Iran hat Zeit gewonnen – aber keinen Frieden!

In Teheran wird gefeiert. Staatsnahe Medien sprechen von einer großen Niederlage der USA und zeigen ein Land, das nach Wochen schwerer Angriffe noch steht. Die Führung tritt selbstbewusst auf, verweist auf die Wiederaufnahme der Ölexporte und darauf, dass die Islamische Republik trotz Krieg, Protesten und internationalem Druck nicht zusammengebrochen ist. Doch hinter dieser Erzählung liegt ein Land, das beschädigt aus den vergangenen Monaten hervorgeht und dessen schwierigste Phase möglicherweise erst beginnt. Das Übergangsabkommen mit den USA verschafft Iran zunächst Luft. Amerikanische Ausnahmen ermöglichen wieder den Export iranischen Rohöls. Mehrere staatliche Tanker haben bereits abgelegt. Innerhalb weniger Tage wurden nach Marktangaben rund 18 Millionen Barrel exportiert. Der Gegenwert liegt bei mehr als einer Milliarde Dollar. Weitere Schiffe könnten folgen. Der Ölpreis ist seit dem Abkommen deutlich gefallen. Für Teheran ist das ein dringend benötigter Geldstrom, denn jahrelang war das Land auf eine Schattenflotte und Verkäufe mit Abschlägen angewiesen.
Doch Geld allein beseitigt nicht die Schäden. Nach dem Ende der langen Internetsperre veröffentlichten Iraner Bilder leerer Kühlschränke. Viele Familien kämpfen mit Preisen, die nicht mehr zu ihren Einkommen passen. Der Rial ist in den vergangenen Jahren dramatisch gefallen und liegt inzwischen bei mehr als 1,5 Millionen pro Dollar. Schätzungen zufolge könnten im Zusammenhang mit Krieg und Internetsperre mindestens eine Million Arbeitsplätze verloren gegangen sein.
Gleichzeitig wächst der politische Druck. Das Abkommen sieht vor, dass Iran sein hoch angereichertes Uran verdünnt. Genau das sorgt bereits für Kritik aus den eigenen Reihen. Hardliner werfen der Führung vor, eines ihrer wichtigsten Druckmittel preiszugeben. Die USA verlangen zusätzlich ein Ende der Urananreicherung insgesamt – etwas, das Teheran seit Jahrzehnten ablehnt. Auch außenpolitisch bleibt die Lage offen. Die geplanten Gespräche zwischen Iran und den USA in der Schweiz wurden verschoben, nachdem die Kämpfe im Süden des Libanon wieder zunahmen. Israel kündigte an, weiter gegen die Hisbollah vorzugehen. Teheran macht deutlich, dass ein dauerhaftes Ende des Krieges aus iranischer Sicht untrennbar mit dem Libanon verbunden ist. Gleichzeitig wurde die Reise von US-Vizepräsident JD Vance abgesagt.
Im Inneren versucht die Führung Stärke zu zeigen. Nach dem Tod von Ali Khamenei und weiteren Spitzenvertretern bei den Angriffen Ende Februar steht nun Mojtaba Khamenei an der Spitze. Öffentliche Kundgebungen laufen nahezu ohne Unterbrechung. Die Botschaft lautet: Der Staat lebt. Die größere Frage ist jedoch nicht, ob Iran überlebt hat. Die größere Frage ist, ob das Land aus dieser Atempause genug machen kann, bevor die nächste Rechnung fällig wird.
Europa heizt sich auf – und viele Häuser stammen aus einer anderen Zeit

Der Sommer hat in Teilen Europas nicht langsam begonnen. Er drückt. Wetterdienste warnen vor ungewöhnlich hohen Temperaturen in weiten Teilen Westeuropas, die sich über das Wochenende hinaus bis in die neue Woche ziehen sollen. In Deutschland und der Schweiz wurden bereits Warnungen vor extremer Hitze ausgegeben. In der Nordschweiz werden Temperaturen von bis zu 37 Grad erwartet. In Großbritannien gilt für den Süden Englands einschließlich London sowie Teile von Wales die zweithöchste Hitzewarnstufe. Dort werden zu Wochenbeginn Werte um 34 Grad erwartet.
