Trump-Funktionär und ehemaliger USAID-Hilfschef Tim Meisburger erklärte Ebola zur „Erfindung“ – während sich die Krankheit ausbreitete

VonRainer Hofmann

Mai 28, 2026

Mehr als 200 mutmaßliche Tote, fast 1000 Verdachtsfälle und eine Krankheit, die sich in Teilen Zentralafrikas wieder mit brutaler Geschwindigkeit ausbreitet. Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo und in Uganda gehört zu den schwersten der vergangenen Jahre. Ärzte, Helfer und Gesundheitsorganisationen sprechen inzwischen offen darüber, dass wertvolle Zeit verloren ging. Gelder wurden eingefroren, Schutzkleidung fehlte, Programme wurden gestoppt oder heruntergefahren. Während Ärzte versuchten, Infektionsketten zu verfolgen und Menschen zu isolieren, liefen in Washington völlig andere Debatten. Dort ging es um Kürzungen, Behördenabbau und politische Loyalitäten.

Im Zentrum der Vorwürfe steht Tim Meisburger. Ein Mann, der unter Donald Trump erneut in eine einflussreiche Position zurückkehrte und heute als Senior Adviser beim Peace Corps tätig ist. Zuvor leitete er das humanitäre Büro von USAID. Nicholas Enrich, damals kommissarischer Assistant Administrator für globale Gesundheit bei USAID, sagte vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses aus, dass Meisburger einen Ebola-Ausbruch in Uganda intern als „Scam“, also als „Betrug“ oder „Erfindung“, bezeichnet habe. Laut Enrich erklärte Meisburger damals, Ebola sei keine ernsthafte Lage, weil es zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Todesfall gegeben habe.

Tim Meisburger

Enrich versuchte nach eigener Aussage zu erklären, dass sich Ebola zu diesem Zeitpunkt noch in der Inkubationsphase befand und genau deshalb schnelles Handeln entscheidend sei. Doch seine Warnungen seien ignoriert worden. Stattdessen hätten Vorgesetzte entschieden, Aktivitäten gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, Ebola, MPox, Polio sowie Überwachungs- und Kontrollprogramme zurückzufahren. Genau jene Programme also, die eigentlich verhindern sollen, dass lokale Ausbrüche außer Kontrolle geraten.

Der Vorwurf ist deshalb so brisant, weil Ebola nicht erst gefährlich wird, wenn hunderte Menschen sterben. Die Krankheit gehört zu den tödlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Ohne schnelle Isolation, Kontaktverfolgung und Schutzmaßnahmen kann sich das Virus in Regionen mit schwacher medizinischer Infrastruktur rasch verbreiten. Helfer vor Ort berichten seit Monaten von fehlender Ausrüstung, überlasteten Kliniken und Problemen bei der Eindämmung. Das US-Außenministerium weist jede Verantwortung zurück. Sprecher Tommy Pigott erklärte, es sei falsch zu behaupten, die Umstrukturierung von USAID habe die Ebola-Reaktion negativ beeinflusst. Doch unsere Recherchen zeichnen ein anderes Bild. Sie zeigen eine Behörde, in der Fachleute offenbar gegen politische Entscheidungen ankämpfen mussten, während gleichzeitig Mittel blockiert wurden und wichtige Programme stillstanden.

Besonders brisant ist die Vergangenheit jener Personen, die an den Gesprächen beteiligt gewesen waren. Tim Meisburger sorgte bereits 2021 für Schlagzeilen. Damals berichtete die Washington Post über Aussagen aus einer internen Videoschalte, in der Meisburger den Sturm auf das US-Kapitol vom 6. Januar relativiert haben soll. Er sprach laut dem Bericht von „einigen wenigen gewalttätigen Personen“, während „mehrere Millionen“ friedlich demonstriert hätten. Nachdem diese Aussagen öffentlich wurden, verlor er seinen Posten. Unter Donald Trump kehrte er später dennoch wieder in den Staatsdienst zurück.

