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Neunzig Ziele im Iran in einer Nacht, und aus der Unterschrift kriecht eine Schlange

VonTEAM KAIZEN BLOG

9. Juli 2026

Das amerikanische Militär griff den Iran in der Nacht zum Donnerstag erneut aus der Luft an, wenige Stunden nachdem der Präsident den drei Wochen alten Waffenstillstand für beendet erklärt hatte. Nach Angaben des Zentralkommandos traf man rund neunzig militärische Ziele, darunter Luftabwehrstellungen, Lager für Drohnen und Raketen sowie die Versorgungsanlagen entlang der Küste. Der Zweck sei, dem Iran die Fähigkeit zu nehmen, die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen. Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen in mindestens drei Hafenstädten der südöstlichen Küste. Kurz darauf, in der Frühe des dortigen Donnerstags, erklärte die kuwaitische Armee, sie fange Drohnen und Raketen ab, und das bahrainische Innenministerium meldete Warnsirenen, ohne zu sagen, was sie ausgelöst habe. Am Mittwochmorgen hatten beide Länder schon einmal im Feuer gelegen, als der Iran mitteilte, er habe amerikanische Stützpunkte dort beschossen.

Vergeltung nannte der Präsident die neuen Angriffe, Vergeltung für die iranischen Angriffe auf Handelsschiffe. Geschehe es noch einmal, schrieb er in einem sozialen Netzwerk, werde es sehr viel schlimmer werden. Zuvor, auf dem NATO-Gipfel in der Türkei, war er nach dem Waffenstillstand gefragt worden. Er glaube, der sei vorbei, sagte er, fügte aber hinzu, für Verhandlungen bleibe er offen, und mit einem vollen Krieg rechne er nicht.

Man könnte diese Nacht so beschreiben, wie sie sich bemessen lässt: Verträge ohne das Schwert sind bloße Worte und besitzen nicht die Kraft, irgendeinen Menschen zu sichern. Der Waffenstillstand vom vorigen Monat war ein solcher Vertrag, und beide Seiten hielten das Schwert die ganze Zeit in der Hand. Vom Augenblick der Unterzeichnung an wirkte er brüchig, und jede Seite warf der anderen vor, ihn zu verletzen. Der Streit hat sich in die Straße von Hormus verlagert, jene Wasserstraße, durch die ein erheblicher Teil der Weltenergie fließt. Der Iran behauptet, das Abkommen räume ihm die Aufsicht über die Passage ein, und verlangt, dass Schiffe die von ihm bestimmten Wege nähmen. Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, wiederholt Schiffe angegriffen zu haben, wobei Teheran keinen der Angriffe der vergangenen Wochen für sich reklamiert hat. Die Angriffe, die kurz vor Mitternacht Teheraner Zeit begannen, waren binnen zweier Tage die zweiten, die Washington mit den Attacken auf drei Handelsschiffe in dieser Woche begründete. Am Dienstag hob es zudem eine Ausnahme von den Sanktionen gegen die iranische Ölwirtschaft auf, die ausdrücklich Teil des Waffenstillstands war.

Der Verkehr durch die Meerenge ist wieder zum Erliegen gekommen. Die Waffenruhe sollte sie öffnen und das Kämpfen beenden, überließ aber die schwierigsten Fragen, allen voran das iranische Atomprogramm, einer Frist von sechzig Tagen, in der man verhandeln wollte. Am Mittwoch riefen dem Militär nahestehende iranische Medien in Leitartikeln das offizielle Ende des Abkommens aus. Auf einem Konto des Obersten Führers Modschtaba Chamenei erschien ein bearbeitetes Bild, auf dem sich aus der Unterschrift Trumps unter dem Waffenstillstand eine Schlange windet.

Mohammad Bagher Ghalibaf, der iranische Chefunterhändler, warf den Vereinigten Staaten vor, sie erpressten und brächen ihre Zusagen. Um es deutlich zu sagen, schrieb er, wer schlage, werde geschlagen. Die Straße von Hormus werde sich allein nach iranischen Vorgaben öffnen und nicht unter amerikanischen Drohungen. Mohsen Resaei, ein hoher militärischer Berater des Obersten Führers, kündigte in der Frühe an, der angreifende Feind und seine Helfershelfer würden schwer bestraft werden.

Kurz darauf, auf dem Rückflug, behauptete der Präsident, der Iran habe sich gemeldet. Sie hätten vor Kurzem angerufen, sagte er, sie wollten unbedingt einen Handel schließen. Teheran hat zu neuen Verhandlungen nichts verlauten lassen. Man beachte die Reihenfolge dieser Sätze. Erst neunzig zerstörte Ziele, dann die Behauptung, der andere flehe um ein Gespräch. Es ist die alte Kunst, die eigene Faust als ausgestreckte Hand zu zeigen.

