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33 Milliarden Umsatz, und an jedem Hass-Shirt verdient PayPal mit

VonTEAM KAIZEN BLOG

12. Juli 2026

Für 12 Euro gehört einem ein Becher, auf dem in großen Blockbuchstaben steht, ausländische Vergewaltiger sollten hinaus. Für 29 Euro gibt es ein rosafarbenes T-Shirt mit der Aufschrift, man sei eine Feministin gegen alles Woke, vorgeführt von zwei jungen, lachenden weißen Frauen. Dazu Socken, Plakate und eine Mütze, die im Ton des bekannten Trump-Spruchs verlangt, den Feminismus wieder groß zu machen. Verkauft wird das im Netzladen des Collectif Némésis, einer französischen, rechtsextremen Frauenorganisation, die vorgibt, gegen geschlechtsbezogene Gewalt zu kämpfen, und in Wahrheit Verbindungen zu Neonazi-Gruppen unterhält, feministische Märsche unterwandert und gegen Einwanderer und Muslime hetzt. Bezahlen lässt sich all das über PayPal.

Collectif Némési: „Befreit uns von der Immigration.“

Recherchen zeigen, dass Némésis, das auch in der Schweiz, in Italien und in Belgien aktiv ist, kein Einzelfall ist. Neun sogenannte femonationalistische Gruppen wurden gefunden, die den Zahlungsdienst nutzen, um Waren zu verkaufen und Spenden einzunehmen. Der Begriff, geprägt von einer Soziologin, beschreibt Nationalisten, die feministische Themen benutzen, um ihre fremdenfeindliche, rassistische oder rückwärtsgewandte Politik voranzutreiben. Der Verkauf reinigt das Bild dieser Gruppen und finanziert zugleich ihre Sache. Und das alles geschieht, obwohl die eigenen Regeln von PayPal Geschäfte verbieten, die Hass, Gewalt oder Diskriminierung befördern.

Hier beginnt die eigentliche Geschichte, und sie handelt weniger von den Fanatikern als von der Maschine, die sie bedient. Max Weber hat die moderne Verwaltung als Herrschaft der Zweckrationalität beschrieben, in der der Beamte nicht mehr fragt, ob eine Sache gut sei, sondern nur, ob sie sich regelgerecht abwickeln lasse. Der Funktionär trage, so Weber, die Verantwortung an die Vorschrift ab und werde dadurch von ihr befreit. Genau diese Verwandlung von Gewissen in Verfahren beschreiben drei frühere Mitarbeiter von PayPal, die anonym bleiben wollten. Sie warfen ihm vor, beide Augen zu verschließen.

PayPal sei sehr verkaufsgetrieben, sagte einer, den wir Pascal nennen. Selbst bei kleineren Händlern verdiene PayPal am Ende an jeder Zahlung seine Gebühr, auch wenn diese etwas Schlechtes täten. Dieser Ansatz zahlt sich buchstäblich aus. Im vergangenen Jahr meldete PayPal einen Nettoumsatz von 33,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 4 Prozent gegenüber 2024. An jedem Becher mit dem Ruf nach Vertreibung klebt eine kleine Gebühr, und viele kleine Gebühren ergeben eine große Zahl.

PayPal-Werbung

Pascals Aufgabe bestand darin, Händler auf ihr finanzielles und rufschädigendes Risiko zu prüfen, vom Kleinsthändler bis zum Millionengeschäft, und andere Prüfer darin anzuleiten. Zeigte ein Verkäufer eine extreme politische Neigung, so löste das interne Beratungen aus. Doch diese drehten sich nach seiner Schilderung darum, das Risiko zu bewältigen, nicht darum, den Verkäufer zu entfernen. Man suchte nach Wegen, den Kunden zu behalten. Für eine Veranstaltung könne PayPal etwa den Verkauf von Eintrittskarten verweigern und zugleich die Spenden desselben Händlers weiter abwickeln. Ein Senior Prüfer, der über 10 Jahre im Unternehmen war, und ein weiterer Risikoanalyst bestätigten diese Darstellung. Der erste sagte, er sei gegangen, weil eine Kultur eingezogen sei, die das schnelle Erledigen über das richtige Erledigen stelle; man rede dort weniger offen als früher. Auf diese Schilderungen ging PayPal nicht unmittelbar ein.