Auch Mark Lloyd, das ergaben unsere Recherchen, war ebenfalls bei den Gesprächen anwesend, steht seit Jahren in der Kritik. Lloyd war Anfang 2025 Assistant Administrator für globale Gesundheit sowie für Konfliktprävention und Stabilisierung bei USAID. Bereits während Trumps erster Amtszeit arbeitete er als Berater für Religionsfreiheit in der Behörde. Kritik gab es schon damals wegen früherer islamfeindlicher Aussagen in sozialen Medien. Unter anderem hatte Lloyd den Islam als „barbarischen Kult“ bezeichnet. Während Fachleute intern Alarm schlugen, feierte Elon Musk öffentlich den massiven Umbau von USAID. Musk leitete damals Trumps „Department of Government Efficiency“ und schrieb im Februar auf X, man habe das Wochenende damit verbracht, USAID „durch den Häcksler zu jagen“. Er hätte stattdessen auf großartige Partys gehen können, schrieb Musk, habe aber lieber das getan. Der Satz wirkte damals für viele wie eine politische Provokation. Heute wirkt er wie ein Symbol dafür, wie leichtfertig mit internationalen Gesundheitsstrukturen umgegangen wurde.

Ebola war plötzlich keine „Erfindung“ mehr und Rubio macht die Grenzen dicht

Außenminister Marco Rubio erklärte am Mittwoch, die Vereinigten Staaten würden „keine Ebola-Fälle ins Land lassen“. Während die Regierung versucht, den Ausbruch in Afrika einzudämmen, richtet die Trump-Regierung gleichzeitig in Kenia eine Quarantäneeinrichtung für möglicherweise infizierte US-Bürger ein. Der Satz zeigt die ganze Widersprüchlichkeit der Lage. In Afrika wurden Programme gekürzt, Warnungen ignoriert und Ebola intern als „Erfindung“ bezeichnet. Doch sobald die Gefahr näher an die Vereinigten Staaten rückt, spricht Washington plötzlich von maximaler Abschottung und Notfallmaßnahmen.

In Teilen des Kongo und Ugandas kämpfen Helfer inzwischen darum, den Ausbruch überhaupt noch einzudämmen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC spricht von hunderten Verdachtsfällen und einer hohen Dunkelziffer. Gerade in ländlichen Regionen fehlen medizinische Infrastruktur, Schutzmaterial und funktionierende Kontrollsysteme. Ebola gehört zu den Krankheiten, bei denen Geschwindigkeit oft über Leben und Tod entscheidet. Jede verlorene Woche kann neue Infektionsketten bedeuten.

Die Aussagen von Nicholas Enrich werfen deshalb eine Frage auf, die weit über Afrika hinausgeht. Was passiert, wenn politische Ideologie wichtiger wird als medizinische Warnungen. Menschen, die einen Ebola-Ausbruch als „Erfindung“ bezeichneten oder den Angriff auf das Kapitol relativierten, saßen plötzlich wieder in entscheidenden Positionen. Während Ärzte versuchten, Leben zu retten, wurde in Washington über Kürzungen, Behördenabbau und politische Feindbilder diskutiert. Die Folgen davon werden jetzt in Krankenstationen sichtbar – tausende Kilometer entfernt von den Büros jener Männer, die diese Entscheidungen trafen.

Die Vorstellung, wissenschaftliche Warnungen kleinzureden, internationale Hilfe abzubauen und Krankheiten erst ernst zu nehmen, wenn sie zur direkten Gefahr für das eigene Land werden, erinnert auch in Europa an politische Denkweisen der extremen Rechten. Gerade bei der AfD zeigt sich immer wieder eine Politik, in der Misstrauen gegenüber Wissenschaft, internationale Abschottung und ideologische Loyalität oft wichtiger erscheinen als langfristiger Gesundheits- und Bevölkerungsschutz.

Fortsetzung folgt …

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Lea
Lea
4 Stunden vor

Gruselige Vorstellung, was wenn das Schule macht…

Ela Gatto
2 Stunden vor

Zitat: „0Außenminister Marco Rubio erklärte am Mittwoch, die Vereinigten Staaten würden „keine Ebola-Fälle ins Land lassen“. 

Deshalb werden die US-Bürger also in Deutschland in der Charite behandelt?

Was für eine Aussage.🤬
Dielassen US-Amerikaner lieber irgendwo in Afrika sterben, als sie daheim in den Isolierstationen zu behandeln.
Wie abscheulich!

Meisburger und Co empfehle ich eine Reise in den Kongo oder nach Uganda.
Da können sie sich die „Erfindung Ebola“ live anschauen. Schutzkleidung nicht erforderlich … ist ja nur eine Erfindung …

Aber Corona war ja auch nur ein Hoax.
Und Aids bekommen nur Schwule bei Analverkehr ………. man oh man 🙈

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