Bemerkenswert ist die Maschine, die ihn heimbrachte. Trump verließ die Türkei am Mittwochabend nicht mit der neuen, von Katar geschenkten Boeing, sondern mit dem alten Präsidentenflugzeug, eine Vorsichtsmaßnahme wegen der wieder aufgeflammten Feindseligkeiten, wie Eingeweihte berichten; auf den Wechsel habe der Personenschutz gedrungen. Damit vertiefen sich die Zweifel, ob das neue Flugzeug, dessen rasche Fertigstellung der Präsident selbst betrieben hatte, im vergangenen Jahr hinreichend geschützt umgebaut wurde. Abgeordnete und Beamte fragen, ob der beschleunigte Zeitplan überhaupt Raum ließ für ein fortgeschrittenes Raketenabwehrsystem und die übrigen Vorkehrungen, die einen Präsidenten schützen.

Der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, Steven Cheung, erklärte, die neue Maschine sei auf dem neuesten Stand und mit hochwertigen Sicherheitsvorkehrungen versehen. Wie der Präsident kürzlich gesagt habe, gebe es viele Feinde Amerikas, die ihn im Visier hätten, und man setze jedes verfügbare Mittel ein, um diesen Gefahren zu begegnen, auch Ablenkung und Irreführung. Wer die Irreführung selbst zum Sicherheitsprogramm erklärt, darf sich nicht wundern, wenn ihm niemand mehr das Gegenteil glaubt. Personen, die über die Fähigkeiten des neuen Flugzeugs unterrichtet sind und aus Sorge um heikle Fragen der Sicherheit anonym bleiben, sagen, es besitze nicht alle Merkmale der älteren Maschine. Der Wechsel sei auf Rat des Personenschutzes erfolgt, ohne dass eine bestimmte Drohung vorgelegen habe. Am Montagabend war Trump noch mit dem neuen Flugzeug zum Gipfel geflogen, dessen luxuriöse Ausstattung er bestaunt hatte. Nach seiner Ankunft entbrannte der Konflikt mit dem Iran erneut, und die Vereinigten Staaten schlugen los, während der Präsident und die Regierenden der NATO sechzehnhundert Kilometer entfernt in Ankara saßen.

Am Mittwoch bestritt er, dass Sicherheitsbedenken hinter dem Tausch stünden. Das neue Flugzeug habe früher abfliegen sollen, um Stützpunkte anzusteuern und sich den Soldaten zu zeigen, denn es sei prächtig. Als Journalisten in Ankara nachbohrten, wies er allerdings mehrfach darauf hin, dass er das erste Ziel des Iran sei, und erwähnte an einer Stelle, er habe eine Liste der Ziele Teherans gesehen oder sei über sie unterrichtet worden. Man kann beides sagen und beides nicht zugleich meinen. Entweder ist der Tausch eine Vorführung, oder er ist eine Flucht.

Was der Krieg kostet, lässt sich unterdessen ablesen. Der Ölpreis, nach dem Abkommen fast auf das Vorkriegsniveau gefallen, stieg um fünf Prozent auf etwa achtundsiebzig Dollar je Fass und liegt damit über den rund zweiundsiebzig Dollar der Vorkriegszeit, wenn auch unter dem Höchststand der schlimmsten Kampftage. Die erholte Schifffahrt durch die Meerenge droht wieder abzureißen, und der Leiter der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation forderte die Reeder am Mittwoch auf, ihre Schiffe nicht durch die Straße zu schicken.

Die Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hatten während der Trauerfeiern für Ajatollah Ali Chamenei geruht, jenen Obersten Führer, der am ersten Tag des Krieges getötet worden war. Was seither an Diplomatie geblieben ist, hat die Gestalt einer Ankündigung, die in einem sozialen Netzwerk endet. So sitzt am Ende ein Präsident in einem alten Flugzeug und erklärt, es sei die Prachtentfaltung des neuen gewesen, die ihn zum Wechsel bewog, während neunzig Ziele brennen und zwei Golfstaaten ihre Sirenen heulen lassen. Hobbes hätte an diesem Waffenstillstand nichts Rätselhaftes gefunden. Wo kein Schwert über den Verträgen steht, sind Verträge Papier, und wer sie unterschreibt, ohne die Waffe aus der Hand zu legen, hat ihren Bruch bereits eingeplant. Die Schlange auf dem gefälschten Bild ist eine Lüge und dennoch ein wahres Porträt, denn sie kriecht aus einer Unterschrift, die von Anfang an keine war.

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christian balke
36 Minuten vor

dieser Artikel „.. aus der Unterschrift kriecht eine Schlange“ hat literarischen Gehalt, ist pointiert, verständlich (uff) und informativ. Danke.

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