Heute in unseren verspäteten Kurznachrichten:
Trump greift in Europas Kriegskasse und verschiebt 52 Millionen Dollar nach Lateinamerika, obwohl der Kongress das Geld für andere Zwecke bewilligt hatte. Aus Hilfe wird damit langsam ein Treuetest, bei dem Washington selbst entscheidet, wer noch etwas wert ist.
Gerhard Schröder hat in Russland wieder einen Stuhl gefunden, diesmal im Aufsichtsrat der Hypermarktkette Globus. Die Kanzlerschaft ist vorbei, die Nähe zu Putins Russland offenbar noch lange nicht.
Trumps Energiepolitik könnte amerikanische Haushalte bis 2040 im Schnitt 6.500 Dollar zusätzlich kosten. Während das Weiße Haus von bezahlbarer Energie spricht, schreibt sich die Rechnung längst selbst.
Deutschland und Frankreich sollen ihre Dieselreserven öffnen, damit die Preise in den USA vor den Midterms sinken. Wenn Europa nicht liefert, droht Washington mit einem Exportstopp, amerikanische Wahlhilfe auf Kosten europäischer Vorräte.
Und vor Dänemark kreuzte ein russischer Schlepper tagelang über wichtigen Unterwasserkabeln, mit Technik an Bord, die direkt am Meeresboden arbeiten kann. Sabotage ist nicht bewiesen, aber Russland hat schon bessere Orte gefunden, um einfach nur ein bisschen herumzufahren.
Ahnen wählt man gewöhnlich nicht. Dieser Präsident hat gewählt, und er hat die Wahl an die Tür gehängt.
Trump greift in Europas Kriegskasse und verschiebt 52 Millionen Dollar nach Lateinamerika

Der Kongress bewilligt Geld. Donald Trump nimmt es und schiebt es dorthin, wo seine Regierung es lieber hätte. 52 Millionen Dollar amerikanischer Militärhilfe, vorgesehen für die Slowakei und Nordmazedonien sowie für Tunesien und den Irak, sollen nach Lateinamerika wandern. Panama und Peru bekommen einen Teil. Ecuador und Kolumbien ebenfalls. Führende Demokraten in beiden Kammern hatten die Umschichtung ausdrücklich gestoppt. Am Mittwoch ließ die Regierung den Kongress wissen, dass sie sich darüber hinwegsetzt.
Bei der Slowakei und Nordmazedonien wird aus dem Streit mehr als gewöhnliches Haushaltsgerangel. Dieses Geld stammt aus einem Zusatzgesetz zur Ukraine. Der Kongress hatte es 2022 für Staaten vorgesehen, die vom russischen Angriffskrieg betroffen waren oder ihre alten russischen Waffen an die Ukraine abgegeben hatten. Washington wollte ihnen helfen, anschließend amerikanische Systeme zu kaufen. Senatorin Jeanne Shaheen und der Abgeordnete Gregory Meeks erinnern Außenminister Marco Rubio nun schriftlich an eine ziemlich altmodische Sache: Geld, das der Gesetzgeber für einen bestimmten Zweck bewilligt, gehört nicht zur freien Verfügung des Präsidenten. Mitarbeiter der Demokraten hatten das Außenministerium bereits im September gefragt, wie Peru oder Ecuador plötzlich unter die gesetzliche Formulierung zur „Situation in der Ukraine“ fallen sollten. Eine überzeugende Antwort bekamen sie nach ihrer Darstellung nicht.
Das Außenministerium hält die neue Verwendung trotzdem für richtig. Trumps Amerika schaue wieder stärker auf die westliche Hemisphäre, heißt es dort. Das Geld solle gegen Drogenterrorismus eingesetzt werden und beim Schutz des Panamakanals helfen. Auch ausländischer militärischer Einfluss in der Region solle zurückgedrängt werden. Auf den Vorwurf, damit gesetzliche Grenzen zu verletzen, antwortete das Ministerium nicht. Beim Geld für Irak und Tunesien ist die Rechtslage weniger eng, weil diese Mittel aus anderen Gesetzen stammen. Politisch bleibt der Zeitpunkt trotzdem scharf: Im Nahen Osten läuft der Iran-Krieg, während Washington seine Truppen aus dem Irak abzieht.
Rubio war erst im September in Kolumbien sowie Ecuador und reiste anschließend nach Peru. Besonders die Regierungen in Ecuador und Kolumbien arbeiten eng mit Trump bei der Drogenbekämpfung zusammen. Der Präsident spricht offen von einer Wiederbelebung der Monroe-Doktrin, jenem alten amerikanischen Anspruch, die eigene Nachbarschaft als besonderen Machtbereich zu behandeln. Gleichzeitig prüft das Pentagon, amerikanische Stützpunkte in Europa zu verkleinern oder neu zu ordnen. Nun verschwindet auch Geld, das Europa wegen Russlands Krieg zugesagt worden war.
Für die Verbündeten wird damit aus Hilfe langsam eine Frage des Wohlverhaltens. Jeremy Shapiro vom Europäischen Rat für Auswärtige Beziehungen erwartet, dass europäische Regierungen den Vorgang genau so lesen werden: als Vorboten einer Politik, bei der Unterstützung davon abhängen könnte, ob man Washington bei Iran und anderen Konflikten folgt. Ein Bündnis lebt von Verlässlichkeit. Trump behandelt bewilligtes Geld inzwischen wie Wechselgeld an seiner eigenen Kasse.
Schröder findet wieder einen Platz in Russland – diesmal zwischen Supermarktregalen und Putin-Nähe

