Putins Angst bekommt Betonfundamente: Über 50 Flugabwehrstellungen schützen seine Residenz, Moskau hat gerade einmal doppelt so viele

Rund um Wladimir Putins Residenz am Waldai-See wächst ein militärischer Schutzwall, dessen Ausmaße inzwischen mehr über die Prioritäten des Kremls erzählen als manche seiner Reden. Weitere 16 Türme für die Flugabwehr wurden im Umkreis von 50 Kilometern errichtet. Damit steigt die Zahl der Stellungen auf über 50. Moskau und sein Umland, wo mehr als 20 Millionen Menschen leben, werden von etwa 100 vergleichbaren Stellungen geschützt. In der Gegend um Waldai leben weniger als 100.000 Menschen. Während Russland ukrainische Städte mit Drohnen und Raketen angreift, bekommt die private Zuflucht seines Präsidenten eine Luftverteidigung, deren Umfang inzwischen etwa die Hälfte der Hauptstadt erreicht. Für Millionen Moskauer stehen rechnerisch kaum doppelt so viele dieser Stellungen bereit wie für den Mann, der den Krieg begonnen hat.
Die neuen Anlagen bilden einen äußeren Schutzring südlich der Residenz, also in Richtung Ukraine. Satellitenaufnahmen zeigen, wie systematisch die russischen Streitkräfte das Gelände abschirmen. Der Ring verläuft über den Militärflugplatz Chotilowo, den Putin regelmäßig nutzt. Von dort führt eine eigens angelegte Eisenbahnstrecke zu seiner Residenz. Auch die Insel Lisij liegt innerhalb dieses militärisch gesicherten Gebiets. Dort befindet sich ein geheimer Laborkomplex, der möglicherweise mit Russlands biologischem Waffenprogramm zusammenhängt. Bereits im September entstanden an dessen Umgebung weitere Flugabwehrtürme. Auf den neuen Stellungen dürften Systeme vom Typ Panzir oder Tor installiert werden. Ob alle bereits bewaffnet und einsatzbereit sind, geht aus den Satellitenbildern nicht hervor. Weitere Anlagen im nördlichen Teil des Schutzrings könnten noch folgen.
Im Dezember 2025 behauptete das russische Verteidigungsministerium, ukrainische Drohnen hätten versucht, Putins Residenz anzugreifen. Der Kremlchef trug die Anschuldigung persönlich Donald Trump vor, sprach von einem „Akt des Staatsterrorismus“ und drohte, seine Haltung zu Verhandlungen mit der Ukraine zu überdenken. Wolodymyr Selenskyj wies die Darstellung zurück. Auch unabhängige Fachleute und der amerikanische Auslandsgeheimdienst bezweifelten einen solchen Angriff. Selenskyj sah in den Anschuldigungen einen Versuch, Friedensgespräche zu behindern. Auf Waldai hält sich nach Recherchen zudem Putins langjährige Lebensgefährtin Alina Kabajewa mit den beiden gemeinsamen Söhnen auf. Während russische Familien ihre Angehörigen im Krieg verlieren und ukrainische Zivilisten unter Beschuss leben, wächst um diesen abgeschirmten Familiensitz ein militärischer Festungsring. Die politische Rangordnung lässt sich inzwischen auf Satellitenbildern ablesen. Über 50 Stellungen für Waldai. Etwa 100 für Moskau. Der Kriegstreiber sorgt dafür, dass sein eigenes Dach besonders gut geschützt wird.
Putin will mit Trump und Xi über die Ukraine verhandeln – das überfallene Land soll vor der Tür bleiben

Wladimir Putin lässt die Ukraine bombardieren und bereitet gleichzeitig Gespräche über deren Zukunft vor, bei denen die ukrainische Regierung womöglich gar nicht mitreden darf. Nach dem 4. November will Moskau die Verhandlungen mit Washington und Kiew wieder aufnehmen. Kremlberater Juri Uschakow kündigte dies am 25. Oktober 2026 an. Einen verbindlichen Termin gibt es nicht. Abu Dhabi gilt als möglicher Verhandlungsort, Mitte November als ungefährer Zeitpunkt. Zugleich lässt Putin ein weiteres Treffen vorbereiten, diesmal mit Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping. Der Gipfel könnte am 18. oder 19. November im chinesischen Shenzhen stattfinden. Dabei steht auch die Zukunft der Ukraine zur Debatte, allerdings ohne Wolodymyr Selenskyj. Der Kreml möchte offenbar mit 2 anderen Großmächten über die Bedingungen eines Kriegsendes sprechen, während das Land, dessen Städte Russland zerstört und dessen Menschen russische Soldaten töten, keinen Platz am Tisch erhält. Eine bemerkenswerte Vorstellung politischer Zuständigkeit: Der Angreifer sucht sich seine Gesprächspartner aus und behandelt den Überfallenen wie einen lästigen Beteiligten, dessen Anwesenheit die Verhandlungen nur erschweren würde.
