Hunderttausende auf der Straße – ein landesweiter Protest gegen ICE eskaliert

VonRainer Hofmann

Januar 31, 2026
Los Angeles

In Städten quer durch die Vereinigten Staaten sind am Freitag hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, um ein Ende der brutalen Abschiebepolitik der Trump-Regierung zu fordern und den Abzug der Bundesbehörden aus Minnesota zu verlangen. Auslöser sind die tödlichen Schüsse auf Renee Good und Alex Pretti, zwei US-Bürger, die im Umfeld von ICE-Einsätzen ums Leben kamen. Was als regionaler Aufschrei begann, hat sich zu einem landesweiten Aktionstag ausgeweitet, getragen von Studierenden, Nachbarschaften, Gewerkschaften und lokalen Initiativen.

Tuscon
Chicago
New York City

Der Protest folgte einem klaren Aufruf: kein Arbeiten, keine Schule, kein Konsum. In Philadelphia, New York, Boise, Tuscon, Chicago, Washington, Knoxville, Columbus und zahlreichen weiteren Städten versammelten sich Menschen vor Rathäusern, Gerichten und Parlamenten. In mehreren Bundesstaaten verließen Schülerinnen und Schüler ihre Klassenräume, Universitäten erlebten organisierte Walkouts. In Minnesota schlossen Geschäfte, andere blieben bewusst geöffnet, spendeten ihre Einnahmen oder boten Schutzräume und Versorgung an. Der Protest griff damit direkt in den Alltag ein und entzog sich der bloßen Symbolik.

San Francisco

Besonders sichtbar war die Mobilisierung an der US-Westküste. In San Francisco, Oakland und Los Angeles füllten Demonstrierende ganze Straßenzüge. Am Abend eskalierte die Lage in Los Angeles, als es vor einem Bundesgebäude zu Zusammenstößen kam. Flaschen flogen, Parolen wurden an die Wände gesprüht, Sicherheitskräfte setzten Reizstoffe ein. Das Metropolitan Detention Center, ein von ICE genutzter Haftort, wurde erneut zum Brennpunkt. Videos zeigen Barrikaden, umgestoßene Strukturen und eine angespannte Situation, die deutlich macht, wie sehr sich Wut und Ohnmacht aufgeladen haben.

Los Angeles und Portland
Los Angeles
Los Angeles

Im Zentrum der Proteste steht Minnesota. Dort hatten bereits in der Vorwoche zehntausende Menschen trotz eisiger Temperaturen demonstriert. Studierende der University of Minnesota, organisiert in einem breiten Bündnis schwarzer, somalischer, liberianischer, äthiopischer und eritreischer Gruppen sowie der Graduiertengewerkschaft, treiben die Bewegung voran. Ihr Ziel ist klar formuliert: ICE soll die Stadt verlassen. Wirtschaftlicher Druck, Streiks und Boykotte werden bewusst als Mittel eingesetzt, um politische Konsequenzen zu erzwingen.

Minneapolis

Die Namen der Toten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Reden und Transparente. Neben Renee Good und Alex Pretti werden Keith Porter in Los Angeles und Silverio Villegas González in Illinois genannt. Angehörige und Nachbarn haben sich mit den Studierenden solidarisiert. Dieser Proteste entstehen nicht aus Theorie, sondern aus realem Leid.

Washington D.C.

Parallel dazu gerät die Bundesregierung unter zusätzlichen Druck. Während der Protesttag lief, rangen Demokraten und einzelne Republikaner im Senat um einen Haushaltskompromiss. Die Finanzierung des Heimatschutzministeriums soll begrenzt werden, um Reformen durchzusetzen, darunter ein Maskenverbot für Einsatzkräfte und strengere Vorgaben für Durchsuchungen und Festnahmen. Am Montag muss das Repräsentantenhaus entscheiden, ob ein längerer Shutdown verhindert wird.

Was sich an diesem Freitag gezeigt hat, ist mehr als ein einmaliger Aktionstag. Die Proteste verbinden lokale Wut mit nationaler Organisation, Alltagsverweigerung mit politischer Forderung. Wir werden die Entwicklungen am Wochenende weiterverfolgen und gegebenenfalls live begleiten. Das hängt auch leicht von laufenden ICE-Verfahren ab, da auch am Samstag Anhörungen sind.

