Donald Trump sprach bereits von einem „sehr großen Angriff“. Nach seinen eigenen Worten war die Entscheidung im Grunde gefallen. Die Vorbereitungen liefen. Militärische Optionen lagen auf dem Tisch. Ein neuer Schlag gegen den Iran sollte folgen. Dann änderte sich die Lage erneut. Am Montag erklärte Trump, er habe eine neue Angriffswelle gegen den Iran autorisiert, diese jedoch vorerst ausgesetzt. Der Grund dafür sei eine Bitte aus der Golfregion gewesen. Die Staatschefs von Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten ihn aufgefordert, den Angriff noch zwei oder drei Tage zurückzustellen. Sie glaubten, einer Vereinbarung mit dem Iran näher zu kommen.
Trump bezeichnete die Entwicklung als positiv, blieb gleichzeitig aber vorsichtig. Man habe schon früher Situationen erlebt, in denen eine Einigung greifbar erschien und am Ende doch scheiterte. Diesmal fühle es sich jedoch anders an.
Parallel dazu veröffentlichte Trump eine Botschaft in sozialen Netzwerken, in der er erklärte, er habe seinen militärischen Beratern mitgeteilt, den für Dienstag vorgesehenen Angriff nicht umzusetzen. Gleichzeitig wies er sie jedoch an, sich auf einen „vollständigen groß angelegten Angriff auf den Iran“ vorzubereiten, falls kein „akzeptabler Deal“ zustande komme.

Die Situation wirkt dadurch widersprüchlich. Einerseits spricht das Weiße Haus von Diplomatie und Verhandlungen. Andererseits laufen gleichzeitig Vorbereitungen für einen möglichen neuen Kriegsschritt weiter. Der Angriff wurde nicht abgesagt. Er wurde verschoben. Seit Wochen bewegt sich Trump zwischen Drohungen und neuen Fristen. Über längere Zeit hatte er öffentlich erklärt, militärische Schläge gegen den Iran wieder aufnehmen zu wollen. Seine Geduld sei erschöpft. Gleichzeitig wächst aber die Belastung durch einen Konflikt, der ursprünglich deutlich kürzer ausfallen sollte. Trump hatte erklärt, der Krieg könne innerhalb von sechs Wochen beendet werden. Inzwischen dauert der Konflikt bereits mehr als zwei Monate an.
Amerikanische Militärvertreter erklären inzwischen offen, dass sich der Iran widerstandsfähiger gezeigt habe als ursprünglich erwartet. Trotz intensiver Angriffe sei die Fähigkeit des Landes erhalten geblieben, regionalen Schaden anzurichten und Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu erzeugen.

Während der Waffenruhe habe Teheran die Zeit genutzt, um zerstörte Raketenstellungen wieder freizulegen. Mobile Abschusssysteme seien verlagert worden. Taktiken seien verändert worden. Nach Angaben eines amerikanischen Militärvertreters seien viele iranische Raketen tief in unterirdischen Anlagen stationiert gewesen, die in Granitgebirge hineingebaut wurden und nur schwer zu zerstören seien.
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Amerikanische Angriffe hätten deshalb vielfach Eingänge und Zugänge bombardiert und zum Einsturz gebracht, die eigentlichen Anlagen jedoch nicht immer vollständig zerstört. Nach Angaben des Militärs habe der Iran inzwischen eine erhebliche Zahl dieser Standorte wieder freigelegt. Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der innerhalb militärischer Kreise zunehmend Sorgen auslöst. Nach Angaben eines amerikanischen Vertreters hätten iranische Kommandeure möglicherweise mit russischer Unterstützung Flugbewegungen amerikanischer Kampfjets und Bomber analysiert.
Besonders aufmerksam wird auf Vorfälle der vergangenen Wochen geschaut. Der Abschuss einer F-15E im vergangenen Monat sowie Beschädigungen an einer F-35 hätten laut Militärkreisen gezeigt, dass amerikanische Flugmuster möglicherweise zu vorhersehbar geworden seien. Genau das könne die Verteidigungsfähigkeit des Iran verbessern.
Noch schwerer dürfte für Washington allerdings eine andere Entwicklung wiegen. Fünf Wochen intensiver Bombardierungen könnten zwar iranische Führungsfiguren und Kommandeure ausgeschaltet haben. Nach Einschätzung amerikanischer Militärvertreter sei gleichzeitig aber ein Gegner entstanden, der härter geworden sei und sich angepasst habe.

Der Iran habe verbleibende Waffen neu verteilt und innerhalb der eigenen Strukturen offenbar die Überzeugung gestärkt, amerikanischem Druck standhalten zu können. Genannt werden dabei mehrere mögliche Szenarien. Eine Blockade der Straße von Hormus. Angriffe auf Energieanlagen in benachbarten Golfstaaten. Bedrohungen amerikanischer Flugzeuge und militärischer Einrichtungen.
Gleichzeitig wächst auch im eigenen Land der politische Druck auf Trump. Ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung halten den Krieg gegen den Iran für die falsche Entscheidung. Viele äußerten vor allem Unzufriedenheit über die wirtschaftlichen Folgen und die steigenden Kosten des Konflikts. Trump hält trotzdem an einer zentralen Forderung fest. Jede mögliche Vereinbarung müsse verhindern, dass der Iran Atomwaffen erhält. Genau dieser Punkt gehört allerdings seit Monaten zu den größten Streitpunkten zwischen beiden Staaten. Mehrere Vorschläge wurden bereits verworfen.
Jetzt stehen erneut wenige Tage im Raum. Wieder geht es um Zeit. Wieder um Verhandlungen. Wieder um die Frage, ob aus Drohungen tatsächliche Befehle werden.
Der Angriff wurde vorerst gestoppt. Die Vorbereitungen offenbar nicht.
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