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Recherchen zeigen auf: Chinas Drohnenschiff, Altmans und Thiels Millionen für Drohnen über Amerikas Straßen

VonTEAM KAIZEN BLOG

15. Juli 2026

125 Millionen Dollar frisches Kapital für einen Hersteller von Drohnen, die amerikanische Polizei- und Feuerwehrbehörden über den eigenen Straßen fliegen lassen sollen. So lautet die Meldung, und sie klingt zunächst nach gewöhnlicher Wagniskapitalprosa. Interessant wird sie erst, wenn man den Zeitpunkt danebenlegt.

Das Unternehmen heißt Brinc Drones, sitzt in Seattle, wurde 2019 gegründet und hat seither insgesamt mehr als 250 Millionen Dollar eingesammelt. Gründer und Vorstandschef ist Blake Resnick, 26 Jahre alt. Zu den frühen Geldgebern zählt Sam Altman, der Vorstandschef von OpenAI, und ebenso Peter Thiel, der Resnick am Anfang stützte. Die neue Runde führte Motorola Solutions an, ein Konzern, der schon zuvor bei Brinc investiert hatte. Beteiligt waren außerdem der Fonds Index Ventures und der Milliardär Dylan Field, Mitgründer und Vorstandschef des Softwareherstellers Figma.

Blake Resnick

Der Markt für zivile Drohnen in den Vereinigten Staaten lag über Jahre in chinesischer Hand, angeführt von SZ DJI Technology. Im Dezember dann verkündete die amerikanische Fernmeldebehörde FCC ein Verbot der meisten im Ausland gefertigten Drohnen samt ihrer wesentlichen Bauteile. Damit entstand über Nacht eine Lücke, in die amerikanische Hersteller stoßen konnten, allen voran jene, deren Projekte Altman unterstützt. Das Geld aus der neuen Runde soll genau dort hineinfließen: in den Ausbau des Verkaufs an Polizei- und Feuerwehrbehörden, nachdem der Staat die chinesische Konkurrenz aus dem Weg geräumt hat.

Sam Altman

Peter Thiel ist dabei mehr als nur ein weiterer Investor. Er gehörte zu den ersten Unterstützern von Blake Resnick und steht zugleich hinter Palantir, einem Unternehmen, dessen Software seit Jahren von Sicherheitsbehörden, Polizei und Militär genutzt wird. Dass sein Kapital heute auch in einen Hersteller fließt, der Drohnen an genau diese Behörden verkauft, macht den Vorgang weit mehr als zu einer gewöhnlichen Wagniskapitalbeteiligung.

Peter Thiel

Adam Smith, den man in Silicon Valley gern als Kronzeugen des freien Marktes zitiert, hat für solche Konstellationen eine Warnung hinterlassen, die man dort seltener vorträgt. Jeder Vorschlag für ein neues Handelsgesetz, schrieb er, der aus dem Stand der Kaufleute komme, verdiene größtes Misstrauen und sorgfältigste Prüfung, denn er stamme von Menschen, deren Interesse niemals genau mit dem der Allgemeinheit übereinstimme und die ein Interesse daran hätten, die Öffentlichkeit zu täuschen und sogar zu bedrücken. Ein Einfuhrverbot, das einen ganzen Markt räumt und ihn einer Handvoll heimischer Anbieter überlässt, an denen dieselben Männer beteiligt sind, die anderswo als Propheten der Innovation auftreten, ist genau der Fall, den Smith im Sinn hatte.

Wie geschlossen dieser Kreis inzwischen ist, hat Resnick selbst ausgesprochen. Motorola sei der ideale Partner, weil der Konzern bereits geschäftliche Beziehungen zu jedem potenziellen Kunden in den Vereinigten Staaten und in vielen weiteren Ländern unterhalte. Der Grund dafür ist banal und deshalb umso aufschlussreicher: Motorola verkauft Polizei und Feuerwehr seit jeher Funktechnik. Der Vertriebsweg existiert also längst, er muss nur bestückt werden. Brinc arbeitet nach Angaben seines Vorstandschefs bereits mit rund 1000 Polizei- und Feuerwehrbehörden zusammen und bewirbt Drohnen, die selbstständig zu Notrufen ausrücken.

Man sollte diesen Satz zweimal lesen. Fluggeräte, die auf einen Notruf hin über amerikanischen Wohnvierteln erscheinen, verkauft an 1000 Behörden in einem Land, in dem allein in der vergangenen Woche 3 Menschen bei Einsätzen der Einwanderungspolizei ums Leben kamen. Was als Rettungstechnik beworben wird, ist zugleich Überwachungstechnik, und die Grenze zwischen beidem verläuft nicht durch das Gerät, sondern durch die Absicht dessen, der es steuert. Dass ausgerechnet Altman, der seit Jahren öffentlich vor den Gefahren künstlicher Intelligenz warnt und dafür weltweit Regulierung fordert, an dieser Ausrüstung verdient, ist keine Ironie. Es ist Methode. Wer die Regeln mitschreibt, kann bestimmen, wo sie greifen und wo nicht.

