Lange standen russische Raketen für etwas, das weit größer sein sollte als Wirtschaft und Markenlogos. Sie transportierten Satelliten, wissenschaftliche Projekte und die Vorstellung einer Raumfahrt, die einst als Stolz eines Staates verkauft wurde. Jetzt tragen dieselben Trägerraketen plötzlich Werbung für Banken, Restaurants und Medienunternehmen. Seit Anfang 2026 hat Roskosmos begonnen, Werbeflächen auf Raketen zu vermarkten und damit aus dem Weg ins All ein neues Geschäftsfeld gemacht.

Nach Angaben der staatlichen Raumfahrtgesellschaft wurden seit Jahresbeginn bereits sechs Werbemotive auf Raumfahrttechnik angebracht. Vier davon waren kommerzielle Kampagnen. Zu den ersten Kunden gehören die Bank PSB, die Restaurantkette Kofemania, die Russische Mediengruppe sowie das Russische Olympische Komitee. Zwei weitere Platzierungen entfielen auf soziale Werbung und zeigten Symbole zum 65. Jahrestag des Fluges von Juri Gagarin, des ersten Menschen im Weltraum.
Insgesamt fanden seit Beginn des Jahres vier Raketenstarts vom Weltraumbahnhof Baikonur statt. Im April nutzte die Russische Mediengruppe eine Sojus-2.1a-Trägerrakete mit dem Versorgungsschiff Progress MS-34, um das überarbeitete Logo des Fernsehsenders RU.TV auf der Rakete zu platzieren. Nach Angaben von Alla Wolodina, stellvertretende Generaldirektorin der Mediengruppe für Marketing und strategische Kommunikation, war dies Teil einer gezielten Kampagne. Auch Kofemania griff auf die neue Werbemöglichkeit zurück und verband sie mit einem gemeinsamen Projekt mit Roskosmos im Vorfeld einer Weltraumwoche.

Die rechtliche Grundlage dafür existiert erst seit wenigen Monaten. Am 1. Januar 2026 traten Änderungen im russischen Recht in Kraft, die Roskosmos ausdrücklich erlauben, Werbung auf Raketen und anderen Objekten der Raumfahrt zu verkaufen. Gleichzeitig wurde ein System zur Preisberechnung festgelegt. Grundlage dafür ist eine Basiseinheit, die Roskosmos selbst bestimmt. Hinzu kommen Faktoren wie die Größe der Werbefläche, die Größe der Außenfläche des jeweiligen Raumfahrtobjekts und die Dauer der Werbekampagne.
Für bestimmte Inhalte gelten Sonderregeln. Werbung mit wissenschaftlichem, aufklärendem oder bildungsbezogenem Charakter sowie Projekte zur Förderung der Raumfahrt sollen kostenlos bleiben. Die staatliche Seite argumentiert, dass damit wichtige gesellschaftliche Inhalte nicht durch wirtschaftliche Interessen verdrängt werden.
Wie hoch die Einnahmen tatsächlich ausfallen, bleibt unklar. Roskosmos selbst nennt keine konkreten Zahlen. In den Unterlagen zu den Gesetzesänderungen wurde allerdings davon ausgegangen, dass Werbung auf Raumfahrttechnik jährlich bis zu 200 Millionen Rubel einbringen könnte. Menschen aus dem Umfeld der Staatsgesellschaft sprechen inzwischen sogar von mehreren hundert Millionen Rubel aus Werbeverträgen. Gleichzeitig wächst der Werbemarkt in Russland weiter. Daten aus der Branche zeigen, dass insbesondere Werbung außerhalb klassischer Medien deutlich zugelegt hat. Agenturen berichten bereits über zunehmendes Interesse ihrer Kunden an vergleichbaren Projekten.
Bemerkenswert ist am Ende weniger die Summe als das Bild selbst. Raketen galten einmal als technische Werkzeuge eines Staates und als Symbol wissenschaftlicher Reichweite. Heute steigen neben Fracht und Technik auch Markenlogos auf. Selbst der Himmel scheint inzwischen Platz für Werbeverträge zu haben.
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Das Trump noch nicht auf die Idee gekommen ist 🤣🤣🤣
Und Putin kann auch Kapitalismus… wenn es ihm nutzt.