Ein Einschlag, viele Antworten – aber keine Verantwortung!

Der Krieg begann am 28. Februar mit Raketen, Sirenen und Bildern, die sich festsetzen. Unter ihnen: der Einschlag an einer iranischen Grundschule in Minab. Kinder, Trümmer, ein Ort, an dem an diesem Morgen Unterricht hätte stattfinden sollen. Seitdem steht eine Frage im Raum, die mit jedem Tag schwerer wird: Wer war verantwortlich für über 170 Tote? US-Verteidigungsminister Pete Hegseth sagte nun vor Reportern, die Ergebnisse der Untersuchung des Pentagon würden veröffentlicht – allerdings erst dann, wenn aus Sicht des Ministeriums der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Ein Datum nannte er nicht. Keine Frist. Keine Erklärung, warum ein Angriff auf eine Schule erst später öffentlich aufgearbeitet werden soll.
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Donald Trump wiederum erklärte, er habe nichts gesehen, was ihn zu der Annahme führe, dass die Vereinigten Staaten dafür verantwortlich seien. Der Vorfall sei „schrecklich“, sagte er. Gleichzeitig schob er hinterher, er wisse nicht, ob jemals geklärt werde, wer die Schuld trage, weil damals überall Raketen geflogen seien. Dieser Satz fällt auf. Nicht nur wegen seines Inhalts, sondern wegen seines Zeitpunkts. Während das Verteidigungsministerium weiter auf Ergebnisse verweist, zieht der Präsident bereits eine Linie zwischen Vermutung und Verantwortung. Es ist keine Entlastung, aber auch keine Aufklärung. Nur Distanz.
Zurück bleibt ein Angriff auf eine Schule, ein laufendes Verfahren und eine Regierung, die zugleich untersucht und erklärt, warum am Ende vielleicht niemand mehr sicher sagen kann, was passiert ist. Für die Familien der Kinder ist das keine Antwort. Für die Öffentlichkeit auch nicht.
Deutschland kippt sein größtes Kriegsschiff seit 1945

Sechs Fregatten vom Typ F126, Gesamtkosten ursprünglich zehn Milliarden Euro, zuletzt auf geschätzte 18 Milliarden angewachsen, erstes Schiff frühestens 2033 lieferbar – Deutschland hat das Projekt beerdigt. Stattdessen kauft die Bundeswehr acht MEKO A-200-Fregatten vom deutschen Hersteller TKMS, die ersten vier für 6,3 Milliarden Euro, vier weitere optional für 5,3 Milliarden. Das erste Schiff soll 2029 im Wasser liegen. Die Rechnung ist eindeutig, die Botschaft dahinter auch: Deutschland rüstet auf, aber es hat keine Zeit mehr für Prestige. Die F126 war ein Kind einer anderen Epoche. Ihr Entwurf entstand 2020, als europäische Streitkräfte noch über begrenzte Auslandseinsätze nachdachten, nicht über die Verteidigung des eigenen Kontinents. Der Ukraine-Krieg hat diese Vorstellung zerstört, und mit ihr die strategische Logik hinter dem Schiff. Westliche Generäle haben beobachtet, wie Russland einen Großteil seiner Schwarzmeerflotte verloren hat – an Drohnen, an unbemannten Unterwasserfahrzeugen, an billigen Waffen gegen teure Ziele. Ein Flaggschiff, das jahrzehntelang in der Entwicklung steckt und am Ende allein schon durch seine Größe zur Zielscheibe wird, passt nicht mehr in dieses Bild.
Den niederländischen Hersteller DSNS, der den ursprünglichen Auftrag gewann, überforderte das Projekt finanziell und terminlich. Rheinmetall sollte einspringen, hatte gerade den Schiffbauer NVL übernommen und wollte den Auftrag. Es hat nicht gereicht. Rheinmetall-Aktien verloren am Mittwoch 18,5 Prozent. Der Konzern, der in wenigen Jahren von Munition und Geschützrohren in Satelliten, Drohnen und nun Schiffbau expandiert ist, bekommt die Quittung für eine Übernahme, die Analysten schon beim Kauf von NVL skeptisch gesehen hatten. Berlin hat parallel auch den Kampfjet FCAS mit Frankreich aufgegeben, weil sich die beteiligten Unternehmen nicht auf eine Führungsrolle einigen konnten. Zwei Großprojekte in kurzer Zeit – beide aus der Vorkriegszeit, beide zu langsam, zu teuer, zu kompliziert für das, was Europa gerade braucht. Die Bundeswehr will die größte konventionelle Streitkraft Europas werden. Dafür braucht sie Schiffe, die schwimmen, und Flugzeuge, die fliegen – und zwar bald.
Trump will billig tanken – aber der Markt fährt nicht nach Wahlterminen