Man muss diese Sätze in ihrer ganzen Kälte hören. Der Hass wird nicht abgelehnt, er wird verwaltet. Ein Konto bleibt bestehen, nur unter Auflagen. Das ist Webers Funktionär in Reinform, der nicht mehr entscheidet, ob etwas sein darf, sondern nur, wie es sich regeln lässt, ohne dass die Gebühr verloren geht. Nach außen klingt das anders. PayPal erklärte durch seine Kommunikationsdirektorin, man wende weltweit erhebliche Mittel auf, um unerlaubte und rechtswidrige Tätigkeit zu bekämpfen, handle sofort bei Verstößen und arbeite mit den Behörden zusammen, ohne sich von außen beeinflussen zu lassen. Um Belege für diese Aussagen gebeten, lieferte sie keine. Im Jahr 2021 hatte PayPal eine Zusammenarbeit mit einer jüdischen Bürgerrechtsorganisation angekündigt, um die Finanzströme extremistischer Bewegungen offenzulegen und zu stören. Diese Allianz endete 2024. Die Organisation antwortete auf eine Anfrage nicht.

Warum die Fanatiker durch die Maschen schlüpfen, erklärt sich aus der Bauart des Systems. Um Verkäufer zu werden, durchlaufen die Nutzer ein automatisiertes Verfahren, denn PayPal zählt 439 Millionen aktive Konten, die kein Mensch mehr einzeln prüft. Eine auf Betrug trainierte Lernsoftware erkennt keinen Extremismus, und wie sie im Einzelnen arbeitet, bleibt undurchsichtig. Extremisten benutzten eine verschlüsselte Sprache, sagte eine auf solche Fälle spezialisierte Anwältin, und externe Netzläden lösten den Alarm gar nicht erst aus; diese Systeme hätten gewaltige blinde Flecken. Schon 2015 zahlte PayPal dem amerikanischen Schatzamt einen Vergleich von 7,7 Millionen Dollar wegen möglicher Sanktionsverstöße, darunter Zahlungen, die mutmaßlich mit Massenvernichtungswaffen zusammenhingen. Man erklärte damals, das automatische Filtersystem habe nicht richtig funktioniert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Beträge klein sind. Die Summen sind gering und lösen deshalb die interne Risikoprüfung nicht aus. Die Ware aber verbreite ausgrenzende und rassistische Inhalte, darunter Material zur sogenannten Remigration, also zur ethnischen Säuberung, zur Abschiebung und zur Feindschaft gegen verwundbare Gruppen. Wie wolle man beweisen, fragte er, dass eine Spende von 500 Euro, Pfund oder Dollar an eines dieser Konten am Ende einen Angriff auf ein Migrantenheim finanziere? Man könne es nicht. Eine Fachfrau für handelsbasierte Geldwäsche fügte hinzu, dass PayPal erfahrene Kräfte in Europa durch billigere im Ausland ersetzt und damit das Wissen verloren habe, die feinen Zeichen solcher Verkäufer überhaupt zu erkennen.

Das eigentlich Verstörende ist, dass vieles davon legal geschieht. Solange eine Gruppe nicht als terroristische Einrichtung geführt und nicht verboten ist, hat sie kein Gesetz gebrochen. Man will aber von stattlicher Seite solchen Zahlungsdiensten nicht zu viel Spielraum geben zu entscheiden, wer ihr Kunde sein dürfe, denn dann könnten sie eines Tages ebenso demokratische, menschenrechtliche oder ökologische Gruppen ausschließen, und das wäre gefährlich. So steht der Zahlungsdienst an einer Stelle, an der beide Wege bedrohlich sind, das Zulassen des Hasses wie die Willkür seiner Ausschließung.

Némésis selbst, gegen das in Frankreich ein sozialistischer Abgeordneter bereits die Prüfung eines Verbots verlangt, gab sich unverfroren. Man bestritt jede Nähe zu Neonazis, bestätigte den Verkauf von Waren zur Finanzierung der Arbeit und erklärte, es sei einem gleichgültig, dass dies als Reinwaschung der eigenen Ideologie erscheinen könne.

Die ideologischen Fronten zwischen dem migrationskritischen Kollektiv Némésis und Gegendemonstranten eskalierten immer wieder.

Nun plant der neue Vorstandsvorsitzende große Stellenstreichungen und massive Investitionen in künstliche Intelligenz. Wer die menschliche Prüfung durch Maschinen ersetzt, die den Hass nicht erkennen, macht das Verwalten noch billiger und das Hinsehen noch seltener. Weber sah das Ende dieses Weges im stahlharten Gehäuse der Hörigkeit, in dem der Zweck den Sinn verschlungen hat. Ein Becher für 12 Euro, eine Gebühr, ein Konto unter Auflagen. Der Hass hat gelernt, sich buchen zu lassen, und die Kasse fragt nicht, wofür.

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