Gerhard Schröder hat einen neuen Posten in Russland. Der frühere deutsche Bundeskanzler sitzt künftig im Aufsichtsrat der russischen Hypermarktkette Globus. Beschlossen wurde das auf einer Gesellschafterversammlung von OOO „Giperglobus“. Schröder soll die strategische Entwicklung des Geschäfts in Russland begleiten. Eigentümer Thomas Bruch begründet die Personalie mit Schröders langjähriger Erfahrung in der russischen Politik und Wirtschaft. Seine Sicht könne dem Unternehmen helfen, auch unter den heutigen Bedingungen einen „auf Dialog ausgerichteten Ansatz“ zu verfolgen. Dialog klingt immer friedlich. Manchmal steht er einfach auf einer Visitenkarte.
Globus gehört zu den wenigen ausländischen Handelsketten, die nach Beginn des russischen Angriffskrieges weiter im Land tätig blieben. Seit Januar 2025 gehört die russische Gesellschaft nicht mehr zur deutschen Globus Holding. Verbunden bleiben beide über den gemeinsamen Namen und dieselben Anteilseigner. Andere westliche Handelsunternehmen arbeiten ebenfalls noch in Russland, teilweise inzwischen unter staatlich angeordneter vorübergehender Verwaltung. Schröders Platz im Aufsichtsrat kommt damit in einem Geschäftsumfeld, in dem politische Nähe längst nicht mehr bloß Begleitmusik ist. Von Russland hat sich Schröder ohnehin nie weit entfernt. Seine persönlichen Beziehungen zu Wladimir Putin bestehen fort. Putin selbst nannte ihn im Mai dieses Jahres als einen aus seiner Sicht geeigneten Vermittler für Gespräche mit der Ukraine. Nun bekommt der frühere Kanzler noch eine weitere offizielle Aufgabe im russischen Wirtschaftsleben.
Die politische Laufbahn liegt lange hinter ihm. Russland offenbar nicht. Während andere deutsche Politiker seit dem Krieg möglichst große Entfernung zu Moskau suchen, nimmt Schröder dort erneut einen Platz am Tisch ein. Diesmal geht es um Einkaufswagen und Unternehmensstrategie. Der alte Kontakt ist geblieben.
Trumps Energiepolitik kommt auf der Stromrechnung zurück – Haushalte sollen bis 2040 im Schnitt 6.500 Dollar mehr zahlen