Auch Frankreich, Italien und Spanien stehen vor Tagen, die deutlich über dem liegen, was für Mitte Juni üblich ist. In Frankreich wurde die Marke von 40 Grad in diesem Jahr bereits überschritten. Nach einer kurzen Entlastung am Samstag könnten Sonntag und Montag zu den heißesten Tagen werden, die für diesen Zeitpunkt des Jahres jemals gemessen wurden. Ausgelöst wird die Lage durch ein stabiles Hochdruckgebiet über dem europäischen Festland, das die Wärme festhält und weiter aufbaut.
Doch die Temperaturen allein erzählen nicht die ganze Geschichte. Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Schon 2025 lag fast der gesamte Kontinent über den üblichen Werten. In den vergangenen Jahren wurden zehntausende hitzebedingte Todesfälle pro Jahr geschätzt. Gleichzeitig zeigt sich ein Problem, das nicht in Wetterkarten sichtbar wird. Viele Häuser, Schulen und Büros Europas wurden für ein anderes Klima gebaut. In Großbritannien entstanden zahlreiche Gebäude mit dem Ziel, Wärme möglichst lange zu speichern. Was im Winter sinnvoll war, wird bei langen Hitzephasen zum Problem. Klimaanlagen gelten nicht als einfache Lösung. In Frankreich wird über ihren Ausbau politisch gestritten, in Großbritannien bremsen hohe Energiekosten viele Haushalte aus.
Selbst im Mittelmeerraum, wo Innenhöfe, Fensterläden und helle Fassaden traditionell helfen, wurden viele neuere Gebäude mit Bauweisen errichtet, die Wärme im Inneren festhalten. Die Empfehlungen bleiben einfach: ausreichend trinken, Räume tagsüber abdunkeln, nachts lüften, Ventilatoren nutzen, den Körper mit Wasser kühlen und körperliche Belastung reduzieren. Wer unterwegs ist, soll kühle Orte suchen – Museen, Kirchen, öffentliche Schutzräume oder Trinkwasserstellen. Denn Hitze wirkt oft unspektakulär, bis der Moment kommt, in dem Schwindel, schneller Puls, Übelkeit oder Kopfschmerzen zeigen, dass der Körper längst mehr kämpft, als man dachte.
Durchfahrt nur nach Anmeldung – Iran öffnet Hormus und behält die Hand am Schalter

Die Straße von Hormus ist wieder offen – aber nicht mehr so, wie vor dem Krieg. Irans Verwaltung für die Meerenge verlangt ab sofort von Schiffen, ihre Durchfahrt mindestens 48 Stunden vor Ankunft anzumelden. Die Regel soll während der kommenden 60 Tage gelten – genau für den Zeitraum, in dem die nun gestarteten Verhandlungen mit den USA laufen sollen. Gleichzeitig kündigte Teheran an, in dieser Phase auf Gebühren für die Passage zu verzichten. Betroffen sind Sicherheits-, Versicherungs- und Umweltabgaben. Dafür müssen Kapitäne künftig ihre Route und den geplanten Zeitpunkt der Durchfahrt vorab abstimmen.
Offiziell begründet Iran das mit Sicherheit. In Teilen der Meerenge gebe es weiterhin Minenfelder, zudem müsse der Schiffsverkehr kontrolliert werden. Die Entscheidung kommt nach Monaten, in denen die Wasserstraße faktisch weitgehend stillstand. Nach Kriegsbeginn am 28. Februar und den Angriffen der USA und Israels auf Iran hatten iranische Streitkräfte die Passage praktisch geschlossen. Schifffahrtsbehörden berichteten anschließend über zahlreiche Angriffe auf Schiffe in der Region. Zeitweise wurde die Route zwar kurz wieder geöffnet, doch der Verkehr blieb weit unter dem früheren Niveau. Die neuen Zahlen zeigen, wie empfindlich dieser Seeweg reagiert. Am Donnerstag passierten nach Angaben des Schifffahrtsdienstes AXSMarine 25 Handelsschiffe die Meerenge. Das war der höchste Wert seit Mitte April und mehr als das Fünffache des durchschnittlichen täglichen Verkehrs zu Beginn des Monats. Vor dem Krieg lag der normale Wert bei rund 120 Schiffen pro Tag. Damit entsteht ein ungewöhnliches Bild: Iran verzichtet auf Einnahmen, verlangt gleichzeitig mehr Kontrolle und versucht offenbar, wirtschaftliche Öffnung mit sicherheitspolitischer Kontrolle zu verbinden. Die Meerenge ist wieder offen. Aber niemand fährt mehr einfach durch.