Donald Trump will sinkende Spritpreise. Nicht irgendwann. Jetzt. Obwohl die Benzinpreise in den USA im vergangenen Monat bereits deutlich gefallen sind und im Schnitt neunundvierzig Cent pro Gallone verloren haben, reicht ihm das nicht. Die Hoffnung auf ein Ende des Krieges mit Iran hat die Märkte beruhigt, die Ölpreise sind zurückgegangen, aber an vielen Tankstellen sehen Autofahrer noch immer Preise, die weit über dem liegen, was vor dem Krieg normal war. Trump reagierte öffentlich und direkt. Kurz nach Mitternacht schrieb er, die großen Ölkonzerne würden ihre Preise an den Zapfsäulen nicht ausreichend an die gesunkenen Rohölpreise anpassen. Er kündigte an, das Justizministerium solle prüfen, ob Verbraucher überhöhte Preise zahlen und ob jemand an der Situation verdiene.
Das Problem an dieser Rechnung: Ölpreis und Tankstellenpreis bewegen sich nicht im Gleichschritt. Rohöl ist zwar der wichtigste Kostenblock, aber nur ein Teil des Endpreises. Steuern, Raffinerien, Transport, Lagerung und Vertrieb kommen dazu. Allein im vergangenen Jahr machten die Rohölkosten etwas mehr als die Hälfte des amerikanischen Benzinpreises aus. Der Rest verteilt sich auf Verarbeitung, Lieferkette und Abgaben. In Bundesstaaten wie Kalifornien fällt das besonders auf, weil dort höhere Steuern und höhere Raffineriekosten dazukommen. Dazu kommt Zeit. Raffinerien kaufen Rohöl oft lange vor der Verarbeitung ein. Was heute an den Börsen fällt, wurde teilweise vor Wochen teuer eingekauft. Danach muss der Kraftstoff noch durch Leitungen, Umschlagplätze, Tankwagen und Lager bis zur Tankstelle gelangen. Verbraucher sehen deshalb Preisbewegungen oft deutlich später als die Märkte.
Der Krieg mit Iran hat diese Verzögerung noch verstärkt. Als Schiffe zeitweise nicht mehr ungehindert durch die Straße von Hormus fahren konnten, stiegen die Energiepreise weltweit. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gasverkehrs läuft durch diese Route. Selbst jetzt, wo wieder mehr Schiffe unterwegs sind und sich die Lage etwas beruhigt hat, rechnen Marktbeobachter nicht mit einer schnellen Rückkehr zum Vorkriegsniveau. Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Als Rohölpreise explodierten, haben viele Tankstellen die höheren Kosten nicht vollständig an Kunden weitergegeben. Viele Betreiber sind keine Konzerne, sondern Familienunternehmen oder kleine Gesellschaften mit wenigen Standorten. Jetzt versuchen einige, Verluste aus den vergangenen Wochen wieder auszugleichen.
Trotz des Rückgangs zahlen amerikanische Autofahrer heute immer noch deutlich mehr als vor dem Krieg. Kraftstoff bleibt teurer als im Vorjahr, und höhere Energiekosten haben sich längst in andere Bereiche geschoben – in Lebensmittel, Flugtickets und viele Alltagsprodukte. Vor dem Krieg hatte Trump noch mit niedrigen Energiepreisen geworben. Als die Preise stiegen, wechselte die Botschaft. Zwischenzeitlich erklärte er sogar, hohe Ölpreise seien gut für Amerika, weil die USA viel Öl fördern. Der Markt hat darauf bisher keine Rücksicht genommen. Benzin fällt. Aber nicht auf Knopfdruck. Und schon gar nicht im Takt eines Wahlkampfs.
Wenn der Staat aufhört, Tote zu zählen