Donald Trump verspricht billigere Energie, doch eine neue Modellrechnung kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Haushalte in den 48 zusammenhängenden US-Bundesstaaten könnten durch die seit seiner Rückkehr veränderte Energiepolitik bis 2040 im Schnitt 6.500 Dollar zusätzlich zahlen. In Oregon steigt die Rechnung laut Berechnung sogar um insgesamt 9.300 Dollar, auch Mississippi und Wyoming liegen bei ungefähr 9.000 Dollar. Der Grund liegt aus Sicht der Forscher in Washington selbst: weniger Förderung für saubere Energie, gestoppte Wind- und Solarprojekte, gelockerte Verbrauchsvorgaben für Autos und mehr Abhängigkeit von Erdgas. Höhere Nachfrage trifft auf ein System, dessen Strompreise ohnehin schneller steigen als die Inflation. Der Iran-Krieg hat Öl und Benzin zusätzlich verteuert. Die Rechnung beschränkt sich ausdrücklich auf Folgen der Bundespolitik. Nach dem Modell steigen die jährlichen Energiekosten in jedem untersuchten Bundesstaat, in 47 von 48 Staaten gehen Arbeitsplätze verloren. Für 46 Staaten wird ein geringeres Bruttoinlandsprodukt berechnet. Hinzu kämen 37.000 vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung und zusätzliche Gesundheitskosten von 72 Milliarden Dollar. Alaska und Hawaii fehlen, weil entscheidende Bundesdaten nicht vorlagen. Besonders bitter: Staaten, die Trump 2024 gewählt haben, sollen pro Haushalt im Schnitt rund 7.000 Dollar zusätzlich zahlen, gegenüber 5.800 Dollar in Staaten, die für Kamala Harris stimmten.
Das Weiße Haus weist die Analyse zurück und nennt das Institut parteiisch. Sprecherin Taylor Rogers erklärt, Trump repariere eine von Joe Biden verursachte Stromkrise und setze auf Kohle sowie Erdgas, um zuverlässige Energie bereitzustellen. Die Regierung verweist außerdem auf hohe Preise in Kalifornien und New York. Die Zahlen selbst bleiben unbequem: Der durchschnittliche Strompreis für Privathaushalte lag im Januar 2021 bei etwa 12,6 Cent je Kilowattstunde, im Januar 2025 bei knapp 16 Cent. Im Juli 2026 waren es 18,31 Cent. In Oregon warnt der Verbraucherschutz bereits vor mehr Abschaltungen, weil Familien ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen könnten. Trump nennt seine Politik bezahlbar. Auf dem Küchentisch entscheidet später die Rechnung.
Trump will Europas Dieselreserven anzapfen – damit Amerikas Preise vor den Midterms fallen

Donald Trump hat ein neues Mittel gefunden, amerikanische Dieselpreise zu drücken: Deutschland und Frankreich sollen ihre Notreserven öffnen. Wenn sie sich weigern, stellt Washington ein Exportverbot für amerikanischen Diesel nach Europa in Aussicht. Ausgerechnet Europa, das sich nach dem Verbot russischer Lieferungen stärker an amerikanisches Öl und amerikanische Raffinerieprodukte gebunden hat, soll nun die eigenen Vorräte leeren, damit die Preise in den USA vor den Zwischenwahlen nicht weiter davonlaufen. Nach Angaben aus den Gesprächen verlangt Washington von der EU bis zu 120 Millionen Barrel Diesel innerhalb von sechs Monaten. Die Drohung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem niemand weiß, wie viel Treibstoff Europa im Winter selbst noch brauchen wird. Der Iran-Krieg hat die Versorgung aus dem Nahen Osten beschädigt. Russland hält sein Exportverbot für Diesel bis Ende Oktober aufrecht, nachdem ukrainische Angriffe Raffinerien getroffen haben. China wiederum hält im Oktober eigene Mengen zurück. Viel Platz zum Spielen bleibt auf diesem Markt nicht. Genau jetzt soll Europa seine Sicherheitsreserve öffnen. US-Energieminister Chris Wright erklärte, er sei sehr zuversichtlich, dass eine koordinierte Freigabe die Preise senken könne. Die Erntezeit stehe bevor, dazu komme die Heizölsaison. Finanzminister Scott Bessent verwies darauf, Washington habe im März bereits 172 Millionen Barrel Öl aus amerikanischen Reserven freigegeben. Amerika habe seinen Teil getan, nun sollten die Verbündeten liefern.
Für Berlin und Paris ist die Rechnung deutlich unangenehmer als für Washington. Wer Reserven verkauft, kann sie später nicht ein zweites Mal öffnen. Sollte der Krieg gegen Iran weiter eskalieren oder der Markt noch enger werden, fehlen genau diese Mengen. Frankreich und Deutschland sollen also heute helfen, amerikanische Dieselpreise zu senken, und morgen selbst mit weniger Schutz dastehen. Die Internationale Energieagentur hat Deutschland bislang nicht einmal aufgefordert, Bestände freizugeben. Trotzdem sitzt der politische Druck bereits im Tanklager. Am Freitag berät die Energiegruppe der EU über die Lage. Schon am Donnerstag sprachen Vertreter der EU-Kommission mit Deutschland und Frankreich über mögliche Freigaben. Auch weitere europäische Regierungen waren beteiligt. Emmanuel Macron will die G7 per Videokonferenz zusammenholen und über die steigenden Preise sowie die Versorgung mit Raffinerieprodukten beraten. Zwischen Washington und Europa liegen ohnehin Zölle und Streit über Militärausgaben. Jetzt steht auch Diesel auf der Liste.
Trump braucht vor dem 3. November niedrigere Preise. Europa braucht Reserven. Washington bietet dafür keinen besonders feinen Interessenausgleich an, sondern eine Drohung: Öffnet eure Lager, sonst drehen wir euch unseren Exporthahn zu. Die amerikanische Wahlurne steht Tausende Kilometer entfernt. Bezahlen soll die Beruhigung ihrer Preise womöglich ein europäischer Tank.
Russischer Schlepper arbeitet tagelang über Dänemarks Unterwasserkabeln – und niemand weiß, was er dort wollte