Bleibt die Frage nach der Rechtfertigung des amerikanischen Verbots. Offiziell begründeten die Vereinigten Staaten ihre Maßnahmen mit Sicherheitsrisiken durch ausländische Drohnentechnik und der Abhängigkeit von chinesischen Herstellern. Fast zeitgleich sorgten Bilder aus einer Werft in Schanghai weltweit für Aufmerksamkeit. China hatte dort auf der Werft Hudong-Zhonghua ein mittelgroßes Frachtschiff binnen weniger Tage zunächst in einen improvisierten Kampfverband verwandelt, ausgestattet mit rund 60 in Containern untergebrachten Startzellen für Flugkörper, mit Radaranlagen und Nahbereichsabwehr. Kaum eine Woche später war dasselbe Schiff erneut umgebaut, diesmal zum Träger moderner Kampfdrohnen. Auf dem Deck steht nun eine modulare elektromagnetische Katapultanlage nach dem Prinzip des EMALS, montiert auf 4 miteinander verkoppelten Fahrzeugen, die eine Startbahn bilden, deren Länge sich offenbar an das jeweilige Fluggerät anpassen lässt. Auf dem hinteren Fahrzeug saß bei den Aufnahmen eine startbereite Drohne, eine weitere stand dahinter auf dem Deck.

Für den Umbau wurden 36 der 60 Startzellen entfernt, 6 Flugkörpercontainer blieben an Bord. Das 30-Millimeter-Nahbereichsabwehrsystem vom Typ 1130 und die große Radaranlage blieben ebenfalls erhalten, während der Container an Steuerbord mit den Täuschkörperwerfern und den Rettungsinseln verschwand. Wenige Meter entfernt liegt im Trockendock das riesige Landungsschiff Sichuan vom Typ 076, das ein solches Katapult fest eingebaut hat. Satellitenaufnahmen vom 28. Dezember zeigen die Attrappen der Drohnen und die Fahrzeuge auf der Pier trotz geringer Auflösung deutlich.

Die technischen Zweifel sind erheblich. Ob ein aus Segmenten zusammengesetztes Katapult auf einem schlingernden Schiff stabil genug arbeitet, ob es der Salzluft standhält, ob die Energie ausreicht, um eine schwere Drohne auf kurzer Strecke in die Luft zu schleudern, und ob das Fluggerät einen derart brutalen Startstoß überhaupt aushält, ist offen. Vor allem aber fehlt jede Vorrichtung zur Bergung. Wer von diesem Deck startet, kommt nicht zurück, es sei denn, die Drohnen ließen sich am Fallschirm ins Wasser setzen und wieder herausfischen. Es handelt sich um ein Konzept für den einmaligen Start.

Und genau hier wird es für den amerikanischen Teil dieser Geschichte unangenehm. Fachleute, denen man die Fotos vorgelegt hatte, halten es für möglich, dass es sich bei den Drohnen um Attrappen handelt und beim gesamten Aufbau um eine Machbarkeitsstudie, die ebenso sehr für ausländische Betrachter gedacht sein könnte wie für die eigene Erprobung. Das Schiff wirkte von Anfang an so, als sei es für fremde Blicke arrangiert worden. Peking weiß genau, welche Bilder aus seinen Werften nach außen dringen, sofern es nicht selbst nachhilft, und die zuletzt aufgetauchten Aufnahmen sind von so ungewöhnlich hoher Qualität und aus so kurzer Distanz, dass ihre Verbreitung kaum ein Versehen sein dürfte. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wir können unsere gewaltige Handelsflotte binnen Tagen in Kriegsschiffe und Drohnenträger verwandeln. Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt, denn auf die Woche genau ein Jahr zuvor war eine ähnliche Häufung chinesischer Militärtechnik an die Öffentlichkeit gelangt.

Damit stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber, die sich politisch gegenseitig verstärken. Auf der einen Seite ein Staat, der seine militärischen Fähigkeiten demonstrativ zeigt, unabhängig davon, ob sie bereits vollständig einsatzbereit sind. Auf der anderen Seite eine amerikanische Regierung, die den Markt für neue chinesische Drohnen weitgehend abschirmt und damit heimischen Herstellern einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Der Drohnenschreck aus Schanghai und der geräumte Markt in Seattle erzählen am Ende dieselbe Geschichte, auch wenn das eine nicht nachweisbar die unmittelbare Ursache des anderen ist. Ob die Attrappen auf jenem Deck jemals fliegen, ist dafür ohne Belang. Sie haben ihren Zweck bereits erfüllt, sobald sie fotografiert wurden.

Nichts davon bedeutet, dass Chinas Rüstung harmlos wäre. Wer beobachtet, wie rasch dort in den vergangenen Jahren Militärtechnik vorangetrieben wurde, tut gut daran, ein mobiles Katapult dieser Art nicht als Fantasie abzutun. Doch zwischen der Feststellung, dass eine Bedrohung besteht, und der Behauptung, ein bestimmtes Verbot sei die Antwort darauf, liegt ein Abstand, den auszufüllen die Aufgabe von Argumenten wäre und nicht von Geschäftsinteressen.

Was bleibt, ist ein 26-jähriger Gründer mit einem geräumten Markt, ein Funkkonzern mit dem Zugang zu jeder Behörde des Landes und 2 Milliardäre im Rücken, von denen einer der Welt erklärt, künstliche Intelligenz müsse dringend eingehegt werden. Smith hätte sich nicht gewundert. Er hat diese Männer beschrieben, lange bevor es Drohnen gab.

Fortsetzung folgt …

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1 Kommentar
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Ela Gatto
5 Stunden vor

Danke für diese ausführliche Recherche.

Sehr interessant und auch beängstigend.

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