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Washington schweigt – Europas Epstein-Ermittler laufen beim US-Justizministerium gegen eine Wand

VonTEAM KAIZEN BLOG

10. September 2026

Mehrere europäische Staaten ermitteln weiter zu Jeffrey Epstein und seinem Umfeld. Was sie dafür aus den Vereinigten Staaten brauchen, bekommen sie offenbar nicht. Ermittler aus Polen, Norwegen und Lettland haben das US-Justizministerium um Rechtshilfe gebeten. Antworten blieben aus. Auch Großbritannien wartet bei seinen eigenen Ermittlungen auf Unterlagen aus Washington. Damit wird aus einem amerikanischen Streit um die Epstein-Akten längst ein internationales Problem. Europäische Behörden versuchen herauszufinden, welche Verbindungen Epstein auf dem Kontinent hatte, wer mit ihm Geschäfte machte, wer Informationen an ihn weitergab und welche Personen aus seinem Umfeld noch heute für Ermittlungen von Bedeutung sein könnten. Ein Teil der benötigten Unterlagen liegt in den Vereinigten Staaten. Genau dort kommen die Ermittler nicht weiter.

Besonders deutlich beschreibt Norwegen die Lage. Marianne Bender, Staatsanwältin bei der norwegischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde Økokrim, erklärte, man stehe mit Vertretern des amerikanischen Justizministeriums in Kontakt. Genehmigt worden sei das norwegische Rechtshilfeersuchen bisher jedoch nicht.

„Das ist für die norwegischen Ermittlungen sehr bedauerlich. Økokrim hofft, dass das US-Justizministerium unserem Ersuchen irgendwann zustimmen wird“, erklärte Bender.

Hier geht es zu unserem Epstein-Archiv

Auch Lettland wartet. Die Sprecherin der lettischen Staatspolizei, Simona Gravite, teilte mit, ihr Land habe mehrere Rechtshilfeersuchen an die zuständigen Behörden in den Vereinigten Staaten geschickt. Eine Antwort sei bisher auf keines dieser Ersuchen eingegangen. Polnische Ermittler berichten ebenfalls von fehlender Unterstützung aus Washington.

Noch brisanter ist der Fall Großbritannien. Dort geht es unter anderem um Peter Mandelson, einen der bekanntesten britischen Politiker der vergangenen Jahrzehnte und einen Mann mit dokumentierten Verbindungen zu Epstein. Mandelson verlor seinen Posten als britischer Botschafter in den Vereinigten Staaten und musste auch das House of Lords verlassen. Die britischen Ermittlungen beschäftigen sich mit der Frage, ob er vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben haben könnte. London wollte dafür ungeschwärzte Teile der amerikanischen Epstein-Unterlagen erhalten. Doch auch diese Dokumente wurden vom US-Justizministerium nicht herausgegeben.

Für britische Ermittler ist das nicht irgendein Detail. Wenn geprüft werden soll, welche Informationen Mandelson an Epstein weitergab und welche Kontakte dahinterstanden, können geschwärzte Unterlagen entscheidende Namen oder Zusammenhänge unkenntlich machen. Ohne Zugang zu den vollständigen Dokumenten bleibt ein Teil der Ermittlungsarbeit blockiert.

Das alles passiert unter Justizminister Todd Blanche, während die Trump-Regierung gleichzeitig in den Vereinigten Staaten seit Monaten mit wachsendem Druck wegen ihres Umgangs mit den Epstein-Akten kämpft. Donald Trump hatte das Thema während seines Wahlkampfs selbst groß gemacht. Seine Regierung versprach Transparenz und eine umfassende Offenlegung der Unterlagen. Inzwischen dreht sich die Auseinandersetzung jedoch immer stärker darum, welche Dokumente veröffentlicht werden, was geschwärzt bleibt und welche Informationen weiterhin nicht öffentlich zugänglich sind.

Auch Opfer von Epsteins Missbrauch haben wiederholt verlangt, endlich vollständige Antworten zu erhalten. Gerade deshalb fällt das Verhalten gegenüber europäischen Ermittlern besonders auf. Während Washington im eigenen Land wegen fehlender Transparenz unter Druck steht, warten ausländische Strafverfolgungsbehörden offenbar ebenfalls auf Unterlagen und Antworten. Epsteins Aktivitäten beschränkten sich nie auf die Vereinigten Staaten. Er hielt sich regelmäßig in Europa auf, verfügte dort über zahlreiche Kontakte und bewegte sich über Jahre in Kreisen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Paris spielte in seinem Leben eine wichtige Rolle. Auch darüber hinaus existieren europäische Verbindungen, die nach seinem Tod keineswegs automatisch geklärt waren.

Wie schwierig der Weg durch die Epstein-Akten ist, wissen wir selbst sehr genau. Deshalb verlassen wir uns weder auf das US-Justizministerium noch auf andere amerikanische Ermittlungsbehörden. Seit Wochen recherchieren wir deshalb selbst in Frankreich, was uns zugleich immer wieder die Möglichkeit gibt, die Landtagswahlen in Deutschland vor Ort zu verfolgen. Wenn diese Geschichte weiter aufgedeckt werden soll, dann nur durch eigene Recherchearbeit der Redaktion. Genau die hat uns bisher weitergebracht als jede offizielle Stelle. Das Justizministerium verschleppt, behindert und blockiert – ernsthaftes Interesse an vollständiger Aufklärung ist dort nicht zu erkennen.

Internationale Zusammenarbeit könnte deshalb neue Informationen liefern. Sie könnte zeigen, welche Kontakte bisher nicht vollständig untersucht wurden oder welche Personen in europäischen Ermittlungen eine größere Rolle spielen müssen.

Doch genau diese Zusammenarbeit stockt

Norwegen wartet auf die Genehmigung seines Rechtshilfeersuchens. Lettland wartet auf Antworten zu mehreren Anfragen. Polen hat ebenfalls keine Unterstützung erhalten. Großbritannien bekommt die verlangten ungeschwärzten Unterlagen nicht.

Damit geht es nicht mehr nur darum, wie Washington seine eigenen Epstein-Akten behandelt. Das US-Justizministerium entscheidet mit seinem Verhalten inzwischen auch darüber, wie weit Ermittler außerhalb der Vereinigten Staaten bei ihren Untersuchungen kommen. Und während Todd Blanche und sein Ministerium weiter nicht liefern, bleiben europäische Ermittler bei einem Fall auf amerikanische Hilfe angewiesen, dessen Verbindungen schon vor Jahren weit über die Grenzen der USA hinausreichten.

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1 Kommentar
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Esther Portmann
Esther Portmann
1 Stunde vor

Ich danke euch dafür, dass ihr dran bleibt…..

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