Deutschland: Wohngeld kürzen, Wohnkrise verwalten – und sich dann über 28 Prozent wundern

Die Bundesregierung plant beim Wohngeld einen Einschnitt, der nicht an irgendeiner Stelle des Systems ansetzt, sondern direkt bei den Haushalten, die bereits heute mit hohen Wohnkosten und wenig Spielraum leben. Nach Angaben aus dem Bauministerium soll rund ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte künftig ganz aus dem Anspruch fallen. Betroffen wären vor allem Menschen, die bisher gerade noch innerhalb der Einkommensgrenzen lagen. Bundesbauministerin Verena Hubertz begründet den Schritt mit Krisen, fehlendem Wirtschaftswachstum und Sparzwängen. Bund und Länder müssten zusammen zwei Milliarden Euro einsparen. Statt bisher rund fünf Milliarden Euro jährlich sollen künftig nur noch etwa drei Milliarden ausgegeben werden. Hubertz erklärte selbst, der Schritt sei für sie als Sozialdemokratin schmerzhaft. Die Frage ist nur, bei wem er am Ende tatsächlich schmerzt. Wohngeld ist keine Zusatzleistung für Komfort. Es soll Menschen entlasten, deren Einkommen mit den Wohnkosten nicht mehr Schritt hält. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bezogen 2024 mehr als 1,2 Millionen Haushalte diese Unterstützung. 44 Prozent davon Familien.
In mehr als jedem zweiten Wohngeldhaushalt leben Rentnerinnen und Rentner. Erst Anfang 2023 war mit dem Wohngeld-Plus der Kreis der Berechtigten deutlich erweitert worden. Die politische Begründung damals war einfach: Mieten, Energie und Lebenshaltungskosten hatten viele Haushalte überholt. Jetzt folgt die Gegenbewegung. Bestehende Bescheide sollen zwar zunächst weiterlaufen. Doch nach Ablauf der Bewilligung wird neu beantragt und neu gerechnet. Genau dort entscheidet sich, wer künftig noch als unterstützungswürdig gilt und wer nicht mehr. Die berechtigte Kritik ließ entsprechend nicht lange auf sich warten. Linken-Chefin Ines Schwerdtner wirft der Regierung vor, erneut dort zu kürzen, wo ohnehin kaum Reserven vorhanden seien, während Antworten auf die angespannte Lage am Wohnungsmarkt weiter ausblieben. Anmerken möchten wir, dass zwar viele Forderungen Mieter kurzfristig entlasten, aus unserer Sicht jedoch nicht überzeugend beantworten, wie in kurzer Zeit hunderttausende zusätzliche bezahlbare Wohnungen entstehen sollen. Gleichzeitig haben auch marktnahe Konzepte dieses Problem bislang nicht gelöst. Auch der Abbau der aus unserer Sicht vielfach überzogenen Bürokratie in Deutschland kommt kaum voran, während veraltete Strukturen ihr Übriges dazu beitragen, dass schneller und günstiger Wohnungsbau vielerorts ausgebremst wird.
