Donald Trump: Alles perfekt – kaum zu glauben bei dem, was er täglich von sich gibt

VonRainer Hofmann

Mai 26, 2026

Donald Trump hat am Dienstag, dem 26. Mai 2026, mehr als drei Stunden im Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda verbracht. Das Weiße Haus nannte den Anlass eine vorbeugende medizinische und zahnärztliche Untersuchung. Trump selbst fasste das Ergebnis kurz danach in einem Beitrag in den sozialen Medien zusammen. Er habe gerade seine Halbjahresuntersuchung hinter sich gebracht, und alles habe sich als perfekt herausgestellt. Perfekt. Man muss dieses Wort einen Moment stehen lassen, denn es kommt von einem Mann, der nächsten Monat achtzig Jahre alt wird und der seit seiner Rückkehr ins Amt zum vierten Mal öffentlich bekannt zu einer ärztlichen Untersuchung erschienen ist.

Das eigentliche Problem an diesem Satz ist nicht, dass er optimistisch klingt. Das Problem ist, dass niemand ihn überprüfen kann. Es gibt in den Vereinigten Staaten kein Gesetz, das einen Präsidenten verpflichtet, seine Gesundheitsakte offenzulegen. Was die Öffentlichkeit erfährt, läuft durch die Filter des Weißen Hauses, und es muss am Ende vom Präsidenten selbst freigegeben werden. Sara Rosenthal, Bioethikerin an der University of Kentucky, sagt es nüchtern: Ein Präsident entscheide wie jeder andere Patient, was über seine Gesundheit nach außen dringt. Und sie zieht daraus den Schluss, der wie ein kalter Wassertropfen wirkt: Man dürfe von keinem Präsidenten ehrliche Auskunft über seinen wahren Gesundheitszustand erwarten, es sei denn, er sei tatsächlich kerngesund.

Das Weiße Haus hat bis heute nicht mitgeteilt, was die Untersuchung am Dienstag im Einzelnen umfasste. Vielleicht auch besser so, Bilder sagen manchmal mehr als tausend Worte. Es zeigt sich nur überzeugt vom Ergebnis. Sprecher Davis Ingle erklärte, Trump sei der klarste, was wir stark bezweifeln, und zugänglichste Präsident der amerikanischen Geschichte, er arbeite ohne Unterbrechung an der Lösung von Problemen und sei bei ausgezeichneter Gesundheit. Es ist ein Satz, der alles behauptet und nichts belegt. Dr. Jeffrey Kuhlman, der über ein Jahrzehnt lang als Arzt im Weißen Haus unter Barack Obama, George W. Bush und Bill Clinton diente, sagt, was eine vollständige Untersuchung bei einem Mann in Trumps Alter eigentlich enthalten müsste: eine erweiterte Herzdiagnostik, Vorsorgeuntersuchungen auf häufige Krebsarten, einen kognitiven Test, dazu die einfachen Werte wie Größe, Gewicht und Blutdruck. Kuhlman sagt auch, dass die Sorge um die körperliche Verfassung des Präsidenten wohl so hoch sei wie nie zuvor und dass das fortgeschrittene Alter dabei die Sorge Nummer eins darstelle.

Diese Sorge ist keine Erfindung politischer Gegner. Eine Umfrage von Washington Post, ABC News und Ipsos aus dem April ergab, dass weniger als die Hälfte der erwachsenen Amerikaner Trump die geistige Schärfe oder die körperliche Gesundheit zutraut, das Amt wirksam auszuüben. Das ist kein Randergebnis, das ist eine Mehrheit, die zweifelt. Und es passt zu Bildern, die sich nicht wegreden lassen. Trump trägt bei öffentlichen Auftritten oft Make-up, um blaue Flecken an den Händen zu verdecken, was das Weiße Haus mit häufigem Händeschütteln und der regelmäßigen Einnahme von Aspirin erklärt. Er wirkte bei Sitzungen mehrfach müde und hielt die Augen über längere Zeit geschlossen, auch wenn er bestreitet, eingeschlafen zu sein. Im Juli wurde bei ihm eine chronische Venenschwäche diagnostiziert, eine bei älteren Menschen verbreitete Erkrankung, bei der sich das Blut in den Venen staut. Fotos zeigen den Präsidenten mit geschwollenen Füßen, Knöcheln und Waden.