Der vermisste Zauberkünstler Daniel Hidden wurde tot im Mount Cougal National Park aufgefunden, nachdem er spurlos verschwunden war. Seine Mutter sagte, er sei „nicht er selbst gewesen“ beziehungsweise „nicht so gewesen wie sonst“, als sie ihn das letzte Mal gesehen habe.
An einem einzigen Wochenende starben vier Menschen in amerikanischen Nationalparks. Ein 17-jähriges Mädchen ertrank im Sequoia-Park, nachdem sie in einen Fluss gerutscht war. Ein 23-jähriger Mann fiel in Yosemite einen Wasserfall hinunter. Im Organ Pipe Cactus Monument wurde eine Leiche in der Wüste gefunden. Im Great Smoky Mountains Park starb jemand bei einem Motorradunfall. Die Parkverwaltung hat zu keinem dieser Fälle öffentlich Stellung genommen. Nicht weil sie es nicht wusste. Weil sie es nicht durfte. Ein internes Memo des Innenministeriums vom Dezember, das die Washington Post einsehen konnte, verbietet Parkmitarbeitern ausdrücklich, Todesfälle gegenüber der Öffentlichkeit zu bestätigen. Verletzungsschwere darf nicht kommuniziert werden. Transportmittel darf erwähnt werden. Mehr nicht. Sieben aktuelle und frühere Mitarbeiter des Parkdienstes bestätigten, dass dies einen grundlegenden Bruch mit der bisherigen Praxis darstellt, die unter dem Prinzip „maximale Offenlegung, minimale Verzögerung“ stand. Wer heute redet, riskiert Konsequenzen, weshalb alle Aussagen anonym blieben.
Im Grand Canyon starb am 12. Juni ein 72-jähriger Mann an extremer Hitze. Am 16. Juni starb dort ein Paar, 67 und 68 Jahre alt, ebenfalls an der Hitze. Bekannt gegeben wurde es am 19. Juni. Wanderer, die in diesen Tagen denselben Weg gegangen sind, wussten nichts davon. Durchschnittlich sterben rund 350 Menschen pro Jahr in amerikanischen Nationalparks. Das Innenministerium erklärt, man wolle lediglich die Kommunikation vereinheitlichen und habe nicht die Absicht, Todesfälle zu verschweigen. Der Unterschied zwischen dieser Absicht und dem tatsächlichen Ergebnis ist schwer zu erkennen. Eine Regierung, die aufhört, ihre eigenen Toten zu melden, hat nicht plötzlich Respekt vor der Privatsphäre der Opfer entdeckt. Sie hat beschlossen, dass schlechte Nachrichten keine Nachrichten sind.
Google verliert die Leute, die die Zukunft gebaut haben

Google hat Milliarden. Eigene Chips. Eigene Rechenzentren. Die größte Forschungsarmee der Branche. Und trotzdem passiert gerade etwas, das in diesen Firmen fast mehr Angst auslöst als ein schlechtes Produkt. Die Leute gehen. Mit Jonas Adler und Alexander Pritzel wechseln zwei weitere wichtige Entwickler zu Anthropic. Keine Leute aus dem Marketing. Sondern Leute aus dem Maschinenraum. Adler arbeitete an Programmierwerkzeugen für Gemini. Pritzel an der Ausbildung der Modelle selbst. Das sind die Stellen, an denen entschieden wird, ob aus einer Idee ein Produkt wird oder eine Ausrede.
Vor wenigen Tagen ging bereits Nobelpreisträger John Jumper. Noam Shazeer wechselte zu OpenAI. Jetzt folgen weitere Namen aus demselben Umfeld. Google sagt: normaler Markt. Viele Wechsel. Passiert überall. Aber wenn die Bewegungen fast nur in eine Richtung laufen, stellt sich irgendwann eine unangenehme Frage. Warum gehen Leute aus einem Konzern mit praktisch unbegrenzten Mitteln zu kleineren Firmen? Die Antwort könnte unangenehm sein. In diesem Geschäft zählt nicht mehr nur, wer die meisten Server besitzt. Es zählt, wer entscheiden darf, was auf ihnen gebaut wird.
Nach Berichten kam es vor einem Abgang sogar zu Streit um Rechenleistung. Kapazitäten wurden umverteilt. Offiziell für bessere Zusammenarbeit. Solche Sätze klingen in Konzernen harmlos. Intern bedeuten sie oft: Dein Projekt ist nicht mehr Priorität. Parallel bereiten sich Anthropic und OpenAI auf Börsengänge vor. Wer früh drin ist, spielt plötzlich nicht mehr um Gehalt, sondern um Vermögen. Eine Zahl bleibt hängen: Mitarbeiter von DeepMind wechseln laut SignalFire fast elfmal häufiger zu Anthropic als umgekehrt. Google verliert nicht seine Gebäude. Google verliert Menschen, die wissen, was man mit ihnen anfangen kann.
30 bis 70 Jahre Gefängnis für einen Karton Zeitschriften