Gleichzeitig entwickeln sich die politischen Zahlen in eine Richtung, die in Berlin niemand übersehen kann. Im aktuellen Politbarometer liegt die AfD bei 28 Prozent und damit vor CDU und CSU mit 24 Prozent. Andere Umfragen dieser Woche sehen die AfD bereits bei 29 Prozent. Die SPD verbessert sich leicht auf 13 Prozent, die Grünen verlieren und liegen bei 12 Prozent, die Linke bleibt bei 11 Prozent, die FDP würde aktuell nicht in den Bundestag einziehen. Umfragen sind keine Wahl. Aber sie zeigen oft früher als politische Erklärungen, wie Menschen ihre Lage erleben. Wenn Wohnen teurer bleibt, Unterstützung kleiner wird und Sparen zur Antwort auf soziale Belastung erklärt wird, dann entsteht nicht nur Druck im Haushalt. Dann entsteht das Gefühl, dass für vieles Geld da ist, aber ausgerechnet dort enger gerechnet wird, wo die Reserven ohnehin längst aufgebraucht sind.
Recherchen zeigen auf: „Warum gebt ihr nicht einmal fünf Minuten?“ – Vor dem Wehrersatzamt in Pensa versuchten Frauen den Bus zu stoppen

Pensa, eine Stadt mit rund 500.000 Einwohnern etwa 630 Kilometer südöstlich von Moskau, erlebt seit Tagen Berichte über großangelegte Kontrollen und Einberufungsmaßnahmen. Was zunächst über Nachrichtenkanäle und Gespräche in der Stadt verbreitet wurde, erreichte mit Videoaufnahmen eine neue Öffentlichkeit. Vor dem Wehrersatzamt der Bezirke Oktjabrski und Schelesnodoroschny versuchten Frauen die Abfahrt eines Kleinbusses mit Männern zu verhindern. Die Bilder vom 17. Juni sind in der Skladskaja-Straße entstanden. Frauen umringen das Fahrzeug und protestieren lautstark. Eine ruft: Warum gebt ihr nicht einmal fünf Minuten, um sich zu verabschieden? Später wenden sich mehrere direkt an die Männer im Fahrzeug und fragen: Habt ihr alle freiwillig unterschrieben? Hat man euch gezwungen? Eine weitere Frau verlangt eine Erklärung, warum für einen Mann mit gesundheitlichen Problemen kein Rettungswagen gerufen worden sei. Eine erkennbare Antwort erfolgte nicht.
Gleichzeitig kam aus dem Umfeld der Einsatzkräfte die Aussage, man solle zu Gott beten. Als der Kleinbus schließlich anfährt, versuchen Frauen ihn aufzuhalten. Mindestens eine klammert sich an die Motorhaube, kurz darauf folgt eine weitere. Parallel zeigen unsere Recherchen, dass auch aus anderen Teilen der Stadt von solchen Maßnahmen berichtet wird. Einwohner schildern Kontrollen auf Straßen, Überprüfungen militärischer Unterlagen, Einsätze in Linienbussen und Besuche in Wohngebieten. Ein Bewohner berichtete von Kontrollen nahe dem Kino Sowremennik im Zentrum, bei denen Verkehrspolizei, Männer in Sturmhauben und Vertreter des Wehrersatzamts aufgetreten seien. Andere beschrieben vor allem die Stimmung in der Stadt. Menschen würden sich gegenseitig anrufen, Angehörige warnen und Männer bitten, möglichst nicht allein unterwegs zu sein. Die Vorwürfe und Schilderungen sind schwerwiegend, und nicht jede einzelne Darstellung lässt sich unabhängig bestätigen. Journalistische Recherchen in Russland sind nicht einfach und auch nicht ungefährlich. Diese Aufnahmen zeigen jedoch keinen gewöhnlichen Behördentag. Sie zeigen Menschen, die glauben, jemanden gerade zum letzten Mal zu sehen.