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Silvia
Silvia
1 Monat zuvor

Entsetzlich, was in diesem Land abgeht, tagtäglich wird das Leid der Bürger unfassbarer – und sie sind trotz allen mutigen Protesten/Demos immer noch machtlos gegenüber der von DT gezielt gewollten DOJ-ICE-Gewalt. Naive Frage: Hat der Supreme Court denn absolut keine Macht/Möglichkeit (trotz republikanischer Mehrheit), das DOJ zu zwingen, die im ganzen Land schon stattfindenden und die von der eiskalten, lügenden Christie Noem noch geplanten ICE-Einsätze einzustellen??? Es kann doch nicht im Sinn des Obersten Gerichts der USA sein, dass das eigene Land systematisch vor die Hunde geht? Resp. das eigene Volk (MAGA-Freaks ausgenommen) nur noch in Angst lebt?

bahe
bahe
1 Monat zuvor

Ich fürchte, dass gibt Trump und seinen Republikanern die Handhabe, die Midterms abzusagen und das Militär einzusetzen. Entscheidungen irgendwelcher Gerichte werden sie nicht aufhalten. Meine Gedanken sind bei den mutigen Menschen, die dort jeden Tag auf die Strasse gehen.

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Monat zuvor

Leider hat es ja schon in der Vergangenheit Ausschreitungen in LA bei Protesten gegeben.
Ich hoffe, dass Trump das nicht nutzt um erneut die Nationalgarde nach Kalifornien zu schicken.

Für MAGA sind das natürlich die Bilder, die ihre Meinung über die „irren, kriminellen, linken gewalttätigen Demonstranten“ befeuern.

Das 95% aller Proteste friedlich sind und da von ICE eskaliert wird (Minnesota), dass passt nicht ins Bild.

Die Demonstrationen werden lächerlich gemacht. Die Mär von den bezahlten Demonstranten geht wieder um.
Die Anzahl der Demonstrierenden wird in Relation zur Bevölkerung gesetzt … es sind ja nur paar unverbesserliche woke Linke, die anstatt arbeiten zu gehen, auf der Strasse demonstrieren.

Ich vermisse ganz klar die Unterstützung durch die demokratischen Abgeordneten.
Wo sind die?
Ihre Bevölkerung steht auf und sie hocken auf ihren Sofas und geben das eine oder andere (kritische) Interview.

Auch die Celebraties sind in der Mehrheit sehr schweigsam.
Das gilt auch für die Sportwelt.
Die retten wohl Alle lieber den eigenen Hintern und vor allem die eigenen Finanzen.

Meine Gedanken sind bei Euch, Rainer.
Und bei all den mutigen Menschen, die sich auflehnen. Obwohl sie sich damit selber gefährden.

Ich hoffe, dass es friedlich bleibt, damit es Trump nicht in die Hände spielt.

Passt auf Euch auf!

Patricia
Patricia
1 Monat zuvor

Großartig, mutig. Von Mal zu Mal werden es mehr und immer mehr prominente Unterstützer. Hoffentlich gelingt es, größere Eskalationen zu vermeiden. Möge diese Bewegung weiter friedlich Kreise ziehen und notfalls das Land solange lahmlegen, bis diese korrupte, inkompetente, faschistische Regierungsgang ihre Ämter verlassen muss. Zu hoffen, dass sie später vor Gerichten für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden, für ihre Brutalität, für die wirtschaftlichen Folgen und individuelle Bedrohungen und internationale Discreditierung Amerikas ist möglicherweise zu viel Optimismus. Aber es bleibt zu hoffen, dass sie nicht ungeschoren davonkommen.

Patricia
Patricia
1 Monat zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Und es ist beängstigend. Gut schlafen fällt schwer. Gefühlt hat Kanada die einzige Regierung, die nicht paralysiert ist oder heimlich liebäugelt, So also war das in den 1930ern in Deutschland. Möge sich die Geschichte bitte nicht 1:1 wiederholen.

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