Daniel Sanchez Estrada war nicht beim Protest. Er hat niemanden angegriffen, keine Waffe getragen, kein Eigentum zerstört. Er hat nach der Verhaftung seiner Frau einen Karton mit antifaschistischen Zeitschriften weggeräumt. Dafür hat ein Bundesrichter in Fort Worth, Texas, ihn am Dienstag zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Frau Maricela Rueda, die ihn gebeten hatte, den Karton wegzubringen, bekam 70 Jahre. Benjamin Hanil Song, der einzige Angeklagte, dem vorgeworfen wird, tatsächlich auf einen Polizisten geschossen zu haben, erhielt 100 Jahre. Autumn Hill, Savanna Batten, Zachary Evetts, Meagan Morris und Elizabeth Soto bekamen je 50 Jahre – für ihre Teilnahme an einer Lärmdemonstration mit Feuerwerk vor dem Prairieland Abschiebezentrum in Alvarado am 4. Juli 2025.

Die Urteile übersteigen jeden Strafrahmen, den Teilnehmer des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar 2021 erhalten haben. Die Jury hatte die Angeklagten im März unter anderem wegen materieller Unterstützung des Terrorismus verurteilt – mit der Begründung, dass sie alle Schwarz gekleidet waren und die verschlüsselte Anwendung Signal benutzt hatten. Richter Reed O’Connor, ein Kandidat von George W. Bush, und Richter Mark Pittman, ein Kandidat Trumps, wendeten verschärfte Strafrahmen für Terrorismusdelikte an, obwohl selbst Pittman während des Verfahrens öffentlich bezweifelt hatte, ob er Antifa überhaupt in seinen Hinweisen an die Geschworenen erwähnen müsse. Natürlich wird man alles unternehmen, um dieses Unrecht zu korrigieren, auch trafen wir uns bereits alle bei der ACLU, der American Civil Liberties Union, einer der bekanntesten Bürgerrechtsorganisationen der USA, die sich juristisch für Grundrechte und Freiheitsrechte einsetzt.
Die rechtliche Grundlage für die verschärfte Verfolgung kam im September 2025, nach der Tötung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk. Trump erließ daraufhin per Dekret die Einstufung von Antifa als inländische Terrororganisation und das Präsidialmemorandom NSPM-7, das eine breitere Repressionswelle gegen linke Aktivisten anordnete. Das Justizministerium bezeichnete die Urteile vom Dienstag als ersten Erfolg dieser Direktiven. FBI-Direktor Kash Patel hatte den Fall bereits im Oktober öffentlich als prioritär markiert. Seitdem laufen weitere Anklagen, zuletzt gegen 15 Personen in Minnesota.
Wir werden über diesen Fall in den kommenden Wochen ausführlich berichten. Im Moment hat jedoch Vorrang, jede notwendige Unterstützung zu leisten. Erste Berufungen wurden bereits angekündigt beziehungsweise vorbereitet, während die weiteren bereits Recherchen angelaufen sind – denn jetzt kann jede Information entscheidend werden.