Fortsetzung folgt …
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Kaizen möglich machen Mehr erfahren →Erst kein Cent – dann sechs Milliarden? Der Iran-Deal beginnt mit Geld, bevor über Vertrauen gesprochen wird

Nur wenige Tage nach der Unterzeichnung der Vereinbarung zur Beendigung des Krieges verhandeln die USA und Katar bereits über den ersten wirtschaftlichen Schritt – und der hat Gewicht. Nach Berichten soll Iran Zugriff auf zunächst sechs Milliarden Dollar erhalten, die bislang in Katar eingefroren waren. Offiziell nur für humanitäre Güter. Lebensmittel, Medikamente, zivile Einkäufe. Doch politisch geht es um deutlich mehr als Einkäufe. Es wäre das erste sichtbare Geld, das wieder in Bewegung gerät. Insgesamt sollen weltweit rund 100 Milliarden Dollar iranischer Vermögenswerte blockiert sein. In Teheran wird seit Langem darauf gedrängt, einen ersten größeren Teil freizubekommen. Intern ist nach Berichten von bis zu 24 Milliarden Dollar die Rede, die möglichst schnell folgen sollen.
Die sechs Milliarden wären damit nicht das Ziel, sondern der Anfang. Der geplante Mechanismus würde Katar zur Drehscheibe machen. Die iranische Zentralbank würde Käufe auslösen, Katar Zahlungen abwickeln und Washington Sanktionen aussetzen oder Ausnahmen genehmigen. Gleichzeitig ist das alles noch nicht beschlossen. Iran muss zustimmen. Die Verhandlungen laufen. Und genau dort beginnt der Widerspruch. Öffentlich sendet Washington zwei Botschaften gleichzeitig. Im unterschriebenen Abkommen steht, eingefrorene iranische Vermögenswerte wieder nutzbar zu machen. Ein US-Regierungsvertreter erklärte, wirtschaftliche Schritte seien möglich, solange Iran konstruktiv verhandle.
Fast zeitgleich schrieb Mojtaba Chamenei öffentlich, Trump habe die Waffenruhe aus Verzweiflung akzeptiert. Trump reagierte scharf und erklärte, Iran bekomme kein Geld, keinen Cent. Wenige Tage zuvor sagte derselbe Präsident beim Gipfel in Frankreich vor Kameras: Es sei nicht amerikanisches Geld, man habe es eingefroren und werde es irgendwann zurückgeben müssen. Genau dort verläuft die eigentliche Bruchlinie dieser Vereinbarung. Kritiker fragen, warum wirtschaftliche Vorteile schon jetzt vorbereitet werden, obwohl die entscheidenden Streitpunkte nicht gelöst sind. Das Atomprogramm bleibt offen. Die Frage der Urananreicherung bleibt offen. Gleichzeitig fließt bereits wieder Öl, die Straße von Hormus wurde geöffnet und nun wird über eingefrorenes Geld gesprochen. Befürworter halten dagegen, dass genau solche Schritte nötig seien, um einen neuen Krieg zu verhindern und Iran überhaupt an den Verhandlungstisch zu binden. Für Teheran kommt die Debatte nicht zufällig. Inflation, Währungsverfall und wirtschaftlicher Druck haben das Land schwer getroffen. Sechs Milliarden Dollar lösen diese Krise nicht. Aber sie verändern Erwartungen. Und manchmal verändert Geld in Verhandlungen schon etwas, lange bevor es überhaupt ausgegeben wird.
Kaizen-Akten: Der Verbündete, der in Gewahrsam starb

Mohammad Nazeer Paktiawal kämpfte über ein Jahrzehnt an der Seite amerikanischer Soldaten und kam nach Amerika, weil man Afghanen wie ihm Schutz versprochen hatte. Neunzig Tage nach seinem Tod in ICE-Gewahrsam wartet seine Familie noch immer auf eine Erklärung. Mehr als neunzig Tage nach seinem Tod in ICE-Gewahrsam wartet die Familie von Mohammad Nazeer Paktiawal noch immer darauf, dass die Regierung erklärt, was geschehen ist. Er war einundvierzig Jahre alt, Vater von sechs Kindern und ein afghanischer Verbündeter, der über ein Jahrzehnt an der Seite amerikanischer Streitkräfte in Afghanistan gekämpft hatte. Er kam in die Vereinigten Staaten nach langen Jahren des Dienstes neben amerikanischen Soldaten, nachdem das Land jenen Schutz versprochen hatte, die für es eingestanden waren.