Bemerkenswert ist der Widerspruch, in dem Trump sich selbst bewegt. Auf der einen Seite erklärt er, er fühle sich so gut wie vor fünfzig Jahren, und scherzt über seine Vorliebe für Fast Food und sein knappes Sportprogramm. Auf der anderen Seite ist er so empfindlich gegenüber dem Thema Alter, dass er nach eigener Aussage besonders vorsichtig die Treppe der Air Force One hinuntersteigt, nur um keine Schlagzeile über einen Stolperer zu produzieren. Ein Mann, der sich kerngesund fühlt, müsste nicht jeden Schritt vor laufenden Kameras kalkulieren. Trump prahlt zudem gern damit, kognitive Tests mit Bestnote bestanden zu haben, während er Joe Biden für genau solche Fragen über Jahre verspottet hat. Seine Ärzte berichteten 2018 und 2025 von einem Ergebnis von dreißig von dreißig Punkten im Montreal Cognitive Assessment, einem Test, der unter anderem dazu dient, Demenz und kognitive Einschränkungen aufzuspüren.

Doch genau hier wird es unbequem. Im vergangenen Monat veröffentlichten mehr als dreißig Neurologen, Psychiater und andere medizinische Fachleute eine Erklärung, in der sie Trump für geistig ungeeignet für das Amt erklärten und vor einem zunehmend gefährlichen Verfall seines Verhaltens warnten. Sie stützten sich dabei auf das, was sie objektiv beobachtbare Anzeichen ernster medizinischer Bedenken nannten, und räumten zugleich offen ein, ihn nie selbst untersucht zu haben. Das Weiße Haus reagierte erwartbar scharf. Sprecher Ingle warf den Fachleuten vor, mit Ferndiagnosen und falscher Spekulation aus politischen Gründen ihren eigenen hippokratischen Eid zu brechen. Es ist ein Vorwurf, der nur so lange trägt, wie die Gegenseite keine vollständigen Unterlagen vorlegt. Genau das aber geschieht nicht.

Donald Trump auf dem Weg zum Gesundheitscheck, der natürlich wieder perfect war, beautiful, die reinste Sternstunde der Medizin – ein Wunder, das pünktlich alle sechs Monate geschieht und nie ein einziges Blatt Papier hinterlässt.

Trumps erster Gesundheitsbericht in seiner zweiten Amtszeit erschien im April vergangenen Jahres. Nach seiner letzten öffentlich bekannten Untersuchung im Oktober, die als routinemäßige Nachkontrolle beschrieben wurde, gab sein Arzt eine einseitige Zusammenfassung heraus, in der von außergewöhnlicher Gesundheit die Rede war, ohne dass viele konkrete Werte genannt wurden. Eine Seite. Außergewöhnliche Gesundheit. Mehr nicht. S. Jay Olshansky von der University of Illinois in Chicago, der die Gesundheit früherer Präsidenten erforscht hat, sagt, die Häufigkeit der Untersuchungen sei für einen Mann in Trumps Alter durchaus normal und Teil einer sinnvollen Strategie, Probleme früh zu erkennen. Aber er sagt eben auch den entscheidenden Satz: Die Öffentlichkeit verdiene mehr als Zusammenfassungen des Weißen Hauses, die womöglich redaktioneller Auswahl unterliegen. Vollständige, ungeschwärzte Unterlagen gehörten offengelegt. Nichts solle verborgen werden.

Nichts solle verborgen werden. Das ist der Maßstab, und an diesem Maßstab gemessen bleibt von Trumps Wort perfekt wenig übrig. Perfekt ist kein medizinischer Befund, perfekt ist eine Schlagzeile. Es ist erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit ein Mann von bald achtzig Jahren, mit geschwollenen Beinen, verdeckten Blutergüssen und einer diagnostizierten Venenschwäche, sich der Öffentlichkeit als rundum makellos präsentiert, und es ist fast noch erstaunlicher, dass er erwartet, dass man es ihm glaubt.

Vielleicht ist das die eigentliche Nachricht dieses Tages. Nicht der Gesundheitszustand des Präsidenten, den niemand wirklich kennt, sondern die Beiläufigkeit, mit der ein Land hingenommen hat, dass sein mächtigster Mann selbst entscheidet, was es über ihn erfahren darf. Drei Stunden in Walter Reed, ein Wort in den sozialen Medien, und der Fall ist erledigt. Kaum zu glauben, ja. Aber kaum zu glauben ist bei diesem Präsidenten längst der Normalzustand.

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