hatte. Das Wichtigste sei jetzt sein Charakter. Er befinde sich in Schutzgewahrsam. Auf ihre Frage nach dem Warum antwortete er, der Schuss sei gerechtfertigt gewesen, der Mann habe ihn überfahren wollen. Dasselbe sagte er seiner Tochter. Sie glaube nicht, dass er sich für einen Mörder halte, sagt Madison. Er denke wohl aufrichtig, er habe das Richtige getan.

In Biddeford legen Menschen Blumen an einer Kreuzung nieder. In Augusta standen am Donnerstag Demonstranten vor dem Bundesgebäude. In Washington antwortet eine Behörde auf die Frage nach diesem Beamten mit dem Wort Erfahrung und erfindet dabei 7 Jahre, die es nie gab. Amerika, wie tief bist du gesunken.

Fortsetzung folgt …

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