Im März nahm ICE ihn in Texas in Gewahrsam. Keine vierundzwanzig Stunden später wurde der Familie mitgeteilt, er sei in einem Krankenhaus in Dallas gestorben. Er wurde vor den Augen seiner Kinder festgenommen, während er sie zur Schule brachte. Die Kinder sahen, wie man ihn fortführte, und ehe ein ganzer Tag vergangen war, kam der Anruf, dass er tot sei. Die Familie sagt, er habe einen Inhalator gebraucht, und seine Frau habe versucht, ihn den festnehmenden Beamten zu reichen, bevor er starb. Da die amtliche Todesursache nicht veröffentlicht wurde, bleibt diese Schilderung eine Forderung der Familie und kein gesicherter ärztlicher Befund. Das Heimatschutzministerium hat die Ursache nicht öffentlich gemacht und erklärt, die Untersuchung dauere an.
Sein Bruder Naseer Paktiawal sagte, die Familie habe lange genug gewartet. Wenn jemand sterbe, sagte er bei einer Pressekonferenz von AfghanEvac, einer Organisation für afghanische Kriegsverbündete, müsse es eine Erklärung geben, müsse es Rechenschaft geben. Monate nach dem Tod weiß die Familie noch immer nicht, was nach der Festnahme geschah, welche ärztliche Hilfe er erhielt, warum er starb, ehe ein voller Tag vergangen war. Recherchen decken bereits jetzt große Widersprüche seitens der Aussage der Homland Security auf. Eine ärztliche Versorgung fand zu keinem Punkt statt. Den für ihn notwendigen Inhalator hatte er nie erhalten. Auch Versuche der Familie, ihm diesen zukommen zu lassen, scheiterten. Das können unsere Recherchen mittlerweile klar belegen.
Wenn der Staat einen Menschen in Gewahrsam nimmt, übernimmt er die Herrschaft über alles, was diesen Menschen am Leben hält, über seine Bewegung und seinen Zugang, über die ärztliche Versorgung und die Sicherheit jeder Stunde. ICE nennt die medizinische Versorgung öffentlich eine vorrangige Aufgabe der Haft. Die Familie sagt, die Hilfe, die er brauchte, habe ihn nicht erreicht, ehe er in der Obhut des Staates starb. Zwischen dem sauberen Wort und dem toten Mann liegt die ganze Frage.
Fürsprecher nennen das Ausbleiben jeder Antwort einen Verrat an Verbündeten, die neben amerikanischen Soldaten gekämpft hatten und denen Sicherheit versprochen worden war. Sein Dienst vertieft dieses Unrecht, doch er ist nicht das, was die Regierung zur Antwort verpflichtet. Er war ein Vater und ein Bruder, der starb, nachdem ICE ihn in Gewahrsam genommen hatte, und dieser Gewahrsam allein verlangt Rechenschaft. Senator Richard Blumenthal sagte, der Weg, amerikanische Werte zu wahren, sei, die Tatsachen einzufordern. Shawn VanDiver von AfghanEvac sagte, die Familie bitte um nichts als die Offenheit, die jede Familie erwarte, wenn ein Angehöriger in Gewahrsam stirbt.
Sein Tod steht innerhalb eines größeren Versagens. Die Todesfälle in ICE-Gewahrsam sind mehr als nur deutlich gestiegen, während die Kontrollen der Hafteinrichtungen seltener werden und die Berichte über jeden einzelnen Tod kürzer und ärmer an Auskunft. Wo die Aufsicht dünner und die Berichterstattung knapper wird, bleibt den Familien weniger in der Hand, gerade in dem Augenblick, in dem sie das Meiste verloren haben. Nach so langer Zeit sollte das öffentliche Wissen sich der Klarheit nähern. Stattdessen steht die Familie vor demselben Schweigen, ohne einen zeitlichen Verlauf der Versorgung, ohne volle Erklärung.
Fortsetzung folgt …

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