Am 21. Oktober empfing Putin den amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff in Sankt Petersburg. Witkoff überbrachte Vorschläge für eine Friedensregelung, die nach Beratungen mit ukrainischen und europäischen Vertretern in Oslo ausgearbeitet worden waren. Uschakow ließ wissen, dass Moskau daran wenig Brauchbares finde. Die Ukraine unterstützte dagegen die amerikanische Initiative und schlug ein Treffen der Staatschefs vor, um bislang ungelöste Fragen unmittelbar zu klären. Der Kreml beschuldigt Kiew inzwischen, frühere Absprachen zur Wiederaufnahme der Gespräche verhindert zu haben. Belege für diese Schuldzuweisung lieferte Uschakow nicht. Ursprünglich hatte Russland nach den Dumawahlen vom 18. bis 20. September weiterverhandeln wollen, nun soll der russische Nationalfeiertag am 4. November abgewartet werden. Mit einem raschen Friedensschluss rechne Moskau ohnehin nicht, ließ Uschakow wissen. Die erste Gesprächsrunde werde lediglich dem gegenseitigen Abtasten dienen. Bereits im Januar und Februar wurde zweimal in Abu Dhabi und anschließend in Genf verhandelt. Kein einziges dieser Treffen beendete die russischen Angriffe. Weitere Gespräche im März wurden nach Beginn des amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran verschoben.
Noch gefährlicher ist die Idee eines Gipfels zwischen Putin, Trump und Xi. Nach bisherigen Berichten schlug Putin selbst vor, bei einem solchen Treffen über die Bedingungen zur Beendigung des Ukrainekrieges zu sprechen. Selenskyj wäre nicht dabei. Trump zeigte sich grundsätzlich offen, verwies allerdings vor allem auf nukleare Abrüstung als mögliches Thema. Eine verbindliche Tagesordnung existiert bislang ebenso wenig wie eine feste Vereinbarung über das Treffen. Selenskyj stellte unmissverständlich klar, dass Russland, die USA und China miteinander sprechen könnten, Entscheidungen über die Ukraine jedoch nur unter Beteiligung Kiews getroffen werden dürften. Außenminister Andrij Sybiha warnte davor, Putin durch einen solchen Gipfel zusätzliche politische Möglichkeiten zu verschaffen, während seine Armee weiter Krieg führe. Bei den Gesprächen zwischen Putin und Witkoff ging es unterdessen bereits um eine Wiederaufnahme wirtschaftlicher Zusammenarbeit, darunter russischer Dieselkraftstoff und Düngemittel. Während ukrainische Familien Angehörige begraben und russische Raketen Wohnhäuser treffen, wird über Geschäfte mit dem Staat gesprochen, der diese Angriffe führt. Putin möchte über Frieden reden, ohne die politische Verantwortung für den Krieg anzuerkennen, den er begonnen hat. Er möchte mit Trump und Xi über ein Land verhandeln, das ihm nicht gehört. Sollte Washington sich darauf einlassen, würden ausgerechnet die Verantwortlichen für die russische Aggression und deren mächtigste ausländische Gesprächspartner darüber beraten, welche Zukunft der Ukraine zugestanden wird. Der Überfallene dürfte anschließend erfahren, was man für ihn beschlossen hat. Für Putin wäre das eine diplomatische Aufwertung seines Angriffskrieges. Für die Ukraine käme zur russischen Gewalt die politische Demütigung hinzu, dass fremde Präsidenten über ihre Souveränität verhandeln, während ihre Bürger weiter sterben.
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