Eine Woche lang fuhr die russische „Sarmat“ dort herum, wo unter dänischem Wasser Strom- und Telekommunikationskabel liegen. Kein schneller Transit, kein gerader Kurs nach Norden. Das Schiff lag zunächst fast reglos an der Spitze Jütlands, danach begann es zwischen dem Festland und der Insel Læsø zu kreuzen. Vom 15. bis 22. September blieb es in diesem Gebiet. Hinter dem Schlepper hing eine selbsthebende Arbeitsplattform mit 3 Stützen und einem Bagger, Gerät also, das am Meeresboden arbeiten kann. Genau unter ihm verlaufen Leitungen, von denen Dänemark abhängt. Als eine Fähre verlangte, die „Sarmat“ solle ihren vorgesehenen Kurs freimachen, kam aus dem Funk nur: „Unmöglich, arbeite.“ Was denn gearbeitet werde? „Schleppen.“

Den Behörden fiel das Schiff nicht durch irgendeine große Geheimdienstoperation auf. Ein besorgter Bürger auf Læsø meldete es. Erst danach wurde eine örtliche Krisengruppe zusammengestellt, bereit einzugreifen, falls die Russen etwas Rechtswidriges täten. Gefunden wurde bislang kein beschädigtes Kabel. Auch die Beobachter, die den Kurs ausgewertet haben, sagen ausdrücklich, dass damit keine Sabotage bewiesen sei. Nur bleibt eine ziemlich einfache Frage liegen: Warum verbringt ein russischer Schlepper mit Technik für Arbeiten am Meeresboden Tage genau dort, wo kritische Leitungen verlaufen, und antwortet auf Nachfragen mit 1 Wort?
Am 22. September verschwand die „Sarmat“ aus dem Kabelgebiet. 2 Tage später lag die Südküste Norwegens hinter ihr, am 1. Oktober fuhr sie weiter Richtung Murmansk. Beruhigender wird die Geschichte dadurch kaum. Bereits im Frühjahr 2026 sollen Großbritannien, Norwegen und die USA nahe Spitzbergen eine russische Operation gestört haben, bei der Tiefseefahrzeuge eine neue Technik zum verdeckten Ausschalten von Unterwasserkabeln erprobten. Diesmal ist kein Kabel gerissen. Diesmal blieb nur ein Schiff, das dort eine Woche lang „arbeitete“. Man kann Zufälle lange erklären. Irgendwann beginnt das Meer trotzdem Fragen zu stellen.
Ahnen wählt man gewöhnlich nicht. Dieser Präsident hat gewählt, und er hat die Wahl an die Tür gehängt


Ein Rahmen trifft seine Entscheidung, bevor jemand hinsieht. Er löst das Bild von der Wand und erklärt es für aufhebenswert. Was keinen Rahmen bekommt, darf verblassen. In fürstlichen Häusern hingen einst die Ahnen in Gold, damit jeder Gast gleich im Flur begriff, aus welcher Linie der Hausherr stammt.
Im Weißen Haus lässt sich das jetzt wieder besichtigen. An den Türen des Palm Room reihen sich gerahmte Fotografien. Fotografien an einer Tür haben eine schlichte Aufgabe. Sie zeigen jedem, der eintritt, wer hier dazugehört. Fürsten ließen die Toten malen, deren Erbe sie verwalteten. Trump rahmt die Lebenden, deren Gesellschaft er sucht. Ein Despot aus Moskau, ein Despot aus Peking, gerahmt im Haus einer Republik. Ahnen wählt man gewöhnlich nicht. Dieser Präsident hat gewählt, und er hat die Wahl an die Tür gehängt.

Schröder war schon immer Putins Puppet.
Bei all den Verfehlungen verstehe ich nicht, dass man ihn nicht schon lange aus der Partei ausgeschlossen hat.
Europa sieht nichts.
Trump erpresst und Europa springt.
Bei den Dieselreserven, beim Digital Act.
Alles rückgratlose stiefellecker.
Wie kann Trump Gelder einfach umleiten.
Am der Bewilligung vom Kongress vorbei?
Das verstehe ich nicht.
Danke auch für die anderen Artikel