Vier Stunden Gehorsam

VonRainer Hofmann

Januar 19, 2026

Der Präsident hat entschieden, dass Amerika wieder gemeinsam fernsehen soll. Nicht freiwillig, sondern ordentlich. Vier Stunden lang. Zur gleichen Zeit. Ohne Ausweichmöglichkeit. Army gegen Navy, Pflichttermin. Donald Trump will per Erlass festlegen, dass künftig am Army-Navy-Spieltag im Dezember nichts anderes mehr laufen darf. Kein anderes Spiel, kein Wettbewerb, kein Programm. Der Bildschirm gehört dem Staat, pardon, der Tradition. Patriotismus mit Anstoßzeit. Begründet wird das Ganze mit Ehre, Mut und Opferbereitschaft. Und mit der Angst, dass große Fernsehverträge und moderne Zuschauergewohnheiten diese Werte überrollen könnten. Also greift der Präsident durch. Nicht bei Krieg, nicht bei Armut, sondern bei der Programmplanung.

Was hier sichtbar wird, ist eine neue Auslegung von Führung. Der Staat schützt nicht nur Grenzen, sondern auch Einschaltquoten. Freiheit bedeutet, das Richtige sehen zu dürfen. Und das Richtige wird festgelegt. Dass ein Präsident versucht, Sportübertragungen per Dekret zu ordnen, wirft Fragen auf. Vor allem die, warum ausgerechnet hier plötzlich Durchgriff möglich sein soll. Die Antwort liegt womöglich weniger im Spiel als im Sender. Denn zufällig profitiert ein Medienkonzern mit engen Verbindungen ins Machtzentrum. Auch das gehört zur Tradition. Man nennt es Zufall, bis es sich häuft.

Am Ende bleibt das Bild eines Landes, das aufgefordert wird, still zu sitzen und zuzusehen. Vier Stunden lang. Gemeinsam. Diszipliniert. Wer abschaltet, verpasst nicht nur ein Spiel, sondern offenbar auch den Geist der Nation. So sieht sie aus, die neue Form des Zusammenhalts. Einschalten. Durchhalten. Nicht umschalten.

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Wuschitz
Wuschitz
29 Tage zuvor

Das ist faschistische Diktatur. Armes Amerika wenn sie nicht endlich handeln und ein impeatment veranlassen.

Helga Bahr
Helga Bahr
29 Tage zuvor

Wenn es nicht so traurig wäre würde ich jetzt herzhaft lachen. Aber es bleibt mir im Hals stecken

Silke
Silke
28 Tage zuvor

Wie gut, dass es noch Streaming oder DVDs gibt…..
Trumps Größenwahn treibt seltsame Blüten.

Ela Gatto
Ela Gatto
28 Tage zuvor

Gut, dass man den Fernseher auch aus lassen kann.

Oder auf Streamingdienste ausweichen kann.

Das Spiel ist Nebensache.
Geld verdienen und die große Bühne für ihn sind die Gründe.

Ich wage zu bezweifeln, dass solch Executive Order rechtlich haltbar ist.
Was sagst Du Rainer?

Hoffentlich strafen die Fernsehsender ihn ab. Aber die Gekauften wetden natürlich seiner Linie folgen.
Auch aus Angst vor Klagen etc.

Man, selbst im DDR Fernsehen konnte mauf DDR2 ausweichen, wenn der „Schwarze Kanal“ lief.

Zuletzt bearbeitet am 28 Tage zuvor von Ela Gatto
Dolores
Dolores
28 Tage zuvor

Ich kannfas gar nicht glauben, meine Familie in den Staaten hat mir diesbezüglich nichts geychrieben

Thomas Mertens
Thomas Mertens
28 Tage zuvor

Nun ja, es gibt ja auch noch die CBC und Satelliten Schüsseln, auch in den USA😉

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